Verändere dich – Wie am Besten?

In diesem Artikel geht es um einige Aspekte der Selbstveränderung. Ich folge hierbei keiner genauen Struktur, wer allerdings mitliest, kann einige neue Aspekte zur Persönlichkeitsentwicklung finden, die meines Erachtens so noch nicht anderer Stelle diskutiert werden. Am Ende komme ich auf mein Ziel, Klavier zu lernen, zu sprechen.
Als Dieter Gurkasch, selbst Gewaltverbrecher, auf der Intensivstation erwachte, empfand er nichts mehr von all dem Zorn, all der Wut, all der Verlassenheit. Nach einer Schießerei mit der Polizei und einer gefährlichen Schussverletzung im Rücken, an der Grenze zum Tod hatte sich etwas in dem brutalen Gewaltverbrecher geändert (Quelle).12 weitere Jahre Gefängnis für einen Raubüberfall und dies nach einer bereits verbüßten Gefängnisstrafe von 11 Jahren wegen eines Raubs mit Todesfolge des Opfers sollten ihn schließlich ganz verändern. 12 Jahre Zeit nun auch wirklich ein anderer zu werden (titelbild: By Felix Burton (Flickr) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons).
“Wir selbst sind zu einem wesentlichen Bestandteil Veränderung” (Alfred Eisleben)

Wie entwickeln wir uns? Können wir uns bis ins hohe Alter verändern, lernen? Die allgemeine Auffassung verliert sich hier in der Ratgeberliteratur, den endlosen Botschaften von der Kraft des Willens. Die Gegenwart hat sich in einen Selbstentwicklungsoptimismus hineingesteigert, wobei das glückliche Leben im endgültigen Sieg über eine minderwertige Hunderasse erreicht werden soll. Der Kampf mit dem Schweinehund, mit der dunklen Seite der Macht in uns, ist unsere Seele geworden. Nachdem wir das Moralgebot dieses Kampfes internalisiert haben und unsere Aggressionen in uns einsickern lassen haben, müssen wir alles Potenzial gegen den Gegner als Selbst richten. In uns sind wir dem Feind ganz nah, dem Schweinhund, dem schlechteren Selbst. Was in archaischen Gesellschaften die Unterdrückung durch den König war, ist in modernen Gesellschaften die Selbstunterdrückung durch Produktivität geworden.

“Veränderung ist Aufstieg von den niederen Bedürfnissen zum höheren Geist” (Alfred Eisleben)

Was also bedeutet Entwicklung die dieser Leistungsdynamik entkommt? Entgegengesetzt der gängigen Meinung entwickeln sich Menschen nicht nur in ihrer Kindheit. Wir können uns bis zum Alter von 50 verändern, danach bleibe unsere Persönlichkeit allerdings stabil. Veränderung selbst – jedoch nicht notwendig nach moralischen Geboten – ist unser Weg. Ein Weg, der aufwärts und abwärts führen kann.

Bei Veränderung kommt es nun darauf an, die Maslow’sche Bedürfnispyramide wirklich zu verstehen, denn wir sollten bei aller Veränderung die Maslow’sche Bedürfnispyramide aufwärts steigen.

MaslowsHierarchyOfNeeds

Erfüllung aller Sehnsüchte liegt in der Selbstaktualisierung, eine letzte Stufe die bereits Platos Aufstieg aus der Höhle zur Sonne symbolisierte. Wichtig aber ist, dass wir, bevor wir diese Selbstaktualisierung erreichen, nämlich ein Gut, dass unbegrenzt zur Verfügung stehen kann und deswegen erfüllt, dass wir hiervor die Fallen der Selbstentwicklung verstehen: Wer einen Baustein erreicht, ist unglücklich und will zum nächsten. In diesem Sinne sollten wir uns hüten, etwas für das Ziel unseres Glückes zu erklären, ohne es vorher bereits zu kennen. Haben wir unsere materiellen Bedürfnisse befriedigt, werden wir sogleich in das nächste Bedürfnis nach Materiellem getrieben. Wer sein gesamtes Leben daher darauf ausrichtet, eine bestimmte materielle Grundlage zu erreichen, wird sodann finden, dass sich danach die Sinnfrage um so drängender stellt. Wer Liebe zum Beispiel im Partner zu finden hofft, wird mit dem Partner an seiner Seite unzufrieden sein, wenn er nicht vorher glücklich war.

Studien zeigen, dass Lotteriegewinner nach anfänglicher Euphorie nicht glücklicher sind als andere (wobei die Studien viele Schlüsse zulassen, warum das der Fall ist). Das Level des Glücks fällt bald wieder auf das Ursprungsniveau zurück. Ganz im Gegensatz geht es bei der Bedürfnispyramide daher darum, die beständige Chance, Dinge zu ändern zu erkennen und hierin die eigentliche Aufgabe zu entdecken. Hierin in der Selbstveränderung liegt der höchste Punkt unserer Bedürfnisse, nämlich ganz wir selbst zu sein, allerdings nicht eine starre Identität, sondern ein Ich zu sein, das in den Bewusstseinsstrom niemals zweimal steigt, sondern als diese Veränderung des Wassers selbst Wasser ist. Was ich meine? Ich kann es nur noch kryptischer ausdrücken:

Seele bleibt ein Wasserwort

Und es ist jene Selbstaktualisierung, die die Seele in ihrem Wesen antreibt, eine Bewegung von ihrem Sein durch ihre Distanzierung als Seiendes zurück zu ihrem Sein (das ist Hegelianismus).

Zurück zu dem Mörder Gurkasch: Heute leitet der verurteilte Mörder Gurkasch ein Yogastudio in Stralsund. Doch er hatte einen langen Weg der Veränderung hinter sich. Er durchschritt viele Erfahrungen, um zu erkennen, was höheres Glück bedeutet. Doch dieser Weg war lang und beschwerlich. Hierzu sagt Gerhard Roth:

“In der menschlichen Entwicklung gibt es alles, nur eines nicht: Dass ich mir vornehme, mich zu bessern, und von Stund an ein besserer Mensch bin. Wenn ich mich wirklich bleibend ändern will, müssen vor allem die tieferen Schichten verändert werden.” (Selbe Quelle)

Das heißt, wer Raucher ist, bleibt aller Wahrscheinlichkeit nach Raucher. Das Selbst verändert sich nur langsam und nur durch täglich kleine Routinen können wir ein anderer werden (hier in einem Blogbeitrag nach Prof. Fogg beschrieben). Nach Prof. Foggs Theorie verändern uns  Kleinigkeiten über die Jahre hinweg und lassen uns wachsen. Daher muss die Veränderung nicht über große Ziele erschlossen werden, sondern über Planung und kleine Schritte. Jeder, der ein Instrument spielt, weiß, dass Lernen zumeist nicht aus Erleuchtungsschritten und Aha-Erlebnissen besteht, sondern auch Konsequenz in der täglichen, kleinen Selbstveränderung bedarf.

“Das Gehirn ist kein träger Stein, der mit Sicherheit auf sein Ziel zusteuert. Wir leben mit diesem Gehirn in unserem Kopf und können es verändern.” (Avid Graf)

Es gibt allerdings auch noch eine andere Seite. Wir müssen auch bedenken, wenn Roth von der Trägheit unseres Gehirnes ausgeht, so macht er dies aufgrund von Schlüssen, die empirischen Quellmaterial entspringen. Sein Schluss ist induktiv. Das heißt, entgegen Roths Auffassung mag es dennoch individuelle Situation geben, die einen vollständigen Richtungswechsel ermöglichen und die er aufgrund der überwältigenden Anzahl von normalen Studienobjekten nicht sehen kann.Steve Pavlina, einer der erfolgreichsten Personal-Development-Autoren, wäre ein solches Beispiel. Nach einer Nacht im Gefängnis gab er sich das Versprechen, sein Leben zu ändern und machte sogleich zwei Abschlüsse innerhalb eines Jahres und leitete nebenbei ein erfolgreiches Computerbusiness.

Sicher bleibt das Gehirn dasselbe, wie Roth eben vermutet, aber der Hebel zur Veränderung legt sich manchmal spontan um und dann werden wir durch tägliche Routinen ein anderer. Der zweite Ansatz besteht daher in der Konfrontationstherapie und geht daher über die Schlüsse von Fogg und Roth hinaus.

Der Psychologe Birbaumer Quelle kann von vielen solcher Fälle berichten: Ein Mann hatte mehrere schwere Autounfälle, doch nach 30 irrsinnigen Fahrten mit dem Psychologen lernte dieser Mann, dass ihm nichts passiert. Er war partiell geheilt.

Aus Birbaumers Geschichten könnte man Filme drehen. So nahm er, “wenn nötig”, einen Patienten auch mal mit auf Reisen, schlief mit ihm in einem Bett und kettete ihn mit Handschellen an sich, damit dieser nicht, von seinen Ängsten getrieben, abhaute. (Quelle)

Schoktherapien sind Aha-Erlebnisse, die ein ganzes Gehirn schnell restrukturieren können, andere Wege aufzeigen. In diesem Sinne ist es immer günstig, andere Ansätze zu suchen, nicht alles ist stupides Wiederholen. Deswegen muss ein holistischer Ansatz auf beides, Wiederholung und Kreativität zielen. Eine Gesamtstrategie allerdings kostet viel Geduld und Unterstützung.

Wer den falschen Freundeskreis hat, sich mit Couch-potatos umgibt, die ausbremsen, wird nicht weit kommen (eine Studie zeigt, dass die Veränderung des Lebensstils des Partners auch in uns etwas bewirken kann, andere Studien zeigen aber, dass eher der Partner mit den negativen Eigenschaften auf das Verhalten des Anderen einwirkt). Es ist schwer, dem falschen Partner in negativen Eigenschaften zu widerstehen. In diesem Sinne gehören zu Persönlichkeitsveränderung viele Faktoren und womöglich ist ein Coach wie im Sport unabdingbar (hier ein anderer Artikel von mir dazu).

Das Klavier ist die Nummer 1 unter den Veränderungsdevices

Bei meinem Coaching-Ansatz möchte ich gerne extrinsische Motivationen ausklammern. Hierzu gehören auch negative Anreize wie Strafen, da häufig nach dem Wegfall der Restriktionen, das Verhalten, schlechter ausfällt als zuvor. Langfristig möchte ich allein intrinsische Motivationen entwickeln. Ich will mich daher vorrangig auf den Abbau von Hemmnissen konzentrieren. Hemmnisse sind Dinge, die mich von einem guten Lebensstil abhalten, zum Beispiel, wenn mein Zimmer ungeordnet ist und ich viel Zeit vergeude, mit dem Arbeiten zu beginnen. Hier ist es natürlich auch eine Frage wie organisiert, der Alltag bereits ist. Darüber hinaus kann es hilfreich sein, zu analysieren, welche intrinsischen Motivationen bereits bestehen und diese zu verstärken. Was macht mir wirklich Spaß?

Selbstveränderung muss schrittweise in intrinsische Veränderung überführt werden, nur so werden wir einerseits langfristig glücklich werden, denn Veränderung ist etwas, was als Ziel selbst immer unabhängig von äußeren Umständen möglich ist und andererseits werden wir nur so Veränderung erreichen. Veränderung wird nicht unmittelbar erreicht, sondern besteht aus vielen Schritten der Vermittlung am Materiellen. Wir müssen die Bedürfnispyramide durchsteigen und so auch erfahren, dass zum wirklichen Glück auch wirklicher Verlust gehört. Wer riskiert, kann daher langfristig nur gewinnen. Das allerdings am Rande. Hier geht es mir darum, mein Klavier zu nutzen, denn wer sich in einer Eigenschaft verbessert, so behauptet ebenfalls Prof. Fogg, der verbessert sich gleichzeitig auch in anderen Bereichen.

Ich habe Jahre lang Klavier gespielt und werde immer wieder von Menschen in Pittsburgh gefragt, ob ich professioneller Pianist bin. Ich habe in meinen Kursen auch hin und wieder Musikstudenten, die natürlich bei Weitem besser sind, aber ich interagiere mit ihnen häufig. Für mein persönliches Projekt habe ich mich einer Pianogruppe in Pittsburgh von Professoren im Ruhestand angeschlossen und werde langfristig viele Klavierstücke meinem Repertoire hinzufügen. Klavierspielen bedeutet langsame Veränderung des Gehirns. Und das ist es worauf ich mich konzentrieren muss.

Klavierspielen lehrt uns, dass Veränderung nur in der täglichen Routine erfolgt.

 Beim Klavierlernen geht es mir nun vor allem darum klassische Stücke zu erlernen, die das Klavier in den Mittelpunkt stellen. Ich spiele im Moment zusammen mit Haruka und Christa das Doppelviolinconcerto von Bach, was wirklich viel Spaß macht. Vom Popkulturellen nehme ich im Gegensatz mehr und mehr Abstand. Zumeist kann ich es ohnehin vom Blatt spielen und es sind keine besonderen, musikalischen Linien zu erkennen. Ich weiß, das wirkt herablassend, aber wer wirklich in die klassische Musik irgendwann einsteigt, erkennt, wie die klassische Musik um Sprache und Ausdruck ringt und im Vergleich zur Pop-Musik in tiefere Tiefen eintaucht. 

Nun, ich sage nicht, dass Pop-Musik immer schlecht sein muss. Auf unseren Parties hier in Pittsburgh ist das immer noch ein wichtiges Element und wir haben viel Freude dabei, aber es geht dabei um den Effekt, in einer vielleicht zu oberflächlichen Kultur? Um einen niederen Teil der Bedürfnispyramide? Kürzlich haben wir auf einer Halloweenparty eine “Komposition” über das Hippiedasein performt, da ich selbst als Hippie “Moon” verkleidet war. Der Song hieß “Oceans of Emotions”. Das war so erfolgreich und offenbar witzig, dass mich Severin, der Co-Founder von Duolingo, glatt für die Weihnachtsfeier von Duolingo buchen wollte. Ich hielt das natürlich für einen Witz, aber er fragte mich drei Tage später nochmals. Das macht mich natürlich ein bisschen stolz. Was will ich aber sagen: Pop-Musik macht Spaß, so wie Hot Dogs schmecken und ich niemanden dafür direkt verurteile, aber mentale Gesundheit bekommen wir woanders her genauso wie physische Gesundheit langfristiger glücklicher macht.

Tatsache für mich ist, dass es bei Pop-Musik nicht die enormen Entwicklungsschübe gibt, wie bei klassischer Musik. Immer nach den Phasen, in denen ich klassische Musik lernte, konnte ich mit Pop-Musik noch besser umgehen. Ich halte Pop-Musik für eine Unterforderung unseres Gehirns, es kommt allerdings darauf an, sich zu überfordern. Nun ich werde mich künftig mehr mit dem Klavierspiel auseinandersetzen und ein E-Piano für unser Haus besorgen.

Lumosity und Braintrainer helfen nicht

Es sei noch eine Sache angemerkt, warum ich mich auf Klavierspielen fokussiere. In einem Statement von 70 renommierten Neuroforschern heißt es, dass all die angebotenen Braingames nicht die magische Kugel sind, um seine kognitiven Fähigkeiten zu verbessern (Quelle). Nach einer relativ aggressiven Marketingcampagne hatten diese eine wesentliche Verbesserung der Gehirnleistung und so zum Beispiel Schutz vor Alzheimer versprochen. Es kommt allerdings nicht auf einen Schritt an, sondern darauf, viele Veränderungen langfristig ins Visier zu nehmen. Es ist wie bei der Ernährung, es kommt nicht auf eine neu-entdeckte Pflanze an, sondern auf die Gesamtheit der Ernährung. Stattdessen heißt es daher in der Forschung, dass das Erlernen einer neuen Fähigkeit, die Intelligenz am ehesten befördert. Ich behaupte, dass das Klavier oder ein anderes klassisches Instrument hierzu die beste Möglichkeit bietet, uns vor Alzheimer im Alter bewahrt, Kinder schlauer werden lässt und mehr. Zu den Belegen aber in einem der folgenden Artikel mehr. Hier geht es zunächst nur um die Selbstentwicklung.

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Norman Schultz

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