Lernen als soziale Eigenschaft des Menschen – Im Gespr√§ch mit Emil Darrenhofer √ľber Lerntaktiken, Lernstrategien, Schule und den ganzen Rest (zweiter Teil)

Emil Darrenhofer: Nach unserem letzten Gespräch, wo wir die Bedeutung des Sozialen im Lernen hervorgehoben haben, wäre es sinnvoll, soziales Lernen am eigenen Beispiel zu beschreiben.

Norman Schultz: Ich habe hier in Pittsburgh gro√ües Gl√ľck.Im Moment habe verschiedene Lernzirkel gefunden. Zum Einen zieht nun Roli Carspecken in mein Haus in Pittsburgh. Dessen Vater ist Professor f√ľr Philosophie in Indiana. Dieses t√§gliche Training, das er √ľber die vielen Jahre erfahren hat, macht sich klar in seiner Arbeitsweise bemerkbar. Die Systematizit√§t mit der wir das Werk von Hegel in kleinen logischen Schritten entschl√ľsseln, bis in kleinste, logische Details zerlegen, habe ich so noch nicht zuvor betrieben. Seine Ausdauer diesbez√ľglich ist bemerkenswert.

Zweitens, habe ich einen Lernzirkel zusammen mit John Harvey, der Griechisch, Latein, Franz√∂sisch und Deutsch nahezu perfekt ins Englische √ľbersetzen kann. Wir gehen hier in die linguistischen Details jeder Sprache und rekonstruieren dann die Argumente. Das macht mir sehr viel Spa√ü, da ich ja Linguistik studiert habe. Dar√ľberhinaus sind seine linguistischen F√§higkeiten √§hnlich gut ausgepr√§gt wie seine mathematischen Kenntnisse innerhalb der analytischen Traditionen. Er unterrichtet an einem College hier Logik. Die Gespr√§che mit ihm motivieren mich auch, auf die Grundlagen der Mathematik zur√ľckzukommen und auch grundlegende Beweise in meine Dissertation einzuarbeiten.

Drittens, habe ich eine Lerngruppe mit Kiril (Dirigent) und Konstantina Stankow (Pianistin) zusammen, wobei wir jeden Abend verschiedene Tabellen ausf√ľllen, die verschiedene Punkte zu unseren Lernfortschritten in verschiedenen Bereichen angehen und wir w√§hlen uns selbst Challenges. Wenn wir die selbstgesteckten Lernziele nicht erreichen, so zahlen wir gemeinsam in eine Kasse ein und gehen dann davon essen. Einmal w√∂chentlich haben wir dann einen gemeinsamen Telefontermin, indem wir Texte zu dieser Pers√∂nlichkeitsentwicklung durchgehen und die Tabellen √ľberarbeiten. Wir quantifizieren und qualifizieren in den Tabellen. Ich fasse diese Ergebnisse der Selbstquantifizierung hier regelm√§√üig an der CMU University beim Quantify Yourself-Meet-up zusammen, wo ich schon viele Menschen getroffen habe, die mir bei der Aufarbeitung der statistischen Informationen behilflich sind.

Viertens, ist es √ľber diese allgemeine Entwicklung hinaus sehr hilfreich mit Menschen in Kontakt zu sein, die konstant lernen m√ľssen. Da m√ľssen bei Kiril und Konstantina immer wieder neue St√ľcke einge√ľbt werden und das motiviert mich auch am Klavier weiter zu gehen. Ich habe hier jetzt auf einem gro√üen Banquet f√ľr einen wohlt√§tigen Zweck gespielt, wo die verschiedenen Million√§re Pittsburghs sich zusammengefunden haben. Ich habe dies jetzt bereits zum dritten mal gemacht. Mein Repertoire ist jetzt ca. 2 Stunden lang und hat hohe technische Qualit√§t. Ich spiele Weihnachten zum Gottesdienst in der Kirche im Stadtzentrum. Die Kontakte, die sich dadurch ergeben sind unsch√§tzbar und treiben mich weiter an. John Dolan lobte mich sehr, der hier Professor f√ľr Robotics an der Carnegie Mellon University ist, aber in der Kirche in Pittsburgh zus√§tzlich die musikalische Leitung hat. Der Kontakt zu ihm, erweitert immer wieder meine Perspektiven in Bezug auf k√ľnstliche Intelligenz. Zudem spiele ich dadurch in einer Band mit nahezu professionellen Musikern und mit zwei anderen Studenten, erarbeiten wir gerade das D-Moll Violintrio von Bach, was wir dann auch zur Auff√ľhrung bringen. Solche Kontakte treiben mich dazu an, auch hier Entwicklungen immer wieder zu hinterfragen und es geht wesentlich besser √ľberhaupt zu lernen.

Es gibt noch weitere, dieser Projekte, zum Beispiel mein im Semester 2-mal w√∂chentliches Training mit Tom Martinek, der nationaler Meister im Schach ist und was mich letztlich auf Expertenniveau im Schach gebracht hat. Ich trainiere weiter neue Er√∂ffnungen mit Tom Dean, der Mathematik studiert und mit mir neben den Schachspielen auch Grundlagen der mathematischen Beweisf√ľhrung immer wieder durchgeht.

Neuerdings beginne ich nun ein Treffen mit Professor Mystick (Juraprofessor hier an der Duquesne University) und weiteren Kollegen, wo wir Theorien zum Strafen durchgehen und versuchen wollen, Artikel zur verqueren Theorie des Bestrafens in Amerika unterzubringen.

Neben allen anderen Kontakten ist aber wohl am wichtigsten, die t√§glich Arbeit mit Studenten, die meine F√§higkeiten innerhalb der Philosophie auf ein sehr stabiles Fundament gestellt hat. Allein, die Tatsache, dass ich dreimal die Woche eine Vorlesung organisiere, hat nicht nur meinen √úberblick √ľber die Philosophie gesch√§rft, sondern auch¬†meine F√§higkeiten in Englisch so extrem gesteigert, dass viele mich bereits fragen, ob ich in den USA aufgewachsen w√§re.

Emil Darenhofer: Dies zeigt, wie Lernen sozial funktioniert und wie sich dies auch auf das Entstehen von Wissen auswirkt. Es zeigt, wie dieses Soziale als Motor aller Entwicklung wirkt und wie wir deswegen Lernen diesbez√ľglich verstehen m√ľssen. Wir sollten dies weiter besprechen.

Norman Schultz: Bisher hatten wir ja √ľber die Rolle des Sozialen noch sehr vage gesprochen. Kommen wir daher erstmal zu einem sozialen Problem, um den Sinn daf√ľr zu sch√§rfen. Im Moment bildet sich ab, dass M√§dchen in den Schulen den Jungen den Rang ablaufen. Inwiefern passt das zur Sozialthese?

Emil Darrenhofer: Das ist richtig ja. M√§dchen sind besser als Jungen in der Schule, sogar in den mathematischen Bereichen. Allerdings ist hier eine Anpassungsreaktion zu vermuten. M√§dchen sind immer noch als Frauen in einem repressiven System und f√ľgen sich eher den institutionellen Erwartungen als Jungen. Das institutionalisierte Lernen der Schule passt zu M√§dchen und der Unterdr√ľckung der Frau. Die Gefahr ist nun aber gro√ü, dass das erworbene Wissen im Alltagsmodus wieder austrocknet, weil M√§dchen nicht dazu ermutigt werden, dieses auch weiter zu verfolgen. Was n√ľtzt es Samen zu streuen, wenn die Bildung keine weitere Umsetzung erf√§hrt?

Norman Schultz: Meinen Sie, dass M√§dchen √ľber die Schule hinaus nicht gef√∂rdert werden?

Emil: Darrenhofer: Ich wei√ü nicht, woran es liegt, aber w√§hrend die Psyche bei M√§dchen im Sozialen auf eher „weibliche“ Themen umgeschmolzen wird, so sind Jungs st√§rker auf die Entwicklung ihrer F√§higkeiten bedacht.

(Anmerkung Norman Schultz: Ich habe in einem Artikel dargelegt, wie sich das weibliche Geschlecht auf Youtube eher den modischen Themen widmet und damit eine Geschlechertrennung im Internet stark manifestiert).

Jungen passen sich nicht der zunehmend mehr verweiblichten Schule an. Dieser R√ľckzug der Jungen von den Anpassungsforderungen der Schule findet eine sozial akzeptierten Kompensation in den technischen Bereichen. Ingenieursrelevante Interessen, Computer oder eher mathematische Hobbies sind spezifischer f√ľr Jungen. In diesem Sinne sehen wir, dass M√§dchen zwar in der Schule erfolgreicher sind, aber gleichzeitig, dass sich Lernen nicht in der Institution ereignet, sondern im sozialen Bereich erst die entscheidende Vertiefung erf√§hrt. Wenn wir M√§dchen nicht ermutigen auch hier Fortschritte zu erzielen, dann wird sich der Erfolg der Schule nicht fortsetzen lassen. In diesem Sinne gehen dann Jungs auch nicht in die hoffnungslos √ľberlaufenen, sozialen und geisteswissenschaftlichen Bereiche.

Norman Schultz: Nun gut, das Thema ist womöglich sehr kontrovers. Es zeigt sich aber, dass die Schule nicht hinreichend ist, um Bildung zu ermöglichen.

Wir hatten beim letzten mal allerdings, ein Video gew√§hlt, das mit Lerntipps hantierte (Link zum Video). Problem war dabei, dass es verschiedene Dinge einfach zusammenr√ľhrte und das Lernen nicht systematisch anging. In diesem Sinne sagen wir auch in der Soziologie: Gr√ľnde sind immer billig. Ein Beispiel: In einem Versuch zeigte man Probanden Bilder von Personen und bat die Probanden, zu entscheiden, welche Person sch√∂ner sei. Danach vertauschten die Versuchsleiter die Bilder ohne die Kenntnis der Probanden und zeigten ihnen das Bilder der nicht-sch√∂nen Person. Die Probanden sollten dann erkl√§ren, warum sie sich f√ľr diese Person entschieden haben und nat√ľrlich gab es genug Gr√ľnde, die ihnen in diesem Moment in den Sinn kamen.

Emil Darrenhofer: Ein Grund warum diese Clickbait-Artikel (Artikel die viele Klicks erzeugen sollen) wie zum Beispiel 7 Gr√ľnde, warum du deinen eigenen Blog gr√ľnden solltest, so ansprechend, aber andererseits auch einfach nur nervig. Ich k√∂nnte 100 Gr√ľnde auflisten, warum wir diese √úberschriften nicht mehr w√§hlen sollten.

Norman Schultz: Zur√ľck zum Thema: Wir wollen wissen, warum nun dieses Vorschlagsvideo so gut wie sinnlos ist. Die Frage des Systems hatten wir schon abgearbeitet.¬†K√∂nnen wir nun vor dem Hintergrund der ausgef√ľhrten Sozialhypothese beantworten, warum derlei Lerntipps wie oben den Zugang zum Arbeiten verbauen?

Emil Darrenhofer: Der Markt ist √ľberf√ľllt mit Techniken, die Sie, wenn Sie diese denn beherrschen wollen, alle samt erst einmal im Alltag integrieren m√ľssen. Das geschieht aber nur, wenn Sie viel Energie investieren. Statt also dann sinnvoll zu arbeiten, nehmen ihnen die meisten vorgeschlagenen Techniken wertvolle Zeit. Nehmen wir an, sie schauen dieses Video, was aber dann?¬†Haben sie nicht irgendwie schon alles vorher gewusst? Ich vermute es sind sogar wesentliche M√§ngel in diesen Videos vorhanden, ich glaube zum Beispiel dass die Karteikartentechnik (der erste Tipp, sich Lernstoff auf Karteikarten zu schreiben) bedingt sinnvoll ist, vielleicht h√∂chstens zur Strukturierung von Lerninhalten, aber Studien zeigen klar, dass wir eher durch intelligente Fragen, den Stoff lernen. Mit Karteikarten lernt man zum Beispiel auch keine Sprache. Zweitens, Mindmapping ist eine stark limitierte Technik, die viele Kausalverbindung nicht zul√§sst. Mindmapping ist ein sehr amerikanisches Modell, das deutschen Anspr√ľchen einer systematischen Verkn√ľpfung von Lerninhalten nicht gen√ľgen kann. Ich schlage daher eher das Text-Bild-Verfahren der Michelmanns vor, das sie zur Ausbildung von Lesekompetenz anbieten.

Aber auch hier kommt es darauf an, diese Dinge sozial zu erwerben. √úbrigens einer der Gr√ľnde, warum sie ihr echtes Schnelllesen (zu unterscheiden von dem ganzen anderen Quatsch, der am Markt ist) nur in sehr aufwendigen Einzelsitzungen anbieten k√∂nnen.

Den dritten Vorschlag, mit alten Pr√ľfungen zu lernen halte ich f√ľr sehr sinnvoll, weil es die Lerninhalte in kausalen Zusammenh√§ngen darstellt. Hier aber fehlt es dann an der Kontrolle, ob Lerninhalte nicht nur abgearbeitet werden und an der richtigen Implementierung im Alltag. Der n√§chste Tipp war daher Zeitmanagement, wobei nat√ľrlich vielen klar ist, dass sie ihre Zeit managen sollten und sich das vornehmen, so wie sie sich am Neujahrstag eben auch Sport vornehmen. Wie aber halten wir Sport durch?

F√ľnftens, der Wert der Lerngruppen deutet dabei in die richtige Richtung, aber auch hier ist unklar, wof√ľr die Lerngruppe da sein soll und wie wir diese produktiv gestalten. Alles in allem sind dies Lebensratschl√§ge, die keine relevante Ver√§nderung beim Einzelnen bewirken werden und in diesem Sinne, k√∂nnen sich die Zuschauer das Ganze sparen.

Norman Schultz: Ich m√∂chte das gerne auch am Beispiel des Schach verdeutlichen, da ich ja hier in Pittsburgh, wie oben erw√§hnt, als Experte mit meiner gegenw√§rtigen Schachwertzahl gelte. Ich habe gerade das Buch von Kotov: „Play Like a Grandmaster“ gelesen.

Dieses vermittelt viele Stellungsbewertungen aber wie zum Beispiel auch der Gro√ümeister Victor Smirnov verdeutlicht: Stellungsbewertungen k√∂nnen analytisch zusammengetragen werden, aber sie geben nicht die L√∂sung. Die wichtige Intuition f√ľr die L√∂sung wird dabei nicht magisch mitgeliefert. Ich kann zum Beispiel eine Stellung analysieren und erkennen, dass die T√ľrme sich auf der offenen Linie befinden. Die Stellung wird nach einer Einsch√§tzung f√ľr Wei√ü als klar besser evaluiert und dennoch kann ich den Vorteil, der sich aus der Analyse ergibt einfach nicht umsetzen (ich beziehe mich hier auf die Partie zwischen Botvinik und Sorokin um die USSR Meisterschaft aus dem Jahre 1931). Statt also hier analytischen Merkmalen zu folgen, muss ich gegen die oberfl√§chlichen Schachanalysen versto√üen und meine Bauernstruktur zerst√∂ren, nur um die relevanten Felder zu erobern. W√§hrend der gesamten Partie h√§lt sich Botvinik an kleinen strategischen Vorteilen fest, was sich erst im Endspiel in einen immer gr√∂√üeren und handfesten Vorteil manifestiert. In diesem Sinne ist keine Schachregel zu nutzen, sondern die konkrete Einbettung in bestimmte Umst√§nde. Genauso verh√§lt es sich beim Lernen. Lernen ist kein Prozess, der sich auf einen Algorithmus reduzieren l√§sst, sondern muss in einem sozialen Prozess gut bestimmt werden. Wer glaubt, dass er Lernen wie Chinesen durch das Einh√§mmern vom Einmal-Eins beendet oder dadurch, dass er vor allem in der Schule ein gutes Zeugnis mit nach Hause bringt, weil er Algorithmen beherrscht, der ist auf dem Holzweg.

Lassen Sie es mich aus einer anderen Perspektive sagen:¬†Lernen ist eine Gattungseigenschaft des Menschen. Subtrahieren wir das Lernen vom Wesen des Menschen, so haben wir es nicht mehr mit einem menschlichen Wesen zu tun. Lernen geh√∂rt zum Menschen und da der Mensch auch ein soziales Wesen ist, ¬†muss Lernen sozial verstanden werden (Der Schluss funktioniert, da Definitionen nicht kreativ sein d√ľrfen. Das hei√üt, das Soziale ist im gewissen Sinne Lernen und schlie√üt sich an Wittgensteins √úberlegung an, dass niemand allein, vern√ľnftig sein kann).

Emil Darrendorf: Ich vermute, und vielleicht handelt es sich hierbei nur um eine oberfl√§chliche Vermutung, dass dieses soziale Lernen in L√§ndern wie China nicht gut funktioniert. In dem Moment, wo ich den Leistungsdruck auf Sch√ľler so umlege, dass der soziale Zusammenhalt leidet und ich Schule nicht auch als etwas begreife, dass Klassenverb√§nde schafft, so verleugne ich einen wesentlichen Teil des Lernens. Ich m√∂chte sagen, dass eine produktive Freizeitgestaltung im Rahmen der Schule unerl√§sslich ist. Schulen sollen auch Orte der Freizeit sein, wobei Schule hier die Charakteristik der monstr√∂sen Institutionalisierung verliert. Schule ist kein anonymes, kafkaeskes Schloss, sondern muss ein lebendiger Organismus sein. Deswegen sollten wir den Wert von zum Beispiel Klassenfahrten oder Nachmittagsaktivit√§ten nicht untersch√§tzen.

Norman Schultz: Da stimme ich zu. Es ist genau das, was ich meinen Studenten am Ende des Semesters sagte. Es kommt nicht darauf an, ob sie hier in meinem Kurs ein A bekommen, sondern auf die Aktivit√§ten, die sie innerhalb der Universit√§t ausf√ľllen. Wir werden sicher noch sp√§ter auf die Grenzen der Institution zur√ľckkommen. Aber vielleicht belassen wir es dabei f√ľr heute.

Dies war der zweite Teil unseres Gespr√§chs und es folgen Weitere. Wenn ihr diese nicht verpassen wollt und mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+.¬†oder¬†tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Wenn ihr wirklich keine Beitr√§ge verpassen wollt, dann solltet ihr in den¬†E-mail-Verteiler (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). ¬†Ein¬†RSS-Feed¬†f√ľr die progressiven Internetnutzer ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Norman Schultz, Juni 2015, Pittsburgh

Artikelbildattribution: © Nevit Dilmen [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

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Lernen und die Systematizit√§t im Sozialen – Im Gespr√§ch mit Emil Darrenhofer √ľber Lerntaktiken, Lernstrategien, Schule und den ganzen Rest


Emil Darrenhofer ist Bildungsforscher. Sein Schwerpunkt liegt auf Lerntechniken und Lernmethoden. Im Rahmen meiner Dissertation arbeite ich an der Frage, wie Wissen nur im Hinblick auf Systematizität zu verstehen ist. Aus unserer Korrespondenz und unseren Gesprächen zum Lernen haben wir ein Gespräch zusammengestellt, das wesentliche Fragen zur Lernforschung angehen soll, und auch Stellung zur gegenwärtigen Bildungskritik bezieht. Im Vordergrund steht die Frage, wie wir beim Studieren richtig lernen. Das Gespräch hat mehrere Teile, wobei wir hier den ersten veröffentlichen.
Norman Schultz: Herr Darrenhofer, was können sie hinsichtlich der Arbeitstechniken beim Studieren empfehlen?
Emil Darrenhofer: Lassen Sie es mich punktuell und radikal formulieren: Der Markt der Lerntechniken ist weit, un√ľbersichtlich, und das Schlimmste, verseucht. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie dort die richtigen Produkte finden k√∂nnen, aber Marketing macht mit Sicherheit den gr√∂√üten Teil dessen aus, was sie finden werden. Die meisten Marketer verschie√üen leere Worth√ľlsen und bieten ungetestete Versprechen an. Wenn sie Gl√ľck haben, finden sie unter den vielen Lerntipps keine, die ihnen den Zugang zum Arbeiten verbauen.
Norman Schultz: Haben Sie Beispiele?
Emil Darrenhofer: Die sollten wir detailliert besprechen. Meine Hauptpunkte sind hier die Versprechen der Speed-Reader-Community, der Glaube an Ged√§chtnistricks und das, was Sie eben in Form von Ratgebern √ľberall finden. Wir sollten diese exemplarisch abarbeiten, aber lassen Sie mich zuvor ein paar Dinge erw√§hnen: Die Meisten Menschen glauben immer noch an Wunder. Irgendwo wird es demnach schon so einen N√ľrnberger Trichter geben, der uns das Geheimnis der perfekten Pers√∂nlichkeit erschlie√üt, innere Tore aufst√∂√üt und uns einfach mal Genie sein l√§sst. Ich im Gegensatz glaube, unser Gehirn ist stabil. Pers√∂nlichkeitsver√§nderungen, wozu ich Lernen hinzuz√§hle, finden nicht √ľber Nacht statt, sondern bed√ľrfen Jahre. Um wirklich zu lernen, muss sich unser Gehirn grundlegend ver√§ndern und das passiert nicht durch irgendwelche Kniffe aus der Trickkiste.
Norman Schultz: Zu dieser Persönlichkeitsentwicklung sagt der Neuroforscher Gerhard Roth daher auch Folgendes:
„In der menschlichen Entwicklung gibt es alles, nur eines nicht: Dass ich mir vornehme, mich zu bessern, und von Stund an ein besserer Mensch bin. Wenn ich mich wirklich bleibend √§ndern will, m√ľssen vor allem die tieferen Schichten ver√§ndert werden.“ (Quelle: Artikel zur Pers√∂nlichkeitsver√§nderung)
Lernen ist nicht etwas, das von heute auf morgen geschieht. Ich nehme nicht eine Woche Klavierstunden und bin Pianist. Deswegen lassen sie uns zu den Beispielen kommen. Warum kommen wir mit Lernratgebern nicht voran?
Emil Darrenhofer: Ach, ich habe gerade eine Episode vom Tim-Ferriss-Experiment gesehen, in der sich der Held der Episode vornimmt, innerhalb von f√ľnf Tagen eine fremde Sprache, n√§mlich Taglog, zu lernen.¬†

Blickt man hinter den aufw√§ndigen Schnitt der Episode, so erkennt man, dass ihm das nicht wirklich gelungen ist. Ein paar Tricks angewandt auf ein paar Tage reichen nicht aus, um ein nat√ľrlich gewachsenes Kommunikationsmittel auf ein Gehirn zu pressen. Sprachenlernen funktioniert nicht dar√ľber, mit ein paar Tricks Wortgruppen auswendig zu lernen und sie irgendwo durch kreative Bildchen zu verankern. Eine Sprache ist eine eigene Welt und muss als eigene Welt gelebt werden. Ich glaube sein Vorhaben ist so √§hnlich absurd, wie Deutschland in f√ľnf Tagen zu erkunden und es dann zu kennen. Nein, da helfen uns Ged√§chtnistricks auch nichts. Es kommt auf eine langfristige Strategie an und vor allem auf Zeit.

Zweitens, ebenso suspekt sind mir eben diese Ged√§chtnistricks. Nat√ľrlich k√∂nnen wir uns Dinge mit verschiedenen Routentricks gut merken. Unser Gehirn speichert Umgebungen in einer Art neuronalen Kopie, daher k√∂nnen wir vermittels von Routen wirklich sehr gut, Fakten einpr√§gen. Aber hier liegt der Fehler: Was hat denn das zuf√§llige Ablegen von Fakten auf einer Route mit dem Erlernen einer komplexen F√§higkeit zu tun? Wer zum Beispiel Medizin studiert, will Knochen nicht irgendwo in einem imaginieren Palast ablegen. Das hilft vielleicht dabei Pr√ľfer auszutricksen. Aber beim wirklichen Lernen will er will aus komplexen Symptomen Schl√ľsse ziehen k√∂nnen. Das aber hei√üt Intuitionen erwerben und das passiert nicht beim Memorieren von einzelnen Daten, sondern bei der Auseinandersetzung mit den Daten im Detail. Die Daten m√ľssen bei einer komplexen F√§higkeit direkt vorliegen, wie in einem Random-Acess-Memory. Dieses Memorieren aber muss anders erfolgen. Es geht vor allem darum den Lernstoff zu Leben und nicht Zirkustricks zu erwerben. Das zu Erlernende muss gelebt werden, zugleich auch immer wieder analytisch untersucht werden. Sich eine Zahl wie Pi auf viele Stellen hinter dem Komma merken zu k√∂nnen, ruft vielleicht Erstaunen (Mein Artikel zum Ged√§chtnispalast) hervor, mehr aber auch nicht. Ich glaube allerdings wir brauchen heute derlei Ged√§chtnispal√§ste nicht mehr, denn es ist doch so, dass Erlerntes eher eine zweite Natur sein soll, als dass man irgendwo in der Erinnerungskiste kramt und in irgenwelchen Ged√§chtnispal√§sten endlos spaziert. Wer zum Beispiel ein Gespr√§ch f√ľhrt, der erinnert sich nicht an Worte, sondern die Worte sind Teil der Aktivit√§t.

Drittens: Abgesehen von diesen Spielereien gibt es Angebote, die nicht nur Zeit nehmen, sondern tats√§chlich auch schaden. Hierzu z√§hle ich die Speedreader. Dort verspricht man schnelleres Lesen durch die Reduktion von Subvokalisation und Vermeidung von Regression zu erzielen. Ich hingegen glaube (und dabei bin ich nicht allein, denn die Michelmanns, f√ľhrende Experten in diesem Bereich, vertreten dieselbe Auffassung), dass diese Angebote unsere Lesef√§higkeit besch√§digen.


Norman Schultz: Zu dem Problem mit dem Schnellleseaneboten kommen wir in einem sp√§teren Teil noch.¬†Im Folgenden haben wir uns erlaubt ein beliebiges Beispiel zu erw√§hnen, um die Oberfl√§chlichkeit der angebotenen Versprechen zu demonstrieren. Hierbei handelt es sich um kein direkt kommerzielles Produkt. Bei folgendem Video, das es bei Google immerhin nach ganz oben in der Trefferliste schafft, l√§sst sich sehr gut erkennen, wie im Grunde die meisten Internetvideos nur ein paar Ratschl√§ge zusammenklam√ľsern, aber keine Diskussion entfalten, keine Systematik entwickeln und somit keinen wirklichen Nutzen haben und auch nicht als Wissen zu bezeichnen sind.
Warum jedoch ist das ausgew√§hlte Video so hoch im Google-Index? Es werden bestimmte Keywords so hergestellt, Backlinks so generiert, dass nach und nach Google den Inhalt als relevant bestimmt. Mit tats√§chlicher Qualit√§t hat das nicht viel zu tun. Und hier sei auch in einem Seitenhieb bemerkt, die gesamten TED-Konferenzen, die vielleicht von der Qualit√§t her besser sein m√∂gen als dieses Video dort, sie sind nicht mehr als Sesamstra√üe f√ľr Erwachsene. Warum Infotainment wenig mit Bildung zu tun hat, besprechen wir ebenfalls in sp√§teren Abschnitten, aber es sollte klar sein, dass so wie Kinder das Alphabet nicht mit der Sesamstra√üe lernen, wir eben auch nicht viel lernen, wenn wir noch so viele Videos √ľber Mathematik oder Physik konsumieren. Gleiches gilt f√ľr diese Lernvideos auf Youtube: Ohne Systematizit√§t bleiben sie wirkungslos.
Und noch eines sei hinzugef√ľgt: Viele glauben ja daran, dass die Bildungsrevolution gerade mit diesen Videos stattfinden w√ľrde. Diese Revolution wurde allerdings schon fr√ľher mit dem Radio und Fernsehen angek√ľndigt. Gekommen ist sie jedoch nicht. Wir sitzen immer noch in Klassenzimmern und versuchen komplexe F√§higkeiten in diesen merkw√ľrdigen Verb√§nden zu erwerben. Vielleicht hat es ja doch irgendwo einen Sinn? Auch dies werden wir am Ende unserer Gespr√§che weiter herauskristallisieren.
Im Gegensatz ist der Bildungsporno so etwas wie 3sat und Arte zu schauen. Wie aber Meulemann schon 2000 feststellte, ist der Konsum dieser Sender bei Gebildeten und Ungebildeten anteilig gleich niedrig. Man k√∂nnte auch sagen, Gebildete schauen nicht mehr Arte oder 3Sat, sondern im Schnitt den Gleichen Unterhaltungsmist und auch die „Dummen“ bleiben entgegen der Vermutung so einiger Bildungsb√ľrger oft auf 3 Satz oder Arte h√§ngen. Diese Gleichverteilung liegt schlicht daran, dass das Medium „Fernsehen“ ungeeignet ist, um zu lernen. Bildung und Lernen passiert in anderen Medien, die wesentlich subtiler sind und so zeigt Meulemann auch, dass Gebildete nicht etwa Fernsehen schauen, sondern zur politischen Meinungsbildung auf andere Medien wie Zeitung oder B√ľcher zur√ľckgreifen (siehe Artikel dazu hier). In anderen Worten, wirkliche Bildung finden nicht mit passiven Medien statt. Der Konsum ist nie das richtige Mittel, sondern produziert nur ein paar vage Meinungen. Mit Bildung meinen Herr Darrenhofer und Ich daher vor allem eine aktive Variante und dieses wollen wir im Hinblick auf soziales Lernen ausbuchstabieren.Quelle:¬†Meulemann, Heiner. Medienkonkurrenz ‚Äď Wandel und Konstanz der Nutzung der tagesaktuellen Medien in Deutschland 1964-2000 In: Aretz, Hans-J√ľrgen / Lahusen, Christian. Die Ordnung der Gesellschaft ‚Äď Festschrift zum 60. Geburtstag von Richard M√ľnch 2005
Bevor wir aber alles vorweg nehmen, hier zunächst ein Video, an dem sich die Nutzlosigkeit von Lernratgebern sehr gut demonstrieren lässt:
 

Zusammengefasst:

  • Lern-Inhalte auf Karteikarten! Solltest du auf jeden Fall immer und √ľberall einsetzen! Warum? Hm…
  • Male die ein paar bunte Mindmaps! Mindmaps sind n√§mlich √ľberzeugend!
  • Lerne mit alten Pr√ľfungen. Vielleicht nicht falsch, aber was nun?
  • Mach doch mal ein bisschen Zeitmanagement. Zeitmanagement ist schlie√ülich f√ľr alle gut.
  • Zu guter letzt, mach doch eine Lerngruppe auf.¬†

Emil Darrenhofer:¬†Sicher sind die Lerntipps nicht falsch. Ich glaube nicht, dass sie uns schaden, aber es mangelt an wesentlicher Begr√ľndung, warum es bei der Dame offenbar funktioniert und bei anderen nicht. So wie sich viele Menschen Sport vornehmen, so nehmen sich viele etwa auch Zeitmanagement vor.

Norman Schultz: Ich stimme zu: Viele schreiben Karteikarten und doch versagen sie, so wie ich in der Schule. Im Vergleich heißt es jedoch bei Wikipedia schon prägnant:

Wie die Lehrmethoden und die Didaktik sollten die gewählten Lernmethoden auf den Erkenntnissen der Lernpsychologie bzw. der Pädagogischen Psychologie aufbauen, um möglichst erfolgreich zu sein.[1] Dies bedeutet, dass effektives Lernen eines längerfristigen systematischen Aufbaus bedarf.
Emil Darrenhofer: Ja, das ist richtig. Diese Beurteilung kann allerdings zumeist von den Könnern nicht hergestellt werden. Sie geben ein paar Tipps aus der Trickkiste, die bei Ihnen auch häufig zur Anwendung kommen, aber das heißt nicht, dass sie bei anderen wirken oder eben das Wesentliche am Lernen sind.
Norman Schultz: In meiner Doktorarbeit versuche ich zu zeigen, dass der wesentliche Punkt der Wissensgenerierung nicht in dem beliebigen Zusammentragen von Punkten und Informationen besteht, auch nat√ľrlich nicht im Erlernen von einzelnen Daten, sondern im systematischen Aufbau. Eine systematische Struktur ergibt sich jedoch nicht einfach aus bereits bekannten Algorithmen (zu Algorithmen z√§hle ich Karteikartentechniken oder andere erworbene Lernkompetenzen, die wir h√§ufig anwenden. Unter ganz besonderen Umst√§nden k√∂nnen diese Algorithmen nat√ľrlich hilfreich sein. Das Problem ist aber, dass sie nicht immer funktionieren). Der systematische Aufbau des Lernens muss sich im Gegensatz nicht an Algorithmen orientieren, sondern mit einer Strategie erfolgen. Das hei√üt, die meisten Lernprobleme sind nicht mit konkreten Lerntechniken zu bew√§ltigen, so wie beispielsweise, wenn du A willst, dann musst du genau B tun. Es sind keine hypothetischen Imperative der praktischen Klugheit, wie Kant es sehen w√ľrde und wof√ľr wir h√§ufig das nichtssagende Beispiel bem√ľhen: Wenn du Klavier spielen lernen willst, dann musst du √úben.

Ich m√∂chte den praktischen Imperativ anders formulieren! Es gibt bei einer systematischen Struktur nicht die Allgemeine Anweisung, die √ľberall funktioniert. Stattdessen ist eher so zu denken, wenn du A willst, dann musst du tun, was aus den gegebenen Umst√§nden am Ehesten zu A f√ľhrt. Diese Umwandlung bezeichnet ein eher strategisches Vorgehen, was sich nicht aus Plausibilit√§tsschl√ľssen ergibt (die deduktiv sind), sondern induktiv verf√§hrt. Es gibt keine eindeutigen Resultate, sondern ist konfus

Faces-nevit

Der Schatten des Sozialen - By Nevit Dilmen (Inkscape), via Wikimedia Commons

Statistik kann hier sehr gut helfen, das hei√üt ich versuche mich irgendwie an Daten meines Lernens zu orientieren und dann im Hinblick auf diese Daten Ableitungen zu erzielen. Die Frage ist daher wie Lernerfolge generiert werden, und dabei hei√üt es auf oben genannte Tipps erstmal zu verzichten, bevor man sich darauf versteift. Strategisches Lernen wird dann zu einer Frage des Sozialen…
Emil Darrenhofer: Ich stimme zu. Wir d√ľrfen eben nicht denken, dass es eine pr√§zise Anweisung gibt, die es genau zu befolgen gilt. Wir verlangen zum Beispiel h√§ufig von der Medizin, dass sie genau und pr√§zise heilt, aber das, was Mediziner tun, entspricht eher einem strategischem Vorgehen, wobei der Erfolg niemals genau gesichert ist. Ihre Ausf√ľhrungen zum System sind nat√ľrlich sehr kurz, aber ich m√∂chte wesentlich auch den letzten Punkt betonen, n√§mlich dass Lernprozesse vor allem sozial gestaltet sein m√ľssen. Sie m√ľssen sozial sein, weil sie nicht taktisch angegangen sein wollen, das hei√üt aus der Perspektive des Einzelnen mit seinem endlichen Wissen. Es geht n√§mlich nicht um die isolierten Techniken, wie zum Beispiel mit Karteikarten zu arbeiten, zu unterstreichen oder um angebliche Lerntypen (warum die Theorie von den Lerntypen Unfug ist, habe ich bereits hier dargelegt). Im Gegensatz geht es um langfristige Planung, die tats√§chlich im sozialen Rahmen stattfindet. Strategien entwickeln Menschen, die zusammen verschiedene Ans√§tze finden, weil die schiere Anzahl an taktischen Varianten zu gro√ü ist.
Aus diesem Grund muss Schule auch versagen, insofern das Erlernte sozial nicht weiter umgesetzt werden kann. Zwar strukturiert die Schule Lernprozesse abstrakt systematisch, √ľberl√§sst aber zumeist die soziale Arbeit den Sch√ľlern selbst, wobei dann einige nat√ľrlich im famili√§ren Umfeld nicht die n√∂tige Unterst√ľtzung finden, die aber zum wirklichen Erlernen der Inhalte notwendig ist. Einige haben Gl√ľck und finden in interessierten Freundeskreisen Vertiefung des Lernstoffs, andere versumpfen in Diskussionen √ľber Pop-Kultur. Ein Gestus unsere Aufmerksamkeitsverteilung: Stars bestechen durch √§hnliche Ungelerntheit, weil Jugendliche nicht nur Lehrer suchen, sondern zun√§chst Best√§tigung. Die Starkultur ist eine Best√§tigung unserer Tr√§gheit, ein Kosmos der Durchschnittlichkeit in jeglicher Hinsicht. Das Soziale aber kann auch potentierend wirken: Wir profitieren hier von den Erfahrungen anderer, wenn wir nicht alle taktischen Varianten durchspielen m√ľssen. Deswegen erfindet niemand die gesamte Mathematik aus einem urspr√ľnglichen Genius heraus, deshalb steht Entwicklung immer in der Geschichte. Geschichte ist das treibende Moment unserer Bildung, und Geschichte ist der soziale Horizont unserer Gegenwart.
Norman Schultz: Vielleicht können wir es erstmal bis hierher auf den Punkt bringen: Worauf kommt es im Lernen an?
Emil Darrenhofer: Um Einiges vorweg zu nehmen: Am besten w√§re nat√ľrlich eine Art Personal Trainer wie im Sport. In bestimmten Mannschaftssportarten holen sie dich einfach ab und du wirst auf einem gemeinsamen Weg zur Elite geformt. Die Hollywoodstars engagieren sich K√∂rpermacher. Es ist nat√ľrlich finanziell schwierig, derart zu arbeiten. Es ist aber wichtig, dass wir in diesem Sinne Schulen nicht nur als Institutionen verstehen, die uns lehren, sondern die auch das richtige soziale Umfeld schaffen und dies untersch√§tzen die Meisten. Ich denke wir m√ľssen darauf nochmals sp√§ter separat eingehen. Es ist aber auch ein zweiter Punkt zu beachten: Lernen geschieht vorrangig im Sozialen, weil Wissen etwas Soziales ist. Um das aber zu verstehen, sollten wir vielleicht doch noch ein paar Dinge zur Frage der Systematizit√§t er√∂rtern. Zur systematischen Ausbildung im Fu√üball haben Sie ja zum Beispiel einige Ankn√ľpfungspunkte gemacht.
Norman Schultz: Das ist richtig, bevor wir aber zur Diskussion der Fußballausbildung vielleicht, möchte ich erst von der wissenstheoretischen Perspektive her andeuten, warum Systematizität, Wissen und Soziales zusammenhängen.
Emil Darrenhofer: Ja das wäre wohl sinnvoll.
Norman Schultz: Bei der Philosophie geht es um die Hauptfrage, was eigentlich Wahrheit ist oder besser: Was macht verschiedene S√§tze eigentlich wahr? Dabei wurden verschiedene L√∂sungen innerhalb der Geschichte vorgeschlagen, die alle samt zu einem Problem f√ľhrten, n√§mlich der komplizierteren Metafrage: Was macht eigentlich die vorgeschlagenen L√∂sungen zur Wahrheit wahr? Russel musste schmerzlich erfahren, dass das Meta-Problem zumindest nicht mathematisch l√∂sbar ist. Dennoch haben wir Fortschritte erzielt: Wir gehen so zum Beispiel schon lange nicht mehr davon aus, dass da drau√üen so etwas wie plumpe Materie herumwabert, die wir schlicht in Beschreibungss√§tzen ausweisen. Stattdessen hat sich die Philosophie die Aufgabe in einem System zurecht gelegt, was dann eigentlich einen Holismus beschreibt oder besser gesagt und wor√ľber der Hom√∂opath wom√∂glich vor Freude strahlen wird: Es geht um die Frage nach dem Ganzen, Ganzheitlichkeit. Die Frage nach dem da drau√üen, ist nicht unabh√§ngig von dem Fragenden und seinem Gefragten zu beschreiben. Erst hieraus ergibt sich das Befragte. Die Philosophie ist nicht die Wissenschaft von einem einzelnen Ding, sondern tats√§chlich vom Ganzen, nicht von der Beschreibung des Dings dort dr√ľben, sondern von seiner Einflechtung in das Gesamte des Kosmos. F√ľr mich war es so zum Beispiel immer faszinierend, dass wenn ich hier auf der Erde einen Stuhl um einen Zentimeter verr√ľcke, sich diese Ortsver√§nderung noch relativ auf Lichtjahre entfernte Galaxien auswirkt. Ich m√∂chte sagen, dass schneller als mit der Geschwindigkeit des Lichts, das gesamte Universum bis in den letzten Winkel eine andere Relation ausweist, nur weil ich hier einen Stuhl woanders hinstelle. Dieses vielleicht simultane Ganze, das schneller als Licht zusammenh√§ngt, kann meines Erachtens nicht mit deskriptiven Begriffen erfasst werden, sondern muss theoretisch verschieden vorausgesetzt werden, um Fortschritte in der Beschreibung dieses Stuhls zu erzielen. Die Beziehung von Einzeldaten zu einem gr√∂√üeren Ganzen ohne dieses gr√∂√üere Ganze starr festzulegen, nenne ich Systematizit√§t und ich m√∂chte sagen, dass dies auch strategisches Wissen beschreibt, weil wir das Ganze niemals als solches Erkennen, es aber voraussetzen um L√∂sungen zu erreichen.
Emil Darrenhofer: Und was hat das mit Lernen zu tun?
Lightmatter chimp thinker

Von der Taktik zur Strategie: By By Aaron Logan (from http://www.lightmatter.net/gallery/albums.php) CC BY 1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/1.0), via Wikimedia Commons

Norman Schultz: Nun, wenn ich zum Beispiel Schach lerne, so wei√ü ich nicht, was der beste Zug ist, aber ich kann lernen, wie ich im Hinblick auf ein Ziel gute Z√ľge finde. ¬†Ist zum Beispiel mein Ziel eine Figur zu gewinnen, so kann ich nach taktischen Varianten suchen und werde sehr konkrete Gr√ľnde finden. Das ist sehr einfach und viele machen ja Taktikaufgaben bis zum Umfallen. Ist aber mein Ziel in der Ausgangssituation irgendwann den K√∂nig matt zu setzen, dann gibt es schlicht zu viele M√∂glichkeiten, um diese Aufgabe taktisch zu bearbeiten. Ich muss dann strategisch vorgehen und die Z√ľge machen, die unter den gegeben Umst√§nden das angestrebte Ziel wahrscheinlicher machen. Hier gibt es kein abschlie√übares System. Schach hat nach gegenw√§rtigen Sch√§tzungen 10 hoch 50 Varianten. Zuviel um dies mit Computern endg√ľltig auszurechnen, auch nicht in den n√§chsten Jahrzehnten, auch nicht bei einer enormen und √ľberoptimistischen Steigerung der Rechenleistung. Bei superkomplexen Problemen gibt es aufgrund unserer Rechenbeschr√§nkung keine eindeutigen L√∂sungen, sondern wir brauchen die richtige Strategie. Strategien aber zu entwickeln ist eine Frage der Wahl des Systems und die Wahl des Systems eine Frage des gegenw√§rtigen Sozialen Umfelds.
Emil Darrenhofer: Warum aber des sozialen Umfelds?
Norman Schultz: Bleiben wir beim Schach. Wenn ich mit dem K√∂nigsbauern er√∂ffne hat der Gegner eine Vielzahl von Reaktionsm√∂glichkeiten. Je nach Reaktion muss ich mein System ver√§ndern, denn die Stellungen ver√§ndern sich schnell in ihrer Charakteristik. Nun ist es so, dass sich Schach immer noch historisch entwickelt. Bestimmte Systeme galten vor Zehn Jahren als unknackbar, wie zum Beispiel die Berliner Mauer, eine Variante mit der Kramnik seinen Weltmeistertitel gegen Kasparov erringen konnte. K√ľrzlich aber zeichnet sich ab, dass Gro√ümeister mit der Berliner Mauer beginnen, zu verlieren.
Emil Darrenhofer: Warum ist das der Fall?
Norman Schultz: Das „Warum“ ist hier schwer zu ergr√ľnden, weil wir die Varianten nicht letztg√ľltig bestimmen k√∂nnen. Ich vermute, dass Gro√ümeister nun einen anderen strategischen Plan verfolgen, der Schw√§chen dieser Verteidigung offenbart. Die Frage also, ob eine Schachvariante richtig oder falsch ist, h√§ngt vom sozialen Umfeld ab. Dies vor allem, weil die genauen Berechnungen aller taktischen Varianten zu gro√ü sind. Ob letztlich die Berliner Mauer Teil einer idealen Schachpartie ist, das hei√üt einer Schachpartie, wo wir immer nur die besten Z√ľge machen, dass l√§sst sich nicht einmal mit Computern ergr√ľnden. Gehen wir nun vom doch recht begrenzten Schachfeld weg und schauen in die Realit√§t, so m√ľssen wir sagen, dass wom√∂glich strategisches Verhalten f√ľr unsere Welt noch wichtiger ist als auf dem Schachfeld.¬†Wir m√ľssen eher flexibel auf neue Anforderungen reagieren und brauchen nicht nur ein System oder noch schlimmer eine Ansammlung von Taktiken, sondern Systematizit√§t. So wie ich im Schach auf neue Stellungen mit verschiedenen, analytischen Mitteln kreativ reagieren muss, eine neue Methode entwickeln muss, so gilt dies eben auch f√ľr das Lernen. Das hei√üt nun nicht, dass wir uns von allen Prinzipien verabschieden. Auf Prinzipien basiert unser Wissen, aber wir erlangen kein System, sondern wir verhalten uns nur noch systematisch, indem wir wieder neue Strategien aufbauen und unter anderen Umst√§nden alte Prinzipien sein lassen und neue auf Grundlage der √úberwindung der Alten entwickeln.

Emil Darrenhofer: Deswegen ist beispielsweise auch die Karteikartentechnik nicht unbedingt falsch. Wichtig aber ist, schnell die Grenzen zu erkennen und sein eigenes Lernsystem weiter zu entwickeln. Mit der Abh√§ngigkeit von der Umfeldentwicklung sehe ich hier nat√ľrlich eine Parallele zum Fu√üball, wenn ich hier √ľberleiten darf.

Norman Schultz: Nat√ľrlich sehen wir am Fu√üball √§hnliche Momente. W√§hrend bestimmte Spieleigenschaften vor 10 Jahren noch als das h√∂chste spielerische K√∂nnen galten, so werden sie heute nur noch selten eingesetzt. Damit besch√§ftige ich mich allerdings weniger. Auch der Einsatz der Statistik wird ja bereits vielfach diskutiert. In D√§nemark setzt sich das gerade in der Meisterschaft durch. Auf der anderen Seite entwickelt der Fu√üballtrainer¬†Yurii Demydenko¬†(empfehlenswerter Artikel zur Entwicklung eines neuartigen Fu√üballtrainings)¬†ein sehr interessantes Intensivtraining, das auf eine sehr enge Betreuung des Fu√üballers setzt, wobei bei hoher Repititionsrate verschiedene, relevante Situationen durchexerziert werden. Dies ist ebenso beim d√§nischen Club FC Midtjylland und ihrem Freisto√ütraining der Fall. Freist√∂√üe werden durch pr√§ziseres Training immer besser.¬†Ohne hier aber auf die konkreten Details einzugehen, die in beiden Artikel wirklich sehr gut besprochen werden, wichtig ist: Die Orientierung an Resultaten kann nur durch gute Trainer erreicht werden. Der Einzelne Lerner steht da auf sehr verlorenem Posten und lernt seine Intuitionen eher ungelenkt, wenn er nicht die richtige Betreuung erf√§hrt. Hier zeigt sich die Bedeutung des sozialen Umfelds: Geht es um Strategien k√∂nnen wir uns nicht mehr auf unsere Denkkraft, n√§mlich taktische Situationen durch Rechenkraft zu beherrschen, verlassen. Wir brauchen hingegen eine Art St√ľtze, die uns die richtigen Intutionen lehrt und uns notfalls korrigiert. Dieses komplexe strategische Wissen ist im Geist des Sozialen gespeichert und kann dort auch erreicht werden, aber auch nur dann, wenn sich dieses soziale Umfeld nicht auf ein System versteift, sondern Systematizit√§t als Grundlage hat. Ich denke, dass wir das bei Herr Yurri Demydenko oder auch beim FC Midtylland sehr gut beobachten k√∂nnen, denn sie lassen sich nur von den Daten lenken, die sie anhand von vorl√§ufiger Systempr√§missen interpretieren, aber auch st√§ndig erweitern. Ich kann nicht umhin als gerade das als wissenschaftlich zu bezeichnen.
Dies war der erste Teil und es folgen drei Weitere. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+.¬†oder¬†tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Wenn ihr wirklich keine Beitr√§ge verpassen wollt, dann solltet ihr in den¬†E-mail-Verteiler (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). ¬†Ein¬†RSS-Feed¬†f√ľr die progressiven Internetnutzer ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.Norman Schultz,¬†Mai 2015, Pittsburgh
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Was bringt Meditation f√ľrs Lernen und wie k√∂nnen wir es in den Alltag schnell integrieren?

In diesem Artikel geht es darum, wie uns Meditation hilft, stabiler, konzentriert und erfolgreicher zu werden, darum, wie uns Meditation gl√ľcklich macht. Daf√ľr konzentrieren wir uns erst einmal auf die Fakten, bevor wir zu n√ľtzlichen Tools kommen, wie wir Meditation erlernen k√∂nnen und ich von meinen Erfahrungen mit verschiedenen Meditationen berichtige.

I. Fakten zur Meditation:

a) Kurz zusammengefasst:

1) Meditation erh√∂ht Selbstbewusstheit, Mitgef√ľhl und Introspektion
2) Verbessert die Konzentrationsfähigkeit
3) Erhöht die Erinnerungsfähigkeit
4) Liefert im Vergleich zu anderen Entspannungs√ľbungen h√∂heres Konfliktl√∂sungspotenzial
5) Meditation verzögert das Altern

1 und 4 wirken sich beide auf den sozialen Erfolg, 2 und 3 auf den beruflichen Erfolg aus. 5 hat Auswirkungen auf die Gesundheit. Diese drei S√§ulen, Soziales, Berufliches und Gesundheit sind essentiell f√ľr das menschliche Wohlbefinden.
———————————————————————————-
Konklusion: Meditation macht gl√ľcklich.¬†

6) Dies best√§tigt auch eine weitere Studie, die einen Zusammenhang zwischen Gl√ľck und Meditation untersuchte und bedeutende Effekte daraufhin feststellte.

b) Die Fakten im Einzelnen

1) Ver√§nderung der Gehirnstruktur, mehr Mitgef√ľhl und Selbstbewusstheit

Bereits 27 Minuten Meditation pro Tag in 8 Wochen reichen aus, um bereits ein starkes Wachstum in der Dichte der grauen Substanz im Hyppocampus hervorzurufen. Dies ist der Teil des Gehirns, der f√ľr Selbstbewusstheit, Mitgef√ľhl und Introspektion zust√§ndig ist. Dar√ľber hinaus haben die Teilnehmer der Studie √ľber Reduzierung von Stress berichtet, wobei eben die Dichte der Grauen Masse in der Amygdala eine bedeutende Rolle spiele. Auch hier haben kleine √úbungen wiederum gro√üe Wirkung.¬†(H√∂lzel, (2011): Mindfulness practice leads to increases in regional brain gray matter density. Psychiatry Research: Neuroimaging, 191, 36-42. Verweis aus: http://www.nmr.mgh.harvard.edu/~britta/SdF_2011_01_32_33.pdf

2) Verbesserung der Konzentration

In einer weiteren Studie wurden die Probanden in zwei Gruppen geteilt. Gruppe A hörte ein Hörbuch, während Gruppe B in der gleichen Zeit meditierte. Nach nur 4 Tagen wurde ausgewertet:

„Die Meditationsgruppe schnitt in allen kognitiven Tests deutlich besser ab als die H√∂rbuchgruppe. Stimmungslage, die Ged√§chtnisleistung, die visuelle Aufmerksamkeit die r√§umlich-visuelle Wahrnehmung und die Konzentrationsf√§higkeit waren allesamt deutlich h√∂her als in der Kontrollgruppe.“¬†http://www.sein.de/news/2010/april/meditieren-verbessert-kognitive-faehigkeiten.html,¬†http://phys.org/news/2011-01-mindfulness-meditation-brain-weeks.html

Meditation hat also deutliche Effekte f√ľr die kognitive Leistung. Diesen Zusammenhang best√§tigt auch folgende Studie.

3) Bessere Erinnerung

Vorbeugende Wirkung im Hinblick auf den Arbeitsspeicher des Gehirns konnte diese¬†Studie best√§tigen. Dar√ľber hinaus zeige diese Studie, dass Meditation dazu f√ľhrt, dass sich der Arbeitsspeicher durch die bessere F√§higkeit, sich zu konzentrieren, erh√∂ht als auch, dass die Teilnehmer in GRE-Examina im Hinblick auf das Textverst√§ndnis besser abschnitten.
4) Der Vorteil von Meditation im Vergleich zu reinen Entspannungs√ľbungen

Meditation f√ľhrt zu h√∂herem Konfliktl√∂sungspotential, was sich nat√ľrlich auch auf den sozialen Erfolg auswirken d√ľrfte, so hei√üt es in folgender Studie:

„In einem vorderen Teil der Hirnrinde habe sich nach dem Meditationstraining die Isolierung der Nervenzellforts√§tze (Axone) deutlich verbessert, was zu einer schnelleren Durchleitung von Signalen f√ľhre. Der sogenannte anteriore cingul√§re Cortex wird allgemein mit der Kontrolle von Wahrnehmung und Emotionen in Verbindung gebracht sowie mit der F√§higkeit, Konflikte zu l√∂sen.“http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/hirnforschung-meditation-verbessert-nerven-a-838296.html, http://www.pnas.org/content/109/26/10570.abstract

Ich frage mich hier allerdings, was die schnellere Durchleitung von Signalenbedeutet.

5) Auswirkung der Meditation auf das Altern

Folgende Studie bestätigt eine Vermutung, dass sich Meditation positiv auf das Altern auswirkt (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23918953)

„We already know that psychosocial interventions like mindfulness meditation will help you feel better mentally, but now for the first time we have evidence that they can also influence key aspects of your biology,“ (http://www.huffingtonpost.com/2014/11/05/mindfulness-meditation-cancer_n_6101130.html)

In der Studie wurden 88 Brustkrebs√ľberlebende untersucht, wobei der Abschluss der Behandlung 3 Monate zur√ľckliegt und die √§lter als 55 sind. Der emotionale Stress aller Teilnehmerinnen war nat√ľrlich signifikant.

Eine Gruppe praktizierte Achtsamkeitsmeditation (sie besuchten 90 Minutensitzungen) und machten leichtes Yoga und praktizierten Meditation 45 Minuten jeden Tag. Die Kontrollgruppe hingegen nahm an Selbsthilfegruppen teil, w√§hrend die anderen ein 6 st√ľndiges Seminar zur Stressreduktion (durch)-machten.

Nach nur wenigen Wochen zeigte sich bereits, dass sich die Telomere in der Meditationsgruppe nicht verk√ľrzt hatten. Telomere, soweit ich das verstanden habe, sind f√ľr die Reparatur von Zellen n√∂tig (Quelle).

Ich unterhielt mich hier√ľber mit einem Neurologen auf einem Flug von Pittsburgh nach Miami und er erkl√§rte mir, dass er im Hinblick auf diese Studie weiter recherchiert h√§tte, demnach w√§re mittlerweile klar, dass durch Meditation bestimmte Hormonregelkreise wirkten, die auf Alterungsprozesse direkt Einfluss n√§hmen.

Der Pazifik als Therapeut

 

6) Gl√ľck und Meditation

Das wichtigste an aller Selbststeigerung ist, dass wir damit ein gl√ľcklicheres Leben f√ľhren. Aristoteles wusste schon, dass die kurzfristige Befriedigung sich langfristig nicht auszahlt, Meditation aber ist Besch√§ftigung mit dem Ewigen und macht uns letztlich gl√ľcklich am Ewigen, da sie das momentane, kurzfristige Gl√ľck √ľbersteigt. Studien zeigen, wie sehr sich Meditation langfristig auf das Wohlbefinden des Menschen auswirkt.

‚ÄúResults showed that the significant association between duration of regular meditation practice and psychological wellbeing was completely accounted for by a combination of mindfulness and self-compassion scores‚ÄĚBaer, R. A., E. L. B. Lykins, et al. (2012). ‚ÄúMindfulness and self-compassion as predictors of psychological wellbeing in long-term meditators and matched nonmeditators.‚ÄĚ Journal of Positive Psychology 7(3): 230-238. zitiert nach:¬†http://bidushi.com/link-happiness-meditation/

Vielleicht aber ist dieses Gl√ľck anders als sich das die Durchschnittskonsumenten meiner Generation vorstellen. Es ist schwer vergleichbar mit den Ekstasen unserer Wohlstandsfeiern. Es ist ruhiger und daher schwerer zu erlernen als die Entspannungsrituale moderner Gl√ľcksritter.

II. Worum geht es bei Meditation?

Bei den Meditationen kommen zwei Mechanismen zum Tragen:

1) Wir m√ľssen zur√ľck in das Hier und Jetzt und uns nicht mit den vielen Wenns auseinandersetzen. Bei mir ist es zumeist so als w√§re so eine Gedankenautobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung durch meinen Kopf gelegt und da kann nat√ľrlich niemand ruhig nachts schlafen. Es ist als w√ľrde ein Affe die K√§figw√§nde hoch hangeln und wild schreien. Bei der Meditation lerne ich, solche Gedanken schlicht vorbeiziehen zu lassen und Tiefs schnell zu identifizieren und zu beseitigen. Das nennt sich dann wom√∂glich am Ende emotionale Reife. Da bin ich nat√ľrlich noch nicht.

2) In einem zweiten Schritt wird dann der Fokus gesetzt. Wir k√∂nnen uns vorstellen, was das f√ľr den Alltag bedeutet, wenn wir uns konkret und schnell fokussieren k√∂nnen. Aber nat√ľrlich m√ľssen wir das erst lernen und Meditation lehrt uns zun√§chst wie wir ein emotionales Gleichgewicht erreichen, indem wir uns ganz konkret … warte, was wollte ich gerade sagen?

Ja, Fokus hat was mit Gl√ľck im Leben und einem intensiv gelebten Leben zu tun. Kontentrationsf√§higkeit bedeutet nicht im Pendel der Emotionen zu schwingen, sondern mit sich als EINEM Menschen zu leben. Wir sollen nur einen Gedanken gleichzeitig haben (Quelle:¬†http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/alternativmedizin/tid-28097/meditation-veraendert-hirnstrukturen-acht-fakten-zur-meditation—–_aid_859450.html

III. Werkzeuge zur Unterst√ľtzung der Meditation?

Bei den meisten funktioniert Meditation nat√ľrlich nicht sofort, sondern es ist eine Technik, die auch erst erlernt sein will und wie schon Platon √ľber das vielk√∂pfige Biest in uns wusste: Wir m√ľssen es z√§hmen.

Wie also erlernen wir Meditation? Es kommt wie so oft wieder auf die Übung an. Mikrogewohnheiten sind hier wohl angebracht, das heißt, die Veränderung im Leben sehr langsam zu forcieren, um nicht ein gänzlichen Abbruch zu riskieren. Ich erinnere hierbei an Gerhard Roths Aussage zur Veränderung des Gehirns:

„In der menschlichen Entwicklung gibt es alles, nur eines nicht: Dass ich mir vornehme, mich zu bessern, und von Stund an ein besserer Mensch bin. Wenn ich mich wirklich bleibend √§ndern will, m√ľssen vor allem die tieferen Schichten ver√§ndert werden.“ (Selbe Quelle)

Das bedeutet: Mikrogewohnheiten anwenden und das heißt: Erstmal ein paar Erfahrungen sammeln und mit ganz kleinen Übungen anfangen, die allerdings fest im Alltag verankert werden.

Meines Erachtens kann Meditation im Alltag zwar nicht h√§ufig genug erfolgen, einfach weil sich dadurch ein emotionales Gleichgewicht einstellt, wodurch dann auch andere Aufgaben, sinnvoll erledigt werden k√∂nnen, leider aber sind wir oft unter Druck oder Prokrastinationszwang, deswegen m√ľssen wir uns nach dem Prinzip der Mikrogewohnheiten einerseits erstmal Anker suchen, die die T√§tigkeit fest in unserem Alltag verankern, zum zweiten m√ľssen wirdie H√ľrde m√∂glichst klein halten, und zum Dritten brauchen wir Motivationsgruppen, wenn wir uns selbst nicht genug sind. Dann wird sich die Ver√§nderung nach und nach in unserem Gehirn verankern. Besprechen wir dies im Folgenden.

a) Meditation richtig motivieren

Falls¬†www.meetup.com/¬†mittlerweile auch gut in Deutschland funktioniert, w√ľrde ich einfach mal schauen, ob es dort Meditationsgruppen gibt, zu denen man sich dazu gesellen kann. Meetup ist ein spezielles Werkzeug, wo sie Menschen mit gemeinsamen Interessen auf Treffpunkte einigen k√∂nnen und andere dazu sto√üen k√∂nnen. Das Werkzeug funktioniert f√ľr Gro√üst√§dte anscheinend ganz gut. Bei kleineren St√§dten wird es leider seltener genutzt. Gibt es andere solcher Werkzeuge in Deutschland? Dennoch l√§sst sich im Internet mit Sicherheit herausfinden, wo sich Meditationszentren in der Umgebung befinden.

Ansonsten w√ľrde ich Freunde einfach mit einspannen. Mit Kiril trage ich zum Beispiel jeden Abend in eine gemeinsame Google-Tabelle meine Meditationserfahrung ein, wobei wir dieses dann gegenseitig kommentieren. Da gibt es dann kaum Ausweichm√∂glichkeiten, das nicht zu machen und so korrigieren wir auch Fehler in unserer Praxis sehr schnell.

b) Mit dem Meditationsstirnband schon mal im Jenseits Bescheid sagen, dass ihr etwas später kommt

 

Am meisten reizt mich nat√ľrlich das Meditationsstirnband. Vor allem die Englischen Kommentare auf Amazon sind sehr euphorisch. Das Stirnband reagiert mit verschiedenen Settings auf den gegenw√§rtigen Fokus, misst die Gehirnwellen und bringt einen so St√ľck f√ľr St√ľck zur√ľck auf den Boden des Selbst. Je h√§ufiger das Stirnband genutzt wird, desto mehr Funktionen werden freigeschaltet, was nat√ľrlich auch zus√§tzlich motiviert.

Anstatt also unseren Charakter in diversen Rollenspielen wie World-Of-Warcraft aufzuleveln, gibt es hier die direkte Möglichkeit seinen tatsächlichen Charakter aufzuleveln.
Mit dem Stirnband verrennen wir uns also nicht mehr in irgendwelche falschen Annahmen, sondern werden bei unserem Lernprozess st√§ndig korrigiert. Nur 5 Minuten am Tag Training mit dem Stirnband w√ľrden hierbei bereits enorm helfen und nat√ľrlich kann man nat√ľrlich auch den gesamten Tag meditieren.

Die finale Funktion des Bandes ist dann wom√∂glich in einem Kirschbl√ľtensturm seinem Ende entgegen zu meditieren mit den Kirschbl√ľten in der Nacht, in den Sternen zu verwehen.

Mit dem Stirnband aber fliegt ihr schon mal vor ins Jenseits und sagt Bescheid, dass ihr wohl ein bisschen später sterben werden, weil ja jetzt eure Telomere so wunderbar arbeiten.

c) Videos auf Youtube

Was mir ganz erheblich geholfen hat, waren folgende Videos. Zwar habe ich mit 18 angefangen mit Kiril zusammen Autogenes Training zu machen (Hier ein Artikel zu den Hintergr√ľnden vom autogenen Training und eine Kritik von mir), allerdings war das Autogene Training weniger hilfreich zun√§chst die Gedanken festzustellen und anzunehmen. Autogenes Training eignet sich meines Erachtens sehr in stressfreien Zeiten, um bestimmte K√∂rperfunktionen schnell zu erlernen, ansonsten denke ich, dass Achtsamkeitsmeditation sinnvoller ist, weil es direkt einen Einstieg in die Stressreduzierung bietet.

Autogenes Training ist auf der anderen Seite frei von religi√∂sem Verwirrspiel und konzentriert sich auf den Kern unseres seelischen Gleichgewichts, dar√ľber hinaus werden die bestimmten K√∂rperkontrollfunktionen zielstrebiger erlernt. Eine Kombination von Autogenem Training und Meditation bietet sich daher im Alltag an.

F√ľr den Einstieg in die Meditation kann ich folgende Videos empfehlen:

Diese Meditationen sind und effektiv und haben keine ablenkende Musik, die nach einer gewissen Wiederholung auch dröge wird.

F√ľr den Einstieg ins Autogene Training kann ich die Videos von meinem Skizzenblog empfehlen: http://autogenes-training-lernen.blogspot.de/2014/07/die-standardubungen-schwere-warme.html

d) Mikrogewohnheiten und Meditation

Ich verfahre nach dem Prinzip der Mikrogewohnheiten. Nach den Studien von Prof. Fogg bleiben derart erlernte Routinen länger erhalten. Die Technik der Mikrogewohnheit funktioniert hier in drei Schritten.

1. Die Zielstellung darf keine H√ľrde darstellen (zum Beispiel sollte das Ziel sein: 2 Liegest√ľtze zu machen, wenn mann mehr Sport machen will). Dieses machen wir, damit wir nicht unterwegs an einem Motivationsschwachen Tag einfach aufgeben.

2. Die Mikrogewohnheit sollte an einen Anker gebunden sein (das kann eine bereits bestehende Routine wie zum Beispiel Z√§hne putzen oder nach Hause kommen sein. Direkt danach sollte die gew√ľnschte Routine erfolgen)

3. Man sollte sich selbst daf√ľr loben, um die Anwendung zuk√ľnftig weiter durchzuf√ľhren. Beim Selftalk hat sich √ľbrigens gezeigt, dass man von sich in der zweiten Person reden sollte und dabei einen h√∂heren Effekt erzielt, als w√ľrde man in der Ich-Form sprechen (hier ein paar Studien dazu von einem anderen Skizzenblog von mir).

Nach meiner Erfahrung konnte ich derart schon viele Mikrogewohnheiten im Alltag integrieren: Ich mache mittlerweile t√§glich 30 Minuten Sport, habe meinen kleinen Bauchansatz wegtrainiert und erfreue mich eines Six-Packs, stehe p√ľnktlich um 7 auf, habe eine gute Morgenroutine, trinke gut Wasser (ja, ich wei√ü, man √ľberlebt auch ohne Wasser. Das wird jetzt √ľberall vertreten, allerdings vergessen die Leute, dass Wasser sehr positive Effekte f√ľr die Haut hat, um nur ein Beispiel zu nennen. Ein Artikel hierzu folgt von mir sp√§ter). Nun gut, genug von meinen Mikrogewohnheiten.

F√ľr meine Mikrogewohnheiten in Bezug auf die Meditation ist zun√§chst einmal die Frage: Wo ergeben sich Zeitspitzen, in denen eine Kurzmeditation m√∂glich ist, die ich aber bei Einfachheit oder Lust auch ausdehnen kann? Denn eine Mikrogewohnheit sollte keine H√ľrde darstellen und m√∂glichst an einen Alltagsanker gekettet sein. Dieses um den Start m√∂glichst einzugew√∂hnen.¬†¬†

√úbrigens zieht das Argument, was h√§ufig in Ratgebern zum Autogenen Training zu finden ist, f√ľr mich nicht:¬†

„Wenn sie keine Zeit f√ľr zweimal 10 Minuten am Tag haben, dann m√ľssen sie dringend etwas √§ndern.“

 Das Argument ist Quatsch, weil alle Dinge im Alltag 10 Minuten einnehmen. Es ist schwierig, den Tag zu takten und bei dem häufigen Wunsch nach Entspannung, in denen man hin und wieder hineinprokrastiniert, tatsächlich 2 mal 10 Minuten zu finden.

Wegen dieser Probleme denken wir mal nach, wann es f√ľr mich sinnvoll w√§re.

Zeiten f√ľr Meditation

Es w√§re auf jeden Fall sinnvoll, Mittagsschlaf zu machen (Studien hierzu werde ich in einem anderen Artikel raussuchen), oder aber vor dem Einschlafen und nach dem Aufstehen, weil sich so neue Konzepte besser einpr√§gen. Hierzu wurde eine Studie durchgef√ľhrt, die in NATURE ver√∂ffentlicht wurde. Demnach konnten Probanden kreative Aufgaben wesentlich besser l√∂sen, wenn sie vor dem Nachtschlaf, eine Einf√ľhrung in das Problem erhielten und nach dem Schlaf mit dem Problem konfrontiert wurden. Sie l√∂sten die Aufgaben dreimal besser als die Gruppen, die mit dem Problem morgens konfrontiert wurden und das Problem wieder am Abend angingen.

Da ich vor meinen Office Hours f√ľr die Studenten um 13:15 einen Mittagsschlaf mache, w√ľrde sich 13 Uhr eine Meditationsroutine anbieten. Dann mache ich um 10:15 eine 2 bis 10 Minuten Kurzmeditation bevor ich los zur Uni gehe, um 10:30 spiele ich noch 10 Minuten Klavier.

10:15 – 2 Min Kurzmeditation

13:15 – 2 Min Kurzmeditation

23:15 15 Min vor dem Einschlafen, als Einschlafroutine nach dem Lesen von Romanen (denn das macht uns ja auch ausgeglichener).

Meine Erfahrungen

Ich habe diese Mirkoroutinen bereits im Oktober ausprobiert. Wie gesagt Autogenes Training mache ich schon seit dem ich 18 bin als Einschlafroutine. Die Unterstufe gelingt mir ganz gut, aber ich bemerke, dass die Fokustechniken der Meditation einen schneller reinbringen, wenn man unausgeglichen ist. Der Oktober war ganz gut, allerdings haben einige Schicksalsschl√§ge zu ung√ľnstigen Unterbrechungen gef√ľhrt, wobei ich mich bald durch die Meditationen im Alltag schnell stabilisieren konnte.

Ich quantiziere ja viel von meinem Alltag und kann sagen, dass Tage mit Meditation und Mittagsschlaf mein Gl√ľcksniveau in der Regel um 1 bis 2 Punkte verbessern. Es ist nat√ľrlich keine Sofort-Komplettl√∂sung. Beim Flug von Miami nach Berlin schlie√ülich, konnte ich mit der Meditation gut im Sitzen einschlafen und so den 10 Stunden Flug recht angenehm machen.

Der einäugige Prophet

Abschlie√üend noch eine Geschichte von mir. Ich bin nat√ľrlich vorrangig Philosoph und beobachte immer mit einem kleinen L√§cheln (denn jedes Lachen ist eine kleine Erleuchtung, wie ich heute gelernt habe) die begrifflichen Verrenkungen, die einige machen, um durch Meditation hindurch die Welt zu erkl√§ren. Ich denke allerdings, dass die Fragen nach dem Ewigen, die Fragen der Philosophie sind und nicht Fragen von Einfaltsreligionen, jedenfalls insofern wir die unsterblichen Fragen mit Begriffen beantworten wollen. Lasst euch nicht verwirren, soll das hei√üen. Viele reden nur und glauben, sie h√§tten Erkenntnisse aus innerem Gl√ľck erforscht, wenn sie zwei Meditationsseminare gemacht haben. Insofern wir aber das Innere verstehen wollen, sollten wir schweigen und Achtsamkeitsmeditation durchf√ľhren. Wollen wir Gesellschaften ver√§ndern und andere gl√ľcklich machen, sollten wir reden. Daher denke ich, dass alle, die hier etwas erkl√§ren wollen, lieber die Grenzen der Erkenntnis durch Begriffe studieren sollten und sich ansonsten lieber auf den Erfahrungskreis wahrer Meditation beschr√§nken m√ľssen.

Sollten wir etwas √ľber den Sinn des Universums √§u√üern wollen, dann vielleicht nur im Rahmen einer sehr gelassenen, skeptischen Grundposition. Das hei√üt f√ľr mich: Nein, nicht alles Leben ist Leid und nein nicht alles flie√üt oder schwingt. Dies sind Begriffe und die konzeptionellen Probleme mit solchen Begriffen zeigen sich, wenn wir sie in der Philosophie durcharbeiten. Deswegen lasst das dogmatisieren und freut euch einfach an der Meditation. Ich glaube √ľbrigens wirklich dabei, dass die 2000 j√§hrige Diziplin der Philosophie weiter gekomme ist als die Anf√§nge des Buddhismus oder Christentums. Und nun zur Geschichte:

Der ein√§ugige Prophet stand am Meer und schaute weit hinaus, da kam ein barf√ľssiges M√§dchen zu ihm und fragte:

„Was tust du?“

Der einäugige Prophet antwortete:

„Ich warte darauf, dass sich das Meer beruhigt.“

… und er blickte durch sein offenes Auge weit hinaus in die Wellen des Meeres und mit dem zugen√§hten Auge zur√ľck in sich. Das barf√ľssige M√§dchen setzte sich zu seinen F√ľ√üen und sie blickten hinaus zum Horizont, wo Wolken wie Gedankenzeit an ihnen vorbeizogen, sie sahen wie die Regenw√§nde zu ihnen aufkamen und wie die Wellen aus der Ferne zu ihren F√ľ√üen heranrollten, sie sahen wie die Sonne zur√ľckkam und wie sich das Wetter wie das Innere einer Seele aufhellte und verdunkelte.¬†Darauf kam das M√§dchen nun jeden Tag zum Propheten und brachte Speisen und Wasser. Am vierten Tag nach endloser Meditation aber fragte es:

„Und warum wartest du darauf, dass sich das Meer beruhigt?“

…und der Prophet antwortete:

„Wenn Meere sich beruhigen k√∂nnen, dann k√∂nnen es vielleicht auch die gr√∂√üeren Gew√§sser in dieser Welt.“

… „Die gr√∂√üeren Gew√§sser?“ fragte das M√§dchen.

Der ein√§ugige Prophet setzte sich und blickte mit dem zugen√§hten Auge in sich und mit dem offenen Auge noch weiter hinaus ins Meer: „Das gr√∂√üere Gew√§sser ist das Meer der Seelenseen und ich warte darauf, dass ich in seiner Ruhe tief auf seinen Grund sehen darf.“

Das barf√ľ√üige M√§dchen fragte: „Kann denn vielleicht ein Mensch das Meer b√§ndigen?“

Der ein√§ugige Prophet schaute nochmals in sich und hinaus ins Meer und sagte: „Es ist ein Meer und deswegen muss sich vielleicht auch das √§u√üere Meer beruhigen, bevor sich das Meer im Propheten beruhigen kann. Die Natur schl√§gt ihre Wellen auch in uns hinein.“

So sprach der ein√§ugige Prophet und schaute unerf√ľllt weiter hinaus ins Meer. (vom ein√§ugigen Propheten)

Weitere Videos

Noch anzumerken ist, dass ich die Videos von Hinnerk Polenski ganz interessant finde. Sicher finden sich hier weitere Anregungen:

In Neubrandenburg in einem gl√ľcklichen Sommer

Ich hoffe, der Artikel war informativ und interessant. Wenn ja, dann teilt ihn doch. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+.¬†oder¬†tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Wenn ihr wirklich keine Beitr√§ge verpassen wollt, dann solltet ihr in den¬†E-mail-Verteiler (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an). Zuk√ľnftig werden noch ein paar andere Dinge hinsichtlich der Ver√§nderung unserer Pers√∂nlichkeit kommen. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Norman Schultz

Neubrandenburg, Weihnachten 2014

(Titelbildnachweis: Mit der Ruhe von Planetenbahnen (wikicommons CC_BY_SA Author Tevaprapas Makklay)

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Macht Lesen intelligenter? Vom Wert des Lesens f√ľr die Intelligenz und f√ľr unser Leben sowie eine Kritik von Kehlmanns Roman „Ruhm“

Der Mann muss Zeit haben, denn der Mann liest Romane. Nein, auch keine Sachb√ľcher, jawohl Romane. In der Doktorandenh√§ngematte verschlingt er nun dicke Batzen. Der Arme! Gebt ihm doch stattdessen Arbeit!

Doch das Lesen hat neben meiner Doktorenfaulheit auch andere Gr√ľnde. In diesem Artikel erl√§utere ich, warum Lesen in den Alltag und gar in die Abendroutine eingearbeitet sein sollte und welche Effekte vor allem Lesen auf uns haben. Am Ende gehe ich auf meine Abendroutine ein, die mit dem Lesen verkn√ľpft sein soll. Zudem diskutiere ich am Ende Kehlmanns Roman Ruhm. Ich werde mich jetzt wohl h√§ufiger Romanen widmen. Mehr dazu am Ende.

Denkfehler: Sind Kinder, die lesen intelligenter oder lesen Intelligente mehr?

In „Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die Sie besser anderen √ľberlassen“ beschreibt Rolf Dobelli einen Denkfehler, der uns im Alltag immer wieder befalle. Es hei√üt, Kinder aus intelligenten Familien lesen mehr B√ľcher. So gleich verweist der Autor jedoch darauf, dass dies ein Fehlschluss sei. Der Fehlschluss ist folgender: denn Kinder, die intelligenter seien, w√ľrden wom√∂glich schlicht B√ľcher als Unterhaltungsmedium bevorzugen.

Soweit jedoch ist es nicht richtig, dass es sich um einen Fehlschluss handelt, sondern genauer handelt es sich um einen induktiven Schluss, der auf eine Beobachtung verweist, n√§mlich, dass Kinder aus intelligenten Familien mehr lesen. Die skeptische Bildung einer Gegenhypothese ist zwar korrekt, aber wir m√ľssen vorher weiter untersuchen, bevor wir eine Schlussfolgerung anstellen. Hierbei kommen uns verschiedene, weitere Methoden zur Hilfe. In anderen Worten Rolf Dobelli gibt uns nur einen Ansto√ü zum kritischen Denken, verbleibt dann aber auf einer skeptischen Grundposition. In diesem Artikel entwickle ich weitere Argumente, dass Lesen unsere Intelligenz steigert und welche Effekte wir davon noch zu erwarten haben.

Kurz, die Effekte des Romanlesens

  • Schlafvorbereitung durch Entspannung beim Einf√ľhlen in andere Personen
  • √Ąngste l√∂sen
  • Erh√∂hung der Empathie
  • Erh√∂hung der verbalen Intelligenz
  • Allgemeine Pers√∂nlichkeitseffekte
  • H√∂here Intelligenz
  • Vorbild f√ľr die eigenen Kinder
  • Ansammeln von Erlebnissen
  • Auseinandersetzung mit gegenw√§rtigen gesellschaftlichen Themen aus der Innenperspektive
  • Gl√ľck!


Effekte des Lesen

Gut das sind viele Effekte, aber bringt es wirklich etwas? Nun es gibt da so einige Korrletationen: Vorlese-kinder zum Beispiel erzielen durchschnittlich einen besseren Notenschnitt als Nicht-Vorlese-Kinder (Studie Stern, Differenz von 0,4).¬†Eine andere Studie von 2010 zeigt diesbez√ľglich auch, dass Sch√ľler, die mehr lesen, generell bessere, geistige Kapazit√§ten haben, wobei interessanterweise dies auch bei Studienteilnehmern passierte, die mit ihren Eltern Filme schauten. Gleiches passierte jedoch nicht bei Kindern, die Fernsehen schauten. √Ąhnlich wie Romane verlangen Filme geistige Anstrengungen und Interpretation¬†von uns, wobei die Anwesenheit von anderen, uns dazu bringt, die Filme auch wirklich empathisch nachzuvollziehen¬†(Quelle: New York Times).

Dziewczynka z ElementarzemIn weiteren Auswertungen¬†(Cunningham, Stanovich)¬†¬†im Hinblick auf die Intelligenz von Lesern im Vergleich zu Nicht-lesern hei√üt es, dass Lesen ¬†generell √ľber das direkte Ziel hinausgeht. Zwar lesen wir zumeist kleine Passagen, die f√ľr uns einen direkten Wert haben, n√§mlich den Informationsgewinn, jedoch haben die Passagen dar√ľber hinaus Einfluss auf unsere Wortgewandtheit und unser Empathieverm√∂gen. Weil zum Beispiel Romane 50 Prozent mehr Worte als Prime-Time-Shows haben, kommt es durch dieses bestimmte Freizeitverhalten dazu, dass Kinder aus lese-orientierten Familien, selbst bei minimalen Differenzen im Leseverhalten bald h√∂here verbale Kompetenzen akkumulieren.

Was z√§hlt ist daher nicht, dass das Lesen einmal passiert, sondern dass es ein einstudiertes Freizeitverhalten ist. W√∂rter, die gerade bei diesem Lesen aufgenommen werden, seien wichtig, um kritische Unterscheidungen zu treffen. W√∂rter, die f√ľr diese F√§higkeiten wichtig sind, treffen wir vor allem in Texten an und nicht in Fernsehshows. Die Studie f√ľhrt daher an, dass vor allem der Leseumfang zu einem erheblichen Vorsprung vor anderen Kindern f√ľhrt und bedeutet auch, dass die intellektuell Reichen schlichtweg reicher werden und die Dummen dumm bleiben, so sehr sie sich auch in der Schule anstrengen.

Im Weiteren wird in der Untersuchung angef√ľhrt, dass lebenslanges Lesen auch verhindert, dass kognitive F√§higkeiten im Alter stark nachlassen. Es geht also nicht nur um Kinder, die hier besonders im Fokus des Lernens stehen, sondern um alle Alltersgruppen.

Diese Ergebnisse lassen sich meines Erachtens auf das Lernen von Sprachen erweitern (Hier mein Entwurfsartikel dazu). Das heißt, will ich eine Sprache lernen, sollte ich auch eher passives Wissen in dieser Sprache durch Romane aufnehmen.

Das Gehirn auf Romanen, der Einfluss auf unser Empathievermögen

Nach Studien aus den Jahren 2006-2009 weisen Leser langanhaltend mehr Empathie auf, wenn sie Romane lesen. Hierbei gaben die Forschern Lesern das Buch „Pompei“ und verglichen es mit Lesern von Sachliteratur und Nichtlesern. Das bessere Abschneiden der Romanleser wurde auch beibehalten, als die Wissenschaftler die Hypothese ausschlie√üen konnten, dass empathischere Menschen eher Romane lesen (Quelle: New York Times).

Nicht also, wie auf vielen Websites gepriesen, das Lesen von Sachliteratur macht uns schlauer, sondern das Lesen von persönlichen Geschichten. Sachliteratur konsumieren wir eher im Hinblick auf direkte Probleme, doch dabei kommt der Aspekt der sozialen Interaktion nicht zur Geltung.

Unterst√ľtzend wurde in weiteren Studie (Ritchie, Bates, Child Development 2014)¬†herausgefunden, dass die fr√ľhe Lesefertigkeit auch sp√§ter Effekte auf die allgemeine Intelligenz hat.¬†Romane f√ľhren zu einer h√∂heren Konnektivit√§t im Gehirn (wenn ich die Studienergebnisse richtig verstehe: Studie 2013: Short and Longterm Effects of a Novel on the Connectivity of the Brain. Lesen katapultiere den Leser im gewissen Sinne biologisch in die andere Person hinein.

Letzteres k√∂nnte auch auf einen Zusammenhang mit gutem Schlaf verweisen. Diese Verbindung zwischen Lesen und gutem Schlaf wird zwar immer wieder in Alltagsratgebern herausgehoben, allerdings konnte ich hierf√ľr keine konkreten Studien finden. Es k√∂nnte also auch ein Mythos sein. Es gibt allerdings Studien, die zu den Ergebnissen kommen, dass durch Lesen √Ąngste und Depressionen gemildert werden (Hier wird auf einige Studien dazu verwiesen). Da Depressionen und √Ąngste Dinge sind, die uns abends unter Umst√§nden nicht schlafen lassen, gehe ich davon aus, dass Lesen auch den Schlaf verbessert.

Lewis Hine, Boy studying, ca. 1924Konsequenzen f√ľr meine Abendroutine

Aus diesen Gr√ľnden, die jeweils mehr oder minder schwache Korrelationen sind, habe ich mich dazu entschieden, Lesen in meine Schlafroutine einzubauen, das hei√üt: Ich lese vor dem Schlafengehen mindestens 15 Minuten Romane. Dieses ist nach dem Prinzip der Mikrogewohnheiten, wonach ich nicht versuche viel zu erreichen, sondern mit einer minimalen T√§tigkeit beginne und sich die Effekte sp√§ter akkumulieren (Hier mein Artikel zu Mikrogewohnheiten).

Das h√∂rt sich wenig an, aber in den letzten 2 Monaten, habe ich „Der Schwarm“ (1000 Seiten! Frank Sch√§tzing), „Ruhm“ (Kehlmann), „Verbrechen“ und „Schuld“ (Schierach) und „Atemschaukel“ (M√ľller) gelesen. Zudem habe ich in viele andere Romane reingelesen. Da kommt schon einiges zusammen.

Ich glaube auch, dass ich damit eine gute Abendroutine entwickelt habe, die meine Bettzeit-Prokrastination stark gemindert hat. Zus√§tzlich habe ich das Gef√ľhl, dass das Hineinf√ľhlen in andere Personen auch dazu f√ľhrt, dass ich mich generell gl√ľcklicher f√ľhle. Intelligenzeffekte habe ich direkt noch nicht feststellen k√∂nnen (wie kann man das auch?), aber vielleicht entwickelt sich das ja noch.

Ich verzichte in meiner Abendroutine bewusst auf Sachb√ľcher. Ich habe auch Biografien begonnen, aber wenn diese nicht in der Gestalt von Romanen daher kommen, ist der Genuss tats√§chlich gering. Weltliteratur, das hei√üt, eine gewisse Poetik empfinde ich generell als stimulierender als banales Gelaber zwischen Charakteren wie in Frank Sch√§tzings Schwarm (obwohl der Roman teilweise sehr faszinierend und zu empfehlen ist).

Um die Routine beizubehalten, werde ich in Zukunft viele der Romane auf meinen anderen Blogs zusammenfassen und reflektieren. Hier ein Beispiel:

Andere Identitäten

Es beginnt mit Ebling, der aufgrund eines technischen Defekts bei der Nummernvergabe seines Mobiltelefons in die Rolle des Schauspielers Ralf Tanners schl√ľpfen darf. Zumindest am Telefon durchlebt er Ausschnitte aus einem anderen Leben, einem wichtigeren Leben.

Tanner selbst erf√§hrt dabei die pl√∂tzliche Ablehnung seiner Geliebten (vielleicht bedingt durch Eblings Einmischung?). Er lebt sein Leben als Schauspieler immer unter dem Eindruck von der √Ėffentlichkeit beurteilt zu werden. So bef√§llt ihn auch Scham, weil eine Szene mit seiner Geliebten bei Youtube ungewollt Verbreitung erf√§hrt.

Aber vielleicht ist er auch gar nicht Tanner, sondern nur jemand, der gerne Tanner wäre, ein Doppelgänger oder eben jemand, der begonnen hat, sein Leben zu spielen.

Verzweifelt ein anderer Sein

Ein anderer sein, verzweifeln an unserer morbiden Begrenzung, in der Herzkammer eingeschlossen, hin√ľbersehns√ľchteln in das Sternenlicht, die andere Flamme, zu den Elementen der Tr√§ume und W√ľnsche, den W√ľnschen, die die Welt, die bessere Welt bedeuten. Dort ist der geliebte Mensch, der Stern, der wir gerne w√§ren, die 1000 Leben, die nur einer lebt. Wir schauen hin√ľber und wir w√ľrden uns dort dr√ľben gerne selbst lieben. Aber wir sind hier.

Unsere W√ľnsche brechen zur Unendlichkeit durch, wir multiplizieren uns mit ihnen in die Tr√§ume hinauf und doch schaffen sie diesen kn√∂chernden Bruch, diesen Abstand zu uns. Wir sind abgeschnitten von unseren Tr√§umen.

Kierkegaard ¬†verstand uns von diesen „Gipfeln der Verzweiflung“ her. Er schrieb:

„verzweifelt man selbst seinwollen, verzweifelt nicht man selbst sein wollen“ (Zitat = interessanter Artikel √ľber Kierkegaard¬†aus der Zeit).

Es gibt keinen Ausweg, keine T√ľr, kein Exit, keinen Fluchtweg aus der Verzweiflung und wer nicht verzweifelt sei, der wisse es nur noch nicht.

Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“ befasst sich mit dieser Verdoppelung oder Multiplikation des menschlichen Lebens und der Verzweiflung am eigenen Leben. Es sind wir in verschiedenen Geschichten. Wir, die verschiedene Geschichten in Geschichten √ľber Geschichten von uns erz√§hlen oder die √ľber uns erz√§hlt werden:

„‚Ich wu√üte, du machst das mit mir. Ich wu√üte, ich komme in eine deiner Geschichten! Genau das wollte ich nicht!‘

‚Wir sind immer in Geschichten.‘ Er zog an der Zigarette, der Glutpunkt leuchtete rot auf, dann senkte er sie und blies Rauch in die warme Luft. ‚Geschichten in Geschichten in Geschichten'“ (201)

Wie einst Sartre in „Der Ekel“ ist diese Geschichtlichkeit der nerv√∂se Punkt unserer Existenz, eine wunde Stelle, die wir immer wieder aufkratzen. Wir erz√§hlen immer wieder andere Geschichten √ľber andere und √ľber uns. Die L√ľge vom besseren Leben macht das Leben dabei hin und wieder ertr√§glicher. Sartre beschrieb es √§hnlich:

Ein Mann geht eine Stra√üe hinunter, doch als Leser halten wir inne: Dies ist der Held. Romane erz√§hlen sich von ihrem Ende her und wir wissen, es wird etwas passieren. Nur f√ľr uns da gibt es keine Zielstellung, keine gro√üe Wende, wir sind kaum Helden des eigenen Lebens. Wir gehen nur eine Stra√üe hinunter.

Kehlmann schlussfolgert daher durch seine Romanfiguren hindurch:

„Ein Roman ohne Hauptfigur!“

Vielleicht zu ambitioniert, wenn acht Geschichten in lockerer, distanzierter Sprache verzahnt werden, dann ¬†geraten die Charaktere streckenweise zu fernen S√§tzen, die an der Innerlichkeit wie ferne Z√ľge vorbeirauschen. Es sind komponierte Elemente, Elemente von W√ľnschen, die wie alles Formale wenig Wirklichkeit haben.

Hier und dort verzahnen sich die Geschichten. Jene Kunstgriffe versucht Kehlmann durch Selbstironie zu verschleiern, indem er als Erz√§hler in einen literaturtheoretischen Dialog mit seinen Hauptfiguren √ľbergeht. Indem er einer Figur unerwartet Jugend und Sch√∂nheit schenkt. Auch indem er einen Moralschriftsteller sich selbst richten l√§sst. Doch ist dies die Verlegenheit des Autors?

Womöglich ist es der wirkliche Kitsch des Lebens.

Dann geht eine Frau in Transnistien verloren oder irgendwo, wo eine andere Zivilisation sie allein lässt.

Dann kommentiert ein anderer manisch in Foren und vergisst sich dabei selbst.

Wiederum ein anderer versucht, sich in zwei Familien als Mann zu behaupten. Vielleicht weil er nicht weiß, wer er ist?

Eine andere Frau versucht, sich das Leben zu nehmen und fragt den Erzähler, warum ihre Geschichte gerade derart erzählt wird.

Es sind viele Doppelleben, die die Menschen in Geschichten von Geschichten f√ľhren:

„Weil ein Mensch vieles sein will. Im w√∂rtlichen Sinn. Er will viel sein. Vielf√§ltig. M√∂chte mehrere Leben.“(187)

Wo also ist die Einheit des Selbst, dieser Ichkerns, der durch uns hindurch besteht und uns wie ein Atom zusammenh√§lt, uns zu einem Menschen macht, der tr√§umt? Das vielk√∂pfige Biest (Platon, Politea Buch XIII) ist die Grundlage unserer W√ľnsche, doch Einheit der Vernunft findet sich in diesem Roman nicht, sondern ist nur eine ironische Spitze, die alle Seifenblasentr√§ume zerplatzen l√§sst.

 

Ein guter Audio-Ausschnitt, wenn auch ein schlechterer des Buches, hier: http://www.literaturport.de/index.php?id=28&no_cache=1&tid=341

Soviel also vorerst zum Thema Lesen. Hier noch meine Leseliste:

Romane aktuell:

  • Atemschaukel,
  • Sophie Welt (vielleicht zu nahe an meiner Profession?)

K√ľrzlich abgeschlossen: ¬†

  • ¬†Der Schwarm (Frank Sch√§tzing)

  • ¬†The-4-Hour-Chef (Timothy Ferriss)

Biographie (kann ich die als Romane gelten lassen?)

  • Salinger – Biografie
  • Bergsteigerbuch

Philosophie (beruflich), aktuell:

    • Habermas: Wahrheit und Rechtfertigung
    • James Swindal: A case for Agent Causation (Mein Professor)
    • Diverse B√ľcher von Brandom
    • Hegel: Wissenschaft der Logik
    • Aristoteles: Metaphysik, √úber die Seele, Physik, Nikomachische Ethik
    • Platon: Der Staat
    • Empiricus Sextus
    • Und vieles mehr

Ich hoffe, der Artikel war informativ und interessant. Wenn ja, dann teilt ihn doch. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+.¬†oder¬†tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Wenn ihr wirklich keine Beitr√§ge verpassen wollt, dann solltet ihr in den E-mail-Verteiler (bei Facebook kommt ja nicht mehr alles an).¬†Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Norman Schultz

Pittsburgh, Oktober 2014

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Wie wir passiv lernen k√∂nnen – Suggestionsmaterial f√ľr passives Lernen

Zusammen mit dem Lernforscher Andreas D√ľckhofer habe ich ein Gespr√§ch zum Thema passives Lernen gef√ľhrt. Zun√§chst geht es mal wieder um die Lerntypentheorie, die ein Paradebeispiel f√ľr das Vertrauen in falsche Theorien darstellt. Danach entwickeln wir langsam einen Begriff vom passiven Lernen, wobei aktives Lernen vorzuziehen ist. Passives Lernen hat eher den Wert aktives Lernen vorzubereiten, andernfalls ist es nutzlos. Da es schwer ist, gutes, passives Lernen vorzubereiten, schlage ich am Ende vor, eher auf Suggestionsmaterialien zur√ľckzugreifen, die eine langfristige Verhaltens√§nderung bewirken. Hier verweise ich auf meinen Youtube-Talk mit Alexander Schwarz, der sich selbst als Habit-Coach bezeichnet. Wir fragen uns wie wir unsere Gewohnheiten √§ndern k√∂nnen.¬†Bildnachweis:¬†By Wagner Machado Carlos Lemes from Goi√Ęnia, Brazil; derivative work by King of Hearts CC-BY-2.0 , via Wikimedia Commons

 

(Das Gespräch haben wir stark vereinfacht, um die wesentlichen Elemente deutlicher zu machen. Im ersten Teil gibt es theoretischer Erläuterungen zur Lerntypentheorie, wobei sich hier erklärt, was eine schlechte Theorie vom Lernen ist.)

Andreas D√ľckhofer: Welche Arten gibt es zu lernen?

Norman Schultz: Es ist sehr richtig, dass wir das Lernen f√ľr uns selbst klassifizieren sollten. Doch es stellt sich dabei auch die Frage, ob es wom√∂glich nur eine Art gibt, wie wir lernen. Die Lerntypentheorie hat hier viel Schaden angerichtet, indem sie annahm, dass sinnliche Wahrnehmung gleich Lernen w√§re und dabei √ľberhaupt keine bew√§hrte Theorie ist.

Andreas D√ľckhofer: Warum das?

Norman Schultz: An Universitäten unterrichtet man ein Modell, das keine wirkliche, empirische Forschung durchlaufen hat, sondern einfach nur hochgradig plausibel ist (mehr Informationen zur Lerntypentheorie hier unter Mythos Lerntypentheorie).

Dick York Bewitched 1968

Ein auditiver Lerntyp?

Andreas D√ľckhofer: Aber wenn es einleuchtend ist, dann sollte es doch auch wahr sein?

Norman Schultz: Mit der Wahrheit ist das so eine Sache. Zun√§chst haben wir eine Meinung, die andere vielleicht teilen, aber wenn es sich um empirische Fragen handelt, m√ľssen diese Meinungen nicht auch tats√§chlich der Fall sein. Plausibilit√§t verweist daher zumeist nur auf eine logische Konsistenz, das bedeutet, dass Pr√§missen sich nicht widersprechen und eine Schlussfolgerung nahe legen. In etwa so:

Prämisse 1: Käse ist essbar.

Prämisse 2: Der Mond ist aus Käse.

Konklusion: Also ist der Mond essbar.

Dieses Schlussverfahren ist richtig, aber das Argument ist nicht wahr. Es wird problematisch, wenn wir Prämissen hineinschmuggeln, deren Wahrheitswert unbekannt ist. So zum Beispiel bei der Lerntypentheorie:

Prämisse 1: Ich lerne im Vergleich schlechter als andere.

Prämisse 2: Ich bin verschieden; ich bin ein anderer Lerntyp.

Konklusion: Es liegt an den schlechten Lehrern, dass ich schlechter lerne und nicht an mir.

Hier wei√ü ich doch nicht, ob ich wirklich anders bin und ob es Lerntypen gibt. Ich erkl√§re mir den Glauben an die Andersartigkeit durch den Glauben an Individualit√§t, der gesellschaftlich unterst√ľtzt wird. Der Superindividualismus legt nat√ľrlich die Einzigartigkeit des selbstst√§ndigen Konsumenten nah; die Idee, dass wir vielleicht Gemeinsamkeit haben, ist doch heute Kommunismus. Aber ich will nicht polemisieren.

Aufgrund psychologischer T√§uschung gibt es l√ľckenhafter Schlussverfahren. Ich gehe daher nicht davon aus, dass es sich bei der Lerntypentheorie um eine logische Theorie handelt, weswegen ich es eher als eine Plausibilit√§tstheorie bezeichne. Bei diesen Plausibilit√§tstheorien k√∂nnen sich die Voreinstellungen gar unbemerkt widersprechen:

Voreinstellung 1: Jeder Mensch ist anders.

Voreinstellung 2: Es gibt verschiedene Lerntypen.*

¬†Andreas D√ľckhofer: Was ist daran falsch?

Norman Schultz: Nun, wenn jeder Mensch anders ist, dann kann es keine klassifizierbaren Lerntypen geben, dann lernt wirklich jeder absolut anders. Ich glaube jedoch, dass das Individualit√§tsargument dazu verleitet anzunehmen, dass es Lerntypen gibt, was nat√ľrlich logischer Unfug ist, was die meisten aber aus Denkfaulheit aushalten.

Ich im Gegenzug interessiere mich nicht f√ľr die Verschiedenheit im Lernen, sondern f√ľr das, was wir alle im Lernen gemeinsam haben. Selbst wenn es Lerntypen gibt, muss es bei allen etwas geben, dass wir „Lernen“ nennen. Dieses Lernen muss das gleiche sein. So glaube ich, dass wir alle lernen k√∂nnen. Ich bin zum Beispiel der Auffassung, dass jeder Lesen, Rechnen und Schreiben lernen kann.

Andreas D√ľckhofer: Aber das ist doch ein Allgemeinplatz.

Norman Schultz: Ist es nicht, wenn wir bedenken, dass man vor einigen Jahrhunderten annahm, dass es Menschen gibt, die eine nat√ľrliche Begabung haben zu lesen. Nach dieser √úberzeugung, war es eine Art Adel, ein Gelehrter zu sein. Die Lerntypentheorie greift diesen Lernadel wieder auf. Jemand, der heute Mathematik beherrscht, ist nahezu von Gott in den Stand eines Gelehrten gehoben. Die Lerntypentheorie bleibt jedoch nur demokratisch, wenn wir davon ausgehen, dass wir jeden Lerninhalt in alle Lerntypen √ľbersetzen k√∂nnen. Hier aber beginnt der praktische Bl√∂dsinn: Demnach sollten wir ein Institut gr√ľnden, dass Lerninhalte f√ľr olfaktorische Lerner √ľbersetzt.

Aber nochmal ich nehme an, dass jeder alles lernen kann. Doch irgendwie wollen die Leute hierbei widersprechen. Auch wenn ich zwar dabei einsehe, dass es beim Lernen gewisse Dispositionen geben mag, ist das f√ľr mich zumeist Sozialdarwinismus. Das hei√üt, heute ist es gerade zu anerkannt, dass derjenige, der eine anst√§ndigere Bildungs-Biografie hat, ein besserer, wertvollerer Mensch sein muss. Wer viel wei√ü, darf viel Lob bekommen. Die anderen sollen in der Arbeitslosigkeit verrotten. Lebenslanges Lernen ist dabei kein motiviertes Lernen, sondern ein Ellenbogenlernen und eine Todeszelle f√ľr den einzigartigen Menschen, der immer noch mal anders werden soll als er schon ist.

Andreas D√ľckhofer: Gut, aber zur√ľck zum Thema, gibt es verschiedene Arten des Lernens?

Norman Schultz: Genau hier bin ich mir nicht so sicher. Ich bin mir allerdings sicher, dass ich verschiedene Energieniveaus habe. Am besten lerne ich in einer Gemeinschaft, die mich fordert und meine Lernwege schnell korrigiert, wobei ich hier allerdings nicht nur passiv beobachte, sondern zur Aktivit√§t aufgefordert werde (Dass Gemeinschaften besonders zur Umsetzung beitragen, haben wir ja schon hier und hier diskutiert). Energie steht hier zu Verf√ľgung, weil andere mich entlasten, indem sie mir anstrengende Entscheidungsprozesse abnehmen. Wir lernen hier gut, wenn die anderen uns herausfordern. Wenn andere uns nur vormachen wird das nat√ľrlich auch nichts. Es lernt doch niemand das Schwimmen, wenn er nur zuschaut, sondern wenn er in einer wohlwollenden Gemeinschaft Vertrauen und Anspruch findet.

Andreas D√ľckhofer: Das hei√üt also es gibt kein passives Lernen?

Norman Schultz: Doch das gibt es. Allerdings bin ich mir nicht sicher, zu welchen Graden wir es ben√∂tigen, wenn wir die M√∂glichkeit zur Aktivit√§t haben. Passives Lernen funktioniert zumeist nicht: Wenn ich beispielsweise einen Text nur lese, dann werde ich wenig gelernt haben. Studien (sehr detaillierte Studie) zeigen, dass vor allem ein zweites mal Lesen wenig bringt, da es nur den subjektiven Eindruck verst√§rkt, etwas zu verstehen. Lesen soll in zwei getrennten Arbeitsschritten erfolgen, erstens einer passiven Aufnahme, die zweitens das aktive, selektive und detaillierte Lesen vorbereitet. Dazu gibt es verschiedene Ans√§tze, wobei ich vor allem auf den Ansatz der Michelmanns verweisen m√∂chte, was ich als das beste Buch zum Thema „Lesen“ einsch√§tze.

Gerade aber zum Thema lesen findet sich im Internet viel Quatsch:

„Am besten lernt sich der Stoff, indem man den kompletten Text und eine Zusammenfassung mehrfach durchliest und sich zwischendurch kreative Pausen g√∂nnt. Durch die st√§ndige Wiederholung speichert das Gehirn auch schwierigste Konzepte fr√ľher oder sp√§ter ab, selbst wenn man eins noch nicht so richtig verstanden hat.“¬†http://www.lernen-mit-grips.de/lernarten/

Ich m√∂chte keinesfalls eine derart unbelegte Theorie zum Thema „passives Lernen“ vorschlagen. Das w√§re dann schlicht sowas wie die Lerntypentheorie, wobei dann die Anwender abends nochmal ihre Schulhefte unter das Kopfkissen legen, weil sie glauben, das h√§tte entscheidende psychologischer Lerneffekte. Von solchem hom√∂opathischen Lernen halte ich nichts.

Andreas D√ľckhofer: Das hei√üt, der Vorgang der Passivit√§t ist nur vorbereitend f√ľr das Lernen?

Norman Schultz: Nun, ich vertrete die Auffassung, dass Passivit√§t g√§nzlich durch Aktivit√§t ersetzt sein sollte, wenn m√∂glich. Aber niemand kann 24 Stunden durcharbeiten und beim Lesen gibt es Dinge, die man auslassen muss. Gewisse Ruhe und Motivationsphasen geh√∂ren auch zum aktiven Lernen dazu Es gibt viele Studien, die eine g√ľnstige Pausentechnik best√§tigen. Wer hier sein Energiemanagement vernachl√§ssigt, f√§hrt gegen die Wand. Passives Lernen hei√üt daher f√ľr mich, Anreize zu setzen, Dinge richtig zu verarbeiten und die aktiven Lernphasen zu motivieren und vorzubereiten. Ich versuche hierbei eine eigene Praxis vom passiven Lernen vor allem f√ľr mich zu entwickeln und vielleicht stimmen andere den Schl√ľssen, die ich aus Studien ziehe, zu.

Andreas D√ľckhofer: Wenn du jetzt aber sagst, wir sollen beim Lernen Pausen machen, dann ist niemandem geholfen, denn irgendwie wissen das ja alle. Wie sieht also dieses passive Lernen aus?

Norman Schultz: Ich habe schnell gemerkt, dass ich bei Vorlesungen im Hintergrund schnell rauszoome. Es bedarf einer enormen Anstrengung zu Vorlesungen zu gehen, um diese wirklich zu nutzen. Vorlesungen sind wesentlich anstrengender als Seminare, wenn man etwas lernen will. Dabei habe ich zumeist, zuviel Energie verschwendet. Ein Professor hat sich mal bei vor allen Studenten bedankt, weil ich ihm so aktiv zuhörte. Ich weiß, das klingt streberhaft, aber Vorlesungen sind nicht mit Passivität zu verwechseln. Ich habe dort so viel Energie investiert und hätte diese besser nutzen können, wenn ich mit anderen etwas zusammen getan hätte. Daher empfehle ich auch kaum Vorlesungen, da sie viel Energie benötigen.

Carl Seiler Die Vorlesung

Beim Vorlesen lernen?

Andreas D√ľckhofer: Du weichst etwas aus, wie dieses passive Lernen nun aussieht, aber nach dem, was du sagst, entf√§llt dann auch das Lesen. Lesen erfordert ja auch viel Konzentration oder?

Norman Schultz: Nat√ľrlich gibt es Momente, wo dieses Lesen als passives Lernen m√∂glich ist. So lange sich ein subjektiver Zustand der Entspannung einstellt, kann dies nicht falsch sein. Jeder hat hierbei seine Leserituale, wobei diese sich heute eher auf die sozialen Medien beschr√§nken, was ich nicht unter Lernen verbuche, sondern als eine Art soziales Lagerfeuer sehe am Smartphone. Man schmiert ein bisschen sein soziales Gef√ľge, wenn man bei Facebook auf dem Laufenden bleibt. Hier aber geh√∂rt Lesen zur Frage des Prokrastinationsmanagements, auch deshalb weil es selten auf das aktive Lernen bezogen ist. Das ist gut, wenn es kontrolliert verl√§uft und Entspannung liefert?

Wilhelm Amberg Vorlesung aus Goethes Werther

Soziales Lernen?


Andreas D√ľckhofer: Wenn Vorlesungen und Lesen wegfallen, dann bleibt ja nicht mehr viel √ľbrig.

Norman Schultz: Ich m√∂chte Vorlesungen nicht per se ablehnen, empfehle aber eher Lernanreize durch passive Materialien zu setzen. Vorlesungen haben den Effekt, dass wir nur dort zuh√∂ren, wo wir ohnehin schon Bescheid wissen. Sobald es jedoch schwieriger wird, schalten wir ab. Stattdessen sollten leichte Materialien gew√§hlt werden, die im g√ľnstigsten Fall in Interviewform vorliegen.

Andreas D√ľckhofer: Und warum die Interviewform?

Norman Schultz: Interviews haben mehrere Vorteile. Einerseits kontrollieren die Gespr√§chspartner gegenseitig, dass die Inhalte nicht zu kompliziert werden. Auf der anderen Seite setzen die Unterbrechungen immer wieder Anker, die die Aufmerksamkeit zur√ľckholen.

Das Material f√ľr ein derartiges passives Lernen ist allerdings rar.¬†Ich durchforste hierzu h√§ufig Youtube und lade mir diese dann als Audiodateien herunter [der Freeyoutube to MP3 Converter eignet sich hierf√ľr sehr gut].

Diese Audiodateien spiele ich mir dann auf g√ľnstige Wegwerf-Mp3-Player aus dem Internet [ich neige dazu Teurere zu verlieren, au√üerdem nutze ich verschiedene und bespiele sie nach verschiedenen Themen]. ¬†Ich versuche das Energielevel dabei sehr gering zu halten.

Nat√ľrlich gibt es auch die M√∂glichkeit Podcasts zu abonnieren, aber hierzu kenne ich mich (noch) nicht gen√ľgend aus (Anregungen sind erw√ľnscht).

Die passiven Lernmaterialien, die ich mir dann erstellt habe, verwende ich dann auf MP3 beim Laufen, oder beim Fr√ľhst√ľck machen oder bei anderen stupiden T√§tigkeiten, die der Ohren nicht bed√ľrfen.

Hierbei gibt es nat√ľrlich verschiedene Themen, die ich mir so klassifiziere: Allgemeinwissen, Sprachspiele, Musikalische √úbungen, Spezialwissen (die meine Doktorpr√ľfungen unterst√ľtzen sollen) und Suggestionsmaterial.

Andreas D√ľckhofer: Was hat es mit den Suggestionsmaterialien auf sich?

Norman Schultz: Um die Gewohnheiten zu st√§rken habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich gewisse Suggestionsmaterialien, die ich selbst (!) w√§hle, helfen k√∂nnen. Ich lade mir dazu entsprechende Sendungen, die zum Beispiel das Thema „Gewohnheiten“ betreffen, herunter. Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, dass gerade derartige Materialien am meisten helfen, gewisse Ziele zu verfolgen. So motivieren mich zum Beispiel verschiedene Fernsehsendungen beim Laufen zum Laufen. Es setzt Anreize, ist unterhaltsam und informiert nochmal √ľber das, was ich tue.

Andreas D√ľckhofer: H√∂rt sich an, wie das √úberraschungsei f√ľr den Erwachsenen.

Norman Schultz: Da die passiven Lernmaterialien mit unseren anderen, aktiven Lernritualen abgestimmt sein m√ľssen, ist es h√§ufig schwer, das Passende zu finden. Eine gute Zusammenstellung ist schwierig. Anstatt daher nur auf passive Lernmaterialien zu setzen, bietet es sich daher an, auf Suggestionsmaterialien zu setzen, die langfristig bestimmte Verhaltens√§nderungen anregen. Das ist schon Spa√ü ja.

Andreas D√ľckhofer: K√∂nnen denn Verhaltens√§nderung tats√§chlich passiv erlernt werden?

Norman Schultz: Interessanter Weise kommt es beim Thema Verhaltens√§nderung tats√§chlich nur auf sehr kleine Stellschrauben an. Ich verbinde hier die Theorie des passiven Lernens mit der von den Mikrogewohnheiten. Alexander Schwarz macht dieses ja gerade in Deutschland bekannt. Ein Gespr√§ch hierzu findet sich bei Youtube. Ich bin der √úberzeugung, dass gerade solche Gespr√§che, das passive Lernen unterst√ľtzen k√∂nnen.

Aus dem Gespr√§ch geht hervor, dass kleine Mikrogewohnheiten, uns nachhaltig ver√§ndern. Das hei√üt, wir m√ľssen nach und nach solche passiven Lernmaterialien entdecken, die solche kleinen Verhaltens√§nderungen motivieren, so dass wir auch dabei bleiben. Wenn passives Lernen darin besteht Anreize zu setzen, dann halte ich solche Suggestionsmaterialien f√ľr die sinnvollsten.

Ich hoffe, der Artikel war informativ und interessant, ein bisschen √ľbe ich ja hier daran. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

 

Norman Schultz, Andreas D√ľckhofer

Neubrandenburg 2014

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Neoliberale Tendenzen in der Quantify-Yourself-Bewegung? Von der Vermessung des Selbst als Tugend-Wissenschaft

In diesem Artikel geht es um die Kritik an der Quantify-Yourself-Bewegung, wobei vor allem eine Nähe zum Neoliberalismus im Mittelpunkt steht. Diese Kritik ist meines Erachtens falsch und wir zeigen an exemplarischen Argumenten, warum diese Nähe nicht ohne Weiteres behauptet werden kann.

Quantify-Yourself, das ist in Soziologensprache Ausdruck f√ľr die Kolonialisierung der Lebenswelt durch die Systemwelt. In den Trauersoziologien sind Datenerhebung und Selbstbeobachtung schon lange Teufelszeug. Wo der Soziologe, die schleichende Kolonialisierung der Lebenswelt durch Zahlen vermutet, dort findet er auch die Stellschrauben des entmenschlichten Kapitalisten und zwar in Form von gnadenlosen Zahlen. Anders lassen sich derartige √Ąu√üerungen von Stefan Selke kaum erkl√§ren:¬†

„Hinter der progressiv klingenden Formel „Self-knowledge through numbers“ […] bildet sich bei n√§herem Hinsehen in Reinform neoliberales Denkens ab. Nur passt das so gar nicht mit den flammenden Herzen und coolen Geschichten zusammen, die auf den QS-Meetups erz√§hlt werden.“ (http://www.heise.de/tp/artikel/41/41910/1.html)

Dieser Absatz suggeriert hinter einer Bewegung, die sich in besserem Licht darauf konzentriert, Tugenden zu entwickeln, eine Verschw√∂rung. Als w√ľrde die Quantify-Yourself-Bewegung einen gewissen Enthusiasmus, ein Brennen f√ľr die Selbstverbesserung nur vorgeben, w√§hrend sich dahinter die dunkle Verschw√∂rung der Neoliberalisierung verbirgt. Mit anderen Worten, jeder, der sich dann seine Alltagsgewohnheiten notiert, ist zugleich Marionette im Spiel der M√§chte.

Aber um es klar zu sagen, nat√ľrlich ist es nicht zu leugnen, dass es neoliberale Tendenzen in unseren sozialen Gef√ľgen gibt. Es ist dabei nur unklar, inwiefern einzelne Akteure von der so genannten Mikroebene daf√ľr verantwortlich sein sollen, dass sich ein Makroebenenph√§nomen als Neoliberalisierung zeigt. Hier √ľbersieht der Soziologe n√§mlich den gravierenden Unterschied zwischen den Mikrointeressen der Akteure, die auf der Mikroebene im sozialen Umfeld agieren, und den gesellschaftlichen Ph√§nomenen, die wir dann im Aggregat auf der Makroebene beobachten k√∂nnen. Dieses Problem wird auch unter dem Stichwort Ph√§nomen der dritten Art beschrieben.

Ph√§nomene der dritten Art sind Ph√§nomene, die weder nat√ľrlich noch durch die Akteure gewollt sind. Das hei√üt mit dem Wort „Ph√§mon der dritten Art“ beschreiben wir Ereignisse, die durch menschlichen Verhalten verursacht werden, aber von den Menschen nicht intendiert sind. So k√∂nnen wir zum Beispiel einen Stau erkl√§ren: Weil alle Verkehrsteilnehmer den Sicherheitsabstand zu gering halten, kommt es bei unvorhergesehenen Ereignissen zum Bremsen, das st√§rker als n√∂tig eine Kettenreaktion fortsetzt. Wir haben einen Stau. Nun aber w√§re es verkehrt anzunehmen, dass die Verkehrsteilnehmer diesen Stau gewollt h√§tten. Sagen wir nun, zu dichtes Auffahren (ein Ph√§nomen auf der Mikroebene) w√§re eindeutig Zeichen daf√ľr, dass die Akteure einen „Stau“ wollen, so sind wir auf dem Holzweg. Das gleiche Problem tritt auf, wenn wir Singles beschuldigen, die Bev√∂lkerungspyramide mutma√ülich kaputt zu machen.

Bauen wir also allzu schnell kausale Beziehungen zwischen Makroebene und Mikroebene auf, so kommen wir zu merkw√ľrdigen Aussagen wie dieser:

„Datenreihen sind ein untr√ľgliches Kennzeichen der Neoliberalisierung.“¬†(http://www.heise.de/tp/artikel/41/41910/1.html)

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Mathematiker als Prototypen der Neoliberalisierung?

Vor allem da Datenreihen von einem „verabsolutierten Wettbewerb“ zeugen w√ľrden, der „technokratische Unerbitterlichkeit“ in alle Lebensbereiche bringt, m√ľssen wir also jemanden, der ein Interesse an Daten hat, misstrauen? Da fragt sich, inwiefern dann Mathematiker, die sich f√ľr Zahlentheorie interessieren, „untr√ľglich“ den Turbo-Kapitalismus verfechten.

Wir beobachten diese Argumentationsstrategien ja häufig. So macht sich ja auch Ken Jebsen regelmäßig daran, allen ZEIT- oder SPIEGEL-Lesern Mittäterschaft am Ukrainekonflikt zu unterstellen. Da geht einer also ahnungslos durch die Nachrichtenmagazine im Internet und schon hat er Tausende ermordet oder wie ein Self-Tracker eben ganze Arbeitsbereiche versklavt.

Aber nochmal, was ist The Quantified Self. Bei Wikipedia heißt es schlicht: The Quantified Self

‚Äúist ein Netzwerk aus Anwendern und Anbietern von Methoden sowie Hard- und Softwarel√∂sungen, mit deren Hilfe sie z.B. umwelt- und personenbezogene Daten aufzeichnen, analysieren und auswerten. Ein zentrales Ziel stellt dabei der Erkenntnisgewinn u.a. zu pers√∂nlichen, gesundheitlich- und sportlichen, aber auch gewohnheitsspezifischen Fragestellungen dar.“¬†http://de.wikipedia.org/wiki/Quantified_Self

Gerade auf den individuellen Erkenntnisgewinn geht der Autor von Heise.de allerdings nicht ein.¬†Der Soziologe, weil er eben alle Erscheinungen immer durch Kausalbeziehungen innerhalb des Sozialen erkennen will, kann nicht sehen, dass hier auch eine Tugendwissenschaft am Werke ist, n√§mlich die Wissenschaft von der Verbesserung des Selbst. Diese Frage nach der eigenen sozial unabh√§ngigen Normierung, bei Aristoteles auch noch „Ethik“ genannt, kann f√ľr den Soziologen nicht sichtbar sein, weil sie sich nicht an empirischen Parametern orientiert, sondern transzendentale Voraussetzung f√ľr Handlungen darstellt.

Doch auch einen anderen, wesentlichen Punkt √ľbersehen Kritiker dieser Bewegung. Wir alle wollen handeln und zwar nach bestem Wissen. Der Mensch strebt von Natur aus nach Wissen und alle handeln auch in gewisser Variation nach vermeintlichem Wissen. Bei empirischen Fragestellungen aber, m√ľssen wir nach induktivem Wissen verfahren und nicht normativ. Zu h√§ufig h√∂ren wir jedoch bei empirischen Fragestellungen anekdotisches Wissen, wobei allein durch Plausibilit√§t Wahrheit beansprucht wird. Hierauf baut die Wahrsager- wie auch die Hom√∂opathiindustrie, vor allem aber verarscht man so Leute. Demnach wurden zum Beispiel lange Zeit Fette verteufelt, ohne gute Datengrundlage wurde gemutma√üt, wie der K√∂rper zu funktionieren habe, danach wurde dann entschieden.¬†√Ąhnlich Mythen besagten, dass man bei Krankheit Vitamin C konsumieren m√ľsse, das Milch viel f√ľr die Knochen tut, weil viel Calcium drin ist, dass Veganer nach wenigen Monaten sterben m√ľssen, dass das Knie durch halbe Kniebeuge entlastet werde (http://www.wer-weiss-was.de/fitness-gesundheit/sind-kniebeugen-jetzt-schlecht-fuer-die-knie). Die Liste k√∂nnten wir endlos fortsetzen. Letzten Endes w√ľrden wir auch glauben, dass Eskimos drei Millionen W√∂rter f√ľr Schnee haben. Warum? Weil es plausibel ist. Plausibilit√§t ist allerdings nur ein notwendiges Kriterium f√ľr Wissen (manchmal nicht mal das), hinreichend sind jedoch Daten, die vorl√§ufiges Wissen erlauben. Niemand zum Beispiel in der Medizin verschreibt ein Medikament aufgrund von Plausibilit√§tserw√§gungen, sondern Medikamente m√ľssen Daten geben. Das ist keine Neoliberalisierung, sondern empirische Wissenschaft und zielt in erster Linie auf Wissensvermehrung.

Die Quantify-Yourself-Bewegungen bildet daher auch einen Trend zu h√∂herer Bildung in der Gesellschaft ab. Als Soziologe h√§tte ja auch eine Quantifizierung dazu reichen m√ľssen, dass vermutlich vor allem Gebildete in dieser Bewegung zu finden sind, das hei√üt einen h√∂heren Abschluss haben. Neben der qualitativen Analyse, die einige Soziologen vollziehen, ist n√§mlich ein wesentlicher Schritt auf Evidenz basierende Verfahren zur√ľckzugreifen. Der n√§chste Schritt der Gesellschaft im Verstehen von Realit√§t ist daher eine statistische Grundausbildung an Schulen und dieses statistische Wissen, obwohl so grundlegend, wird noch nicht mal in der Schule gelehrt. Deswegen k√∂nnen die Normalb√ľrger auch wenig mit den Begriffen Korrelation und Kausalit√§t anfangen und kaufen daher Hom√∂opathie, glauben, dass wir Mitt√§ter sind, wenn wir die ZEIT aufschlagen und sehen in der Quantify-Yourself-Bewegung eine Bedrohung f√ľr ihre deutsche Gem√ľtlichkeit. Die Quantify-Yourself-Bewegung kann jedoch aus diesem Grund auch als Schritt zu h√∂herer Bildung betrachtet werden, da sie sich nicht mehr mit Plausibilit√§t zu frieden gibt, sondern Daten verlangt.

Aber was macht der Soziologie in Abendlandsuntergangsstimmung? Er greift zu dem erst besten¬†Slippery Slope Argument und verkn√ľpft im Handstreich Mikro und Makroebene:

„Von der √úbertragung der Idee der „Kennzahlenoptimierung“ von Konzernen und Unternehmen auf den einzelnen Arbeitnehmer, der sich am Ende als „digitaler Sklave“ f√ľhlt [der Satz ist so unvollst√§ndig im Original wie auch das Argument]. „Teil des Begriffs ist, dass der Herr in der Lage ist, jede Bewegung des Sklaven nach Zeitpunkt, Position, Geschwindigkeit und Richtung zu √ľberpr√ľfen.“[1]als eine Rationalisierung der Rationalisierung. „Niemand entgeht dem verwandelnden Feuer der Maschine“, das bedeutet auch, dass Arbeitnehmer, die den (erhofften) Effizienzanforderungen nicht mehr gen√ľgen, aussortiert werden.“

So einfach ist das also, da geht einer einmal seinen Blutdruck messen und Zack hat er den Untergang des Abendlandes verursacht. Da liest einmal einer die ZEIT und Zack hat er tausend Leute in der Ukraine ermordet. Nun diese Argumentation sollte der Soziologe wohl mit Zahlen unterf√ľttern, aber Zack dann w√§re ja das Abendland untergegangen.

Nat√ľrlich ist dieses Ph√§nomen des Kaizens (so hei√üt ja die japanische Disziplin der „kontinuierlichen Verbesserung“, die in der Industrie zum Einsatz kommt) nun auch derart rationalisiert, dass es die individuelle Eigenmessung miteinbezieht, aber hier m√ľssen nochmals eine grundlegende Unterscheidung anbringen. Ein gesamtgesellschaftliches Ph√§nomen, das sich als Aggregat von vielen Einzelinteressen zeigt, unterscheidet sich von den individuellen Einzelinteressen der Self-Tracker.¬†Genau aus diesem Grund stehen ja Verschw√∂rungstheoretiker so hilflos in der Ecke, weil sie den Aktor, der f√ľr die Aggregate verantwortlich sein soll, nicht ausfindig machen k√∂nnen und das weil es wom√∂glich keinen gibt, sondern weil es sich um Ph√§nomene der dritten Art handelt.

Wer will schon den Verusacher von Staus ausmachen? Verschw√∂rungstheoretiker sind derweil verzweifelter als Theologen, die versuchen Gott nachzusp√ľren. Irgendwer muss schlie√ülich die Welt gebaut haben. Das war dann Gott. Irgendwer muss schlie√ülich den Kapitalismus wollen, die Illuminati sind geboren. Irgendwer muss ja unsere Neoliberalisierung verursachen. Das sind dann Self-Tracker. Verschw√∂rungstheoretiker glauben an geschickte Superschurken, weil, so wie die Welt einen Sch√∂pfer braucht, f√ľr Makroph√§nomene auch jemand verantwortlich sein muss.

Die Gegenhypothese ist aber, dass sich im psychologischen Profil der Self-Tracker nicht neoliberales Denken abbildet, sondern schlicht Interesse f√ľr die M√∂glichkeiten der Wissensgewinnung am einzelnen K√∂rper entflammt. Es sind wohl wenige Selbstoptimierer, die ihren Lebensstil als Gesellschaftsmodell auslegen und neoliberalisieren wollen, sondern die eher den K√∂rper mit Zahlen derart numerieren, dass sie verl√§sslichere Aussagen √ľber sich machen k√∂nnen wollen. Das hei√üt es geht um Wissen (Ich gehe hier nicht auf etwaige Kritiken durch Foucault’sche √úberlegungen ein, bin mir aber sehr wohl bewusst, dass Wissen nicht neutral ist).

Wir k√∂nnen den Fortschritt zum evidenzbasierten Wissen dabei auch durchaus als entscheidenden Schritt wahrnehmen. Anstatt n√§mlich auf Plausibilit√§tserkl√§rungen zu vertrauen (die ohne Basis rein deduktiv argumentieren, was wohl nur im normativen Bereich sein sollte), legt die Quantify-Yourself-Bewegung den Fokus auf die statistische Auswertung, das hei√üt auf Induktion. Damit sind Self-Tracker dann auch weniger anf√§llig f√ľr das Gew√§sch, das uns eine mystische Hom√∂opathibewegung verkauft. Hinter der Idee, dass Zahlen nicht l√ľgen, steckt nicht nur die Idee, dass wir eine eine Kolonialisierung der Lebenswelt durch die Systemwelt entgegensehen, sondern eben auch, dass Quacksalver und dunkle Verschw√∂rungstheoretiker weniger Chancen haben.

Im Artikel heißt es dann jedoch:

„Gegenw√§rtig scheint es kaum Mittel zur Eind√§mmung des Feuers zu geben. Zu viele w√§rmen sich daran oder sind zumindest geblendet, weil sie die damit verbundenen Risiken nicht sehen wollen oder k√∂nnen. Vielleicht ist es ja wirklich attraktiv, seine eigenen „Leistungsdaten“ wie die Umdrehungen einer Maschine einzustellen.“

Wir sollen also wegen potentiellen Makroph√§nomenen, die gesellschaftlich kontrolliert werden m√ľssen, auf individuelles Wissen verzichten? Dieses Slippery Slope Argument stellt genau besehen kein Argument dar. Ich kann so zum Beispiel sagen, ich verwehre mich Facebook, weil ich dieser Datenkrake keinen Vorschub leisten will. Ich k√∂nnte genauso gut auf Google-Suchen verzichten. Genauso kann ich verzichten am Bildungswettbewerb teilzunehmen. Doch obwohl diese normativen Entscheidungen unter Umst√§nden l√∂blich sind, sie √§ndern nichts an dem gesellschaftlichen Ph√§nomen zur Quantifizierung. Das hei√üt sie n√ľtzen nicht der Gesellschaft, schaden aber dem Individuum. Das hei√üt der Autor verwechselt die individuelle Entscheidungsmacht mit den Polivalenzen von Macht, die sich im Aggregat ergeben. Dieses sollte doch einem Soziologen nicht so leicht aus der Hand gleiten.

Sagen wir es mal klar: Nat√ľrlich kann ich auf Facebook verzichten, aber das Individuum in der Bewegung ertr√§gt dann einen Verlust, wobei es den gesamtgesellschaftlichen Trend nicht umkehrt. Ich behaupte daher, dass Individuen ganz im Sinne des kleinen Denkens sich stoisch auf die Bereiche konzentrieren m√ľssen, die sie tats√§chlich ver√§ndern k√∂nnen und da ist eben Self-Tracking eine M√∂glichkeit (Im Sinne einer empirischen Soziologie w√§re es tats√§chlich sehr interessant, ein psychologisches Profil des Durchschnittstrackers zu haben. Wie viele w√§hlen zum Beispiel die FDP oder √§hnliche Neoliberale Parteien. Wieviele davon folgen anderen Tugenden etc. Der Artikel mutma√üt nur).

Kant foto

Kants kategorischer Imperativ setzt auf eine l√ľckenlose Verbindung zwischen Mikro und Makroebene

Ich bezweifle daher √ľbrigens im Fall der Self-Tracker, auch wenn sie in neoliberale Tendenzen einzuordnen w√§ren, dass das Kantische Universalisierungsgebot greift, n√§mlich dass wir jederzeit eine Maxime des Handelns bilden m√ľssen, die zugleich auch als Regel f√ľr ein allgemeines Gesetz gelten kann. Wenn Self-Tracker f√ľr Neoliberalisierung verantwortlich w√§ren, dann m√ľssten sie nach dem kategorischen Imperativ auf diese Handlungsweisen verzichten. Ich lehne aber den kategorischen Imperativ in Bezug auf die Quantify-Yourself-Bewegung aus drei Gr√ľnden ab:

1) Es ist unklar, inwiefern die Einzelhandlungen hier das Aggregat der Neoliberalisierung ergeben sollen (wie oben diskutiert). Das hei√üt wir k√∂nnen keine Universalisierung durchf√ľhren.

2) Es ist unklar, inwiefern die Quantify-Yourself-Bewegung im Aggregat einen positiven Beitrag f√ľr unsere Gesellschaft leistet, n√§mlich dadurch dass sie auf statistisches Wissen zur√ľckgreift (wie oben diskutiert). Das hei√üt eine Universalisierung ist wiederum schwer

3) Es ist denkbar, dass Quantify-Yourself positive wie auch negative Konsequenzen hat, die nicht im Machtbereich des Individuums liegen, sondern an den Makrohebeln der Gesellschaft justiert werden m√ľssen. Mit „Makrohebeln“ meine ich Politik und dieser dritte Punkt spricht gegen eine universelle Anwendung des Kategorischen Imperativs, weil eine Verkn√ľpfung zwischen Mikro und Makroebene kausal nicht m√∂glich ist.

Unsere Gesellschaft ist immer motiviert, besser zu sein als sie ist, aber auch Ausgleichsressorts zu schaffen. Deswegen sind die folgenden Aussagen des heise-Aritkels auch dramatisch falsch in Bezug auf die Quantify-Yourself-Bewegung:

„Vielleicht lebt es sich ja gut, mit einem Kilometerz√§hler im Kopf und der Objektivierung von Lebensbez√ľgen durch mechanische Aufzeichnung von Daten.Ich m√∂chte jedoch weiterhin Pausen machen, wann ich m√∂chte, mein Auto selbst steuern und in einem Flugzeug sitzen, das von einem Menschen pilotiert wird, anstatt von einer Maschine. Zumindest m√∂chte ich erst einmal mit eigenen Augen sehen, wie sich Kevin Kelly tats√§chlich in ein Flugzeug setzt, das ausschlie√ülich von einem Autopiloten gesteuert wird.“

Diese Pausen vom Arbeitsalltag sind auch weiterhin gestattet und jeder, der sich der Quantify-Yourself-Bewegung anschlie√üt, hat zugleich das Ziel aus der Effizienz heraus, diese Freir√§ume zu gewinnen. K√∂nnte es so zum Beispiel sein, dass Self-Tracker eine positivere Gl√ľcksbillanz haben, weil sie mit ihrer Freizeit effizienter umgehen? Die quantifizierende Gl√ľcksforschung w√§re hier zum Beispiel angebracht und nicht haltlose Mutma√üungen. Und um auf Plausibilit√§t zur√ľckzugreifen: Ist es nicht intelligent, Arbeit im Autopilot durchzuf√ľhren, um dann die Freizeit f√ľr sich zu haben?

Zweitens, die Tatsache , dass wir Flugzeuge besteigen k√∂nnen, geht bereits auf eine solche Quantifizierungsleistung unserer Gesellschaften zur√ľck, n√§mlich auf die ersten Schritt der Arbeitsteilung, die schlie√ülich jene komparativen Vorteile erbracht haben. Industrialisierung, die die Annehmlichkeiten des Luftfahrtverkehrs bereitstellt, ist nicht in den H√§ngematten entstanden.

Drittens, in Taiwan fahren die Menschen schon ganz gem√§chlich mit f√ľhrerlosen Bahnen und die meisten Piloten setzen automatische Landeman√∂ver ein. Hier nun meine Frage, wenn nachgewiesen werden kann (und zwar mit Daten), dass computergesteuerter Verkehr sicherer ist, w√§re es dann nicht sinnvoll diesen zu bevorzugen?

Der Artikel ist interessant, das bezweifle ich nicht. Wer sich allerdings ein besseres Bild von den Einzelinteressen der Self-Tracker machen will, der sei auf folgenden Podcast verwiesen. Ein sehr informatives Gespr√§ch. Johannes Kleske, Florian Schumacher und Christian Grasse sprechen dort √ľber ihre pers√∂nlichen Tracking- und Bodyhacking-Erfahrungen.

Und wer danach noch nicht genug hat. Ein ebenso interessantes Gespräch mit Innenperspektive.

Ich hoffe, der Artikel war informativ und interessant, ein bisschen √ľbe ich ja hier daran. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen. Ansonsten w√§re weiterempfehlen ganz nett.

Norman Schultz

Neubrandenburg Juni 2014

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Die tausend Tode des besseren Ichs – wie wir an der Grenze zum Morgen zu besseren Gewohnheiten kommen

Unser neu-motiviertes Ich √ľberlebt im Alltag keine f√ľnf Minuten. Es wird so oft get√∂tet und wiedergeboren, dass es f√ľr Selbsthass die Grundlage ist. Dabei muss dies nicht sein, wie die Alltagsforschung mit dem Konzept der Tiny Habits jetzt zeigt.¬†(Titelbild: wikicommons:¬†7mike500) Weiterlesen

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Nie wieder ein Fenster öffnen РMit den richtigen Pflanzen weniger krank sein und produktiver werden

In diesem Artikel geht es um Pflanzen, die als gute Luftfilter ein ideales Arbeitsklima herstellen. Wer mein unendliches Gelaber zu dem Wie, Warum und Weshalb nicht ertragen kann, der kann hier¬†direkt zu den Informationen um welche Pflanzen es sich handelt. Ansonsten gibt es im Folgenden ein paar Argumente f√ľr Zimmerpflanzen und wie ich zu meinen gr√ľnen Freunden gekommen bin.

Einmal Luftfilter bitte

Im Saturn haben mir die Verk√§ufer ja schon so vieles erz√§hlt. Ich wollte mal ein Diktierger√§t kaufen und erkl√§rte die Funktionen, worauf der Mitarbeiter mir mit felsenfester √úberzeugung versicherte, dass es so etwas nicht geben w√ľrde.

Nun, nehmen wir nun mal folgendes Szenario an. Ich gehe zu Saturn und sage, dass ich etwas mit folgenden Eigenschaften haben möchte:

1) Es soll f√ľr ein gutes Raumklima sorgen und Schadstoffe aus der Luft filtern

2) kostensparend arbeiten möglichst in der Energieklasse A+++

3) pflegeleicht sein und auch nicht so schnell kaputt gehen

4)¬†und, alles in allem vielleicht f√ľr unter 100 Euro zu haben sein und sich am besten vermehren

Grib skov

F√ľr mehr gr√ľne Lunge

Nun, tats√§chlich ich bin jetzt unter die Sauerstoffproduzenten gegangen und lasse mir in meinem Zimmer gesunde Luft einfach wachsen. Es geht um Hauspflanzen, die die Luft s√§ubern. Ich selbst habe mir k√ľrzlich Pflanzen gekauft und haben das Sauerstofflevel in meinem Kabuff derart erh√∂ht, dass ich schon seit f√ľnf Tagen kein Fenster mehr ge√∂ffnet habe und es wom√∂glich auch nie wieder muss. Ich sage nur: Fukushima soll kommen! Und nachdem wir den Waldbestand in den letzten 10 Jahren um 1,5 Millionen Quadratmeter kostensparend reduziert haben (eine Fl√§che gr√∂√üer als Deutschland), ist es wohl an der Zeit, sich ein eigenes Klima zu bauen.

Sansevieria trifasciata Closeup 2448px

Bogenhanf gibt nachts Sauerstoff

Aber Ernst bei Seite: Pflanzen verbessern das Raumklima und die richtigen Pflanzen filtern giftige Stoffe und geben jede Menge Sauerstoff selbst bei schlechten Lichtbedingungen. Doch nicht nur das, einige tun das selbst nachts.

Warum ich das aber hier bespreche? Nun, es verbessert unsere Lebensqualit√§t und so letztlich auch unsere Arbeitsleistung. Dies sei, so hei√üt es auf allen Seiten, die ich dazu lese,¬†wissenschaftlich belegt. Nur die Quelle zu den „wissenschaftlichen“ Studien nennen sie leider recht selten, daher reicht uns an dieser Stelle heute mal ein bisschen Plausibilit√§t: Da frische Luft mehr Sauerstoff bedeutet und unser Gehirn Sauerstoff mag, muss das gut sein. Es hei√üt zudem, dass die Innenluft 2 bis 5 mal schlechter als drau√üen ist, so dass wir drau√üen prinzipiell besser arbeiten. Warum also nicht das Drau√üen nach Innen holen?

Nun bleibt die Frage, ob es Pflanzen gibt, die unsere folgenden Kriterien tats√§chlich erf√ľllen:

  1. M√∂glichst pflegeleicht, weil wir ohnehin wenig Zeit haben und sie uns auch aus Effizienzgr√ľnden anschaffen
  2. Die Pflanze sollte selbst bei schlechten Lichtbedingungen Sauerstoff produzieren, wenn möglich gar nachts
  3. Die Pflanze sollte Giftstoffe filtern.
  4. Sie sollte relativ g√ľnstig sein.
Bei dieser Kombination w√ľrde uns jeder Saturnmitarbeiter auslachen, denn so etwas gibt es schlie√ülich nicht. Ich meine, wenn Diktierger√§te technisch nicht m√∂glich sind, dann m√ľssen Pflanzen wohl ein Wunder Gottes sein.¬†Aber entgegen aller Erwartung, Pflanzen k√∂nnen tats√§chlich Sauerstoff produzieren und das nicht einmal, wie viele denken, in minimalen Mengen.
 
√úbrigens habe ich tats√§chlich lange Zeit gedacht, dass Pflanzen in der Regel nur zu dekorativen Zwecken am Fenster stehen oder dass Pflanzen bei einigen von uns soziale Qualit√§ten f√ľr Besucher vort√§uschen sollen. Klar, wir haben uns schlie√ülich aus Herzensw√§rme entschieden einer armen¬†Adoptiv-pflanze¬†ein¬†Zuhause zu geben. Ich dachte auch, dass andere von der beherzteren Natur gerne jemanden zum Reden haben, jemand, der nicht widerspricht und sie auch nicht auslacht, wenn sie mal wieder weinen, weil Flipper gestorben ist. Ungeachtet dieser Tatsachen: doch es gibt einige Pflanzen, die richtig Sauerstoff produzieren und um meiner Rumrederei ein Ende zu machen um diese geht es hier:

Pflanzen, die Saures geben (also stofflich meine ich)

Haha, ich wei√ü, schlechter Witz. Nun es liegt nicht am Sauerstoffmangel, seitdem ich f√ľnf der folgenden Pflanzen hier zu stehen habe, ist die Luft in meinem Zimmer tats√§chlich wesentlich frischer. Bevor wir aber zu den Fakten kommen, hier mal ein Video aus der Abgasnation Indien, wo die Pflanzen nun in B√ľror√§ume zu Wellnesscenter umfunktionieren.

Also die Daten mal zusammengefasst. Es geht um die:¬†1)¬†Areca Palm, 2)¬†Mother-in-Law’s Plant (Bogenhanf), und 3) die Money Plant (ich glaube dabei handelt es sich um die „Efeutute„)

Sansevieria trifasciata Laurentii pm 4

6 mal Bogenhanf und ihr m√ľsst nie wieder ein Fenster √∂ffnen

Nach dem Video zu urteilen werden ungef√§hr 6 bis 8 dieser Gef√§hrten pro Person ben√∂tigt (zu anderen Daten kommen wir weiter unten). In dem vorgestellten B√ľrogeb√§ude sind es daher¬†1200 solcher Pflanzen auf 300 Leute. Als Resultat der Pflanzen geht der Blutsauerstoff mit einer Wahrscheinlichkeit von 43 Prozent um ein Prozent nach oben, wenn man sich mehr als 10 Stunden in dem Geb√§ude aufh√§lt. Wenn ich es im Weiteren richtig richtig verstanden habe, gab es zudem 52 Prozent weniger Augenreizungen, 43 Prozent weniger Kopfschmerzen und¬†9 Prozent weniger Asthma. Aber kommen wir mal zu den Pflanzen im Einzelnen.

In anderen Quellen heißt es zudem, dass der Anblick von Pflanzen die Kreativität um 20 Prozent steigern könne (Quelle). Zudem tragen Pflanzen der Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei, was die Staubkonzentration in der Luft vermindert und die Schleimhäute feuchter hält, so dass Krankheiten seltener sind.

Areca catechu - K√∂hler‚Äďs Medizinal-Pflanzen-014

Einer der besten Sauerstoffliferanten, die Arecepalme

Die besten Pflanzenfilter

1) Die Arekapalme 

entfernt Toluen und Xylen. Nun, ich wei√ü zwar nicht, was diese Stoffe bedeuten, aber ich m√∂chte sie gerne nicht in meinem Zimmer haben. Dar√ľber hinaus wandelt die Pflanze signifikante Mengen an CO2 in Sauerstoff um. Vier schulterhohe Pflanzen w√ľrden Sauerstoff f√ľr einen ganzen Tag produzieren. Das gute, die Arekapalme¬†vertr√§gt kein direktes Sonnenlicht, das hei√üt ihr k√∂nnt der Palme auch ruhig ein schattiges Pl√§tzchen zuweisen.

2) Die Efeutute

Die Efeutute (epipremnum aureus) erreicht einen CO2-Abbau von 75% und baut dabei auch Benzol (90 Prozent innerhalb von 24 Stunden)¬†und Formaldehyd ab (einige Stoffe, die sich gerne in B√ľror√§umen sammeln und auch aus einigen Klebstoffen ausd√ľnsten)¬†(Quelle).¬†¬†

3) Bogenhanf

Bogenhanf (Sansevieria)¬†produziert vor allem nachts frischen Sauerstoff. Zudem ist die Pflege √§u√üerst leicht und seltenes Gie√üen tut dieser Pflanze einen Gefallen. Sie mag es vernachl√§ssigt zu werden (dies gilt √ľbrigens auch f√ľr die anderen Pflanzen).¬†Wem es allerdings um die psychisch stabilste Pflanze dieses Planeten der kann sich mit der so genannten Idiotenpalme begegnen, denn selbst Idioten k√∂nnen sie nicht umbringen. Es handelt sich um die:

Chlorophytum comosum

Gr√ľnlilien sind unkaputtbar

4) Gr√ľnlilie

Die klassische Gr√ľnlilie (Chlorophytum Elatum) reduziert nach Studien den Kohlenstoffdioxidgehalt um 96 Prozent (Ich vermute, dass sich √§hnlich der NASA-Studie hierzu um einen Raum mit erh√∂hter Konzentration handelt¬†(Quelle). Im Film „Gravity“ glaube ich √ľbrigens diese Idiotenpalmen auf der chinesischen Raumstation entdeckt zu haben.

In anderen Quellen heißt es:

„Die Gr√ľnlilie, eine beliebte Ampelpflanze, schafft es beispielsweise, den Formaldehydgehalt einer geschlossenen Kammer (der 10mal h√∂her als in normaler Wohnraumluft war) innerhalb von 24 Stunden um 86 Prozent zu reduzieren.“

Die Gr√ľnlilie ist meine favourisierte Pflanze. Sehr einfach im Umgang und wirkt unglaublich auf das Raumklima.Wer dar√ľber hinaus noch viel Sauerstoff in seine Umgebung pumpen will, der k√∂nnte zus√§tzlich noch Sprossen anbauen: Buchweizen, Sonneblumen und Erbsen sollen hierbei sehr effizient sein. Insgesamt m√ľssen wir aber wohl sagen, dass eine Vielzahl von Pflanzen unterschiedlich vorbeugt, als Anf√§ngerpflanzen sind allerdings Gr√ľnlilie, Bogenhanf und Efeutute sicher unschlagbar.

Wieviele Pflanzen brauchen wir nun f√ľr ein optimales Klima?

Die Nasa empfiehlt circa 15-18 Pflanzen bei 1800 Squarefoot. Das m√ľssten umgerechnet ungef√§hr 170 Quadratmeter sein. Nehmen wir also eine normale Singelbude von sagen wir 30 Quadratmetern, so sollten 3 – 4 dieser Pflanzen

Epipremnum aureum vine

Reduziert viele giftige Stoffe, die Efeutute

ihren Platz finden. Ihr m√ľsst also nicht alles √ľberfrachten. Wenn ihr allerdings noch bessere Effekte w√ľnscht, so kann eine weitere Begr√ľnung nicht schaden.

Alles in allem muss nun niemand etwas √ľberst√ľrzen. Ich habe begonnen, ein paar dieser Pflanzen zu kaufen und z√ľchte nun verschiedene Ableger, das spart ein wenig Geld und es macht Spa√ü. Ich hatte lange Zeit keine Pflanzen, weil ich viel umgezogen bin, immer in verschiedenen St√§dten studierte und viel reiste, nun da ich in Pittsburgh ein langfristiges Stipendium habe, finde ich, dass es sich lohnt damit zu beginnen. Falls ich dann wieder nach Deutschland ziehe, so habe ich auch gute Abschiedsgeschenke.¬†Als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk eignen sich die Gr√ľnlilien (wie wohl auch die anderen Pflanzen). Gerade mit einer beigef√ľgten Notiz √ľber die verschiedenen Funktion k√∂nnte sich so mancher B√ľrohocker freuen.¬†

Snake plant

Auch Schwiegermutterzunge genannt, Bogenhanf

Weitere Informationen

Tabelle einiger Pflanzen, die giftige Substanzen filtern: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_air-filtering_soil_and_plants

Die NASA Clean Air Study, die angefertigt wurde, um die Reinigung von Weltraumstationen zu untersuchen. Neben der Absorption von Carbondioxide und Sauerstoffproduktion (Oxygen), eliminieren diese Pflanzen Benzene, Formaldehyde und Trichloroethylene.

Die Top 10 der NASA-Studie:

Infoblatt von „Gesundes √Ėsterreich“¬†mit einigen Gr√ľnden, was f√ľr Pflanzen im Haus und B√ľro spricht

Hier sind einige Links zu Amazon (Affiliate Links). Ich habe mal ein paar nachgeschlagen, die es g√ľnstig gibt. Ich habe meine Pflanzen auch √ľber Amazon ersteigert, allerdings von der amerikanischen amazon Seite. Ich habe mir 2 Gr√ľnlilien besorgt, die wirklich wundersam wachsen, einen Bogenhanf, eine Efeutute und noch einen Philodendron. Die Qualit√§t war gut im Vergleich zum Preis und ich sehe das auch als Investment in viele Ableger, denn die Pflanzen wachsen sehr schnell.

Nun da sind ein paar g√ľnstige, also auch gr√∂√üere dabei, je nach Wunsch. Ich selbst habe mir eher kleinere um die 10 Euro geholt und werde √ľber Weihnachten anfangen umzutopfen und erste Aleger produzieren. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen.

Dr. Norman Schultz

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Titelbildnachweis: Ireen Trummer (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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Das Internet als sozialer Verstärker beim Lernen

Zusammenfassung: In diesem Artikel geht es um soziales Lernen und wie dieses sich im Internet besser realisieren lässt als an den Universitäten. Wenn die Universitäten nicht reagieren, werden sie von alternativen Lehrkonzepten verdrängt werden. Ich zeige daher, dass es darauf ankommt, das Internet als sozialen Verstärker des Lernens zu nutzen.

Da nächste Woche die Weltmeisterschaft zwischen dem 23-Jahre jungen Carlsen und dem amtierenden Weltmeister, dem 21 Jahre älteren Anand beginnt, gab es in der Zeit ein Interview mit Anand. Interessant war hieran Folgendes: Auf die Frage, ob die Schachwelt anders als vor 20 Jahren sei, als Anand begann zu spielen, antwortete Anand klar:

VishyAnand09

Schachweltmeister Anand

Vollkommen anders. Schon wegen der Computer-Revolution. Der Ansatz √§ndert sich st√§ndig.“ (http://www.zeit.de/sport/2013-10/viswanathan-anand-interview-schachwm/seite-2)

In allen Phasen des Spiels verdr√§nge demnach der Computer traditionelle Konzepte, so Anand. Dass Computer hierf√ľr verantwortlich w√§ren, k√∂nnen wir daran sehen dass „so viele starke Spieler aus L√§ndern ohne Schachtradition“ k√§men. Anand f√ľgt hinzu:

„Computer er√∂ffnen den Zugang zum Spiel. Sie liefern die Informationen und erleichtern das Lernen. Was das Internet bewirkt, sieht man besten an der Zahl junger Spieler in den Top Ten.“

¬†Jene Computerrevolution, die Anand hier anspricht, zeigt, dass Computer oder das Internet einen wesentlichen Beitrag zum Lernen leisten k√∂nnen. Es sind nicht nur neue Medien, die in der Form der „digitalen Demenz“ uns nur neue Formen des Vergessens und der Prokrastination bescheren (Spitzer, Manfred: Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen, Affiliate Link). Auf der anderen Seite kommt es auch darauf an, die Vorteile dieser neuen Technik sichtbar zu machen und dies ist h√§ufig schwieriger.

Es ist unklar, was die Computer-Revolution eigentlich in welcher Weise beeinflusst und daher muss die „Computer-Revolution“ im Lernen auch nicht zwangsl√§ufig bei den Universit√§ten ankommen. Ich deutete ja schon vielfach an, dass unsere Bildungsinstitutionen unter Bildungsvorwand eher Disziplinierungsanstalten sind und daher kein Interesse an Bildung haben. Kapitalistische Verh√§ltnisse bed√ľrfen eher disziplinierter als gebildeter B√ľrger. Aus diesem Grund d√ľrfen Professoren auch immer noch ihre Studenten mit Vorlesungen langweilen, wo Studenten vor allem Disziplin lernen. Zwar gibt es neue Konzepte des Lernens, aber aufgrund der institutionellen Pr√§gung geht es vielleicht nicht wirklich darum besser zu unterrichten oder gar zu bilden. Universit√§ten bekommen daher Konkurrenz von alternativen Lernformen, die sich eventuell nicht mit den Disziplinierungsverfahren der Institutionen vereinbaren lassen.

Das Internet und die Universität

Wenn es es nun aber tats√§chlich um die Zukunft des Lernen geht, dann ist es wohl gerade das Internet, welches interaktives Lernen erm√∂glicht. Hier aber reagieren Autorit√§tsregime beh√§big. Um ganz genau zu sein: Professoren m√ľssen umdenken, wenn sie noch besser unterrichten wollen. In der Regel genie√üen sie allerdings ihren Machtstatus. In anderen Worten, nachdem man viele Jahre verdammt war, nur zuzuh√∂ren, foltern man nun mit qu√§lenden Monologen zur√ľck. Doch die Konkurrenz des Internets schl√§gt hier zu. So k√∂nnen wir zum Beispiel davon ausgehen, dass das Internet jetzt schon wesentlich bessere Vorlesungen bietet als der Durchschnittsprofessor (ein Beispiel ist hier mit Sicherheit Christian Spannagel, der mit unterhaltsamen Vorlesungen zur Mathematik vor allem neue Techniken bei seinen Vorlesungen benutzt und dabei allen anderen Professoren Konkurrenz macht. In den Kommentaren bei Youtube lassen sich dann h√§ufig Kommentare lesen, wieviel besser seine Vorlesungen w√§ren, als die ihrer Professoren). Wie reagieren hierauf also mittelm√§√üige Professoren?

Hier ein Vortrag von Christian Spannagel zu der Revolution durch digitale Medien. (Leider finde ich seinen Vortrag zur Konzeption neuer Vorlesungen nicht mehr. Wird allerdings nachgeliefert.)

Was ich sagen will: Wenn wir also als Unterrichtende weiter nur auf Vortragen bestehen, dann konkurrieren wir zunehmend mit immer besseren Vorlesungen im Web. Die Universit√§t (vor allem in Amerika, wo es ja um gro√ües Geld geht) muss sich daher ver√§ndern oder Lernen findet in Zukunft nicht mehr an den klassischen Institutionen statt. Was kann die Universit√§t also leisten? Nun ich glaube sie kann einen Raum wahrer Interaktion bieten, wo Professoren die Inhalte im Netz f√ľr die Studenten systematisieren. Dar√ľber hinaus k√∂nnen die Professoren dann die soziale Interaktion zwischen den Studenten herstellen. Dieses nenne ich in Zukunft „soziale Verst√§rkung“ des Lernens.

Schauen wir uns nun am Beispiel von Duolingo ein weiteres Beispiel f√ľr internetbasiertes Lernen an, was sozial verst√§rkt wird:

By various (Scan from the original book) [Public domain], via Wikimedia Commons

Auf eine spannende Weltmeisterschaft

2. Wie Duolingo Sprachen lernen verändert

Duolingo ist eine kostenlose Sprachlernsoftware. Leider ist das Angebot momentan nur auf Englisch verf√ľgbar, so dass vor allem Menschen, die bereits Englisch k√∂nnen, etwas davon haben. Dieses aber will Duolingo bald √§ndern.

Insgesamt bringt es Duolingo (Artikel zu Duolingo hier) bei einer Sprache auf 3.000 Basis Vokabeln, wobei hierbei auch die basalen grammatischen Strukturen gelehrt werden. Es braucht ca. 100 Stunden bis man die Lektionen durchgegangen ist. Bis jetzt haben ca. 100.000 Menschen Duolingo absolviert.

Meine Erfahrungen mit Franz√∂sisch bei Duolingo sind sehr positiv und ich habe das Gef√ľhl, ich habe in einer Woche mehr gelernt als in einem Jahr Franz√∂sisch an der Schule. Es ist tats√§chlich sehr motivierend, weil man sich mit den Leveln, die man erwirbt mit seinen Freunden vergleicht und dabei vor allem soziale Anreize bekommt (zu den sozialen Anreizen komme ich am Ende noch). Dieses Leveln war vorher vor allem aus Spielen wie World-of-Warcraft bekannt und es w√§re nun interessant, alle Lernsoftware des Internets in einen generellen Levelcharakter als pers√∂nliches Zeugnis zu √ľberf√ľhren. So k√∂nnten wir uns alle direkt beobachtbar hochleveln.

Duolingo setzt auf freie Mitarbeit von Autoren

Neuerdings spannt Duolingo √§hnlich dem Wikipediamodell Autoren f√ľr neue Kurse ein. Jeder, der zweisprachig aufgewachsen ist, kann dabei an einem Kurs mitarbeiten. Dies ist also der Versuch, Lehrb√ľcher der Sprachen zu erstellen und diese der gesamten Welt in allen Sprachen zur Verf√ľgung zu stellen.

Lehrb√ľcher bei Wikipedia

Die Idee ist nicht neu. Die Frage ist, ob dies funktioniert. Es gibt ja schon seit l√§ngerem den Versuch bei Wikipedia Lehrb√ľcher zu erstellen. Hier hapert es allerdings an der Mitarbeit. Da so ein Buch wom√∂glich doch l√§ngere Schreibwege ben√∂tigt als ein gew√∂hnlicher Wikipediaartikel und nicht ohne Weiteres schnell beendet werden kann, braucht es mehr Arbeit und Zielstrebigkeit der Autoren. Dies gelingt allerdings nur selten.¬†In der deutschen Version von Wikibooks wurden so zwar bereits 677 B√ľcher mit 20.447¬†Buchkapiteln gestartet, 69 B√ľcher wurden aber nur als fertig markiert (Stand: Juli 2013 (http://de.wikipedia.org/wiki/Wikibooks). Ein Blick in die Kategorie „Philosophie“ verr√§t dann aber, dass diese Lehrb√ľcher noch sehr d√ľrftig sind:¬†https://de.wikibooks.org/wiki/Regal:Philosophie. Das Modell setzt sich meines Erachtens bei Wikipedia nicht durch, aber ich habe auch nicht viele Lehrb√ľcher in ihrer Qualit√§t versucht zu bewerten.

Was also ist der Anreiz bei Duolingo f√ľr die Autoren Sprachkurse zu erstellen?

Bei Duolingo geht es darum, diese Lehrb√ľcher kostenlos zu erstellen, die Objektive hei√üt::

„Our objective is to teach the world languages for free, so we also expect others to collaborate for free,“ („Unser Ziel ist es, der Welt Sprachen kostenlos zu unterrichten, daher erwarten wir andere frei zu kollaborieren.“

Im Moment finanziert sich Duolingo durch die 18 Millionen Dollar Startkapital, aber auch durch √úbersetzungen, die mittels Duolingo von Nutzern erstellt werden. Hier k√∂nnen Nutzer Artikel aus dem Internet vorschlagen und diese dann in Fragmenten je nach Lust und Laune √ľbersetzen. Im Gegenzug erhalten sie, Anerkennung f√ľr ihr Profil, welches sie zum Lernen √ľberhaupt motiviert.

Dies ist wohl auch das zuk√ľnftige Gesch√§ftsmodell von Duolingo, die √úbersetzungsarbeit vieler dadurch zu belohnen, dass die freiwilligen Arbeiter etwas lernen und Anerkennung bekommen, w√§hrend Duolingo freie und gute √úbersetzungen, erstellt durch Schwarmintelligenz, auf dem Markt anbieten kann.

Da also Duolingo auf das kostenlose Mitwirken zielt, sei der Anreiz daher, dass die Sch√∂pfer der neuen Kurse eine Nennung erhalten, also soziale Verst√§rkung ihres Lernens. Reicht dies allerdings aus?¬†Der Gr√ľnder Von Ahn berichtet, dass ihn t√§glich tausende E-mails von Menschen erreichen, die bereit sind, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Das hei√üt, „Ja“.

Duolingo und interaktive Arbeit

Mittlerweile gibt es viele Schulen weltweit, die Duolingo nutzen und 30.000 Studenten folgen dieser Methode. W√ľrde ich Sprachen unterrichten, so w√§re es wohl auch ein Requirement bei mir. Die Studenten k√∂nnten dann einen bestimmten Levelgrad erreichen, um die entsprechende Benotung zu erhalten und m√ľssten keine Tests schreiben. Nat√ľrlich k√∂nnten sie schummeln, aber das ist mir eigentlich egal, da die Noten bei den Arbeitgebern ohnehin einen geringeren Ausschlag geben, beschummeln sich Studenten selbst. Ich gebe ihnen die M√∂glichkeit etwas systematisch zu lernen. Kurz: Noten sind mir egal und ich gebe sie nur aus administrativen Zw√§ngen.

Zwischen¬†60,000 und 70,000 Menschen registrieren sich derweil t√§glich bei Duolingo. Mittlerweile gibt es bereits 10 Millionen Nutzer. Ein Zeichen, dass die Verschiebung unserer klassischen Lernmodelle weiter voranschreitet und damit wom√∂glich Sprachkurse √ľberfl√ľssig macht, wenn diese nicht reagieren. ¬†Die Frage ist also, wie werden sich unsere Ausbildungswege mit diesen neuen Lernformen ver√§ndern? Ich k√∂nnte mir beispielsweise ein √§hnliches System f√ľr Mathematik vorstellen.

3. Soziales Lernen

Bei der folgenden Infografik geht es um gute und schlechte Eigenschaften, die sehr gute Lerner haben. Besonders interessant ist dabei der Punkt, welche Auswirkungen das Setzen von Zielen hat, wenn die Probanden dieses ihren Freunden erzählen.

The Habits of Smart People
Source: Online-PhD-Programs.org

Studenten erreichen also ein Ziel eher, wenn sie es mit ihren Freunden teilen. Genau diesen Aspekt sehe ich im sozialen Lernen bei Duolingo und im Schach √ľber das Internet erreicht. Also nochmal: 43% der Studenten erreichten ihr Ziel einfach so, 63% der Studenten, die ihr Ziel aufschrieben, erreichten dieses und 76% erreichten es, wenn sie es mit Freunden teilten. Ich bin relativ froh, dass Kiril Stankow (Dirigent) uns nun zweimal w√∂chentlich √ľber unsere Ziele austauschen und diese festhalten. Eigentlich sollte mir die Universit√§t dazu Gelegenheit geben, aber dies tut diese nicht.

4. Probleme beim Arbeiten mit dem Internet zum zerhackten Arbeiten

Kritik soll nochmal nachgeschoben sein. Es schlie√ülich auch einige, die dies das Internet als sehr problematisch erachten. Angeblich verbrauchen amerikanische Arbeitnehmer 28 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Surfen im Internet und privaten Mails. Am wenigsten w√ľrde daher Arbeit noch mit Arbeit verbracht werden.¬†Bei RescueTime (ein Programm, das ich empfehlen kann und das besser als die NSA das private Surfverhalten √ľberwacht und am Ende der Woche einen Lagebericht schickt) hei√üt es, dass ein amerikanischer Angestellter 50 mal seine E-mails checkt, 77 Kurznachrichten verschickt und auch gerne mal auf seinen Lieblingsseiten (40) seine Zeit verbringt. Angeblich betrage der Schaden demnach:rund 650 Milliarden Dollar im Jahr. (Quelle: Denkreich)

Bei Denkreich heißt es:

„Nach der Patchwork-Familie kommt jetzt Patchwork-Arbeit. Medina bringt es auf den Punkt: ‚ÄěWer unterbrochen wird (oder sich selbst unterbricht) braucht 50 Prozent l√§nger f√ľr eine Aufgabe und macht 50 Prozent mehr Fehler.‚Äú

Nun, die Frage ist also, ob das Internet das Land der unbegrenzten Prokrastination f√ľhrt oder ob wir im Internet Trainer finden, die uns an unsere H√∂chstleistungen bringen.Wie in meinem Artikel angek√ľndigt, werde ich das Internet auch weiterhin nutzen, um meine Lernziele √∂ffentlich zu machen und damit sozial zu verst√§rken:

Ihr findet mich hier: http://www.duolingo.com/Fibonaccie,

Ich beginne ab sofort einen Lernblog f√ľr Blues am Klavier:¬†http://learning-the-blues.blogspot.com/, meine Klavierfertigkeiten gibt es hier. Einen Blog zum Schach hier und meine philosophischen Studien (denn ich bin ja Philosoph), die allerdings reichlich uninteressant sein d√ľrften, gibt es hier.

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Norman Schultz

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Titelbildnachweis:¬†By User:Nina Silaeva (–Ľ–ł—á–Ĺ–į—Ź —Ä–į–Ī–ĺ—ā–į) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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Wer war der intelligenteste Mensch der Welt, was ist Intelligenz und können wir sie steigern?

Zur Intelligenzsteigerung hei√üt es, dass selbst das Universum als gigantisches Gehirn ¬†in eins genommen,¬†h√§tte dann noch immer eine Grenze (Quelle: Artikel √ľber die intellgentesten Menschen der Welt). In diesem Artikel geht es nicht um die Grenze des Universums aber um die √§u√üere Grenze der menschlichen Intelligenz und eine etwaige Intelligenzsteigerung. Dabei schauen wir einerseits auf die intelligentesten Menschen ALLER ZEITEN, aber k√ľmmern uns auch um die weniger ironische Frage, warum Menschen, die doch auf ihre Intelligenz so stolz sind, gleichzeitig so dumm sein k√∂nnen. (Titelbildnachweis: Public domain)

Katarrhaktes ouroboros

Das Universum,als gigantisches Gehirn. Was ist die Grenze der Intelligenz? (By Katarrhaktes (www.katarrhaktes.com CC-BY-3.0 Wikimedia Commons

Jawohl wir sind dumm und glauben doch die Welt sei wie die Aufgabe eines Intelligenztest leicht „berechenbar“. Doch vielleicht ist die Welt nicht l√∂sbar. Vielleicht ist die Welt nicht durch ein geheimes Zahlenband verbunden. Bevor wir also zur Intelligenzsteigerung kommen stellen wir zun√§chst die Frage: Wohin reicht also √ľberhaupt unsere Intelligenz?

Wer sich schon einmal in einen Intelligenztest vertieft hat, der bemerkt schnell, dass die Aufgaben eigentlich sehr einfach sind (Wer das noch nicht hat, ich habe hier ein paar Intelligenztests  zusammengestellt wie auch eine etwas genauere Auswertung von einigen Intelligenztests vorgenommen. Weitere sollen noch folgen). Das Paradoxe ist nun: Selbst bei einfahcen Intelligenztests scheitern wir mit unserer Intelligenz und die Welt ist wesentlich komplexer.

Fuchs.margin (MMW10F50 f6r) detail

Wenn ein Fuchs in ein Buch hineinschaut, kann dann ein Gelehrter herausblicken? By Master of Catherine of Cleves, Public domain,

Warum wir so blöd sind
Wir scheitern in Intelligenztests und bemerken oftmals sp√§ter die verbl√ľffende Einfachheit der gestellten Aufgaben. Um dies zu demonstrieren hier ein Beispiel:

„Versuchen Sie die folgende Frage zu beantworten, bevor Sie weiterlesen. Jack schaut Anne an, aber Anne schaut George an. Jack ist verheiratet, aber George nicht. Schaut eine verheiratete Person eine unverheiratete an?“

a) Ja      b) Nein    c) Kann nicht entschieden werden

Über 80 Prozent der Menschen beantworten diese Frage falsch. Falls Ihre Antwort war, dass die Frage nicht entschieden werden kann, gehören Sie zu auch zu ihnen. (Wie ich.) Die korrekte Antwort ist: Ja, eine verheiratete Person schaut eine unverheiratete an. http://giordano-bruno-stiftung.ch/blog/warum-kluge-menschen-dumme-dinge-tun/

Obwohl die Aufgabe meisterbar ist, ist es uns in irgendeiner Weise unangenehm logisch zu denken. Wir sparen Energie und fahren unsere Kapazit√§ten nicht hoch. Wir haben ein Denkorgan, aber intelligent sind wir deswegen noch lange nicht. Wir m√ľssen also lernen, im Richtigen Moment unsere Kapazit√§ten zu nutzen.

Keulemans common fox

Fuchsintelligenz By Mivart, St. George Jackson, 1827-1900 Public domain, via Wikimedia Commons

Doch halt, selbst wenn wir dies tun, k√∂nnte es sein, dass Menschen von Natur aus dumm sind und wir eigentlich nicht unsere Intelligenz messen, sondern nur Potentiale zwischen den Menschen, n√§mlich ihre Dummheit. Das hei√üt, wir geben den Wert f√ľr die Intelligenz immer nur relativ zur Durchschnittsbl√∂dheit an.

Nun aber genug mit dem Menschheitsbashing. Kommen wir zur Frage: Was testen denn nun Intelligenztests?

Was Intelligenztests messen – Zum Problem der Mustererfassung

Was testen Intelligenztests? Nun Intelligenztests messen, was Intelligenztests messen. So kommentieren es zumeist Menschen, die ihr Ressentiment nicht z√ľgeln k√∂nnen. Sie haben einen Argwohn auf Menschen, die besser sind und machen die Ergebnisse von Intelligenztests schlecht. Im Bild-Intelligenztest (der wahrlich nur von Bildlesern gemacht werden sollte) kommentiert dann zum Beispiel ein Nutzer:

Ich habe mein Vermögen ohne Abi und Studium gemacht. Bin ich jetzt blöder als ein Professor? Ist mir eigentlich wurscht. Lieber ein reicher Blöder als ein armer Akademiker. Es lebe der gesunde Menschenverstand. (Quelle: Bild)

Ganz kurz: Ja, der Herr ist bl√∂der als ein Professor. Was der Kommentar aber demonstriert, ist dass unsere Gesellschaft wie eine Lotterie funktioniert und dies mag gar f√ľr akademische Bereiche gelten. In der Regel interessieren uns nicht die Intelligenten, sondern die Erfolgreichen. Erfolgreich ist aber nur jemand, der sich durchsetzt und nicht unbedingt jemand, der intelligent ist. Unter Umst√§nden bekommen die Erfolgreichen ihren Erfolg auch durch das Geburtsgl√ľck zugesprochen. Wir m√ľssen schon in einer ersten Welt geboren sein, um aufsteigen zu d√ľrfen oder besser gesagt, die Klasse halten zu d√ľrfen.

Univers flammarion 1888 nach Fabris

Der Griff nach der Wirklichkeit, By Sergio Fabris (Own work), CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Aber nochmal: Was testen dann Intelligenztests, wenn sie keine Aussage √ľber Erfolg machen? Die Antwort ist schlicht: Intelligenztests testen die F√§higkeit Muster zu erkennen.

Ist es uns aber eine Hilfe Muster zu erkennen? Offenbar nicht, denn es f√ľhrt nicht unbedingt zum Erfolg oder es ist keine notwendige Voraussetzung f√ľr Erfolgt. Somit stellt sich die Frage: Ist die Welt vielleicht so komplex, dass es keine Muster gibt und diese Muster nur eine Vorstellung unseres begrenzten Verstandes sind? Wenn dies der Fall ist, dann w√ľrde es keinen Sinn ergeben, Muster zu erforschen, Muster in der Natur zu suchen. Hiermit w√§re begr√ľndet, warum intelligente Menschen nicht notwendig erfolgreich sind. Das vollendete Wissen w√§re dann schlicht eine Kopie der Welt und kein Muster, das Zusammenh√§nge erkl√§rt.

Doch wir k√∂nnen auch den entgegengesetzten Fall annehmen: Die Welt ist vielleicht in ihren kleinsten Teile nicht qualitativ verschieden. Das hei√üt, es gibt vielleicht Dinge, die √ľberall gleich sind, so dass sich die Welt doch als das Quantative, als Zahlband finden l√§sst. Dann w√§re die Welt doch in allen ihren Teilen essentiell eine Welt und genau hier w√§re Intelligenz angemessen. Es g√§be etwas, das die Welt essentiell zusammenhalten w√ľrde und somit w√§re die Welt mit der Intelligenz, n√§mlich in Mustern erfassbar. Dann aber hie√üe es, dass Welterkennende vielleicht nicht unbedingt an Erfolg interessiert sind und genau hier lebt der gesunde Menschenverstand.

Home in Relation to Everything

Das wohlgeordnete, weil wohlverstandene Universum By Roland Winkler, Leibnitz Institution of Astrophysics, Potsdam CC-BY-SA-3.0, via wikicommons

Zum Problem der Komplexität

Um das Problem der Komplexit√§t der Muster zu illustrieren, vergleichen wir es mit einem Schachspiel: Ich k√∂nnte anfangen alle Er√∂ffnungen und Weisen des Schachspiels zu systematisieren, allerdings w√ľrde ich bald so viel aufgeschrieben haben, dass ich Probleme h√§tte diese Liste zu √ľberblicken. Ich h√§tte eine unglaublich lange Liste an Z√ľgen und mein Gegner m√ľsste lange warten, bis ich ich meinen Zug finde (da kann ich auch gleich selber denken).

Wir wissen im Grund nicht viel √ľber das Schachspiel, aber vielleicht ist das Schachspiel gar so komplex, dass jede Regel eine Ausnahme in sich w√§re? H√§tte ich dann eine Liste aller Er√∂ffnungsz√ľge, dann w√§re ich ebenso verloren vor dieser Liste wie vor dem Schachbrett. Ich m√ľsste genauso lange wie vor dem Schachbrett den richtigen Zug, so den richtigen Zug in dieser Liste suchen.

Aber halt vielleicht gibt es Muster im Schachspiel. Dann kommt es letztlich darauf an, Muster zu suchen und auch Muster f√ľr Muster zu finden.

Wir können daher schließen: Intelligenz heißt womöglich, Muster zu erfassen und dies ist unsere Hoffnung auf Erkenntnis. Bisher sind wir damit ganz gut durch die Menschheitsgeschichte gefahren und auch wenn wir nicht wissen, was die Welt im innersten zusammenhält, so können wir uns hin und wieder an der Schönheit von gelegentlich auftretenden Muster ergötzen. Die Hoffnung ist, dass das gesammelte Wissen der Menschheit nicht aus Fakten besteht, sondern aus der Kenntnis von Mustern.

Wenn dies alles nun gilt, dann sollte es möglich sein nach diesem Intelligenzbegriff die intelligentesten Menschen aller Zeiten zu bestimmen. Dann wäre nämlich der intelligenteste Mensch aller Zeiten jemand, der darin besonders gut war, Muster zu erkennen. Hierbei geht es allerdings nicht um die simplen Muster von Intelligenztests, sondern um reichlich komplexere Muster.

Wer war also der intelligenteste Mensch aller Zeiten?

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Voila, der intelligenteste Mensch aller Zeiten, na, wenn man da als Deutscher nicht mal stolz sein darf (by Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (Public Domain))

Richtig, der Bildungsb√ľrger springt von seinem B√ľrostuhl und ruft: „Dit war der Joethe!“ Nun nach historischer Forschung, wobei eben jene Erfolge in der Mustererkennung einbezogen worden sind, sei es der gute, alte Goethe gewesen, der dank der Tatsache, dass er auf allen Hochzeiten tanzte, glatt mit einem IQ von 210 nach Hause ging. Goethe, ja er hat den Zwischenkieferknochen entdeckt, einen Farbkreis gemalt und in seiner Freizeit Gedichte geschrieben. Wir lernen, wer sich universal √ľberall einmischt hat gute Chancen in der Geschichte eine Nummer zu bekommen. Schauen wir uns aber die Tabelle der intelligentesten Allesk√∂nner an:

Historische Person Intelligenzquotient… Flynn-Effekt
Goethe 210 188
Leibniz 205 183
Grotius 200 178
Pascal 195 173
Sarpi 195 173
Arnauld 190 168
Berkeley 190 168
Laplace 190 168
Melanchthon 190 168
Newton 190 168
Schelling 190 168
Voltaire 190 168
Comte 185 163
Galileo 185 163
Humboldt, A. 185 163
da Vinci 180 158
Descartes 180 158
Dickens 180 158
Hume 180 158
Liebig 180 158
Michelangelo 180 158
Mill, J.S. 180 158
Milton 180 158
Calvin 175 153
Humboldt W. 175 153
Kant 175 153
Kepler 175 153
Spinoza 175 153
Dumas, A. 170 148
Faraday 170 148
Fichte 170 148

Quelle: http://www.die-besten-nennen.de/sites/texte/text3.htm#Liste 2 bei dem zweiten Wert handelt es sich um die Korrektur nach dem Flynneffekt

Goethe.elefant.schaedel2

Hier versteckt sich irgendwo der Zwischenkieferknochen (by Johann David Schubert Public domain Wikimedia Commons

Zugegeben wom√∂glich h√§tte Goethe √ľberhaupt nicht diesen H√∂chstwert in einem standardisierten Test erreicht. Anders als wir den tats√§chlichen IQ messen, handelt es sich doch hier um die Beimischung von Leistung in die Wertung. Aber ungeachtet dessen, k√∂nnen wir ablesen: Wer sich den gesamten Tag mit Mustern besch√§ftigt, der ist irgendwann auf Muster geeicht. Diese Prinzip gilt nat√ľrlich f√ľr alle Besch√§ftigungen, die wir erlernen wollen. Das hei√üt, wenn wir etwas lernen wollen, dann m√ľssen wir nach Mustern suchen.+

In diesem Sinne habe ich f√ľr mich eine neue Tagesaufgabe gebastelt: Es geht darum Muster zu erkennen und diese einmal am Tag aufzuschreiben, solange bis Mustererkennung ein t√§gliches Gesch√§ft ist und sich die Intelligenz wie beim juten Joethe steigert.

Dies ist ein weiter Weg, denn was hei√üt es nun, ein Genie in der Mustererkennung zu sein?Vergleichen wir daher abschlie√üend die Intelligenz der Supermenschen mit unserer. Wie machen wir das? Nehmen wir den Abstand von einem geistig Behinderten (das mag politisch inkorrekt formuliert sein und ich bitte dies zu entschuldigen) zum Durchschnittsabiturienten (der ist ja in der Regel schwer alkoholgesch√§digt und damit auch nicht der Hellste), so haben wir schon ein Ma√ü. Dies sollten ungef√§hr 40 Punkte von 70 zu 110 sein. Jetzt denken wir mal √ľber die 85 Punkte Abstand zu Goethe nach. Gut oder? F√ľr Goethe sind wir schwer geistig behindert. Schaut Goethe in die Welt und erkennt er all ihre Muster, so schaut Goethe auch auf uns und dann schauen wir ziemlich dumm aus der W√§sche.

Goethe, Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, 1809

Wer nen Farbkreis malen kann, der kann doch nicht doof sein (By Luestling at de.wikipedia Public domainWikimedia Commons

Zusammenfassung

Wir haben uns also bewusst gemacht, dass wir ganz sch√∂n dumm sind. Nach dieser ermutigenden Lektion haben wir den Grundstein gelegt, um zu verstehen, was Intelligenz sein k√∂nnte. Wir haben festgestellt, dass es um Mustererkennung geht. Wir haben uns demnach einer historischen Liste an Pers√∂nlichkeiten gewidmet, die diesen Umstand ber√ľcksichtigt. Wenn es also um eine allgemeine Intelligenzsteigerung gehen soll, so m√ľssen wir im Mindesten lernen, Muster zu erkennen. Wie k√∂nnen wir dies schlussendlich erreichen? Nun darum geht es unter anderem auch in meinem Blog, deswegen k√∂nnt ihr diesen gerne abonnieren. Ein Patentrezept habe ich nat√ľrlich nicht, aber im Gro√üen und Ganzen geht es in diesem Blog um die Fragen, der Intelligenz sowie um das Lernen.

Einen Hinweis zum Erlenen der Mustererkennung gibt jedoch eine Kurzanalyse des Physikers Feynman, was ich demn√§chst auf meinem popularphilosophischen Blog „Entgrenzen“ vorstellen werde. Ansonsten werde ich in den n√§chsten Tagen, noch ein paar Daten zu den intelligentesten, lebenden Menschen bereit stellen (die sind ganz witzig).

In diesem Sinne w√§re es nett, wenn ihr mir Feedback gebt, um genauer zu verstehen, worauf ich mein Augenmerk eigentlich noch richten muss. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine ‚Äúgewaltig interessante‚Ä̬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt.

Norman Schultz

Pittsburgh 2013

Auf das wir dann alle, irgendwann wie ein Dr. Faustus √ľber das innerste Muster der Welt nachgr√ľbeln
Jean Paul Laurens - Dr. Fausto
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