Lesen lernen im Kindergarten – MĂŒssen Kinder zum Lernen gezwungen werden?

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Können wir ohne Anstrengung lernen? Oder mĂŒssen Kinder zum Lernen gezwungen werden? Diese Frage beschĂ€ftigt die PĂ€dagogik. Da Lesen die zentrale FĂ€higkeit in unserer Gesellschaft darstellt, mĂŒssen wir hier besonders achtsam sein. Fragen wir daher nochmal: Muss Leseunterricht Spaß machen oder nicht?

Lesen war zu meiner Schulzeit geprĂ€gt von sturem Auswendiglernen. Die ersten Tage in der Schule glichen der Zombieapokalypse. Alle starrten mit leeren Blicken auf Buchstabenreihen und wiederholten im Chor „Mimi im Haus“. Kein Wunder, Schule habe ich vom ersten Moment an gehasst. Ich wollte lesen lernen, hatte Motivation, aber es war als wĂŒrden alle mit einem LernLamborghini im Stau festsitzen.

Auch meine Mutter wollte mir die Buchstaben nicht schneller beibringen. Womöglich hatte sie Angst, dass ich mich dann in der Schule noch mehr langweilen wĂŒrde. Dieses ganze Wiederholen von irgendwelchen Buchstabenreihen lief mir zuwider. Die Konsequenz? Bis zum Alter von 15 Jahren war ich stolz, nur 2 BĂŒcher in meinem Leben gelesen zu haben. Lesen verband ich mit Anstrengung.

Im Folgenden Beispiel zeigt eine Kindergartenlehrerin nun, wie Kindern bereits im Alter von 3 Jahren spielerisch Lesen lernen und dies ohne viel Aufwand, sondern vor allem durch Spiel.

Spielerisch lesen lernen. Klingt fortschrittlich. Eigentlich gibt es doch einen breiten Konsens, dass Lernen Spaß machen muss. Was könnte daran also falsch sein? Und warum machen wir es nicht ĂŒberall? Weiterlesen

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Auf welchem Blog lernt ihr am meisten? Blogparade bis zum 17.03.19

Ich hoffe ihr könnt mir helfen. Ich möchte gerne wissen, wo lernt ihr am meisten? FĂŒr mich sind Blogs interessant, die euch persönlich weiter gebracht haben. Das kann ein Blog zum Schreiben, Tanzen, zur Fitness, Photoshop, Social Media oder eben zum Lernen sein. Ich meine dabei Blogs bei denen ihr persönlich etwas erlernt habt, also einen Blog, der euch zum Beispiel bei einer PrĂŒfung geholfen hat, vielleicht hifreich beim Aufbau eines eigenen Blogs war, der euch die Augen beim Essen geöffnet hat, bei Depression Wunder wirkte oder oder oder.

Schreibt bitte eure persönlichen Erfahrungen mit dem Blog auf und wie dieser euch weiter gebracht hat. Ob ihr ihn auf der Bahnfahrt, auf dem Nachhauseweg, in langweiligen Vorlesungen, vor dem Einschlafen oder gar auf dem Klo gelesen habt. Ob ihr dort Leute kennengelernt habt. Vielleicht ist dabei eine Online-Freundschaft oder sogar eine reale Freundschaft entstanden?

Im Moment versuche ich mir nĂ€mlich eine Liste mit Lernblogs zu erstellen. Dabei finde ich, dass die meisten Lernblogs doch sehr unpersönlich sind. Mich interessieren Blogs, die Menschen und ihre eigenen Ziele vorstellen und nicht 10 Tipps wie du besser lernst oder wie du in der Vorlesung nicht schlĂ€fst (ich habe da auch regelmĂ€ĂŸig geschlafen). Oftmals sind die Lerntipps schnell mal irgendwo zusammenkopiert und unkritisch ĂŒbernommen.  Mein Ideal ist ein LernBlogs, auf dem sich jemand in Bezug auf seine eigenen Lernerfolge immer wieder neue Herausforderungen stellt und diese dann versucht persönlich umzusetzen. Vielleicht kennt ihr ja sogar solche Blogs?

Was ist eine Blogparade?

Eine Blogparade gibt euch eine bestimmte Zeit, mit einem Beitrag zum Thema der Blogparade zu reagieren. Am Ende der Blogparade werde ich dann jeden Artikel auswerten und alle zusammenfassen. Dazu mĂŒsst ihr diese Blogparade nur verlinken und mir rechtzeitig Bescheid geben.

DarĂŒberhinaus werde ich meinen persönlichen Gewinner erklĂ€ren und dieser erhĂ€lt von mir „Das Buch der Tugendlosigkeit – Warum es sich lohnt, faul, unpĂŒnktlich und unordentlich zu sein“ von Axel Braig. Ein guter Kontrapunkt zum Thema :)

Beste GrĂŒĂŸe
Norman (PhD Philosophy)

P.S. Das Bild könnt ihr gerne verwenden.

P.S.S. Ihr habt keinen Blog? Hinterlasst einen Kommentar.

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Zimmerpflanzen und Schadstoffe im Haus

Deep Breath - Michael Burtch 1

Fungus Guy [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Nach den Dieselskandalen konzentrieren sich die Medien auf die Schadstoffbelastung durch den Verkehr. Wir ĂŒbersehen dabei jedoch viele andere Quellen fĂŒr Schadstoffbelastungen, die ebenfalls großen Einfluss auf unsere Gesundheit haben.

DieZeit fĂŒhrt hier folgende Einflussfaktoren an: „Chemieprodukte, die auf Erdöl basieren [wie] Seifen, ParfĂŒm, Farben, Lacke, Putzmittel, Klebestoffe bis hin zu Pestiziden. Problematisch sind nicht die einzelnen Stoffe, aber mögliche „additive Effekte“  wie auch die US-Behörde fĂŒr Ozean- und AtmosphĂ€renforschung (Noaa) berichtet. Schon Ulrich Beck hatte ja in seinem Buch „Risikogesellschaft“ kritisiert, dass die EinfĂŒhrung von Grenzwerten immer nur auf einen isolierten Schadstoff bezogen bleibt. Der Mensch werde dabei zu einer Art Sammelbecken fĂŒr AbfĂ€lle. Weiterlesen

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Schlaftherapie – Was wirken Verhaltenstherapie oder Wundermittel?

Zum gesunden Schlaf gibt es unzÀhlige gutgemeinte RatschlÀge.
Nachdem wir uns im letzten Artikel die fundamentale Bedeutung des Schalfes fĂŒr unsere mentale und physische Gesundheit bewusst gemacht haben, geht es in diesem Artikel es um die verschiedenen Methoden, seinen Schlaf in den „Griff“ zu bekommen. Sehr vieles wird bereits auf anderen Internetseiten vorgeschlagen,  selten jedoch werden die angepriesenen Methoden auch nur annĂ€hernd miteinander verglichen. Teilweise finden sich so abstruse Theorien, wie zum Beispiel die Temperatur im Schlafzimmer auf 14 Grad Celsius senken zu sollen. Das Zimmer auf unter 19 Grad Celsius abzukĂŒhlen, ist nirgendwo in der Fachliteratur besprochen und kann sogar gesundheitsschĂ€dlich sein, wenn man sich dazu nicht entsprechend sensibilisiert hat. Beim Thema Schlafforschung verhĂ€lt es sich oftmals  so, dass viele Blogs und Online-Magazine von Ă€hnlichen Seiten kopieren, jedoch selten die tatsĂ€chlichen Quellen recherchieren. So habe ich zur Frage des Schlafes das Standardwerk von Kryger, Roth, Dement im Hinblick auf die Schlafmethoden studiert. Deswegen bin ich zwar noch kein Experte, sehe aber immer hĂ€ufiger, wie gutgemeinte RatschlĂ€ge erteilt werden, die tatsĂ€chlich jedoch ĂŒberhaupt keine Grundlagen haben.

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Bewusster Schlafen – Warum Schlafen im Leben am wichtigsten ist

70 Prozent sinkt die Sterblichkeitsrate von Teenagern, wenn die Schule um 8:55 anstatt um 7:30 beginnt. Schon das Abstract der
dreijĂ€hrigen Studie mit 9000 SchĂŒlern liest sich deshalb sehr spannend:

  • 60 Prozent der SchĂŒler konnten mindestens 8 Stunden schlafen
  • Teenager mit weniger als 8 Stunden Schlaf hatten hĂ€ufiger Depression, höheren Kaffeekonsum oder konsumierten eher Drogen
  • Zensuren in Mathematik, Englisch und Sozialwissenschaft wie auch die Performance im nationalen Eignungstest zeigten signifikante Verbesserung
  • Zu guter letzt reduzierte sich die Anzahl der AutounfĂ€lle dramatisch

Wenn wir es also mit unseren Kindern gut meinen, dann kann ein frĂŒher Schulstart nicht das Ziel sein.

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Meine Schulzeit

Warum aber schreibe ich ĂŒber Schlaf? Persönlich bin ich wirklich kein Schlafexperte. Als Kind war ich lange auf, bin stĂ€ndig ĂŒbermĂŒdet zur Schule. Ich habe bis in die Nacht irgendwelche Serien geschaut. HĂ€ufig prahlten Freunde, dass sie nur 6 Stunden schlafen wĂŒrden. In meiner Schulzeit war es noch angesagt, eine Nacht durch zumachen und Parties in meinen 20ern haben ohnehin niemals vor 22 Uhr begonnen. An der UniversitĂ€t habe ich mir die Kurse zwar in den Nachmittag gelegt, aber dennoch kam ich oftmals ĂŒbermĂŒdet dort an. Damals habe ich mich noch gefragt, welche Schlafform am besten wĂ€re. In einem faszinierenden Experiment versuchte Steve Pavlina sein Schlafpensum auf 2 Stunden zu drĂŒcken, indem er alle 4 Stunden 20 Minuten schlief. Auch das beeindruckte mich. Schlaf erschien als etwas, dass wir trainieren könnten. Als ich dann spĂ€ter an der UniversitĂ€t morgens um 8 Uhr unterrichten musste, habe ich die Stunden irgendwie im Halbschlaf rumbekommen. In Taiwan bin ich mittags nach Hause um den mangelnden Schlaf nachzuholen. Weiterlesen

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Was ist Bildung in der Zukunft und was ist Intelligenz? (5 Punkte am Mittwoch)

Ziel nach meiner Dissertation ist es jede Woche 5 interessante Links zum Thema „Lernen“ zusammenzutragen. Etwas ambitioniert, da ich Ă€hnliches im Bereich „Philosophie“ versuche. Nach meiner Dissertation suche ich auch nach neuen Gedanken, die uns mehr ĂŒber die Zukunft sagen, Gedanken, die noch nicht gedacht sind.

2. Die Zukunft der Bildung

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Dissertationsverfahren abgeschlossen, Fragen zur Intelligenz und Bullet Journals (5-Bullet-Monday)

1. Was ist zuletzt passiert?

Mein Dissertationsverfahren zum Thema „Semantischer Realismus und Geschichtlichkeit“ (Semantic Realism and Historicity) ist abgeschlossen. Mein Professor meint, dass das resultierende Buch in einem guten Verlag unterzubringen sei, was bedeuten wĂŒrde, dass meine Ansichten zur Epistemologie und zur Spaltung zwischen analytischer und kontinentaler Philosophie in vielen Bibliotheken der Welt erscheinen wĂŒrden.

Pittsburgh ist in der Zwischenzeit zur Nummer 1 im Bereich „Philosophie“ aufgestiegen und ich bin ganz froh ĂŒber die Pittsburgh School und ihr VerhĂ€ltnis zur Spaltung (Divide) geschrieben zu haben. Weiterlesen

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Von der Macht des Gebens: Adam Grants „Givers and Takers“ und sein altruistischer Ansatz fĂŒr Erfolg

Welche Seite ist stÀrker in dir? Die dunkle Seite der Macht oder die helle? Folgendes Experiment:

Nehmen wir an, du bekommst Geld. Ja einfach so. Nicht viel und da ist eine Bedingung. Nichts schlimmes, aber du musst das Geld mit einem dir Unbekannten teilen. Du wirst diesen Unbekannten niemals sehen. Alles, was du tust, wird keine Auswirkungen auf dich haben und natĂŒrlich kennst du den Unbekannten nicht. Du musst nur mit ihm teilen und die Frage ist welche von den drei folgenden Optionen wĂ€hlst du?

A) Du bekommst 7 Euro und der Unbekannte bekommt 4 Euro
B) Du bekommst 5 Euro und der Unbekannte ebenfalls 5 Euro
C) Du bekommst 4 Euro und der Unbekannte bekommt 8 Euro

Nun, du hast dich entschieden und das ganze bestimmt welche Art Mensch du bist. Vielleicht zeit es nicht an, wie du dich in allen FĂ€llen entscheidest, aber es zeigt eine Tendenz. Weiterlesen

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E-Pianos leisten mehr als Klaviere – Welches E-Piano kaufen? Wie mit Musik kostengĂŒnstig beginnen?

Mein Klavier kostete zunehmend mehr und schließlich klappte es ab. Statt einem neuen Klavier, habe ich mir jetzt ein E-Piano gekauft. Viele meiner Musikerfreunde zucken dabei kritisch mit der Augenbraue. E-Pianos sind jedoch keine billigen Kopien von Klavieren. FĂŒr Expertenohren lĂ€sst sich der Wohnzimmerklang eines guten E-Pianos kaum mehr von wirklich guten FlĂŒgeln unterscheiden. Weiterlesen

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Du musst dein Leben Àndern, du musst Klavierspielen. Warum Persönlichkeitsentwicklung durch Musizieren am effizientesten ist.

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Im letzten Artikel sprachen wir ja bereits ĂŒber die Frage der Persönlichkeitsentwicklung und bis zu welchem Alter dies möglich sein sollte. Nun ist natĂŒrlich klar, dass tĂ€gliche Routinen diese VerĂ€nderung am Besten bewerkstelligen, denn nach Studien der Duke University machen Gewohnheiten circa 40 Prozent unseres Tages aus (Habits: A Repeat Performance by David T. Neal, Wendy Wood, and Jeffrey M. Quinn). Sloterdijk, der uns als Gewohnheitstier sieht, spricht gar von 99,9 Prozent. Das Leben ist Wiederholung. Es gibt so gut wie nichts, dass wir nicht irgendwie eingeĂŒbt hĂ€tten: Laufen, Essen, sogar Schlafhygiene oder frĂŒh Aufstehen sind Dinge, die auf Autopilot funktionieren können. In diesem Sinne muss dauerhafte Entwicklung ĂŒber Gewohnheiten geschehen.

Exp Wachstum

Auf einigen Seiten heißt es immer wieder, dass 1 Prozent Verbesserung pro Tag, am Ende eine 37-fache Selbststeigerung bedeute. Verbesserung soll also nicht tĂ€glich auf ein Maß festgelegt sein, sondern von Vorhandenem ausgehen. Dieses heißt auch im Fachjargon "Kaizen". NatĂŒrlich setzt es voraus, dass wir uns nicht in schlechte Verhaltensmuster zurĂŒckfallen lassen, und natĂŒrlich auch dass Wachstum in diesem Sinne keine Grenzen hat. ZunĂ€chst bleibt das Argument daher leer, denn VerĂ€nderung ist keine Formel, sondern eine sehr weit gefasste Aufgabe fĂŒr ein gelungenes Leben. By MarianneBirkholz (Own work) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Aber wie sich am besten verĂ€ndern? Wir hatten ja hierzu im letzten Artikel den Fall eines Mörders besprochen, der nun nach 20 Jahren VerĂ€nderung ein Yoga-Studio in Stralsund leitet. Zu der Frage der Persönlichkeitsentwicklung gibt hier natĂŒrlich sehr viele Websiten, aber trotz der vielen Informationen Erfolg kommt von einem Gehirn, das leider sehr trĂ€ge sein will. VerĂ€nderung passiert in kleinen Schritten tĂ€glich und die sind mit unter sehr schwer zu machen. Wir beginnen daher mal mit einem klassischen Argument: GemĂ€ĂŸ Aristoteles muss nun, wer mutig sein will, sich Situationen aussetzen, die Mut erfordern (Nikomachische Ethik). Daraus könne wir analogisch ableiten: Wer besser sein will, muss sich Situationen aussetzen, die Verbesserung erfordern. Und wo können wir diese Verbesserung am ehesten herbeifĂŒhren? Auch hier schauen wir in die klassische Erziehungslehre. Nach Platon gehen zunĂ€chst der Körper und die musikalische Bildung dem Aufstieg aus der Höhle zur Sonne voran (die Sonne ist die Selbstaktualisierung nach Masslow’s BedĂŒrfnispyramide siehe Artikel dazu hier), 

Ich denke nun auch, dass ein Musikinstrument zu erlernen, ein gutes Modell fĂŒr die Selbstverbesserung darstellt. Warum? Sobald man geringfĂŒgiges Wissen erworben hat, kann man sich in Zirkeln engagieren, die es genau darauf anlegen, am Instrument besser zu werden und man kommt mit Menschen in Kontakt, die vielfĂ€ltige Interessen haben, wobei es ihnen hĂ€ufig um positive Charakterentwicklung geht (vor allem im klassischen Bereich). Aber bringen wir noch ein paar andere Daten ins Spiel:

Musik ist ein intellektuelles Gesamt-Work-Out

Bei der Persönlichkeitsentwicklung bedeutet ein Musikinstrument ein komplettes Work-Out fĂŒr den gesamten intellektuellen Organismus. Die Vielschichtigkeit der Musikpraxis erreicht kein anderes Interesse. Musizieren hat Effekte auf die Gesundheit, wirkt zu Teilen wie ein physisches Training auf den Körper, verbessert die Intelligenz als auch die emotionalen FĂ€higkeiten. Wer sich also verbessern will, der sollte damit beginnen, ein Instrument zu erlernen und es auch möglichst frĂŒh seinen Kindern nahe legen. NatĂŒrlich entspricht dies nicht meiner gesamten Konzeption des Lernens, denn Lernen zeichnet sich durch ein komplexes Netzwerk von tĂ€glichen Routinen aus. Ich behaupte aber, dass Musik einer der zentralen Punkte unseres Lebens sein sollte. Warum?

Ich selbst spiele seit vielen Jahren Klavier und werde regelmĂ€ĂŸig gefragt, ob ich professioneller Pianist sei. Das verneine ich immer mit einem schĂŒchternen LĂ€cheln, aber ungeachtet der sozialen Ehrung und persönlichen Eitelkeit muss ich sagen, dass mich das Musizieren zu einem besseren, vor allem ausgeglicheneren Menschen gemacht hat, und dass es mir womöglich am Meisten im Leben gegeben hat, noch mehr als meine Profession, die Philosophie. Zudem habe ich so viele Freunde durch die Musik kennengelernt wie zum Beispiel meinen besten Freund Kiril Stankow. Nach Maslows BedĂŒrfnispyramide erfĂŒllt Musik alle Punkte und kann uns, wenn wir es denn erlernen, bis zur Selbstaktualisierung bringen. Schauen wir uns aber auch ein paar Studien hierzu an.

Woher wissen wir, was uns intelligenter macht?

Die letzten 20 Jahre bedeuten eine wissenschaftliche Revolution. Da Daten nun mittels des Internets geteilt werden, hat sich ein dichtes Netz von Studien ergeben, wonach nun der Einfluss von Musik auf die Bildung genauer bestimmt werden kann. Auch die Neurowissenschaft hat hierauf starken Einfluss genommen. Bevor sich diese beiden Felder entwickelt hatte, war dieser Einfluss von Musik oftmals nur sehr ungenau bestimmt. Im Folgenden werde ich die wesentlichen Fakten des Einflusses des Musizierens auf unsere Intelligenz darlegen und mit zunehmender KomplexitĂ€t auflisten. Ich empfehle dabei, soweit zu lesen, wie es sinnvoll erscheint, es ansonsten als gute Basis fĂŒr Argumente zu nutzen. Zu den Konsequenzen komme ich weiter unten. Reicht also die Geduld nicht aus, um sich durch die detaillierten Ergebnisse zu wĂŒhlen, empfehle ich ruhig zum Ende vorspringen.

Kurzfakten:

  1. Musizieren hilft bei feinmotorischer Entwicklung, emotionaler Entwicklung Aufmerksamkeit, Angstmanagement, emotionaler Kontrolle (Studie, Magnetic Resonance (MRI) Study of Normal Brain Development)
  2. Nach einer MIT Studie ist der Cerebral Cortex von Konzertpianisten 30 Prozent grĂ¶ĂŸer als der von anderen Menschen, die als intellektuell bezeichnet werden (child.http://www.keynotespianostudio.com/Tallahassee_Piano_Lessons/benefits-of-piano-study/)
  3. 75% aller Manager im Silicon Valley hatten Instrumentalunterricht als Kind (child.http://www.keynotespianostudio.com/Tallahassee_Piano_Lessons/benefits-of-piano-study/)
  4. Lesen bedarf verschiedener FĂ€higkeiten wie Rhythmus und ZĂ€hlen, was insgesamt der mathematischen FĂ€higkeit helfen kann. So zeigen Studien auch , dass MusikschĂŒler hĂ€ufiger besser in der Schule sind (Quelle: Friedman, B. (1959) An evaluation of the achievement in reading and arithmetic of pupils in elementary schools instrumental classes. Dissertation Abstracts International, 20, pp.s 3662-3663.) http://www.effectivemusicteaching.com/articles/directors/18-benefits-of-playing-a-musical-instrument/
  5. Musizieren verbessert Testscores, (nach Studien der University Texas und Georgia gibt es signifikante Korrelationen zwischen der Anzahl der Jahre, in denen ein Musikinstrument gespielt werde und den akademischen Leistungen in Mathematik (University of Sarasota Study, Jeffrey Lynn Kluball; East Texas State University Study, Daryl Erick Trent) 
  6. Ebenso verbessert Musizieren die SprachfÀhigkeiten  (Quelle weiter unten)
  7. Musizieren kehrt Stress auf der molekularen Ebene um. Zitat: „It can reverse stress at the molecular level.“ (Studies conducted by Loma Linda University School of Medicine and Applied Biosystems; Medical Science Monitor) 
  8. Musizieren beeinflusst unsere Hormone positiv.  Zitat: „[…] group keyboard lessons showed significantly higher levels of HgH than the control group people who did not play.“ (University of Miami) Quelle: http://www.laphil.com/sites/default/files/media/pdfs/shared/education/yola/susan-hallam-music-development_research.pdf
 Konkretere Fakten Argumentationen nach: The power of music: its impact on the intellectual, social and personal development of children and young people“ von Susan Hallam, Institute of Education, University of London Executive
Da Klavierspielen eine sehr komplexe FĂ€higkeit ist, hat es positive Effekte in vielen Bereichen. Wichtig ist festzuhalten: Einige FĂ€higkeiten werden von unserem Gehirn auch automatisch fĂŒr andere Bereiche genutzt, andere Bereiche bedĂŒrfen Reflexion. Viele Lernprozesse laufen allerdings unbewusst ab und hier ist es wichtig, eine gute Strategie zu haben und nichts erzwingen zu wollen. Aus diesem Grund ist auch ein gutes, kritisches Coaching wichtig.
Im Folgenden finden sich einige Fakten, die ich nach Hallam zusammengetragen habe. Das Dokument ist wirklich sehr dicht und weist viele Studienergebnisse nach. Um das ganze noch detaillierter anzugehen, empfehle ich, dort nachzuschlagen (der Text ist allerdings auf Englisch)
Wir trainieren mit Musik auch unsere Sprache
Nach Hallam teilen Wahrnehmung, Sprache und Lesefertigkeiten sowie Musik viele Prozesse und wirken daher wechselseitig aufeinander ein. Aktives Musiktraining erhöhe daher die Aufnahmebereitschaft im linguistischen Bereich. 8-jĂ€hrige mit nur 8 Wochen musikalischem Training zeigten hier bereits Verbesserung in der Wahrnehmung mit Kontrollgruppen. Was trainiert werde ist die „phonemische Bewusstheit“.
Ich kann dies aus meiner persönlichen Erfahrung bestĂ€tigen, ich bekomme immer wieder Komplimente fĂŒr meine sehr korrekte Aussprache im Chinesischen, sicher auch ein Resultat meiner musikalischen Ausbildung.
Hallam argumentiert weiter: Ein Instrument zu erlernen, verbessert die FĂ€higkeit Wörter zu erinnern durch eine VergrĂ¶ĂŸerung der linken „cranial temporal regions“. Musikalisch trainierte Teilnehmer konnten so 17% mehr verbale Informationen aufnehmen. Auch hier kann ich auf meine persönliche Erfahrung zurĂŒckkommen, da mir bereits nach meinen ersten Aufenthalten in Amerika eine sehr gute Englische SprachfĂ€higkeit bescheinigt wurde und das obwohl ich in der Schule wirklich nicht zu den großen Leuchten gehörte. Ich denke, dass mich vor allem hier die Musik positiv beeinflusst hat.
Musiker sind grĂ¶ĂŸer UND intelligenter 
Desweiteren konnte in 15 Studien festgestellt werden, dass es eine starke vertrauenswĂŒrdige Verbindung (‘strong and reliable)’ von 2,54 cm KörpergrĂ¶ĂŸenunterschied zu Gunsten der Musiker gĂ€be. Nach einer Studie die Theater- mit Musikunterricht verglich, hatten die SchĂŒler der Theatergruppe einen durchschnittlich höheren IQ um 4,3 Punkte, wĂ€hrend Kinder der Musikgrupe um 7 Punkte höher abschnitten. Zwei national reprĂ€sentative Studien in den USA mit 45.000 Kindern konnten weitere ZusammenhĂ€nge verdeutlichen: Höhere KreativitĂ€t, besonders wenn das Spielen des Instruments Improvisation enthielt – erhöhter Selbstwert, Durchhaltevermögen, um Frustrationen zu ĂŒberkommen, und Selbstdisziplin sind nur einige der Ergebnisse. Im Weiteren hat die Teilnahme in Musikgruppen Freundschaften gefördert, soziale FĂ€higkeiten, soziales Netzwerken, Teamwork, einen Sinn der Dazugehörigkeitund erhöhte Konzentration. Und auch hier muss ich sagen, die meisten meiner Freunde in Pittsburgh kommen aus dem musikalischen Umfeld.
Musizieren wirkt schnell
Der Einfluss von Musik macht sich zudem sehr schnell bemerkbar. 25 Minuten Musiktraining fĂŒr 7 Wochen ergab bereits höhere GehirnaktivitĂ€t bei 4 bis 6 jĂ€hrigen. Nach Haley (2001) zeige sich, dass Studenten, welche vor dem vierten Schuljahr mit Musizieren begannen, bessere Resultate in Musik aufwiesen; insbesondere die Tasteninstrumente schnitten hier besser ab 
Auswirkungen auf die Schulleistung: Es sind nicht nur die besseren SchĂŒler, die ein Instrument lernen, sondern das Musizieren macht sie besser.
Nach einer Studie von Morrison (1994) von 13.000 Studenten zeigte sich, dass High-School-Students bessere Noten in Matehmatik, Geschichte und anderen Wisssenschaften hatten. NatĂŒrlich ist die Frage, die sich den wissenschaftsgeneigteren Lesern aufdrĂ€ngt, ob der Einfluss nicht durch die Musik, sondern durch die Eltern kommt oder aber, ob bessere SchĂŒle eher dazu tendieren ein Instrument zu lernen. Hierzu wurde eine Studie durchgefĂŒhrt: Nach Southgate and Roscigno  (2009) ist das Engagement in Musik zwar von den Eltern abhĂ€ngig, aber auch nachdem der Einfluss der Eltern einbezogen wurde, zeigen sich immer noch die positiven EinflĂŒsse von Musik.
 
Musik ist die höchste Form der Kunst
Musik im Vergleich mit Visual Art fĂŒhrte zu höherer KreativitĂ€t. Umso höher die Anzahl der Musikstunden, desto höher war die KreativitĂ€t (Hamann et al., 1991). Andere Studien betonen auch den Bezug zum kritischen Denken (NACCCE, 1999). Gerade Improvisation half signifikant beider Entwicklung des Kreativen Denkens. Broh (2002) zeigte ebenso, dass MusikschĂŒler mehr mit ihren Eltern und Lehrern reden. Auch die Eltern sprachen vermehrt mit befreundeten Eltern. Das resultierende höhere SelbstwertgefĂŒhl war auch assoziiert mit grĂ¶ĂŸerem Erfolg in der Schule. In Studien aus der Schweiz fand man heraus, dass eine Erhöhung des Musikunterrichts keine negativen Effekte in Sprachen oder Lesefertigkeiten hatte, gegeben durch die reduzierte Stundenzahl in den anderen Bereichen.
ZĂ€sur: Es gibt hier derartig viele Resultate und wir ĂŒberspringen die emotionalen EinflĂŒsse, dazu kommen wir nĂ€mlich noch am Ende. Interessant sind aber auch die Effekte auf physische Entwicklung und Gesundheit, sowie das GlĂŒcksempfinden.
Mit dem Musizieren verbesserte sich auch das Werfen, Fangen und Springen. vor allem wenn Kinder in Programmen teilnahmen, die Rhythmus enthielten. Bekanntermaßen ergeben sich aus dem Singen viele positive EinflĂŒsse auf die Lungenfunktion, aber auch das Wohlebefinden, Entspannung und soziale Kontakte verbesserten sich (Clift and Hancox, 2001). Clift und Hancox fanden auch positive Ergebnisse fĂŒr das Immunsystem und das Herz heraus. Clift et al. (2008)
Nach Parr (1985) wĂŒrde Musizieren auf das Herz wirken wie ein flotter Spaziergang. Die Sterblichkeitsraten in Gesellschaften, die sich stĂ€rker auf Musik konzentrieren, sind angeblich sogar geringer. (Bygren, Konlaan & Johnansson, 1996; Konlaan, Bygren and Johansson, 2000; Johansson, Konlaan and Bygren, 2001; Hyyppa and Maki, 2001). Und das Musik der Entspannung hilft, brauchen wir wohl nicht erwĂ€hnen. Mir sind auch noch Dokumentationen im ‚Ohr‘, die betonten, dass aktive Musiker seltener zu Alzheimer neigten, oder dass Alzheimer hier besser kompensiert werden konnte. Wen das alles nicht ĂŒberzeugt, der kann sich das folgende Video anschauen (und dabei gleich ein bisschen English lernen).
Dies sind also die bisherigen Effekte des Musizierens und die Studien (auch wenn mitunter nicht ganz klar) legen nah, dass Eltern, die ihren Kindern, die besten Chancen ermöglichen wollen, auch ĂŒber die richtige musikalische Ausbildungen nachdenken sollten. Der beste Grund aber, warum wir Musik machen sollen, ist nicht der Leistungsanspruch. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Musik Menschen zusammen bringt, Menschen, die Sinn in einer produktiven TĂ€tigkeit finden. In der Musik kann man Freunde finden, das ist mir in meinem Leben hĂ€ufig geglĂŒckt. Hierbei geht es nicht unbedingt darum, der Beste zu sein und wie oftmals beim Sport darum, sich hervor zu tun, sondern sich mit anderen gemeinsam an einem großen Werk zu versuchen. In diesem Sinne verspricht Musik einen idealen Beginn in der Persönlichkeitsentwicklung. Aber auch dies sind nur extrinsische GrĂŒnde, der einzige Grund, den ich anmerken kann: Es macht mir Spaß am Klavier zu sitzen und zu ĂŒben, zu sehen, wie ich mich verbessere und von Zeit zu Zeit, Musik, die ich selbst produziere zu genießen. Es macht mir auch Spaß, dieses weiterzugeben. In Pittsburgh habe ich einen Hochzeitsmarsch komponiert, der nun auf immer mehr Hochzeiten gespielt wird. Das ist schön und letztes Wochenende habe ich auf einer Talentshow gespielt, wonach mich viele Leute danach auf das StĂŒck angesprochen haben und sehr begeistert waren. Und es geht noch sentimentaler: Eine meiner Freundinnen weint gerne, wenn sie Klaviermusik hört :)
Und wie geht es jetzt weiter? Es beginnt wohl damit, ein Musikinstrument zu kaufen, einen engagierten, guten Musiklehrer zu finden und auch seine Kinder zum Musikunterricht anzumelden. Klavier ist ĂŒbrigens meine Empfehlung, weil es in allen Musikbereichen integrierbar ist, FlexibilitĂ€t ermöglicht und vor allem auch immer eine TĂŒr zum klassischen Bereich aufhĂ€lt (es ist allerdings kein Muss). Gitarren sind transportabler, aber neuste Stage-Pianos sind auch leicht woanders unterzubringen und haben noch sehr hohe QualitĂ€t. NatĂŒrlich sind Klaviere teuer, hier in Pittsburgh habe ich mir jetzt gerade erst ein Yamaha P-45 gekauft, nachdem unser Klavier abgeklappt ist (spart auch die 200 Dollar stimmen jĂ€hrlich und an FlĂŒgeln kann ich an der Uni ĂŒben).

Das ist E-Piano sehr gĂŒnstig, hat ein paar Limitierungen im kĂŒnstlerischen Ausdruck, aber das PreisleistungsverhĂ€ltnis ist unschlagbar. FĂŒr AnfĂ€nger kann es meines Erachtens keine andere Empfehlung geben, denn nach 3 Jahren ist das Geld schon wieder drin, weil man es nicht fĂŒr das Stimmen eines Klavieres ausgegeben hat. Ich setze mich mal hin und werde einen Artikel ĂŒber E-Pianos schreiben, denn auch unter Profis sind diese noch sehr unterschĂ€tzt.

Wenn ihr keine weiteren BeitrĂ€ge verpassen wollt und mir weiter folgen wollt, dann solltet ihr in den E-mail-Verteiler schlĂŒpfen (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). Ihr könnt mich auch bei Google+ adden, oder der Facebookgruppe oben rechts beitreten. Ein RSS-Feed fĂŒr die progressiven Internetnutzer ist natĂŒrlich auch vorhanden. Ansonsten könnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten wĂ€re weiterempfehlen ganz nett.

Frohe Weihnachten, Norman Schultz, Pittsburgh, Dezember 2015

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