Schlaftherapie – Was wirken Verhaltenstherapie oder Wundermittel?

Zum gesunden Schlaf gibt es unzählige gutgemeinte Ratschläge.
Nachdem wir uns im letzten Artikel die fundamentale Bedeutung des Schalfes f√ľr unsere mentale und physische Gesundheit bewusst gemacht haben, geht es¬†in diesem Artikel es um die verschiedenen Methoden, seinen Schlaf in den „Griff“ zu bekommen. Sehr vieles wird bereits auf anderen Internetseiten vorgeschlagen,¬† selten jedoch werden die angepriesenen Methoden auch nur ann√§hernd miteinander verglichen. Teilweise finden sich so abstruse Theorien, wie zum Beispiel die Temperatur im Schlafzimmer auf 14 Grad Celsius senken zu sollen. Das Zimmer auf unter 19 Grad Celsius abzuk√ľhlen, ist nirgendwo in der Fachliteratur besprochen und kann sogar gesundheitssch√§dlich sein, wenn man sich dazu nicht entsprechend sensibilisiert hat. Beim Thema Schlafforschung verh√§lt es sich oftmals¬† so, dass viele Blogs und Online-Magazine von √§hnlichen Seiten kopieren, jedoch selten die tats√§chlichen Quellen recherchieren. So habe ich zur Frage des Schlafes das Standardwerk von Dementis im Hinblick auf die Schlafmethoden studiert. Deswegen bin ich zwar noch kein Experte, sehe aber immer h√§ufiger, wie gutgemeinte Ratschl√§ge erteilt werden, die tats√§chlich jedoch √ľberhaupt keine Grundlagen haben.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Schlaf | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Bewusster Schlafen – Warum Schlafen im Leben am wichtigsten ist

70 Prozent sinkt die Sterblichkeitsrate von Teenagern, wenn die Schule um 8:55 anstatt um 7:30 beginnt. Schon das Abstract der
dreij√§hrigen Studie mit 9000 Sch√ľlern liest sich deshalb sehr spannend:

  • 60 Prozent der Sch√ľler konnten mindestens 8 Stunden schlafen
  • Teenager mit weniger als 8 Stunden Schlaf hatten h√§ufiger Depression, h√∂heren Kaffeekonsum oder konsumierten eher Drogen
  • Zensuren in Mathematik, Englisch und Sozialwissenschaft wie auch die Performance im nationalen Eignungstest zeigten signifikante Verbesserung
  • Zu guter letzt reduzierte sich die Anzahl der Autounf√§lle dramatisch

Wenn wir es also mit unseren Kindern gut meinen, dann kann ein fr√ľher Schulstart nicht das Ziel sein.

Goya-Capricho-43
Meine Schulzeit

Warum aber schreibe ich √ľber Schlaf? Pers√∂nlich bin ich wirklich kein Schlafexperte. Als Kind war ich lange auf, bin st√§ndig √ľberm√ľdet zur Schule. Ich habe bis in die Nacht irgendwelche Serien geschaut. H√§ufig prahlten Freunde, dass sie nur 6 Stunden schlafen w√ľrden. In meiner Schulzeit war es noch angesagt, eine Nacht durch zumachen und Parties in meinen 20ern haben ohnehin niemals vor 22 Uhr begonnen. An der Universit√§t habe ich mir die Kurse zwar in den Nachmittag gelegt, aber dennoch kam ich oftmals √ľberm√ľdet dort an. Damals habe ich mich noch gefragt, welche Schlafform am besten w√§re. In einem faszinierenden Experiment versuchte Steve Pavlina sein Schlafpensum auf 2 Stunden zu dr√ľcken, indem er alle 4 Stunden 20 Minuten schlief. Auch das beeindruckte mich. Schlaf erschien als etwas, dass wir trainieren k√∂nnten.¬†Als ich dann sp√§ter an der Universit√§t morgens um 8 Uhr unterrichten musste, habe ich die Stunden irgendwie im Halbschlaf rumbekommen. In Taiwan bin ich mittags nach Hause um den mangelnden Schlaf nachzuholen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Motivation, Schlaf | Hinterlasse einen Kommentar

Was ist Bildung in der Zukunft und was ist Intelligenz? (5 Punkte am Mittwoch)

Ziel nach meiner Dissertation ist es jede Woche 5 interessante Links zum Thema „Lernen“ zusammenzutragen. Etwas ambitioniert, da ich √§hnliches im Bereich „Philosophie“ versuche. Nach meiner Dissertation suche ich auch nach neuen Gedanken, die uns mehr √ľber die Zukunft sagen, Gedanken, die noch nicht gedacht sind.

2. Die Zukunft der Bildung

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Genie, Intelligenz steigern | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Dissertationsverfahren abgeschlossen, Fragen zur Intelligenz und Bullet Journals (5-Bullet-Monday)

1. Was ist zuletzt passiert?

Mein Dissertationsverfahren zum Thema „Semantischer Realismus und Geschichtlichkeit“ (Semantic Realism and Historicity) ist abgeschlossen. Mein Professor meint, dass das resultierende Buch in einem guten Verlag unterzubringen sei, was bedeuten w√ľrde, dass meine Ansichten zur Epistemologie und zur Spaltung zwischen analytischer und kontinentaler Philosophie in vielen Bibliotheken der Welt erscheinen w√ľrden.

Pittsburgh ist in der Zwischenzeit zur Nummer 1 im Bereich „Philosophie“ aufgestiegen und ich bin ganz froh √ľber die Pittsburgh School und ihr Verh√§ltnis zur Spaltung (Divide) geschrieben zu haben. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Intelligenz steigern, Lernen lernen | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Von der Macht des Gebens: Adam Grants „Givers and Takers“ und sein altruistischer Ansatz f√ľr Erfolg

Welche Seite ist stärker in dir? Die dunkle Seite der Macht oder die helle? Folgendes Experiment:

Nehmen wir an, du bekommst Geld. Ja einfach so. Nicht viel und da ist eine Bedingung. Nichts schlimmes, aber du musst das Geld mit einem dir Unbekannten teilen. Du wirst diesen Unbekannten niemals sehen. Alles, was du tust, wird keine Auswirkungen auf dich haben und nat√ľrlich kennst du den Unbekannten nicht. Du musst nur mit ihm teilen und die Frage ist welche von den drei folgenden Optionen w√§hlst du?

A) Du bekommst 7 Euro und der Unbekannte bekommt 4 Euro
B) Du bekommst 5 Euro und der Unbekannte ebenfalls 5 Euro
C) Du bekommst 4 Euro und der Unbekannte bekommt 8 Euro

Nun, du hast dich entschieden und das ganze bestimmt welche Art Mensch du bist. Vielleicht zeit es nicht an, wie du dich in allen Fällen entscheidest, aber es zeigt eine Tendenz. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Persönlichkeitsentwicklung | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

E-Pianos leisten mehr als Klaviere – Welches E-Piano kaufen? Wie mit Musik kosteng√ľnstig beginnen?

Mein Klavier kostete zunehmend mehr und schlie√ülich klappte es ab. Statt einem neuen Klavier, habe ich mir jetzt ein E-Piano gekauft. Viele meiner Musikerfreunde zucken dabei kritisch mit der Augenbraue. E-Pianos sind jedoch keine billigen Kopien von Klavieren. F√ľr Expertenohren l√§sst sich der Wohnzimmerklang eines guten E-Pianos kaum mehr von wirklich guten Fl√ľgeln unterscheiden. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Intelligenz steigern | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Du musst dein Leben ändern, du musst Klavierspielen. Warum Persönlichkeitsentwicklung durch Musizieren am effizientesten ist.

<

Im letzten Artikel sprachen wir ja bereits √ľber die Frage der Pers√∂nlichkeitsentwicklung und bis zu welchem Alter dies m√∂glich sein sollte. Nun ist nat√ľrlich klar, dass t√§gliche Routinen diese Ver√§nderung am Besten bewerkstelligen, denn¬†nach Studien der Duke University machen Gewohnheiten circa 40 Prozent unseres Tages aus (Habits: A Repeat Performance¬†by David T. Neal, Wendy Wood, and Jeffrey M. Quinn). Sloterdijk, der uns als Gewohnheitstier sieht, spricht gar von 99,9 Prozent. Das Leben ist Wiederholung. Es gibt so gut wie nichts, dass wir nicht irgendwie einge√ľbt h√§tten: Laufen, Essen, sogar Schlafhygiene oder fr√ľh Aufstehen sind Dinge, die auf Autopilot funktionieren k√∂nnen. In diesem Sinne muss dauerhafte Entwicklung √ľber Gewohnheiten geschehen.

Exp Wachstum

Auf einigen Seiten hei√üt es immer wieder, dass 1 Prozent Verbesserung pro Tag, am Ende eine 37-fache Selbststeigerung bedeute. Verbesserung soll also nicht t√§glich auf ein Ma√ü festgelegt sein, sondern von Vorhandenem ausgehen. Dieses hei√üt auch im Fachjargon "Kaizen". Nat√ľrlich setzt es voraus, dass wir uns nicht in schlechte Verhaltensmuster zur√ľckfallen lassen, und nat√ľrlich auch dass Wachstum in diesem Sinne keine Grenzen hat. Zun√§chst bleibt das Argument daher leer, denn Ver√§nderung ist keine Formel, sondern eine sehr weit gefasste Aufgabe f√ľr ein gelungenes Leben. By MarianneBirkholz (Own work) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Aber wie sich am besten ver√§ndern? Wir hatten ja hierzu im letzten Artikel den Fall eines M√∂rders besprochen, der nun nach 20 Jahren Ver√§nderung ein Yoga-Studio in Stralsund leitet. Zu der Frage der Pers√∂nlichkeitsentwicklung gibt hier nat√ľrlich sehr viele Websiten, aber trotz der vielen Informationen Erfolg kommt von einem Gehirn, das leider sehr tr√§ge sein will. Ver√§nderung passiert in kleinen Schritten t√§glich und die sind mit unter sehr schwer zu machen. Wir beginnen daher mal mit einem klassischen Argument:¬†Gem√§√ü Aristoteles muss nun, wer mutig sein will, sich Situationen aussetzen, die Mut erfordern (Nikomachische Ethik). Daraus k√∂nne wir analogisch ableiten: Wer besser sein will, muss sich Situationen aussetzen, die Verbesserung erfordern. Und wo k√∂nnen wir diese Verbesserung am ehesten herbeif√ľhren? Auch hier schauen wir in die klassische Erziehungslehre. Nach Platon gehen zun√§chst der K√∂rper und die musikalische Bildung dem Aufstieg aus der H√∂hle zur Sonne voran (die Sonne ist die Selbstaktualisierung nach Masslow’s Bed√ľrfnispyramide siehe Artikel dazu hier),¬†

Ich denke nun auch, dass ein Musikinstrument zu erlernen, ein gutes Modell f√ľr die Selbstverbesserung darstellt. Warum? Sobald man geringf√ľgiges Wissen erworben hat, kann man sich in Zirkeln engagieren, die es genau darauf anlegen, am Instrument besser zu werden und man kommt mit Menschen in Kontakt, die vielf√§ltige Interessen haben, wobei es ihnen h√§ufig um positive Charakterentwicklung geht (vor allem im klassischen Bereich). Aber bringen wir noch ein paar andere Daten ins Spiel:

Musik ist ein intellektuelles Gesamt-Work-Out

Bei der Pers√∂nlichkeitsentwicklung bedeutet ein Musikinstrument ein komplettes Work-Out f√ľr den gesamten intellektuellen Organismus. Die Vielschichtigkeit der Musikpraxis erreicht kein anderes Interesse. Musizieren hat Effekte auf die Gesundheit, wirkt zu Teilen wie ein physisches Training auf den K√∂rper, verbessert die Intelligenz als auch die emotionalen F√§higkeiten. Wer sich also verbessern will, der sollte damit beginnen, ein Instrument zu erlernen und es auch m√∂glichst fr√ľh seinen Kindern nahe legen. Nat√ľrlich entspricht dies nicht meiner gesamten Konzeption des Lernens, denn Lernen zeichnet sich durch ein komplexes Netzwerk von t√§glichen Routinen aus. Ich behaupte aber, dass Musik einer der zentralen Punkte unseres Lebens sein sollte. Warum?

Ich selbst spiele seit vielen Jahren Klavier und werde regelm√§√üig gefragt, ob ich professioneller Pianist sei. Das verneine ich immer mit einem sch√ľchternen L√§cheln, aber ungeachtet der sozialen Ehrung und pers√∂nlichen Eitelkeit muss ich sagen, dass mich das Musizieren zu einem besseren, vor allem ausgeglicheneren Menschen gemacht hat, und dass es mir wom√∂glich am Meisten im Leben gegeben hat, noch mehr als meine Profession, die Philosophie. Zudem habe ich so viele Freunde durch die Musik kennengelernt wie zum Beispiel meinen besten Freund Kiril Stankow. Nach Maslows Bed√ľrfnispyramide erf√ľllt Musik alle Punkte und kann uns, wenn wir es denn erlernen, bis zur Selbstaktualisierung bringen. Schauen wir uns aber auch ein paar Studien hierzu an.

Woher wissen wir, was uns intelligenter macht?

Die letzten 20 Jahre bedeuten eine wissenschaftliche Revolution. Da Daten nun mittels des Internets geteilt werden, hat sich ein dichtes Netz von Studien ergeben, wonach nun der Einfluss von Musik auf die Bildung genauer bestimmt werden kann. Auch die Neurowissenschaft hat hierauf starken Einfluss genommen. Bevor sich diese beiden Felder entwickelt hatte, war dieser Einfluss von Musik oftmals nur sehr ungenau bestimmt. Im Folgenden werde ich die wesentlichen Fakten des Einflusses des Musizierens auf unsere Intelligenz darlegen und mit zunehmender Komplexit√§t auflisten. Ich empfehle dabei, soweit zu lesen, wie es sinnvoll erscheint, es ansonsten als gute Basis f√ľr Argumente zu nutzen. Zu den Konsequenzen komme ich weiter unten. Reicht also die Geduld nicht aus, um sich durch die detaillierten Ergebnisse zu w√ľhlen, empfehle ich ruhig zum Ende vorspringen.

Kurzfakten:

  1. Musizieren hilft bei feinmotorischer Entwicklung, emotionaler Entwicklung Aufmerksamkeit, Angstmanagement, emotionaler Kontrolle (Studie, Magnetic Resonance (MRI) Study of Normal Brain Development)
  2. Nach einer MIT Studie ist der Cerebral Cortex von Konzertpianisten 30 Prozent größer als der von anderen Menschen, die als intellektuell bezeichnet werden (child.http://www.keynotespianostudio.com/Tallahassee_Piano_Lessons/benefits-of-piano-study/)
  3. 75% aller Manager im Silicon Valley hatten Instrumentalunterricht als Kind (child.http://www.keynotespianostudio.com/Tallahassee_Piano_Lessons/benefits-of-piano-study/)
  4. Lesen bedarf verschiedener F√§higkeiten wie Rhythmus und Z√§hlen, was insgesamt der mathematischen F√§higkeit helfen kann. So zeigen Studien auch , dass Musiksch√ľler h√§ufiger besser in der Schule sind¬†(Quelle: Friedman, B. (1959) An evaluation of the achievement in reading and arithmetic of pupils in elementary schools instrumental classes. Dissertation Abstracts International, 20, pp.s 3662-3663.)¬†http://www.effectivemusicteaching.com/articles/directors/18-benefits-of-playing-a-musical-instrument/
  5. Musizieren verbessert Testscores, (nach Studien der University Texas und Georgia gibt es signifikante Korrelationen zwischen der Anzahl der Jahre, in denen ein Musikinstrument gespielt werde und den akademischen Leistungen in Mathematik (University of Sarasota Study, Jeffrey Lynn Kluball; East Texas State University Study, Daryl Erick Trent) 
  6. Ebenso verbessert Musizieren die Sprachfähigkeiten  (Quelle weiter unten)
  7. Musizieren¬†kehrt Stress auf der molekularen Ebene um. Zitat: „It can reverse stress at the molecular level.“¬†(Studies conducted by Loma Linda University School of Medicine and Applied Biosystems; Medical Science Monitor)¬†
  8. Musizieren beeinflusst unsere Hormone positiv. ¬†Zitat: „[…] group keyboard lessons showed significantly higher levels of HgH than the control group people who did not play.“¬†(University of Miami) Quelle:¬†http://www.laphil.com/sites/default/files/media/pdfs/shared/education/yola/susan-hallam-music-development_research.pdf
¬†Konkretere Fakten Argumentationen nach: The power of music: its impact on the intellectual, social and personal development of children and young people“ von Susan Hallam, Institute of Education, University of London Executive
Da Klavierspielen eine sehr komplexe F√§higkeit ist, hat es positive Effekte in vielen Bereichen. Wichtig ist festzuhalten: Einige F√§higkeiten werden von unserem Gehirn auch automatisch f√ľr andere Bereiche genutzt, andere Bereiche bed√ľrfen Reflexion. Viele Lernprozesse laufen allerdings unbewusst ab und hier ist es wichtig, eine gute Strategie zu haben und nichts erzwingen zu wollen.¬†Aus diesem Grund ist auch ein gutes, kritisches Coaching wichtig.
Im Folgenden finden sich einige Fakten, die ich nach Hallam zusammengetragen habe. Das Dokument ist wirklich sehr dicht und weist viele Studienergebnisse nach. Um das ganze noch detaillierter anzugehen, empfehle ich, dort nachzuschlagen (der Text ist allerdings auf Englisch)
Wir trainieren mit Musik auch unsere Sprache
Nach Hallam teilen Wahrnehmung, Sprache und Lesefertigkeiten sowie Musik viele Prozesse und wirken daher wechselseitig aufeinander ein. Aktives Musiktraining erh√∂he daher die Aufnahmebereitschaft im linguistischen Bereich. 8-j√§hrige mit nur 8 Wochen musikalischem Training zeigten hier bereits Verbesserung in der Wahrnehmung mit Kontrollgruppen. Was trainiert werde ist die „phonemische Bewusstheit“.
Ich kann dies aus meiner pers√∂nlichen Erfahrung best√§tigen, ich bekomme immer wieder Komplimente f√ľr meine sehr korrekte Aussprache im Chinesischen, sicher auch ein Resultat meiner musikalischen Ausbildung.
Hallam argumentiert weiter: Ein Instrument zu erlernen, verbessert die F√§higkeit W√∂rter zu erinnern durch eine Vergr√∂√üerung der linken „cranial temporal regions“. Musikalisch trainierte Teilnehmer konnten so 17% mehr verbale Informationen aufnehmen. Auch hier kann ich auf meine pers√∂nliche Erfahrung zur√ľckkommen, da mir bereits nach meinen ersten Aufenthalten in Amerika eine sehr gute Englische Sprachf√§higkeit bescheinigt wurde und das obwohl ich in der Schule wirklich nicht zu den gro√üen Leuchten geh√∂rte. Ich denke, dass mich vor allem hier die Musik positiv beeinflusst hat.
Musiker sind größer UND intelligenter 
Desweiteren konnte in 15 Studien festgestellt werden, dass es eine starke vertrauensw√ľrdige Verbindung (‚Äėstrong and reliable)‚Äô von 2,54 cm K√∂rpergr√∂√üenunterschied zu Gunsten der Musiker g√§be.¬†Nach einer Studie die Theater- mit Musikunterricht verglich, hatten die Sch√ľler der Theatergruppe einen durchschnittlich h√∂heren IQ um 4,3 Punkte, w√§hrend Kinder der Musikgrupe um 7 Punkte h√∂her abschnitten.¬†Zwei national repr√§sentative Studien in den USA mit 45.000 Kindern konnten weitere Zusammenh√§nge verdeutlichen:¬†H√∂here Kreativit√§t, besonders wenn das Spielen des Instruments Improvisation enthielt – erh√∂hter Selbstwert, Durchhalteverm√∂gen, um Frustrationen zu √ľberkommen, und Selbstdisziplin sind nur einige der Ergebnisse. Im Weiteren hat die Teilnahme in Musikgruppen Freundschaften gef√∂rdert, soziale F√§higkeiten, soziales Netzwerken, Teamwork, einen Sinn der Dazugeh√∂rigkeitund erh√∂hte Konzentration. Und auch hier muss ich sagen, die meisten meiner Freunde in Pittsburgh kommen aus dem musikalischen Umfeld.
Musizieren wirkt schnell
Der Einfluss von Musik macht sich zudem sehr schnell bemerkbar. 25 Minuten Musiktraining f√ľr 7 Wochen ergab bereits h√∂here Gehirnaktivit√§t bei 4 bis 6 j√§hrigen. Nach Haley (2001) zeige sich, dass Studenten, welche vor dem vierten Schuljahr mit Musizieren begannen, bessere Resultate in Musik aufwiesen; insbesondere die Tasteninstrumente schnitten hier besser ab¬†
Auswirkungen auf die Schulleistung: Es sind nicht nur die besseren Sch√ľler, die ein Instrument lernen, sondern das Musizieren macht sie besser.
Nach einer Studie von Morrison (1994) von 13.000 Studenten zeigte sich, dass High-School-Students bessere Noten in Matehmatik, Geschichte und anderen Wisssenschaften hatten.¬†Nat√ľrlich ist die Frage, die sich den wissenschaftsgeneigteren Lesern aufdr√§ngt, ob der Einfluss nicht durch die Musik, sondern durch die Eltern kommt oder aber, ob bessere Sch√ľle eher dazu tendieren ein Instrument zu lernen. Hierzu wurde eine Studie durchgef√ľhrt: Nach Southgate and Roscigno ¬†(2009) ist das Engagement in Musik zwar von den Eltern abh√§ngig, aber auch nachdem der Einfluss der Eltern einbezogen wurde, zeigen sich immer noch die positiven Einfl√ľsse von Musik.
 
Musik ist die höchste Form der Kunst
Musik im Vergleich mit Visual Art f√ľhrte zu h√∂herer Kreativit√§t. Umso h√∂her die Anzahl der Musikstunden, desto h√∂her war die Kreativit√§t (Hamann et al., 1991). Andere Studien betonen auch den Bezug zum kritischen Denken (NACCCE, 1999).¬†Gerade Improvisation half signifikant beider Entwicklung des Kreativen Denkens.¬†Broh (2002) zeigte ebenso, dass Musiksch√ľler mehr mit ihren Eltern und Lehrern reden. Auch die Eltern sprachen vermehrt mit befreundeten Eltern.¬†Das resultierende h√∂here Selbstwertgef√ľhl war auch assoziiert mit gr√∂√üerem Erfolg in der Schule.¬†In Studien aus der Schweiz fand man heraus, dass eine Erh√∂hung des Musikunterrichts keine negativen Effekte in Sprachen oder Lesefertigkeiten hatte, gegeben durch die reduzierte Stundenzahl in den anderen Bereichen.
Z√§sur: Es gibt hier derartig viele Resultate und wir √ľberspringen die emotionalen Einfl√ľsse, dazu kommen wir n√§mlich noch am Ende. Interessant sind aber auch die Effekte auf physische Entwicklung und Gesundheit, sowie das Gl√ľcksempfinden.
Mit dem Musizieren verbesserte sich auch das¬†Werfen, Fangen und Springen. vor allem wenn Kinder in Programmen teilnahmen, die Rhythmus enthielten.¬†Bekannterma√üen ergeben sich aus¬†dem Singen viele positive Einfl√ľsse auf die Lungenfunktion, aber auch das Wohlebefinden, Entspannung und soziale Kontakte verbesserten sich¬†(Clift and Hancox, 2001).¬†Clift und Hancox fanden auch positive Ergebnisse f√ľr das Immunsystem und das Herz heraus. Clift et al. (2008)
Nach Parr (1985) w√ľrde Musizieren auf das Herz wirken wie ein flotter Spaziergang. Die Sterblichkeitsraten in Gesellschaften, die sich st√§rker auf Musik konzentrieren, sind angeblich¬†sogar geringer. (Bygren, Konlaan & Johnansson, 1996; Konlaan, Bygren and Johansson, 2000; Johansson, Konlaan and Bygren, 2001; Hyyppa and Maki, 2001). Und das Musik der Entspannung hilft, brauchen wir wohl nicht erw√§hnen. Mir sind auch noch Dokumentationen im ‚Ohr‘, die betonten, dass aktive Musiker seltener zu Alzheimer neigten, oder dass Alzheimer hier besser kompensiert werden konnte. Wen das alles nicht √ľberzeugt, der kann sich das folgende Video anschauen (und dabei gleich ein bisschen English lernen).
Dies sind also die bisherigen Effekte des Musizierens und die Studien (auch wenn mitunter nicht ganz klar) legen nah, dass Eltern, die ihren Kindern, die besten Chancen erm√∂glichen wollen, auch √ľber die richtige musikalische Ausbildungen nachdenken sollten. Der beste Grund aber, warum wir Musik machen sollen, ist nicht der Leistungsanspruch. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Musik Menschen zusammen bringt, Menschen, die Sinn in einer produktiven T√§tigkeit finden. In der Musik kann man Freunde finden, das ist mir in meinem Leben h√§ufig gegl√ľckt. Hierbei geht es nicht unbedingt darum, der Beste zu sein und wie oftmals beim Sport darum, sich hervor zu tun, sondern sich mit anderen gemeinsam an einem gro√üen Werk zu versuchen. In diesem Sinne verspricht Musik einen idealen Beginn in der Pers√∂nlichkeitsentwicklung. Aber auch dies sind nur extrinsische Gr√ľnde, der einzige Grund, den ich anmerken kann: Es macht mir Spa√ü am Klavier zu sitzen und zu √ľben, zu sehen, wie ich mich verbessere und von Zeit zu Zeit, Musik, die ich selbst produziere zu genie√üen. Es macht mir auch Spa√ü, dieses weiterzugeben. In Pittsburgh habe ich einen Hochzeitsmarsch komponiert, der nun auf immer mehr Hochzeiten gespielt wird. Das ist sch√∂n und letztes Wochenende habe ich auf einer Talentshow gespielt, wonach mich viele Leute danach auf das St√ľck angesprochen haben und sehr begeistert waren. Und es geht noch sentimentaler: Eine meiner Freundinnen weint gerne, wenn sie Klaviermusik h√∂rt :)
Und wie geht es jetzt weiter? Es beginnt wohl damit, ein Musikinstrument zu kaufen, einen engagierten, guten Musiklehrer zu finden und auch seine Kinder zum Musikunterricht anzumelden. Klavier ist √ľbrigens meine Empfehlung, weil es in allen Musikbereichen integrierbar ist, Flexibilit√§t erm√∂glicht und vor allem auch immer eine T√ľr zum klassischen Bereich aufh√§lt (es ist allerdings kein Muss). Gitarren sind transportabler, aber neuste Stage-Pianos sind auch leicht woanders unterzubringen und haben noch sehr hohe Qualit√§t. Nat√ľrlich sind Klaviere teuer, hier in Pittsburgh habe ich mir jetzt gerade erst ein Yamaha P-45¬†gekauft, nachdem unser Klavier abgeklappt ist (spart auch die 200 Dollar stimmen j√§hrlich und an Fl√ľgeln kann ich an der Uni √ľben).

Das ist E-Piano sehr g√ľnstig, hat ein paar Limitierungen im k√ľnstlerischen Ausdruck, aber das Preisleistungsverh√§ltnis ist unschlagbar. F√ľr Anf√§nger kann es meines Erachtens keine andere Empfehlung geben, denn nach 3 Jahren ist das Geld schon wieder drin, weil man es nicht f√ľr das Stimmen eines Klavieres ausgegeben hat. Ich setze mich mal hin und werde einen Artikel √ľber E-Pianos schreiben, denn auch unter Profis sind diese noch sehr untersch√§tzt.

Wenn ihr keine weiteren Beitr√§ge verpassen wollt und mir weiter folgen wollt,¬†dann solltet ihr in den¬†E-mail-Verteiler schl√ľpfen (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). Ihr¬†k√∂nnt mich auch bei¬†Google+¬†adden,¬†oder der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts beitreten.¬†Ein¬†RSS-Feed¬†f√ľr die progressiven Internetnutzer ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Frohe Weihnachten, Norman Schultz, Pittsburgh, Dezember 2015

Veröffentlicht unter Intelligenz steigern, Lernen lernen | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Verändere dich РWie am Besten?

In diesem Artikel geht es um einige Aspekte der Selbstveränderung. Ich folge hierbei keiner genauen Struktur, wer allerdings mitliest, kann einige neue Aspekte zur Persönlichkeitsentwicklung finden, die meines Erachtens so noch nicht anderer Stelle diskutiert werden. Am Ende komme ich auf mein Ziel, Klavier zu lernen, zu sprechen.
Als Dieter Gurkasch, selbst Gewaltverbrecher, auf der Intensivstation erwachte, empfand er nichts mehr von all dem Zorn, all der Wut, all der Verlassenheit. Nach einer Schie√üerei mit der Polizei und einer gef√§hrlichen Schussverletzung im R√ľcken, an der Grenze zum Tod hatte sich etwas in dem brutalen Gewaltverbrecher ge√§ndert (Quelle).12 weitere Jahre Gef√§ngnis f√ľr einen Raub√ľberfall und dies nach einer bereits verb√ľ√üten Gef√§ngnisstrafe von 11 Jahren wegen eines Raubs mit Todesfolge des Opfers sollten ihn schlie√ülich ganz ver√§ndern. 12 Jahre Zeit nun auch wirklich ein anderer zu werden (titelbild: By Felix Burton (Flickr) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons).
„Wir selbst sind zu einem wesentlichen Bestandteil Ver√§nderung“ (Alfred Eisleben)

Wie entwickeln wir uns? K√∂nnen wir uns bis ins hohe Alter ver√§ndern, lernen? Die allgemeine Auffassung verliert sich hier in der Ratgeberliteratur, den endlosen Botschaften von der Kraft des Willens. Die Gegenwart hat sich in einen Selbstentwicklungsoptimismus hineingesteigert, wobei das gl√ľckliche Leben im endg√ľltigen Sieg √ľber eine minderwertige Hunderasse erreicht werden soll. Der Kampf mit dem Schweinehund, mit der dunklen Seite der Macht in uns, ist unsere Seele geworden. Nachdem wir das Moralgebot dieses Kampfes internalisiert haben und unsere Aggressionen in uns einsickern lassen haben, m√ľssen wir alles Potenzial gegen den Gegner als Selbst richten. In uns sind wir dem Feind ganz nah, dem Schweinhund, dem schlechteren Selbst. Was in archaischen Gesellschaften die Unterdr√ľckung durch den K√∂nig war, ist in modernen Gesellschaften die Selbstunterdr√ľckung durch Produktivit√§t geworden.

„Ver√§nderung ist Aufstieg von den niederen Bed√ľrfnissen zum h√∂heren Geist“ (Alfred Eisleben)

Was also bedeutet Entwicklung die dieser Leistungsdynamik entkommt? Entgegengesetzt der g√§ngigen Meinung entwickeln sich Menschen nicht nur in ihrer Kindheit. Wir k√∂nnen uns bis zum Alter von 50 ver√§ndern, danach bleibe unsere Pers√∂nlichkeit allerdings stabil. Ver√§nderung selbst – jedoch nicht notwendig nach moralischen Geboten – ist unser Weg. Ein Weg, der aufw√§rts und abw√§rts f√ľhren kann.

Bei Ver√§nderung kommt es nun darauf an, die Maslow’sche Bed√ľrfnispyramide wirklich zu verstehen, denn wir sollten bei aller Ver√§nderung die Maslow’sche Bed√ľrfnispyramide aufw√§rts steigen.

MaslowsHierarchyOfNeeds

Erf√ľllung aller Sehns√ľchte liegt in der Selbstaktualisierung, eine letzte Stufe die bereits Platos Aufstieg aus der H√∂hle zur Sonne symbolisierte. Wichtig aber ist, dass wir, bevor wir diese Selbstaktualisierung erreichen, n√§mlich ein Gut, dass unbegrenzt zur Verf√ľgung stehen kann und deswegen erf√ľllt, dass wir hiervor die Fallen der Selbstentwicklung verstehen: Wer einen Baustein erreicht, ist ungl√ľcklich und will zum n√§chsten. In diesem Sinne sollten wir uns h√ľten, etwas f√ľr das Ziel unseres Gl√ľckes zu erkl√§ren, ohne es vorher bereits zu kennen. Haben wir unsere materiellen Bed√ľrfnisse befriedigt, werden wir sogleich in das n√§chste Bed√ľrfnis nach Materiellem getrieben. Wer sein gesamtes Leben daher darauf ausrichtet, eine bestimmte materielle Grundlage zu erreichen, wird sodann finden, dass sich danach die Sinnfrage um so dr√§ngender stellt. Wer Liebe zum Beispiel im Partner zu finden hofft, wird mit dem Partner an seiner Seite unzufrieden sein, wenn er nicht vorher gl√ľcklich war.

Studien zeigen, dass Lotteriegewinner nach anf√§nglicher Euphorie nicht gl√ľcklicher sind als andere (wobei die Studien viele Schl√ľsse zulassen, warum das der Fall ist). Das Level des Gl√ľcks f√§llt bald wieder auf das Ursprungsniveau zur√ľck.¬†Ganz im Gegensatz geht es bei der Bed√ľrfnispyramide daher darum, die best√§ndige Chance, Dinge zu √§ndern zu erkennen und hierin die eigentliche Aufgabe zu entdecken. Hierin in der Selbstver√§nderung liegt der h√∂chste Punkt unserer Bed√ľrfnisse, n√§mlich ganz wir selbst zu sein, allerdings nicht eine starre Identit√§t, sondern ein Ich zu sein, das in den Bewusstseinsstrom niemals zweimal steigt, sondern als diese Ver√§nderung des Wassers selbst Wasser ist. Was ich meine? Ich kann es nur noch kryptischer ausdr√ľcken:

Seele bleibt ein Wasserwort

Und es ist jene Selbstaktualisierung, die die Seele in ihrem Wesen antreibt, eine Bewegung von ihrem Sein durch ihre Distanzierung als Seiendes zur√ľck zu ihrem Sein (das ist Hegelianismus).

Zur√ľck zu dem M√∂rder Gurkasch: Heute leitet der verurteilte M√∂rder Gurkasch ein Yogastudio in Stralsund. Doch er hatte einen langen Weg der Ver√§nderung hinter sich. Er durchschritt viele Erfahrungen, um zu erkennen, was h√∂heres Gl√ľck bedeutet. Doch dieser Weg war lang und beschwerlich. Hierzu sagt Gerhard Roth:

„In der menschlichen Entwicklung gibt es alles, nur eines nicht: Dass ich mir vornehme, mich zu bessern, und von Stund an ein besserer Mensch bin. Wenn ich mich wirklich bleibend √§ndern will, m√ľssen vor allem die tieferen Schichten ver√§ndert werden.“ (Selbe Quelle)

Das hei√üt, wer Raucher ist, bleibt aller Wahrscheinlichkeit nach Raucher. Das Selbst ver√§ndert sich nur langsam und nur durch t√§glich kleine Routinen k√∂nnen wir ein anderer werden¬†(hier in einem Blogbeitrag nach Prof. Fogg beschrieben). Nach Prof. Foggs Theorie ver√§ndern uns ¬†Kleinigkeiten √ľber die Jahre hinweg und lassen uns wachsen. Daher muss die Ver√§nderung nicht √ľber gro√üe Ziele erschlossen werden, sondern √ľber Planung und kleine Schritte. Jeder, der ein Instrument spielt, wei√ü, dass Lernen zumeist nicht aus Erleuchtungsschritten und Aha-Erlebnissen besteht, sondern auch Konsequenz in der t√§glichen, kleinen Selbstver√§nderung bedarf.

„Das Gehirn ist kein tr√§ger Stein, der mit Sicherheit auf sein Ziel zusteuert. Wir leben mit diesem Gehirn in unserem Kopf und k√∂nnen es ver√§ndern.“ (Avid Graf)

Es gibt allerdings auch noch eine andere Seite. Wir m√ľssen auch bedenken, wenn Roth von der Tr√§gheit unseres Gehirnes ausgeht, so macht er dies aufgrund von Schl√ľssen, die empirischen Quellmaterial entspringen. Sein Schluss ist induktiv. Das hei√üt, entgegen Roths Auffassung mag es dennoch individuelle Situation geben, die einen vollst√§ndigen Richtungswechsel erm√∂glichen und die er aufgrund der √ľberw√§ltigenden Anzahl von normalen Studienobjekten nicht sehen kann.Steve Pavlina, einer der erfolgreichsten Personal-Development-Autoren, w√§re ein solches Beispiel. Nach einer Nacht im Gef√§ngnis gab er sich das Versprechen, sein Leben zu √§ndern und machte sogleich zwei Abschl√ľsse innerhalb eines Jahres und leitete nebenbei ein erfolgreiches Computerbusiness.

Sicher bleibt das Gehirn dasselbe, wie Roth eben vermutet, aber der Hebel zur Ver√§nderung legt sich manchmal spontan um und dann werden wir durch t√§gliche Routinen ein anderer. Der zweite Ansatz besteht daher in der Konfrontationstherapie und geht daher √ľber die Schl√ľsse von Fogg und Roth hinaus.

Der Psychologe Birbaumer Quelle kann von vielen solcher Fälle berichten: Ein Mann hatte mehrere schwere Autounfälle, doch nach 30 irrsinnigen Fahrten mit dem Psychologen lernte dieser Mann, dass ihm nichts passiert. Er war partiell geheilt.

Aus Birbaumers Geschichten k√∂nnte man Filme drehen. So nahm er, „wenn n√∂tig“, einen Patienten auch mal mit auf Reisen, schlief mit ihm in einem Bett und kettete ihn mit Handschellen an sich, damit dieser nicht, von seinen √Ąngsten getrieben, abhaute. (Quelle)

Schoktherapien sind Aha-Erlebnisse, die ein ganzes Gehirn schnell restrukturieren k√∂nnen, andere Wege aufzeigen. In diesem Sinne ist es immer g√ľnstig, andere Ans√§tze zu suchen, nicht alles ist stupides Wiederholen. Deswegen muss ein holistischer Ansatz auf beides, Wiederholung und Kreativit√§t zielen. Eine Gesamtstrategie allerdings kostet viel Geduld und Unterst√ľtzung.

Wer den falschen Freundeskreis hat, sich mit Couch-potatos umgibt, die ausbremsen, wird nicht weit kommen (eine Studie zeigt, dass die Veränderung des Lebensstils des Partners auch in uns etwas bewirken kann, andere Studien zeigen aber, dass eher der Partner mit den negativen Eigenschaften auf das Verhalten des Anderen einwirkt). Es ist schwer, dem falschen Partner in negativen Eigenschaften zu widerstehen. In diesem Sinne gehören zu Persönlichkeitsveränderung viele Faktoren und womöglich ist ein Coach wie im Sport unabdingbar (hier ein anderer Artikel von mir dazu).

Das Klavier ist die Nummer 1 unter den Veränderungsdevices

Bei meinem Coaching-Ansatz m√∂chte ich gerne extrinsische Motivationen ausklammern. Hierzu geh√∂ren auch negative Anreize wie Strafen, da h√§ufig nach dem Wegfall der Restriktionen, das Verhalten, schlechter ausf√§llt als zuvor. Langfristig m√∂chte ich allein intrinsische Motivationen entwickeln.¬†Ich will mich daher vorrangig auf den Abbau von Hemmnissen konzentrieren. Hemmnisse sind Dinge, die mich von einem guten Lebensstil abhalten, zum Beispiel, wenn mein Zimmer ungeordnet ist und ich viel Zeit vergeude, mit dem Arbeiten zu beginnen. Hier ist es nat√ľrlich auch eine Frage wie organisiert, der Alltag bereits ist.¬†Dar√ľber hinaus kann es hilfreich sein, zu analysieren, welche intrinsischen Motivationen bereits bestehen und diese zu verst√§rken. Was macht mir wirklich Spa√ü?

Selbstver√§nderung muss schrittweise in intrinsische Ver√§nderung √ľberf√ľhrt werden, nur so werden wir einerseits langfristig gl√ľcklich werden, denn Ver√§nderung ist etwas, was als Ziel selbst immer unabh√§ngig von √§u√üeren Umst√§nden m√∂glich ist und andererseits werden wir nur so Ver√§nderung erreichen. Ver√§nderung wird nicht unmittelbar erreicht, sondern besteht aus vielen Schritten der Vermittlung am Materiellen. Wir m√ľssen die Bed√ľrfnispyramide durchsteigen und so auch erfahren, dass zum wirklichen Gl√ľck auch wirklicher Verlust geh√∂rt. Wer riskiert, kann daher langfristig nur gewinnen. Das allerdings am Rande. Hier geht es mir darum, mein Klavier zu nutzen, denn wer sich in einer Eigenschaft verbessert, so behauptet ebenfalls Prof. Fogg, der verbessert sich gleichzeitig auch in anderen Bereichen.

Ich habe Jahre lang Klavier gespielt und werde immer wieder von Menschen in Pittsburgh gefragt, ob ich professioneller Pianist bin. Ich habe in meinen Kursen auch hin und wieder Musikstudenten, die nat√ľrlich bei Weitem besser sind, aber ich interagiere mit ihnen h√§ufig. F√ľr mein pers√∂nliches Projekt habe ich mich einer Pianogruppe in Pittsburgh von Professoren im Ruhestand angeschlossen und werde langfristig viele Klavierst√ľcke meinem Repertoire hinzuf√ľgen. Klavierspielen bedeutet langsame Ver√§nderung des Gehirns. Und das ist es worauf ich mich konzentrieren muss.

Klavierspielen lehrt uns, dass Veränderung nur in der täglichen Routine erfolgt.

¬†Beim Klavierlernen geht es mir nun vor allem darum klassische St√ľcke zu erlernen, die das Klavier in den Mittelpunkt stellen. Ich spiele im Moment zusammen mit Haruka und Christa das Doppelviolinconcerto von Bach, was wirklich viel Spa√ü macht. Vom Popkulturellen nehme ich im Gegensatz mehr und mehr Abstand. Zumeist kann ich es ohnehin vom Blatt spielen und es sind keine besonderen, musikalischen Linien zu erkennen. Ich wei√ü, das wirkt herablassend, aber wer wirklich in die klassische Musik irgendwann einsteigt, erkennt, wie die klassische Musik um Sprache und Ausdruck ringt und im Vergleich zur Pop-Musik in tiefere Tiefen eintaucht.¬†

Nun, ich sage nicht, dass Pop-Musik immer schlecht sein muss. Auf unseren Parties hier in Pittsburgh ist das immer noch ein wichtiges Element und wir haben viel Freude dabei, aber es geht dabei um den Effekt, in einer vielleicht zu oberfl√§chlichen Kultur? Um einen niederen Teil der Bed√ľrfnispyramide? K√ľrzlich haben wir auf einer Halloweenparty eine „Komposition“ √ľber das Hippiedasein performt, da¬†ich selbst als Hippie „Moon“ verkleidet war. Der Song hie√ü „Oceans of Emotions“. Das war so erfolgreich und offenbar witzig, dass mich Severin, der Co-Founder von Duolingo, glatt f√ľr die Weihnachtsfeier von Duolingo buchen wollte. Ich hielt das nat√ľrlich f√ľr einen Witz, aber er fragte mich drei Tage sp√§ter nochmals. Das macht mich nat√ľrlich ein bisschen stolz. Was will ich aber sagen: Pop-Musik macht Spa√ü, so wie Hot Dogs schmecken und ich niemanden daf√ľr direkt verurteile, aber mentale Gesundheit bekommen wir woanders her genauso wie physische Gesundheit langfristiger gl√ľcklicher macht.

Tatsache f√ľr mich ist, dass es bei Pop-Musik nicht die enormen Entwicklungssch√ľbe gibt, wie bei klassischer Musik. Immer nach den Phasen, in denen ich klassische Musik lernte, konnte ich mit Pop-Musik noch besser umgehen. Ich halte Pop-Musik f√ľr eine Unterforderung unseres Gehirns, es kommt allerdings darauf an, sich zu √ľberfordern. Nun ich werde mich k√ľnftig mehr mit dem Klavierspiel auseinandersetzen und ein E-Piano f√ľr unser Haus besorgen.

Lumosity und Braintrainer helfen nicht

Es sei noch eine Sache angemerkt, warum ich mich auf Klavierspielen fokussiere. In einem Statement von 70 renommierten Neuroforschern heißt es, dass all die angebotenen Braingames nicht die magische Kugel sind, um seine kognitiven Fähigkeiten zu verbessern (Quelle). Nach einer relativ aggressiven Marketingcampagne hatten diese eine wesentliche Verbesserung der Gehirnleistung und so zum Beispiel Schutz vor Alzheimer versprochen. Es kommt allerdings nicht auf einen Schritt an, sondern darauf, viele Veränderungen langfristig ins Visier zu nehmen. Es ist wie bei der Ernährung, es kommt nicht auf eine neu-entdeckte Pflanze an, sondern auf die Gesamtheit der Ernährung. Stattdessen heißt es daher in der Forschung, dass das Erlernen einer neuen Fähigkeit, die Intelligenz am ehesten befördert. Ich behaupte, dass das Klavier oder ein anderes klassisches Instrument hierzu die beste Möglichkeit bietet, uns vor Alzheimer im Alter bewahrt, Kinder schlauer werden lässt und mehr. Zu den Belegen aber in einem der folgenden Artikel mehr. Hier geht es zunächst nur um die Selbstentwicklung.

Wenn ihr keine weiteren Beitr√§ge verpassen wollt und mir weiter folgen wollt,¬†dann solltet ihr in den¬†E-mail-Verteiler schl√ľpfen (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). Ihr¬†k√∂nnt mich auch bei¬†Google+¬†adden,¬†oder der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts beitreten.¬†Ein¬†RSS-Feed¬†f√ľr die progressiven Internetnutzer ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Norman Schultz

Veröffentlicht unter Intelligenz steigern, Lernen lernen | 1 Kommentar

Zum Lernen in der Freizeit, warum Schulen strenger sein sollten und wie dramatisch Eltern unsere Chancen beeinflussen Р3. Teil meiner Gespräche mit Emil Darrenhofer

Norman Schultz: Herr Darrenhofer und ich haben in den vorangegangenen Abschnitten vor allem √ľber die Einbettung des Lernens in das Soziale gesprochen. Was viele Menschen dabei nicht sehen, ist, dass Lernen nicht von Tricks und Tipps handelt, sondern von einer umfassenden Strategie, die sozial einge√ľbt werden muss. Bevor wir dies jedoch weiter vertiefen, lassen sie mich zuvor¬†fragen, inwiefern unbedarfte Lerntipps in Form von Techniken auch St√∂rungen einhandeln k√∂nnen. Sie hatten dies ja bereits in Bezug auf Schnelllesen erw√§hnt.

Emil Darrenhofer: Das stimmt: Nicht nur, dass Ihnen nutzlose Techniken Zeit nehmen, ja, sie k√∂nnen sich auch ernsthafte St√∂rungen einhandeln. Beim Lesen hei√üt es beispielsweise f√§lschlicherweise, dass eine generelle Beschleunigung gut w√§re, denn so k√∂nnen sie vielmehr Lesestoff schaffen. Speed-Reading-Kurse sollen Ihnen dann beibringen, wie Sie die innere Subvokalisation unterdr√ľcken. Was am Anfang zu funktionieren scheint, wird Ihnen aber letztlich ernsthafte Lesest√∂rungen einhandeln.Ich jedoch argumentiere, dass sich das traditionelle Lesen automatisch vom Viellesen beschleunigt und man ansonsten die Finger davon lassen sollte.

Norman Schultz: Da kann ich zustimmen, nach einem √§u√üerst intensiven Kontakt mit den Michelmanns auf diesem Gebiet (wom√∂glich Deutschlands und weltweit einzigen Experten zur wirklichen Lesebeschleunigung und zum Hochgeschwindigkeitslesen) muss ich zu dem Schluss kommen, dass die angebotenen Kurse Produkte sind, die keinen Sinn ergeben. Bei der klassischen Lesemechanik braucht das Gehirn die Vertonung, damit die Augen dem Text geordnet folgen k√∂nnen, denn Augen sind ja biologisch auf best√§ndiges Umherspringen programmiert. Wir scannen keine Horizonte in stupiden Linien als fahren wir √ľber einen Text, sondern wir ordnen Bilder im Hinblick auf ein inneres Bild.

Das innere Vertonen der Worte beim Lesen im Gegensatz aber erlaubt konzentriertes Blicken. Weil ich innerlich einer Tonschleife folge, folgen meine Augen. Nun allerdings folgt der Fehler: Die meisten Beschleuniger gef√§hrden die eingespielte Mechanik zwischen Vertonung und Augenkoordination. Wenn wir beim Beschleunigen des klassischen Lesen, die Tonmechanik zerst√∂ren, k√∂nnen wir nicht mehr lesen. Beim wirklichen Schnelllesen kommt es daher darauf an, sehr fr√ľh in unglaublich hohe Lesegeschwindigkeiten zu springen, damit das optische Lesen sofort aktiviert wird und die tonale Lesef√§higkeit erhalten bleibt.

Emil Darrenhofer: Ich komme zu dem selben Schluss. Ich halte daher die Angebote der gesamten Speed-Reader f√ľr nicht seri√∂s, denn sie zielen nur auf kurzfristige Ergebnisse, die sie langfristig nicht erhalten k√∂nnen. Kurzfristig schaffen Sie es vielleicht Texte mit 1000 W√∂rtern pro Minute zu entschl√ľsseln, langfristig machen Sie sich die eingespielte Mechanik, die sie seit ihrer Kindheit als Kulturtechnik erworben haben, kaputt. Es ist wie beim Sport, wer zuviel will, zerst√∂rt sich die Gelenke.

Norman Schultz: Haben Sie vielleicht noch andere Beispiele f√ľr unangebrachte Techniken.

Emil Darrendorfer: Nicht direkt, aber ich kann mir mit weiteren Analogien behelfen, auch wenn das nicht wirklich seri√∂s ist. Wenn ich beim Sport gleich einen Marathon laufen will, so geht vieles schief. Nicht nur, dass ich meine Gelenke √ľberstrapaziere, die Wahrscheinlichkeit, dass ich von mir selbst entt√§uscht auf das Sofa zur√ľckfalle, ist sehr hoch. Es kommt beim Lernen wie beim Sport auf die langfristige Integration von Lernstrategien an. Ohne die soziale Kontrolle kann dies nicht funktionieren. Deswegen hat B.J. Fogg auch seine Lernstrategien entwickelt, die auf Tiny Habits, also Mikrogewohnheiten zielen.

Norman Schultz: Da stellt sich nat√ľrlich die Frage, warum Menschen Lernen nicht positiv in den Alltag integrieren k√∂nnen.

Darrenhofer: Die meisten Menschen erwarten eine Art N√ľrnberger Trichter, so dass das Wissen in sie wie Zuckerwasser hineinflie√üt. Viele suchen nach Geheimtechniken und einmal gefunden w√ľrde das Genie aus ihnen wie ein Vulkan hervorbrechen. Das sind deplorable Visionen von einem Schlaraffenland des Wissens, wo einem die Erkenntnis wie ein Brath√§hnchen in den Mund fliegt. Diese geheime Studiertechnik gibt es nat√ľrlich nicht und alle die diese Versprechen machen, sollten Sie nicht Ernst nehmen.

Dabei ist es ganz einfach, wenn sie √ľber das Gehirn nachdenken, sollte klar sein, dass es nicht absolut in Erleuchtungsschritten lernt, sondern dass Ver√§nderung des Gehirns, das hei√üt Lernen, ein geplanter Prozess ist, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.

Norman Schultz: Passend dazu, muss ich hier einfach dieses Video hier √ľber die Geheimtechniken des Zeitmanagements posten:

Norman Schultz: Nach diesem eindr√ľcklichen Verkaufsvideo fragen wir also mehr, was es bedeutet, eine F√§higkeit zu erlernen, denn dass es diese Wundertechnik des Lernens nicht gibt, h√§ngt wohl auch damit zusammen, was es bedeutet, √ľberhaupt eine F√§higkeit zu erlernen.

Emil Darrenhofer: Das ist sehr richtig, die meisten F√§higkeiten und Fertigkeiten bed√ľrfen eines langen Weges, wobei unklar ist, welche Abzweigungen wir dabei nehmen m√ľssen. Wir glauben zumeist, dass das Genie seine Leistungen aus einem direkten Zugang zum Fantastischen sch√∂pft, aber selbst bei Mozart war erst das Sp√§twerk f√ľr seinen Ruhm entscheidend. Das hei√üt, lange eingespielte Intuitionen ebnetem ihm den Weg zum Genialen. √Ąhnliches sehen wir bei den meisten, gro√üen Genies. Diese hatten immer lange Arbeitswege hinter sich, bevor sie dann zum Erfolg durchstie√üen. Daher sollten wir uns nicht nach den Lerntechniken fragen, sondern fragen, was es hei√üt, komplexe F√§higkeiten zu erlernen.

Norman Schultz: Diesen Glauben an das Geniale k√∂nnen wir wohl auch unter dem „Myth of Great Man“ verbuchen.

Darrenhofer: Der Punkt ist, dass unsere Wahrnehmung sich auf Erfolge fokussiert. Wir glauben daher, dass die Geschichte von wenigen, gro√üen M√§nnern gelenkt wurde (Die Argumentation ist aus den Podcasts von You are not so smart √ľbernommen). Wie vielleicht Steve Jobs f√ľr einen Moment in ein Hinterzimmer geht und das I-Phone erfindet, so erlernen Wunderkinder nat√ľrlich Klavier. Menschen, die dies glauben, glauben auch, dass jedes Ereignis in der Welt von dunklen Strippenzieher kontrolliert wird. Tats√§chlich aber ist die Welt anders und wir lernen auch anders: Struktur, Systematizit√§t und soziale Stabilit√§t sind dabei Schl√ľsselw√∂rter, wobei ich nat√ľrlich vorsichtig sein muss, dass ich dabei keine weiteren Plattit√ľden in den Diskurs einf√ľhre. ¬†

Norman Schultz: Lassen sie es mich daher nochmals am Beispiel des Schachs er√∂rtern, um das ganze konkreter zu gestalten. Es ist meines Erachtens leicht in die h√∂heren Perzentile in einem Expertengebiet vorzusto√üen, allerdings wird es immer schwerer, sich in den Expertenbereichen ab dem 95ten Perzentil zu profilieren. Die meisten Disziplinen haben eine solche klare Unterteilung in Experten und Amateure nicht. Im Schach aber ist dies m√∂glich. Nun k√∂nnen wir dort beobachten, dass das Anf√§ngerwissen leicht kategorisierbar ist, das hei√üt, wir k√∂nnen klare Pr√§missen auf den Weg geben, zum Beispiel: Ber√ľhre eine Figur nicht zweimal in der Er√∂ffnung, Rochiere fr√ľh, besetze das Zentrum usw. H√∂heres Wissen allerdings wird dabei immer abstrakter. W√§hrend der Anf√§nger die Verbesserung noch sehr deutlich in wenigen Sitzungen sp√ľrt, wei√ü der Experte am Ende nicht mehr, ob er etwas gelernt hat, wenn er lernt. Das hei√üt, nur f√ľr Anf√§nger ist Wissen in einfacher Form formulierbar. Je weiter aber das Wissen, desto schwieriger k√∂nnen wir es formulieren. Das hei√üt, wir sollten uns auch nicht unbedingt von Theorien verwirren lassen, die Einfachheit preisen. Lernen ist ein Prozess, der t√§glich erfolgt und ich m√∂chte behaupten, dass wirkliches Lernen dann stattfindet, wenn wir f√ľr schwierige Probleme L√∂sungen entwickeln. Sch√ľler und Eltern, die dabei Infotainment verlangen, haben den eigentlichen Lernweg nicht verstanden.

Emil Darrenhofer: Ja, da stimme ich zu, wobei wir nat√ľrlich die Komponente des Sozialen als Horizont f√ľr die Problemdefinition noch einarbeiten m√ľssen.

Norman Schultz: Nat√ľrlich, das machen wir gleich noch. Es ist einfach zuviel, was hier gesagt werden muss, was sicher auch damit zu tun hat, dass N√§he zu einer guten Theorie oftmals hohe Grade an Abstraktheit aufweist. Soziale Kl√§rung ist dann das Ziel.¬†

Emil Darrenhofer: Ich muss nat√ľrlich eingestehen, dass eine Reduktion von Komplexit√§t auch etwas mit Lernen zu tun hat, aber das ist wieder ein weiterer Teilbereich.

Norman Schultz: Brechen wir es daher nochmal auf eine einfache Frage herunter: Was aber machen Studenten anders, die im Studium schlichtweg erfolgreicher sind?

Emil Darrenhofer: Hier zeigt sich vor allem, dass Organisation ein Weg zum Erfolg ist. Ein erfolgreiches Studium ist zum Beispiel stark von der Selbstorganisation abh√§ngig. Wir aber erreichen wir diese gute Organisation? Meines Erachtens geht dies auf ein entsprechendes Coaching zur√ľck. Lernen stattdessen auf simple Lerntechniken herunter zu brechen ist der Kardinalfehler.

Norman Schultz: Was meinen Sie mit Selbstorganisation und Coaching?

Emil Darrenhofer: Nun dies bedeutet eben nicht, eine wundersame Lerntechnik zu entdecken, sondern √ľberhaupt erstmal das Leben zu ordnen, das hei√üt, eine gewissen Kontinuit√§t in die Lern-Algorithmen zu bringen und √ľber lange Strecken hinweg systematisch zu erkennen, welche Vorgehensweisen Ertr√§ge bringen. F√ľr denjenigen, der diese Stra√üe allein gehen muss, ist es ein beschwerlicher Weg. Die meisten nehmen dabei schnell die Prokrastinationsabzweigungen, denn komplexe Lernstrategien erwerben wir nicht im Nebenbei, sondern sie sind Resultate eines sozialen Prozesses. Da das direkte Gef√ľhl des Erfolgs erstmal ausbleibt, k√∂nnen wir Lernen zumeist nur durch intensive Beratung erlernen. Wir bekommen es von unseren Eltern, die selbst Lerner sind, oder aber durch Freunde, die √§hnliche Interessen verfolgen.¬†

Norman Schultz: Sie meinen also, und wir haben es ja schon häufig angedeutet, dass es auf das soziale Umfeld ankommt.

Emil Darrenhofer: Nat√ľrlich ist dies entscheidend, hier wirken die Vorbilder nicht medial, so dass sich der viel gescholtene Productivity-Porn ergibt, sondern in Verflechtung mit dem eigenen Leben spiegeln im Sozialen. Der¬†Freund, der uns auch in unseren Fehlern nah bleibt, kann unsere Fehler sehr gut korrigieren. Strategien von Freunden werden viel eher intuitiv imitiert, wobei Freunde uns zugleich auch reflektieren. Hier findet eine unglaubliche soziale Multiplikation von Lern-Energien statt. Dabei kommt es nat√ľrlich darauf an, dass diese Freunde nicht zum Heer der Berufstudierenden z√§hlen. Ich meine die Studenten, denen nur ein Studientitel z√§hlt und dabei in ihrer Freizeit wenig Interesse an Pers√∂nlichkeitsentwicklung haben. Ich geh√∂re zu der Fraktion der Abstinenzler, die bezweifeln dass sich unter den Biersch√§umen, unten am Bierglas Erkenntnis verbirgt. In so ein soziales Umfeld hinein zu geraten ist nicht viel wert.

Norman Schultz: Aus der Sozialforschung wissen wir hierbei sehr genau, dass Kinder aus der Oberschicht gr√∂√üere Chancen auf au√üerordentliche Studienwege haben als Studierende aus der Unterschicht (Im Allgmeinen wird dies unter Sekund√§reffekten diskutiert, das hei√üt, die Schulwahl h√§ngt bereits von der Schichtzugeh√∂rigkeit ab. Bei den Prim√§reffekten tritt die so genannte kulturelle Ausstattung in den Vordergrund). Der soziale Klassenbegriff ist nat√ľrlich unscharf und problematisch hier. Aber hinter der Geburt in ein kontingentes Leben verbirgt sich, wie so oft, unsere Schicksalsschlagader, eine nat√ľrliche Ungerechtigkeit.

Lehren wird bei den eigenen Kindern schnell zum Belehren - Vorleben ist wohl besser

Emil Darrenhofer: Nun, eine Ungerechtigkeit w√ľrde dann bestehen, wenn Unterschichtler aufgrund ihrer Schichtzugeh√∂rtigkeit keine Chance bek√§men, in die Oberschicht aufzusteigen. Das mag auch in vielen F√§llen der Fall sein. Ich glaube aber, dass zumeist Unterschichtler √§hnliche Chancen haben, ihnen fehlt nur das Wissen, diese Chancen zu nutzen und den entsprechenden Lebensweg einzuschlagen.

Norman Schultz: Ich möchte das eigentlich bezweifeln. Können Sie dies näher erläutern.

Emil Darrenhofer: Nat√ľrlich, wenn Eltern ihren Kindern, die Realschule empfehlen oder Studenten l√§cherlich machen, weil die abgehoben reden und somit die wirklichen Wirklichkeiten verkennen, dann fehlt ihnen hier schon die Einsicht, was den Ausstieg aus den unteren Klassen erm√∂glicht. Mein Mitbewohner, Koch, wollte niemals, dass weitere Studenten bei uns einziehen. Mit hochgezogene Augenbrauen erkl√§rte er mir dann irgendwann: „Meene Schwesta will studier’n.“ und erg√§nzte es mit seiner Lebensweisheit: „Ick hab ihr jesacht, se soll inne Jastronomie arbeeten, da find se imma Arbeet.“

Es ist nat√ľrlich unfair, das hier so zu herablassend zu formulieren, aber mit zunehmender Qualifikation ist den Menschen unklar, was in den Bildungsbereichen eigentlich noch gearbeitet wird. Nat√ľrlich kann auch ein Realsch√ľler aus einer „Unterschicht“ einen ordentlichen Lebensweg bestreiten, aber mit den zunehmend differenzierteren Bildungsschichten ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer und er wird in der Gastronomie beispielsweise einen minderqualifizierten, wom√∂glich stark fordernden Job erledigen m√ľssen, der weniger M√∂glichkeiten zur Entwicklung bietet. Es ist nun so, dass Eltern aus der Oberschicht schon viel fr√ľher √ľber die passenden Studienm√∂glichkeiten der Kinder beraten, w√§hrend bei anderen noch die Frage besteht, ob das Kind √ľberhaupt aufs Gymnasium soll oder lieber gleich Geld verdienen soll, damit es nicht mehr auf der Tasche liegt.

Norman Schultz: Ich habe das selbst erlebt, als bei mir die Frage noch aus stand, ob ich √ľberhaupt studieren will, war es bei einer befreundeten Familie, wobei ein Elternteil sehr anerkannter Professor war, bereits Thema, auf welche Stipendien sich die Kinder bewerben. Das war zwei Jahre vor dem Abitur und sie haben l√§ssig am Abendbrotstisch dar√ľber reflektiert.¬†Das hei√üt richtiges Lernen h√§ngt vom sozialen Umfeld ab?

Emil Darrenhofer: Ich gehe davon aus. Eltern, die selbst Akademiker sind, geben ihren Kindern nicht nur hier und dort einen Hinweis, wie die Ratschläge, die wir bereits diskutiert haben, sondern einen ganzen Lebensweg mit. Diese Lebenswege lassen sich nicht in ein paar Lerntipps verpacken.

Norman Schultz: Damit sprechen Sie wieder unser Hauptproblem an: Ratschläge, wie wir richtig studieren.

Emil Darrenhofer: Nat√ľrlich und diese m√ľssen von der reinen Reduktion her auch nicht falsch sein. Allerdings kann eine langfristige Umschulung auf ein angemessenes Lernverhalten nur durch gezieltes Coaching erfolgen. Erst dann ist es wichtig, ob wir Karteikarten benutzen oder eine andere Lerntechnik benutzen. Die Informationen, die dabei auf den meisten Seiten zu finden sind, sind daher unterkomplex. Ich m√∂chte hierbei drei Fehler verdeutlichen:

Erstens, finden wir Informationen, die zumeist auf Erfahrungswissen basieren, das heißt im Grunde nichts anderes, als dass da jemand ist, der sich mal ausdenkt, was wir so machen sollen, weil es bei ihm ja irgendwie funktioniert hat. Derjenige schreibt dann Texte, wie ein blindes Huhn, das auch mal einen Korn trinkt.

Norman Schultz: Ein Kalauer!

Emil Darenhoffer: Stimmt. Aber nochmal:¬†Diese Tipps helfen wenig, zielen aber eher auf das subjektive, eben beinah trunkene Gef√ľhl, etwas richtig zu machen. Sie verwechseln Gl√ľckstreffer mit Wissen. Bei diesen Methoden muss ich anmerken, dass ohne Bezug zu Studien dies keine geeigneten Methoden sind. Das ist so als wenn sie Medikamente nehmen, die nicht in Doppel-blind-Versuchen best√§tigt wurden.

Zweitens, gibt es dann zwar auch Blogs oder Lernratgeber, die Studien einbeziehen, aber selten wird dabei systematisch gewichtet. Studien werden, wenn √ľberhaupt, herangezogen, um eine simple Lerntheorie zu fundieren, die Lernstrategie wird aber weder diskutiert, noch √ľberhaupt f√ľr den Leser deutlich gemacht.

Drittens, sind die Tipps, wenn sie denn mal richtig sind, zu unklar, um effizient in den Alltag eingebaut zu werden. Wir brauchen einen sozialen Rahmen, eine Gesellschaft, die alle diese drei Bereiche ber√ľcksichtigt.¬†

Norman Schultz: Das ist nat√ľrlich auch Thema meiner Doktorarbeit, n√§mlich wie sich Wissen, einerseits in Bezug auf Wahrheit verh√§lt, wie es systematisiert werden muss und wie dies nur das Soziale erreicht. Aber haben Sie daf√ľr vielleicht ein Beispiel?

Emil Darrenhofer: Nat√ľrlich Sie k√∂nnen leicht jemanden erkl√§ren, dass die ganzen Textmarker √ľberfl√ľssig sind, dieses ganz bunt Anstreichen und dass auch zweimaliges Lesen eines Textes nicht viel bringt. Sie k√∂nnen √ľber das Empfehlen hinausgehen, denn es gibt mittlerweile einige Studien, die belegen, dass dies sinnlos ist. Doch was dann? Von einem Lerntipp ver√§ndert sich ja nicht das gesamte Lernverhalten. Der Fehler liegt, wie eingangs erw√§hnt, beim mangelnden Coaching, das hei√üt bei der fehlenden Entwicklung einer geeigneten Lebensweise, wobei dann systematisch Lernfehler ausgeschaltet werden. Diese Systematik l√§sst sich nicht mit dem Lesen eines Blogs, mit der Gr√ľndung eines Blogs und auch nicht mit einer simplen Kritik unserer Bildungsinstitutionen erwerben. Im Gegensatz habe ich das Gef√ľhl, dass gerade die Institutionen als Grund daf√ľr herhalten m√ľssen, dass wir nichts lernen.

Norman Schultz (ich muss lachen): Aber es ist doch allen so gut wie klar, dass wir doch nichts in diesen Institutionen lernen.

Emil Darrenhofer: Nun Sie haben in diesen angeblich schlechten Institutionen sehr viel gelernt: Lesen, Schreiben und Rechnen. So einfach uns diese grundlegenden Kulturtechniken aus der Perspektive eines K√∂nners erscheinen, sie sind Resultat jahrelanger Konditionierung. Bedenken sie, dass zum Beispiel auch Karl der Gro√üe nicht lesen konnte, obwohl er ja direkt an der Wissensquelle sa√ü. Man lernt das nicht einfach so. Andere Klostersch√ľler, waren noch fasziniert, dass Thomas von Aquin leise lesen konnte, auch eine Technik, die wir heute einfach so beherrschen.

Das alles hei√üt aber nicht, dass ich die Schulen und Institutionen vorbehaltslos rechtfertigen will. Ich will aber sagen: Wir √ľbersehen zu schnell, dass sie doch eine Menge bereits leisten. Statt daher die Institutionen zu kritisieren w√ľrde ich mir eher eine st√§rkere Kritik der Bildungs√∂konomie im Privaten w√ľnschen, denn mit Familie und Freunden bilden wir unser wirkliches Verh√§ltnis zum Lernen und Wissen aus. Das, was die Schule durch Konditionierung und die historisch-gewachsene Systamtisierung erreicht, sollte Eingang in unser Privates finden.

Norman Schultz: Und warum im Privaten?

Emil Darrenhofer: Viele erwarten von den Bildungsinstitutionen mehr Freiheit f√ľr das Lernen, doch das ist ein grundlegendes Paradox. Institutionen reglementieren aufgrund ihrer Natur schon (das steckt im Namen, Institution und Revolution sind beinah Antonyme). Institutionen schaffen durch Reglementierung, Entlastung und somit Bildungsfreir√§ume au√üerhalb der Institution. Sie kennen sicher den Stress, von jemandem der Leben und Arbeit niemals trennt?

Norman Schultz: Ich kenne es, und erkenne zunehmend an, dass eine Trennung unter einigen Umständen sinnvoll ist.

Emil Darenhofer lacht: Sie haben Recht, ich will das nicht als Doktrin vorschreiben. Aber im Moment ist es so, dass Eltern aufgrund der Lesekonditionierung von der Schule entlastet werden.¬†Der Lehrer ist automatisch der b√∂se Sklaventreiber, der die Freiheit der Kinder nicht versteht. Die Eltern werden momentan zu den Guten, die ganz genau wissen, wie Schule sein m√ľsse. Wie Infotaiment soll Schule sein. Als w√ľrden wir dabei lernen.

Ich sehe das jedoch etwas anders: Was ich in der Schule lerne, soll mir Techniken geben, die ich erst in meiner Freizeit in Bildung umschmelze. Das ist ganz zentral. Techniken werden durch bestimmte Konditionierung erworben. Bildung ereignet sich mit Technik und Freiheit. Wichtig ist nun: Wir brauchen dann auch Freizeit, um Freiheit f√ľr Kinder zu erhalten. Aufgrund dieser Pr√§missen geh√∂re ich zu denen, die glauben, Schule sollte noch strenger sein, daf√ľr allerdings auf den Vormittag und auf wenige F√§cher beschr√§nkt werden. Ich bin f√ľr noch st√§rkere Konditionierung in der Schule und glaube, dass wir uns von dem Gedanken befreien m√ľssen, dass Schule tats√§chlich Bildung vermitteln k√∂nnte. Wir sollten nicht versuchen, jedes Fach, das uns in den Sinn kommt, in eine schulische Ausbildung zu integrieren, nur weil es gerade en vogue ist. Dieser Aktionismus muss ¬†aus zwei Gr√ľnden schief gehen. Einerseits k√∂nnen Institutionen nicht schnell genug auf Marktanfordernisse reagieren. Institutionen k√∂nnen nicht revolutionieren. Wie bereits angedeutet, diese Begriffe sind diametral entgegengesetzt. Schule soll dann einmal Internet unterrichten, dann wieder Ethik, dann doch nochmal Medien. Schulen verlieren damit ihr Profil, n√§mlich Grundkenntnisse zu vermitteln und als Folge glauben alle, Schule sei f√ľr Bildung zust√§ndig, so als k√∂nnten dann der Hauptsch√ľler nicht mehr gebildet sein. Was nat√ľrlich Quatsch ist, auch Hauptsch√ľler k√∂nnen gebildet sein.

Ich pl√§diere daher daf√ľr, dass stattdessen die au√üerschulischen Bildungsangebote f√ľr die Entwicklung von wahren Pers√∂nlichkeiten frei gemacht werden, w√§hrend Schule wieder auf solide Grundkenntnisse in √úbersetzung, Rechnen, Mathematik, Lesen und Schreiben zur√ľckgef√ľhrt werden.

Norman Schultz: Was denken Sie dabei √ľber die Philosophie?

Emil Darrenhofer lacht: Wenn es kein ethisches Gequatsche ist, wo wir st√§ndig nach unseren Meinungen fragen, so ist Philosophie als die Grundtechnik der Wissensgewinnung anzuerkennen. Argumentstrukturen und Logik finden ihre Begr√ľndung in der gewissenhaften ontologischen Forschung. Hier stimmen wir beide mit Sicherheit √ľberein. Aber wissen Sie, im Moment haben wir Status quo. Schulen m√ľssen Bildung miteinbeziehen, weil wir keinen Sinn f√ľr die Unterscheidung zwischen institutionalisierten Techniken und Bildung in der Freizeit haben. Im Status Quo ist Ethik wom√∂glich gar das wichtigste Fach und noch vor Logik, Ontologie und Erkenntnistheorie anzusiedeln. Also brauchen wir im Moment wom√∂glich diese „Laberf√§cher“ als Lebensf√§cher, aber eigentlich sollte das in der Freizeit eine Rolle spielen, wie ich es eben versucht habe, anzudeuten.

Norman Schultz: Ich muss hinzuf√ľgen, dass ich mir eher eine philosophische Ausbildung im systematischen Aufbau von Wissenschaft w√ľnschen w√ľrde. Ich sehe, dass das Wissen um das Wissen selbst bei Lehrern weit, weit, weit weg ist. Mein Physiklehrer meinte beispielsweise immer, dass er die Relativit√§tstheorie so interessant f√§nde, weil es dabei philosophisch werden w√ľrde. „Philosophisch“ als w√ľrden wir uns mal ans Lagerfeuer setzen, um √ľber den Sternenhimmel nachzudenken. Er f√ľhrte dann das Philosophische ein, nur um uns dann den krudesten Materialismus vorzuschlagen, der in der Philosophie seit Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden schon als veraltet gilt und nicht als Philosophie zu bezeichnen ist, sondern eigentlich nur als wissenschaftstheoretisch naiv. Es tut weh zu wissen, dass die Technikvermittler ihre Autorit√§t ausnutzen, um diesen wissenschaftlichen Unfug zu verbreiten.

Emil Darrenhofer ¬†lacht wieder: Ich muss Ihnen aber gestehen, dass dies von mir auch nur halbgare Hypothesen sind. Ich denke √ľber die st√§rkere Instutitonalisierung der Schule nach, weil es f√ľr mich ein Gegengewicht zu der Auffassung darstellt, dass eine Befreiung von der Schule der Weg der Zukunft sei. Ich bin mir beispielsweise nicht sicher, inwieweit Lesen einfach konditioniert werden muss oder inwieweit es auch kreativ und mit Spa√ü vermittelt sein k√∂nnte. Mir erscheint jedoch, dass wir den Wert der Konditionierung in der ewigen Bildungsreform aus humanistischer Sicht klein reden. Bildung muss da angeblich so frei sein, dass man sich fragen muss, was das dann f√ľr eine Freiheit sein soll.

Norman Schultz: Ich stimme ihnen zu: Freiheit ist zu einem Schlagwort geworden und das moderne Individuum mag es nicht mehr mit dem Wort der Pflicht vermengen. Da w√ľrde gar ein Kant zu einem Preu√üen degradiert werden, weil er es doch wagte Freiheit und Pflicht in eine Waagschale zu werfen, obwohl dies nun aus systematischer Sicht so gut wie unvermeidlich ist. Nun gut, aber ich merke auch, dass wir weit vom Weg abgekommen sind. Was empfehlen Sie daher nun konkret, um im Studium besser zu werden?

Emil Darrenhofer: Am besten w√§re nat√ľrlich eine Art Personal Trainer wie im Sport. In bestimmten Mannschaftssportarten holen sie dich einfach ab und du wirst auf einem gemeinsamen Weg zur Elite geformt. Die Hollywoodstars engagieren sich K√∂rpermacher.

Norman Schultz: Um ein anderes Beispiel hinzuzuf√ľgen:¬†Der Schachweltmeister Magnus Carlsen hatte seit seiner Kindheit von seinen Eltern immer Coaches zur Verf√ľgung gestellt bekommen, sp√§ter dann gar Gary Kasparow. F√ľr eine Weltmeisterschaft im Schach z√§hlt ein Team von anderen Gro√ümeistern, die nat√ľrlich auch t√§glich den Trainingstag motivieren.

Emil Darenhofer: Gleiches sollten wir im Geistigen versuchen, allerdings sehe ich, dass dies dort viel schwieriger voran geht, da wenige sich vorstellen können, eine gegenseitige regelmäßige Coachingzone einzurichten und es dann womöglich auch zu viele Schwierigkeiten gibt, diese Coachings in der Gruppe abzusprechen, oder Menschen auf eine Wellenlänge zu bringen. In diesem Sinne wäre es dann sinnvoll tatsächlich Coaches anzuheuern, wobei dies wieder mit finanziellen Problemen verbunden ist. Wenn jedoch jemand wirklich langfristig sein Lernen verbessern will, dann gibt es nicht die Technik, sondern dann sollte er sich gute Coaches leisten. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, einige Coaches haben auch nur gefährliches Halbwissen zu bieten. Bei dem Überangebot an Menschen, die Coachings versprechen, aber im Grunde genauso reliabel wie Esoteriker sind, möchte ich es eigentlich nicht empfehlen. Und nur zu einem Coach einmal die Woche zu gehen, der einem sagt, was man machen soll, funktioniert nicht. Im Sport kommt der Personal Trainer und trainiert. Hier brauchen wir Konzepte und ich frage mich, warum ich davon so wenige sehe.

Norman Schultz: Das ist eine gute Frage, die wir ein anderes mal diskutieren sollten vielen Dank f√ľr¬†das Gespr√§ch.

Wenn ihr keine weiteren Beitr√§ge verpassen wollt und mir weiter folgen wollt,¬†dann solltet ihr in den¬†E-mail-Verteiler schl√ľpfen (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). Ihr¬†k√∂nnt mich auch bei¬†Google+¬†adden,¬†oder der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts beitreten.¬†Ein¬†RSS-Feed¬†f√ľr die progressiven Internetnutzer ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Norman Schultz, Juli 2015, Pittsburgh

Veröffentlicht unter Lernen lernen, Motivation | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Waldorfschulen sind besser als Normal-Schulen – Tanzt eure Namen!

Ich geh√∂rte ja auch zu den Stammtischnutzern, die Waldorfsch√ľler als Namenstanzer denunzierten. Wissenschaftler aber loben nun die Waldorfschule und ich frage mich, ob die Waldorfschule nicht doch das richtige f√ľr meine Tochter w√§re.

In einer Untersuchung der Heinrich-Heine-Universit√§t D√ľsseldorf wurden¬†mehr als 800 Sch√ľler an zehn Schulen im Alter von 15 bis 18 Jahren befragt (Quelle). Dabei stellte sich heraus, dass Waldorfschulen wesentlichen besser abschneiden als andere Schulformen.

  • 80 Prozent mehr spa√ü-bereite Waldorfsch√ľlern gegen 67 Prozent Sch√ľler an Regelschulen
  • 85 Prozent der Sch√ľler empfinden zudem das Schulklima als angenehm und unterst√ľtzend, w√§hrend Regelsch√ľler nur 60 Prozent das Schulklima sch√§tzen
  • Ein gutes Verh√§ltnis zu den Lehrern haben 65 Prozent der Waldorfsch√ľler im Gegensatz zu 31 Prozent der Regelsch√ľler
  • ¬†Sch√ľler an Waldorfschulen haben weniger somatische Beschwerden und leiden weniger unter Schlafst√∂rungen

Waldorfschulen bereiten besser als andere Schulformen auf die Zukunft vor. Im Gegensatz zur reinen Quantifizierung legen Waldorfschulen mehr Wert auf Qualität. 

Waldorfschulen reagieren besser auf die Umstrukturierung unserer Lebenswelt

Die Umstrukturierung unserer Lebenswelt im Hinblick auf das Digitale hat ja Manfred Spitzer schon zur These der digitalen Demenz herausgefordert, das hei√üt wir werden immer d√ľmmer, weil uns die Digitalisierung wesentliche geistige Arbeit abnehme. Auf der anderen Seite stellen Forscher wie Richard Flynn auch im Jahre 2010 weiterhin einen Anstieg des Intelligenz-quotienten fest. Ich bezweifle, dass eine dank meines Navis entstresste Autobahnfahrt meiner potentiellen Intelligenz schadet, weil ich dabei ja das Kartennavigieren h√§tte lernen k√∂nnen. Ich nutze die gewonnene Zeit f√ľr andere Dinge und komme entspannter am Ziel an. Bei Wikipedia hei√üt es, dass Flynn den Anstieg der Intelligenz daher auch weiter beobachtet:

Flynn stellte dagegen in seinem 2012 erschienenen Buch¬†Are We Getting Smarter?¬†einen weiteren Anstieg der Intelligenz fest. Deutschland verzeichne einen Anstieg von 0,35 Punkten pro Jahr, Brasilien und die T√ľrkei fast doppelt soviel. Ver√§ndert habe sich allerdings die Art der Intelligenz. So verbessere sich vor allem das visuelle und logische Denken der Kinder, der Wortschatz hingegen nur unwesentlich.[16]

In diesem Sinne √§u√üern sich auch Forscher zu den Umst√§nden, der neueren Anfordungen des Arbeitslebens:¬†„wenn Sie wollen, dass Ihre Kinder schlauer sind als ein Smartphone, dann m√ľssen sie ihnen andere Kompetenzen beibringen.“ Das hei√üt, viele gegenw√§rtige Lehrkonzepte setzen auf Leistungen, die auch simpel mit einem Smartphone erledigt werden k√∂nnen.¬†Da Wissen hingegen kreativ und l√∂sungsorientiert auf neue Bereiche zu √ľbertragen sei, schneide die Waldorfschule besser ab, denn dort werde traditionell gr√∂√üerer Wert auf Transferleistungen gelegt

Im Weiteren gibt es im Hinblick auf die Abschlussnoten keine „statistisch bedeutsamen Unterschiede“. Absolventen von Waldorfschulen wollen dar√ľber hinaus √ľberdurchschnittlich h√§ufig selbst den Beruf des Lehrers ergreifen oder Arzt, Ingenieur, Geistes- und Naturwissenschaftler werden. Selbst die Befunde der Pisa-Studie zeigen, dass entgegen landl√§ufiger Meinung Waldorfsch√ľler weit √ľberdurchschnittliche naturwissenschaftliche Kompetenzen aufweisen und daher w√ľrde die Waldorfschule eher f√ľr meine Tochter in Frage kommen.

 Was aber gibt es Neues zu meiner Arbeit und meinen Projekten?

MusikProjekte:

– Ich habe einen Hochzeitsmarschkomponiert und ihn bei einer Trauung in der Kirche aufgef√ľhrt (sowie eine sehr feierliche Version von Paquelbels Canon geschrieben und auch aufgef√ľhrt)¬†Hochzeitsmarsch

Unser Musikteam von der Bellefieldchurch

– Unsere Band ist bei der anschlie√üenden Rezeption leider an einem Stromausfall verzweifelt. Bei der R√ľckkehr des Stroms habe ich die Soli meines Lebens gespielt, nur um zwei Tage sp√§ter zu erfahren, dass ich nur auf meinen Monitoren zu h√∂ren war. Das E-Piano war wetterbedingt verstimmt.

Sozialkontakte:¬†– Ich versuche mich ja jetzt in Partyplanung und lade ein paar ausgew√§hltere Personenkreise zu mir ein. Wir spielen dann Karaoke mit Klavierbegleitung und rezitieren Gedichte. Bei der Weinauswahl (da ich ja keinen Alkohol trinke) bin ich dann wie ein Blinder im Kino (ein besserer Witz f√§llt mir jetzt nicht ein). Mein Mitbewohner meinte jedoch, dass die Auswahl ganz fantastisch w√§re, nur um sie dann vor Schreck auf dem Boden zu zertr√ľmmern.¬†–

Am Freitag war ich au√üerdem vom Co-Founder von¬†Duolingo¬†zur j√§hrlichen Jubil√§umsfeier eingeladen worden. Interessant, die junge Horde der New-Economy in Pittsburgh zu beobachten. Unter das¬†Yucci-Volk (die neuere Bezeichnung f√ľr Young-Urbun-Creative) haben sich auch ein paar Google-Vision√§re gemischt. Philosophie bleibt jedoch W√ľstenstaub f√ľr sie. Ich habe mir die Zeit mit Kaviar und Champagner vertrieben, weil man ja nichts besseres zu tun hat, als sich besonders vorzukommen. Ich bin nat√ľrlich sehr dankbar, dass Severin mich eingeladen hat und ich halte Duolingo f√ľr eines der sinnvollsten Lerntools, die ich kenne. Ihr Unternehmen ist im Moment 450 Millionen-Dollar wert. Sie wollen jedoch in Zukunft den Bildungsmarkt aufmischen.

Bilder von unserer Party

– Kiril und Konstantina w√§lzen uns derweil weiterhin durch verschiedene B√ľcher der Pers√∂nlichkeitsentwicklung. Dieser ganze Markt an Baumarktstrategien f√ľr das eigene Lotterleben im Businesszirkel kann tats√§chlich systematisch bearbeitet werden. Dennoch sind die meisten Angebote meiner Meinung wenig seri√∂s. Wichtiger sind unsere w√∂chentlichen Gespr√§ch, wo wir die konkreten Schritte besprechen.

Philosophie

– Ich habe nun meine Forschungen zum Satz des Widerspruches vorangetrieben. Ergebnis: Der Satz vom Widerspruch gilt f√ľr formale Systeme, die Frage ist aber, wie er aus einer materialen Logik hervorgeht und auf materiale Umst√§nde zur√ľck angewendet werden kann. Zwar erm√∂glicht Logik einen unglaublichen Kosmos an Anwendungsbereichen, zugleich aber ist sie nur ein mageres Skelett von der Wirklichkeit. Gleiches gilt f√ľr den Satz des Widerspruchs und aus diesem Grund ist der Satz des Widerspruchs nur unter gewissen Bedingungen eindeutig anwendbar. Ich werde nun Graham Priest einen Brief schreiben und ihn zur Materialisierung der Logik befragen. Ansonsten lese ich mich nun quer durch die Hegelliteratur und versuche ein paar Publikationen auf den Weg zu bringen.

Zuk√ľnftige Entwicklung

Der Herr wollte mich nicht in den VIP-Bereich lassen

Wir h√∂ren es ja √ľberall: BigData von Google und Facebook versprechen viel, viel, viel, viel Geld? Ich habe mich auf dem Duolingotreffen √ľber die Quantifizierung von Sprachleistungen auch mit ein paar Googlefuntion√§ren unterhalten. Kurz: Es erscheint, Datamining ohne sinnvolle Frage, ist wertloser Datenm√ľll. Mittlerweile geht der Ansatz Big Datamining weg und es kommt auf die konkrete Fragestellung an. Pauschalquantifizierungen haben dabei wenig Erfolg.

Baseball –¬†Ich beginne langsam das Spiel zu verstehen und finde mich h√§ufiger im Stadion wieder.

Beim Chinesischlernen im Baseballstadion

Wenn ihr keine weiteren Beitr√§ge verpassen wollt und mir weiter folgen wollt,¬†dann solltet ihr in den¬†E-mail-Verteiler schl√ľpfen (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). Ihr¬†k√∂nnt mich auch bei¬†Google+¬†adden,¬†oder der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts beitreten. Ein¬†RSS-Feed¬†f√ľr die progressiven Internetnutzer ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Norman Schultz, Juni 2015, Pittsburgh

Titel-Bildattribution: By Giorno2 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Schule | Hinterlasse einen Kommentar