Nie wieder ein Fenster öffnen РMit den richtigen Pflanzen weniger krank sein und produktiver werden

In diesem Artikel geht es um Pflanzen, die als gute Luftfilter ein ideales Arbeitsklima herstellen. Wer mein unendliches Gelaber zu dem Wie, Warum und Weshalb nicht ertragen kann, der kann hier¬†direkt zu den Informationen um welche Pflanzen es sich handelt. Ansonsten gibt es im Folgenden ein paar Argumente f√ľr Zimmerpflanzen und wie ich zu meinen gr√ľnen Freunden gekommen bin.

Einmal Luftfilter bitte

Im Saturn haben mir die Verk√§ufer ja schon so vieles erz√§hlt. Ich wollte mal ein Diktierger√§t kaufen und erkl√§rte die Funktionen, worauf der Mitarbeiter mir mit felsenfester √úberzeugung versicherte, dass es so etwas nicht geben w√ľrde.

Nun, nehmen wir nun mal folgendes Szenario an. Ich gehe zu Saturn und sage, dass ich etwas mit folgenden Eigenschaften haben möchte:

1) Es soll f√ľr ein gutes Raumklima sorgen und Schadstoffe aus der Luft filtern

2) kostensparend arbeiten möglichst in der Energieklasse A+++

3) pflegeleicht sein und auch nicht so schnell kaputt gehen

4)¬†und, alles in allem vielleicht f√ľr unter 100 Euro zu haben sein und sich am besten vermehren

Grib skov

F√ľr mehr gr√ľne Lunge

Nun, tats√§chlich ich bin jetzt unter die Sauerstoffproduzenten gegangen und lasse mir in meinem Zimmer gesunde Luft einfach wachsen. Es geht um Hauspflanzen, die die Luft s√§ubern. Ich selbst habe mir k√ľrzlich Pflanzen gekauft und haben das Sauerstofflevel in meinem Kabuff derart erh√∂ht, dass ich schon seit f√ľnf Tagen kein Fenster mehr ge√∂ffnet habe und es wom√∂glich auch nie wieder muss. Ich sage nur: Fukushima soll kommen! Und nachdem wir den Waldbestand in den letzten 10 Jahren um 1,5 Millionen Quadratmeter kostensparend reduziert haben (eine Fl√§che gr√∂√üer als Deutschland), ist es wohl an der Zeit, sich ein eigenes Klima zu bauen.

Sansevieria trifasciata Closeup 2448px

Bogenhanf gibt nachts Sauerstoff

Aber Ernst bei Seite: Pflanzen verbessern das Raumklima und die richtigen Pflanzen filtern giftige Stoffe und geben jede Menge Sauerstoff selbst bei schlechten Lichtbedingungen. Doch nicht nur das, einige tun das selbst nachts.

Warum ich das aber hier bespreche? Nun, es verbessert unsere Lebensqualit√§t und so letztlich auch unsere Arbeitsleistung. Dies sei, so hei√üt es auf allen Seiten, die ich dazu lese,¬†wissenschaftlich belegt. Nur die Quelle zu den „wissenschaftlichen“ Studien nennen sie leider recht selten, daher reicht uns an dieser Stelle heute mal ein bisschen Plausibilit√§t: Da frische Luft mehr Sauerstoff bedeutet und unser Gehirn Sauerstoff mag, muss das gut sein. Es hei√üt zudem, dass die Innenluft 2 bis 5 mal schlechter als drau√üen ist, so dass wir drau√üen prinzipiell besser arbeiten. Warum also nicht das Drau√üen nach Innen holen?

Nun bleibt die Frage, ob es Pflanzen gibt, die unsere folgenden Kriterien tats√§chlich erf√ľllen:

  1. M√∂glichst pflegeleicht, weil wir ohnehin wenig Zeit haben und sie uns auch aus Effizienzgr√ľnden anschaffen
  2. Die Pflanze sollte selbst bei schlechten Lichtbedingungen Sauerstoff produzieren, wenn möglich gar nachts
  3. Die Pflanze sollte Giftstoffe filtern.
  4. Sie sollte relativ g√ľnstig sein.
Bei dieser Kombination w√ľrde uns jeder Saturnmitarbeiter auslachen, denn so etwas gibt es schlie√ülich nicht. Ich meine, wenn Diktierger√§te technisch nicht m√∂glich sind, dann m√ľssen Pflanzen wohl ein Wunder Gottes sein.¬†Aber entgegen aller Erwartung, Pflanzen k√∂nnen tats√§chlich Sauerstoff produzieren und das nicht einmal, wie viele denken, in minimalen Mengen.
 
√úbrigens habe ich tats√§chlich lange Zeit gedacht, dass Pflanzen in der Regel nur zu dekorativen Zwecken am Fenster stehen oder dass Pflanzen bei einigen von uns soziale Qualit√§ten f√ľr Besucher vort√§uschen sollen. Klar, wir haben uns schlie√ülich aus Herzensw√§rme entschieden einer armen¬†Adoptiv-pflanze¬†ein¬†Zuhause zu geben. Ich dachte auch, dass andere von der beherzteren Natur gerne jemanden zum Reden haben, jemand, der nicht widerspricht und sie auch nicht auslacht, wenn sie mal wieder weinen, weil Flipper gestorben ist. Ungeachtet dieser Tatsachen: doch es gibt einige Pflanzen, die richtig Sauerstoff produzieren und um meiner Rumrederei ein Ende zu machen um diese geht es hier:

Pflanzen, die Saures geben (also stofflich meine ich)

Haha, ich wei√ü, schlechter Witz. Nun es liegt nicht am Sauerstoffmangel, seitdem ich f√ľnf der folgenden Pflanzen hier zu stehen habe, ist die Luft in meinem Zimmer tats√§chlich wesentlich frischer. Bevor wir aber zu den Fakten kommen, hier mal ein Video aus der Abgasnation Indien, wo die Pflanzen nun in B√ľror√§ume zu Wellnesscenter umfunktionieren.

Also die Daten mal zusammengefasst. Es geht um die:¬†1)¬†Areca Palm, 2)¬†Mother-in-Law’s Plant (Bogenhanf), und 3) die Money Plant (ich glaube dabei handelt es sich um die „Efeutute„)

Sansevieria trifasciata Laurentii pm 4

6 mal Bogenhanf und ihr m√ľsst nie wieder ein Fenster √∂ffnen

Nach dem Video zu urteilen werden ungef√§hr 6 bis 8 dieser Gef√§hrten pro Person ben√∂tigt (zu anderen Daten kommen wir weiter unten). In dem vorgestellten B√ľrogeb√§ude sind es daher¬†1200 solcher Pflanzen auf 300 Leute. Als Resultat der Pflanzen geht der Blutsauerstoff mit einer Wahrscheinlichkeit von 43 Prozent um ein Prozent nach oben, wenn man sich mehr als 10 Stunden in dem Geb√§ude aufh√§lt. Wenn ich es im Weiteren richtig richtig verstanden habe, gab es zudem 52 Prozent weniger Augenreizungen, 43 Prozent weniger Kopfschmerzen und¬†9 Prozent weniger Asthma. Aber kommen wir mal zu den Pflanzen im Einzelnen.

In anderen Quellen heißt es zudem, dass der Anblick von Pflanzen die Kreativität um 20 Prozent steigern könne (Quelle). Zudem tragen Pflanzen der Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei, was die Staubkonzentration in der Luft vermindert und die Schleimhäute feuchter hält, so dass Krankheiten seltener sind.

Areca catechu - K√∂hler‚Äďs Medizinal-Pflanzen-014

Einer der besten Sauerstoffliferanten, die Arecepalme

Die besten Pflanzenfilter

1) Die Arekapalme 

entfernt Toluen und Xylen. Nun, ich wei√ü zwar nicht, was diese Stoffe bedeuten, aber ich m√∂chte sie gerne nicht in meinem Zimmer haben. Dar√ľber hinaus wandelt die Pflanze signifikante Mengen an CO2 in Sauerstoff um. Vier schulterhohe Pflanzen w√ľrden Sauerstoff f√ľr einen ganzen Tag produzieren. Das gute, die Arekapalme¬†vertr√§gt kein direktes Sonnenlicht, das hei√üt ihr k√∂nnt der Palme auch ruhig ein schattiges Pl√§tzchen zuweisen.

2) Die Efeutute

Die Efeutute (epipremnum aureus) erreicht einen CO2-Abbau von 75% und baut dabei auch Benzol (90 Prozent innerhalb von 24 Stunden)¬†und Formaldehyd ab (einige Stoffe, die sich gerne in B√ľror√§umen sammeln und auch aus einigen Klebstoffen ausd√ľnsten)¬†(Quelle).¬†¬†

3) Bogenhanf

Bogenhanf (Sansevieria)¬†produziert vor allem nachts frischen Sauerstoff. Zudem ist die Pflege √§u√üerst leicht und seltenes Gie√üen tut dieser Pflanze einen Gefallen. Sie mag es vernachl√§ssigt zu werden (dies gilt √ľbrigens auch f√ľr die anderen Pflanzen).¬†Wem es allerdings um die psychisch stabilste Pflanze dieses Planeten der kann sich mit der so genannten Idiotenpalme begegnen, denn selbst Idioten k√∂nnen sie nicht umbringen. Es handelt sich um die:

Chlorophytum comosum

Gr√ľnlilien sind unkaputtbar

4) Gr√ľnlilie

Die klassische Gr√ľnlilie (Chlorophytum Elatum) reduziert nach Studien den Kohlenstoffdioxidgehalt um 96 Prozent (Ich vermute, dass sich √§hnlich der NASA-Studie hierzu um einen Raum mit erh√∂hter Konzentration handelt¬†(Quelle). Im Film „Gravity“ glaube ich √ľbrigens diese Idiotenpalmen auf der chinesischen Raumstation entdeckt zu haben.

In anderen Quellen heißt es:

„Die Gr√ľnlilie, eine beliebte Ampelpflanze, schafft es beispielsweise, den Formaldehydgehalt einer geschlossenen Kammer (der 10mal h√∂her als in normaler Wohnraumluft war) innerhalb von 24 Stunden um 86 Prozent zu reduzieren.“

Die Gr√ľnlilie ist meine favourisierte Pflanze. Sehr einfach im Umgang und wirkt unglaublich auf das Raumklima.Wer dar√ľber hinaus noch viel Sauerstoff in seine Umgebung pumpen will, der k√∂nnte zus√§tzlich noch Sprossen anbauen: Buchweizen, Sonneblumen und Erbsen sollen hierbei sehr effizient sein. Insgesamt m√ľssen wir aber wohl sagen, dass eine Vielzahl von Pflanzen unterschiedlich vorbeugt, als Anf√§ngerpflanzen sind allerdings Gr√ľnlilie, Bogenhanf und Efeutute sicher unschlagbar.

Wieviele Pflanzen brauchen wir nun f√ľr ein optimales Klima?

Die Nasa empfiehlt circa 15-18 Pflanzen bei 1800 Squarefoot. Das m√ľssten umgerechnet ungef√§hr 170 Quadratmeter sein. Nehmen wir also eine normale Singelbude von sagen wir 30 Quadratmetern, so sollten 3 – 4 dieser Pflanzen

Epipremnum aureum vine

Reduziert viele giftige Stoffe, die Efeutute

ihren Platz finden. Ihr m√ľsst also nicht alles √ľberfrachten. Wenn ihr allerdings noch bessere Effekte w√ľnscht, so kann eine weitere Begr√ľnung nicht schaden.

Alles in allem muss nun niemand etwas √ľberst√ľrzen. Ich habe begonnen, ein paar dieser Pflanzen zu kaufen und z√ľchte nun verschiedene Ableger, das spart ein wenig Geld und es macht Spa√ü. Ich hatte lange Zeit keine Pflanzen, weil ich viel umgezogen bin, immer in verschiedenen St√§dten studierte und viel reiste, nun da ich in Pittsburgh ein langfristiges Stipendium habe, finde ich, dass es sich lohnt damit zu beginnen. Falls ich dann wieder nach Deutschland ziehe, so habe ich auch gute Abschiedsgeschenke.¬†Als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk eignen sich die Gr√ľnlilien (wie wohl auch die anderen Pflanzen). Gerade mit einer beigef√ľgten Notiz √ľber die verschiedenen Funktion k√∂nnte sich so mancher B√ľrohocker freuen.¬†

Snake plant

Auch Schwiegermutterzunge genannt, Bogenhanf

Weitere Informationen

Tabelle einiger Pflanzen, die giftige Substanzen filtern: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_air-filtering_soil_and_plants

Die NASA Clean Air Study, die angefertigt wurde, um die Reinigung von Weltraumstationen zu untersuchen. Neben der Absorption von Carbondioxide und Sauerstoffproduktion (Oxygen), eliminieren diese Pflanzen Benzene, Formaldehyde und Trichloroethylene.

Die Top 10 der NASA-Studie:

Infoblatt von „Gesundes √Ėsterreich“¬†mit einigen Gr√ľnden, was f√ľr Pflanzen im Haus und B√ľro spricht

Hier sind einige Links zu Amazon (Affiliate Links). Ich habe mal ein paar nachgeschlagen, die es g√ľnstig gibt. Ich habe meine Pflanzen auch √ľber Amazon ersteigert, allerdings von der amerikanischen amazon Seite. Ich habe mir 2 Gr√ľnlilien besorgt, die wirklich wundersam wachsen, einen Bogenhanf, eine Efeutute und noch einen Philodendron. Die Qualit√§t war gut im Vergleich zum Preis und ich sehe das auch als Investment in viele Ableger, denn die Pflanzen wachsen sehr schnell.

Nun da sind ein paar g√ľnstige, also auch gr√∂√üere dabei, je nach Wunsch. Ich selbst habe mir eher kleinere um die 10 Euro geholt und werde √ľber Weihnachten anfangen umzutopfen und erste Aleger produzieren. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen.

Dr. Norman Schultz

Pittsburgh

Titelbildnachweis: Ireen Trummer (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Veröffentlicht unter Ernährung und Lernen, Intelligenz steigern | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

Das Internet als sozialer Verstärker beim Lernen

Zusammenfassung: In diesem Artikel geht es um soziales Lernen und wie dieses sich im Internet besser realisieren lässt als an den Universitäten. Wenn die Universitäten nicht reagieren, werden sie von alternativen Lehrkonzepten verdrängt werden. Ich zeige daher, dass es darauf ankommt, das Internet als sozialen Verstärker des Lernens zu nutzen.

Da nächste Woche die Weltmeisterschaft zwischen dem 23-Jahre jungen Carlsen und dem amtierenden Weltmeister, dem 21 Jahre älteren Anand beginnt, gab es in der Zeit ein Interview mit Anand. Interessant war hieran Folgendes: Auf die Frage, ob die Schachwelt anders als vor 20 Jahren sei, als Anand begann zu spielen, antwortete Anand klar:

VishyAnand09

Schachweltmeister Anand

Vollkommen anders. Schon wegen der Computer-Revolution. Der Ansatz √§ndert sich st√§ndig.“ (http://www.zeit.de/sport/2013-10/viswanathan-anand-interview-schachwm/seite-2)

In allen Phasen des Spiels verdr√§nge demnach der Computer traditionelle Konzepte, so Anand. Dass Computer hierf√ľr verantwortlich w√§ren, k√∂nnen wir daran sehen dass „so viele starke Spieler aus L√§ndern ohne Schachtradition“ k√§men. Anand f√ľgt hinzu:

„Computer er√∂ffnen den Zugang zum Spiel. Sie liefern die Informationen und erleichtern das Lernen. Was das Internet bewirkt, sieht man besten an der Zahl junger Spieler in den Top Ten.“

¬†Jene Computerrevolution, die Anand hier anspricht, zeigt, dass Computer oder das Internet einen wesentlichen Beitrag zum Lernen leisten k√∂nnen. Es sind nicht nur neue Medien, die in der Form der „digitalen Demenz“ uns nur neue Formen des Vergessens und der Prokrastination bescheren (Spitzer, Manfred: Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen, Affiliate Link). Auf der anderen Seite kommt es auch darauf an, die Vorteile dieser neuen Technik sichtbar zu machen und dies ist h√§ufig schwieriger.

Es ist unklar, was die Computer-Revolution eigentlich in welcher Weise beeinflusst und daher muss die „Computer-Revolution“ im Lernen auch nicht zwangsl√§ufig bei den Universit√§ten ankommen. Ich deutete ja schon vielfach an, dass unsere Bildungsinstitutionen unter Bildungsvorwand eher Disziplinierungsanstalten sind und daher kein Interesse an Bildung haben. Kapitalistische Verh√§ltnisse bed√ľrfen eher disziplinierter als gebildeter B√ľrger. Aus diesem Grund d√ľrfen Professoren auch immer noch ihre Studenten mit Vorlesungen langweilen, wo Studenten vor allem Disziplin lernen. Zwar gibt es neue Konzepte des Lernens, aber aufgrund der institutionellen Pr√§gung geht es vielleicht nicht wirklich darum besser zu unterrichten oder gar zu bilden. Universit√§ten bekommen daher Konkurrenz von alternativen Lernformen, die sich eventuell nicht mit den Disziplinierungsverfahren der Institutionen vereinbaren lassen.

Das Internet und die Universität

Wenn es es nun aber tats√§chlich um die Zukunft des Lernen geht, dann ist es wohl gerade das Internet, welches interaktives Lernen erm√∂glicht. Hier aber reagieren Autorit√§tsregime beh√§big. Um ganz genau zu sein: Professoren m√ľssen umdenken, wenn sie noch besser unterrichten wollen. In der Regel genie√üen sie allerdings ihren Machtstatus. In anderen Worten, nachdem man viele Jahre verdammt war, nur zuzuh√∂ren, foltern man nun mit qu√§lenden Monologen zur√ľck. Doch die Konkurrenz des Internets schl√§gt hier zu. So k√∂nnen wir zum Beispiel davon ausgehen, dass das Internet jetzt schon wesentlich bessere Vorlesungen bietet als der Durchschnittsprofessor (ein Beispiel ist hier mit Sicherheit Christian Spannagel, der mit unterhaltsamen Vorlesungen zur Mathematik vor allem neue Techniken bei seinen Vorlesungen benutzt und dabei allen anderen Professoren Konkurrenz macht. In den Kommentaren bei Youtube lassen sich dann h√§ufig Kommentare lesen, wieviel besser seine Vorlesungen w√§ren, als die ihrer Professoren). Wie reagieren hierauf also mittelm√§√üige Professoren?

Hier ein Vortrag von Christian Spannagel zu der Revolution durch digitale Medien. (Leider finde ich seinen Vortrag zur Konzeption neuer Vorlesungen nicht mehr. Wird allerdings nachgeliefert.)

Was ich sagen will: Wenn wir also als Unterrichtende weiter nur auf Vortragen bestehen, dann konkurrieren wir zunehmend mit immer besseren Vorlesungen im Web. Die Universit√§t (vor allem in Amerika, wo es ja um gro√ües Geld geht) muss sich daher ver√§ndern oder Lernen findet in Zukunft nicht mehr an den klassischen Institutionen statt. Was kann die Universit√§t also leisten? Nun ich glaube sie kann einen Raum wahrer Interaktion bieten, wo Professoren die Inhalte im Netz f√ľr die Studenten systematisieren. Dar√ľber hinaus k√∂nnen die Professoren dann die soziale Interaktion zwischen den Studenten herstellen. Dieses nenne ich in Zukunft „soziale Verst√§rkung“ des Lernens.

Schauen wir uns nun am Beispiel von Duolingo ein weiteres Beispiel f√ľr internetbasiertes Lernen an, was sozial verst√§rkt wird:

By various (Scan from the original book) [Public domain], via Wikimedia Commons

Auf eine spannende Weltmeisterschaft

2. Wie Duolingo Sprachen lernen verändert

Duolingo ist eine kostenlose Sprachlernsoftware. Leider ist das Angebot momentan nur auf Englisch verf√ľgbar, so dass vor allem Menschen, die bereits Englisch k√∂nnen, etwas davon haben. Dieses aber will Duolingo bald √§ndern.

Insgesamt bringt es Duolingo (Artikel zu Duolingo hier) bei einer Sprache auf 3.000 Basis Vokabeln, wobei hierbei auch die basalen grammatischen Strukturen gelehrt werden. Es braucht ca. 100 Stunden bis man die Lektionen durchgegangen ist. Bis jetzt haben ca. 100.000 Menschen Duolingo absolviert.

Meine Erfahrungen mit Franz√∂sisch bei Duolingo sind sehr positiv und ich habe das Gef√ľhl, ich habe in einer Woche mehr gelernt als in einem Jahr Franz√∂sisch an der Schule. Es ist tats√§chlich sehr motivierend, weil man sich mit den Leveln, die man erwirbt mit seinen Freunden vergleicht und dabei vor allem soziale Anreize bekommt (zu den sozialen Anreizen komme ich am Ende noch). Dieses Leveln war vorher vor allem aus Spielen wie World-of-Warcraft bekannt und es w√§re nun interessant, alle Lernsoftware des Internets in einen generellen Levelcharakter als pers√∂nliches Zeugnis zu √ľberf√ľhren. So k√∂nnten wir uns alle direkt beobachtbar hochleveln.

Duolingo setzt auf freie Mitarbeit von Autoren

Neuerdings spannt Duolingo √§hnlich dem Wikipediamodell Autoren f√ľr neue Kurse ein. Jeder, der zweisprachig aufgewachsen ist, kann dabei an einem Kurs mitarbeiten. Dies ist also der Versuch, Lehrb√ľcher der Sprachen zu erstellen und diese der gesamten Welt in allen Sprachen zur Verf√ľgung zu stellen.

Lehrb√ľcher bei Wikipedia

Die Idee ist nicht neu. Die Frage ist, ob dies funktioniert. Es gibt ja schon seit l√§ngerem den Versuch bei Wikipedia Lehrb√ľcher zu erstellen. Hier hapert es allerdings an der Mitarbeit. Da so ein Buch wom√∂glich doch l√§ngere Schreibwege ben√∂tigt als ein gew√∂hnlicher Wikipediaartikel und nicht ohne Weiteres schnell beendet werden kann, braucht es mehr Arbeit und Zielstrebigkeit der Autoren. Dies gelingt allerdings nur selten.¬†In der deutschen Version von Wikibooks wurden so zwar bereits 677 B√ľcher mit 20.447¬†Buchkapiteln gestartet, 69 B√ľcher wurden aber nur als fertig markiert (Stand: Juli 2013 (http://de.wikipedia.org/wiki/Wikibooks). Ein Blick in die Kategorie „Philosophie“ verr√§t dann aber, dass diese Lehrb√ľcher noch sehr d√ľrftig sind:¬†https://de.wikibooks.org/wiki/Regal:Philosophie. Das Modell setzt sich meines Erachtens bei Wikipedia nicht durch, aber ich habe auch nicht viele Lehrb√ľcher in ihrer Qualit√§t versucht zu bewerten.

Was also ist der Anreiz bei Duolingo f√ľr die Autoren Sprachkurse zu erstellen?

Bei Duolingo geht es darum, diese Lehrb√ľcher kostenlos zu erstellen, die Objektive hei√üt::

„Our objective is to teach the world languages for free, so we also expect others to collaborate for free,“ („Unser Ziel ist es, der Welt Sprachen kostenlos zu unterrichten, daher erwarten wir andere frei zu kollaborieren.“

Im Moment finanziert sich Duolingo durch die 18 Millionen Dollar Startkapital, aber auch durch √úbersetzungen, die mittels Duolingo von Nutzern erstellt werden. Hier k√∂nnen Nutzer Artikel aus dem Internet vorschlagen und diese dann in Fragmenten je nach Lust und Laune √ľbersetzen. Im Gegenzug erhalten sie, Anerkennung f√ľr ihr Profil, welches sie zum Lernen √ľberhaupt motiviert.

Dies ist wohl auch das zuk√ľnftige Gesch√§ftsmodell von Duolingo, die √úbersetzungsarbeit vieler dadurch zu belohnen, dass die freiwilligen Arbeiter etwas lernen und Anerkennung bekommen, w√§hrend Duolingo freie und gute √úbersetzungen, erstellt durch Schwarmintelligenz, auf dem Markt anbieten kann.

Da also Duolingo auf das kostenlose Mitwirken zielt, sei der Anreiz daher, dass die Sch√∂pfer der neuen Kurse eine Nennung erhalten, also soziale Verst√§rkung ihres Lernens. Reicht dies allerdings aus?¬†Der Gr√ľnder Von Ahn berichtet, dass ihn t√§glich tausende E-mails von Menschen erreichen, die bereit sind, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Das hei√üt, „Ja“.

Duolingo und interaktive Arbeit

Mittlerweile gibt es viele Schulen weltweit, die Duolingo nutzen und 30.000 Studenten folgen dieser Methode. W√ľrde ich Sprachen unterrichten, so w√§re es wohl auch ein Requirement bei mir. Die Studenten k√∂nnten dann einen bestimmten Levelgrad erreichen, um die entsprechende Benotung zu erhalten und m√ľssten keine Tests schreiben. Nat√ľrlich k√∂nnten sie schummeln, aber das ist mir eigentlich egal, da die Noten bei den Arbeitgebern ohnehin einen geringeren Ausschlag geben, beschummeln sich Studenten selbst. Ich gebe ihnen die M√∂glichkeit etwas systematisch zu lernen. Kurz: Noten sind mir egal und ich gebe sie nur aus administrativen Zw√§ngen.

Zwischen¬†60,000 und 70,000 Menschen registrieren sich derweil t√§glich bei Duolingo. Mittlerweile gibt es bereits 10 Millionen Nutzer. Ein Zeichen, dass die Verschiebung unserer klassischen Lernmodelle weiter voranschreitet und damit wom√∂glich Sprachkurse √ľberfl√ľssig macht, wenn diese nicht reagieren. ¬†Die Frage ist also, wie werden sich unsere Ausbildungswege mit diesen neuen Lernformen ver√§ndern? Ich k√∂nnte mir beispielsweise ein √§hnliches System f√ľr Mathematik vorstellen.

3. Soziales Lernen

Bei der folgenden Infografik geht es um gute und schlechte Eigenschaften, die sehr gute Lerner haben. Besonders interessant ist dabei der Punkt, welche Auswirkungen das Setzen von Zielen hat, wenn die Probanden dieses ihren Freunden erzählen.

The Habits of Smart People
Source: Online-PhD-Programs.org

Studenten erreichen also ein Ziel eher, wenn sie es mit ihren Freunden teilen. Genau diesen Aspekt sehe ich im sozialen Lernen bei Duolingo und im Schach √ľber das Internet erreicht. Also nochmal: 43% der Studenten erreichten ihr Ziel einfach so, 63% der Studenten, die ihr Ziel aufschrieben, erreichten dieses und 76% erreichten es, wenn sie es mit Freunden teilten. Ich bin relativ froh, dass Kiril Stankow (Dirigent) uns nun zweimal w√∂chentlich √ľber unsere Ziele austauschen und diese festhalten. Eigentlich sollte mir die Universit√§t dazu Gelegenheit geben, aber dies tut diese nicht.

4. Probleme beim Arbeiten mit dem Internet zum zerhackten Arbeiten

Kritik soll nochmal nachgeschoben sein. Es schlie√ülich auch einige, die dies das Internet als sehr problematisch erachten. Angeblich verbrauchen amerikanische Arbeitnehmer 28 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Surfen im Internet und privaten Mails. Am wenigsten w√ľrde daher Arbeit noch mit Arbeit verbracht werden.¬†Bei RescueTime (ein Programm, das ich empfehlen kann und das besser als die NSA das private Surfverhalten √ľberwacht und am Ende der Woche einen Lagebericht schickt) hei√üt es, dass ein amerikanischer Angestellter 50 mal seine E-mails checkt, 77 Kurznachrichten verschickt und auch gerne mal auf seinen Lieblingsseiten (40) seine Zeit verbringt. Angeblich betrage der Schaden demnach:rund 650 Milliarden Dollar im Jahr. (Quelle: Denkreich)

Bei Denkreich heißt es:

„Nach der Patchwork-Familie kommt jetzt Patchwork-Arbeit. Medina bringt es auf den Punkt: ‚ÄěWer unterbrochen wird (oder sich selbst unterbricht) braucht 50 Prozent l√§nger f√ľr eine Aufgabe und macht 50 Prozent mehr Fehler.‚Äú

Nun, die Frage ist also, ob das Internet das Land der unbegrenzten Prokrastination f√ľhrt oder ob wir im Internet Trainer finden, die uns an unsere H√∂chstleistungen bringen.Wie in meinem Artikel angek√ľndigt, werde ich das Internet auch weiterhin nutzen, um meine Lernziele √∂ffentlich zu machen und damit sozial zu verst√§rken:

Ihr findet mich hier: http://www.duolingo.com/Fibonaccie,

Ich beginne ab sofort einen Lernblog f√ľr Blues am Klavier:¬†http://learning-the-blues.blogspot.com/, meine Klavierfertigkeiten gibt es hier. Einen Blog zum Schach hier und meine philosophischen Studien (denn ich bin ja Philosoph), die allerdings reichlich uninteressant sein d√ľrften, gibt es hier.

Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine ‚Äúgewaltig interessante‚Ä̬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen.

Norman Schultz

Pittsburgh

Titelbildnachweis:¬†By User:Nina Silaeva (–Ľ–ł—á–Ĺ–į—Ź —Ä–į–Ī–ĺ—ā–į) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Veröffentlicht unter Lernen lernen | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Wer war der intelligenteste Mensch der Welt, was ist Intelligenz und können wir sie steigern?

Zur Intelligenzsteigerung hei√üt es, dass selbst das Universum als gigantisches Gehirn ¬†in eins genommen,¬†h√§tte dann noch immer eine Grenze (Quelle: Artikel √ľber die intellgentesten Menschen der Welt). In diesem Artikel geht es nicht um die Grenze des Universums aber um die √§u√üere Grenze der menschlichen Intelligenz und eine etwaige Intelligenzsteigerung. Dabei schauen wir einerseits auf die intelligentesten Menschen ALLER ZEITEN, aber k√ľmmern uns auch um die weniger ironische Frage, warum Menschen, die doch auf ihre Intelligenz so stolz sind, gleichzeitig so dumm sein k√∂nnen. (Titelbildnachweis: Public domain)

Katarrhaktes ouroboros

Das Universum,als gigantisches Gehirn. Was ist die Grenze der Intelligenz? (By Katarrhaktes (www.katarrhaktes.com CC-BY-3.0 Wikimedia Commons

Jawohl wir sind dumm und glauben doch die Welt sei wie die Aufgabe eines Intelligenztest leicht „berechenbar“. Doch vielleicht ist die Welt nicht l√∂sbar. Vielleicht ist die Welt nicht durch ein geheimes Zahlenband verbunden. Bevor wir also zur Intelligenzsteigerung kommen stellen wir zun√§chst die Frage: Wohin reicht also √ľberhaupt unsere Intelligenz?

Wer sich schon einmal in einen Intelligenztest vertieft hat, der bemerkt schnell, dass die Aufgaben eigentlich sehr einfach sind (Wer das noch nicht hat, ich habe hier ein paar Intelligenztests  zusammengestellt wie auch eine etwas genauere Auswertung von einigen Intelligenztests vorgenommen. Weitere sollen noch folgen). Das Paradoxe ist nun: Selbst bei einfahcen Intelligenztests scheitern wir mit unserer Intelligenz und die Welt ist wesentlich komplexer.

Fuchs.margin (MMW10F50 f6r) detail

Wenn ein Fuchs in ein Buch hineinschaut, kann dann ein Gelehrter herausblicken? By Master of Catherine of Cleves, Public domain,

Warum wir so blöd sind
Wir scheitern in Intelligenztests und bemerken oftmals sp√§ter die verbl√ľffende Einfachheit der gestellten Aufgaben. Um dies zu demonstrieren hier ein Beispiel:

„Versuchen Sie die folgende Frage zu beantworten, bevor Sie weiterlesen. Jack schaut Anne an, aber Anne schaut George an. Jack ist verheiratet, aber George nicht. Schaut eine verheiratete Person eine unverheiratete an?“

a) Ja      b) Nein    c) Kann nicht entschieden werden

Über 80 Prozent der Menschen beantworten diese Frage falsch. Falls Ihre Antwort war, dass die Frage nicht entschieden werden kann, gehören Sie zu auch zu ihnen. (Wie ich.) Die korrekte Antwort ist: Ja, eine verheiratete Person schaut eine unverheiratete an. http://giordano-bruno-stiftung.ch/blog/warum-kluge-menschen-dumme-dinge-tun/

Obwohl die Aufgabe meisterbar ist, ist es uns in irgendeiner Weise unangenehm logisch zu denken. Wir sparen Energie und fahren unsere Kapazit√§ten nicht hoch. Wir haben ein Denkorgan, aber intelligent sind wir deswegen noch lange nicht. Wir m√ľssen also lernen, im Richtigen Moment unsere Kapazit√§ten zu nutzen.

Keulemans common fox

Fuchsintelligenz By Mivart, St. George Jackson, 1827-1900 Public domain, via Wikimedia Commons

Doch halt, selbst wenn wir dies tun, k√∂nnte es sein, dass Menschen von Natur aus dumm sind und wir eigentlich nicht unsere Intelligenz messen, sondern nur Potentiale zwischen den Menschen, n√§mlich ihre Dummheit. Das hei√üt, wir geben den Wert f√ľr die Intelligenz immer nur relativ zur Durchschnittsbl√∂dheit an.

Nun aber genug mit dem Menschheitsbashing. Kommen wir zur Frage: Was testen denn nun Intelligenztests?

Was Intelligenztests messen – Zum Problem der Mustererfassung

Was testen Intelligenztests? Nun Intelligenztests messen, was Intelligenztests messen. So kommentieren es zumeist Menschen, die ihr Ressentiment nicht z√ľgeln k√∂nnen. Sie haben einen Argwohn auf Menschen, die besser sind und machen die Ergebnisse von Intelligenztests schlecht. Im Bild-Intelligenztest (der wahrlich nur von Bildlesern gemacht werden sollte) kommentiert dann zum Beispiel ein Nutzer:

Ich habe mein Vermögen ohne Abi und Studium gemacht. Bin ich jetzt blöder als ein Professor? Ist mir eigentlich wurscht. Lieber ein reicher Blöder als ein armer Akademiker. Es lebe der gesunde Menschenverstand. (Quelle: Bild)

Ganz kurz: Ja, der Herr ist bl√∂der als ein Professor. Was der Kommentar aber demonstriert, ist dass unsere Gesellschaft wie eine Lotterie funktioniert und dies mag gar f√ľr akademische Bereiche gelten. In der Regel interessieren uns nicht die Intelligenten, sondern die Erfolgreichen. Erfolgreich ist aber nur jemand, der sich durchsetzt und nicht unbedingt jemand, der intelligent ist. Unter Umst√§nden bekommen die Erfolgreichen ihren Erfolg auch durch das Geburtsgl√ľck zugesprochen. Wir m√ľssen schon in einer ersten Welt geboren sein, um aufsteigen zu d√ľrfen oder besser gesagt, die Klasse halten zu d√ľrfen.

Univers flammarion 1888 nach Fabris

Der Griff nach der Wirklichkeit, By Sergio Fabris (Own work), CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Aber nochmal: Was testen dann Intelligenztests, wenn sie keine Aussage √ľber Erfolg machen? Die Antwort ist schlicht: Intelligenztests testen die F√§higkeit Muster zu erkennen.

Ist es uns aber eine Hilfe Muster zu erkennen? Offenbar nicht, denn es f√ľhrt nicht unbedingt zum Erfolg oder es ist keine notwendige Voraussetzung f√ľr Erfolgt. Somit stellt sich die Frage: Ist die Welt vielleicht so komplex, dass es keine Muster gibt und diese Muster nur eine Vorstellung unseres begrenzten Verstandes sind? Wenn dies der Fall ist, dann w√ľrde es keinen Sinn ergeben, Muster zu erforschen, Muster in der Natur zu suchen. Hiermit w√§re begr√ľndet, warum intelligente Menschen nicht notwendig erfolgreich sind. Das vollendete Wissen w√§re dann schlicht eine Kopie der Welt und kein Muster, das Zusammenh√§nge erkl√§rt.

Doch wir k√∂nnen auch den entgegengesetzten Fall annehmen: Die Welt ist vielleicht in ihren kleinsten Teile nicht qualitativ verschieden. Das hei√üt, es gibt vielleicht Dinge, die √ľberall gleich sind, so dass sich die Welt doch als das Quantative, als Zahlband finden l√§sst. Dann w√§re die Welt doch in allen ihren Teilen essentiell eine Welt und genau hier w√§re Intelligenz angemessen. Es g√§be etwas, das die Welt essentiell zusammenhalten w√ľrde und somit w√§re die Welt mit der Intelligenz, n√§mlich in Mustern erfassbar. Dann aber hie√üe es, dass Welterkennende vielleicht nicht unbedingt an Erfolg interessiert sind und genau hier lebt der gesunde Menschenverstand.

Home in Relation to Everything

Das wohlgeordnete, weil wohlverstandene Universum By Roland Winkler, Leibnitz Institution of Astrophysics, Potsdam CC-BY-SA-3.0, via wikicommons

Zum Problem der Komplexität

Um das Problem der Komplexit√§t der Muster zu illustrieren, vergleichen wir es mit einem Schachspiel: Ich k√∂nnte anfangen alle Er√∂ffnungen und Weisen des Schachspiels zu systematisieren, allerdings w√ľrde ich bald so viel aufgeschrieben haben, dass ich Probleme h√§tte diese Liste zu √ľberblicken. Ich h√§tte eine unglaublich lange Liste an Z√ľgen und mein Gegner m√ľsste lange warten, bis ich ich meinen Zug finde (da kann ich auch gleich selber denken).

Wir wissen im Grund nicht viel √ľber das Schachspiel, aber vielleicht ist das Schachspiel gar so komplex, dass jede Regel eine Ausnahme in sich w√§re? H√§tte ich dann eine Liste aller Er√∂ffnungsz√ľge, dann w√§re ich ebenso verloren vor dieser Liste wie vor dem Schachbrett. Ich m√ľsste genauso lange wie vor dem Schachbrett den richtigen Zug, so den richtigen Zug in dieser Liste suchen.

Aber halt vielleicht gibt es Muster im Schachspiel. Dann kommt es letztlich darauf an, Muster zu suchen und auch Muster f√ľr Muster zu finden.

Wir können daher schließen: Intelligenz heißt womöglich, Muster zu erfassen und dies ist unsere Hoffnung auf Erkenntnis. Bisher sind wir damit ganz gut durch die Menschheitsgeschichte gefahren und auch wenn wir nicht wissen, was die Welt im innersten zusammenhält, so können wir uns hin und wieder an der Schönheit von gelegentlich auftretenden Muster ergötzen. Die Hoffnung ist, dass das gesammelte Wissen der Menschheit nicht aus Fakten besteht, sondern aus der Kenntnis von Mustern.

Wenn dies alles nun gilt, dann sollte es möglich sein nach diesem Intelligenzbegriff die intelligentesten Menschen aller Zeiten zu bestimmen. Dann wäre nämlich der intelligenteste Mensch aller Zeiten jemand, der darin besonders gut war, Muster zu erkennen. Hierbei geht es allerdings nicht um die simplen Muster von Intelligenztests, sondern um reichlich komplexere Muster.

Wer war also der intelligenteste Mensch aller Zeiten?

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007

Voila, der intelligenteste Mensch aller Zeiten, na, wenn man da als Deutscher nicht mal stolz sein darf (by Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (Public Domain))

Richtig, der Bildungsb√ľrger springt von seinem B√ľrostuhl und ruft: „Dit war der Joethe!“ Nun nach historischer Forschung, wobei eben jene Erfolge in der Mustererkennung einbezogen worden sind, sei es der gute, alte Goethe gewesen, der dank der Tatsache, dass er auf allen Hochzeiten tanzte, glatt mit einem IQ von 210 nach Hause ging. Goethe, ja er hat den Zwischenkieferknochen entdeckt, einen Farbkreis gemalt und in seiner Freizeit Gedichte geschrieben. Wir lernen, wer sich universal √ľberall einmischt hat gute Chancen in der Geschichte eine Nummer zu bekommen. Schauen wir uns aber die Tabelle der intelligentesten Allesk√∂nner an:

Historische Person Intelligenzquotient… Flynn-Effekt
Goethe 210 188
Leibniz 205 183
Grotius 200 178
Pascal 195 173
Sarpi 195 173
Arnauld 190 168
Berkeley 190 168
Laplace 190 168
Melanchthon 190 168
Newton 190 168
Schelling 190 168
Voltaire 190 168
Comte 185 163
Galileo 185 163
Humboldt, A. 185 163
da Vinci 180 158
Descartes 180 158
Dickens 180 158
Hume 180 158
Liebig 180 158
Michelangelo 180 158
Mill, J.S. 180 158
Milton 180 158
Calvin 175 153
Humboldt W. 175 153
Kant 175 153
Kepler 175 153
Spinoza 175 153
Dumas, A. 170 148
Faraday 170 148
Fichte 170 148

Quelle: http://www.die-besten-nennen.de/sites/texte/text3.htm#Liste 2 bei dem zweiten Wert handelt es sich um die Korrektur nach dem Flynneffekt

Goethe.elefant.schaedel2

Hier versteckt sich irgendwo der Zwischenkieferknochen (by Johann David Schubert Public domain Wikimedia Commons

Zugegeben wom√∂glich h√§tte Goethe √ľberhaupt nicht diesen H√∂chstwert in einem standardisierten Test erreicht. Anders als wir den tats√§chlichen IQ messen, handelt es sich doch hier um die Beimischung von Leistung in die Wertung. Aber ungeachtet dessen, k√∂nnen wir ablesen: Wer sich den gesamten Tag mit Mustern besch√§ftigt, der ist irgendwann auf Muster geeicht. Diese Prinzip gilt nat√ľrlich f√ľr alle Besch√§ftigungen, die wir erlernen wollen. Das hei√üt, wenn wir etwas lernen wollen, dann m√ľssen wir nach Mustern suchen.+

In diesem Sinne habe ich f√ľr mich eine neue Tagesaufgabe gebastelt: Es geht darum Muster zu erkennen und diese einmal am Tag aufzuschreiben, solange bis Mustererkennung ein t√§gliches Gesch√§ft ist und sich die Intelligenz wie beim juten Joethe steigert.

Dies ist ein weiter Weg, denn was hei√üt es nun, ein Genie in der Mustererkennung zu sein?Vergleichen wir daher abschlie√üend die Intelligenz der Supermenschen mit unserer. Wie machen wir das? Nehmen wir den Abstand von einem geistig Behinderten (das mag politisch inkorrekt formuliert sein und ich bitte dies zu entschuldigen) zum Durchschnittsabiturienten (der ist ja in der Regel schwer alkoholgesch√§digt und damit auch nicht der Hellste), so haben wir schon ein Ma√ü. Dies sollten ungef√§hr 40 Punkte von 70 zu 110 sein. Jetzt denken wir mal √ľber die 85 Punkte Abstand zu Goethe nach. Gut oder? F√ľr Goethe sind wir schwer geistig behindert. Schaut Goethe in die Welt und erkennt er all ihre Muster, so schaut Goethe auch auf uns und dann schauen wir ziemlich dumm aus der W√§sche.

Goethe, Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, 1809

Wer nen Farbkreis malen kann, der kann doch nicht doof sein (By Luestling at de.wikipedia Public domainWikimedia Commons

Zusammenfassung

Wir haben uns also bewusst gemacht, dass wir ganz sch√∂n dumm sind. Nach dieser ermutigenden Lektion haben wir den Grundstein gelegt, um zu verstehen, was Intelligenz sein k√∂nnte. Wir haben festgestellt, dass es um Mustererkennung geht. Wir haben uns demnach einer historischen Liste an Pers√∂nlichkeiten gewidmet, die diesen Umstand ber√ľcksichtigt. Wenn es also um eine allgemeine Intelligenzsteigerung gehen soll, so m√ľssen wir im Mindesten lernen, Muster zu erkennen. Wie k√∂nnen wir dies schlussendlich erreichen? Nun darum geht es unter anderem auch in meinem Blog, deswegen k√∂nnt ihr diesen gerne abonnieren. Ein Patentrezept habe ich nat√ľrlich nicht, aber im Gro√üen und Ganzen geht es in diesem Blog um die Fragen, der Intelligenz sowie um das Lernen.

Einen Hinweis zum Erlenen der Mustererkennung gibt jedoch eine Kurzanalyse des Physikers Feynman, was ich demn√§chst auf meinem popularphilosophischen Blog „Entgrenzen“ vorstellen werde. Ansonsten werde ich in den n√§chsten Tagen, noch ein paar Daten zu den intelligentesten, lebenden Menschen bereit stellen (die sind ganz witzig).

In diesem Sinne w√§re es nett, wenn ihr mir Feedback gebt, um genauer zu verstehen, worauf ich mein Augenmerk eigentlich noch richten muss. Wenn ihr mir weiter folgen wollt, dann added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine ‚Äúgewaltig interessante‚Ä̬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt.

Norman Schultz

Pittsburgh 2013

Auf das wir dann alle, irgendwann wie ein Dr. Faustus √ľber das innerste Muster der Welt nachgr√ľbeln
Jean Paul Laurens - Dr. Fausto
Veröffentlicht unter Genie, Intelligenz steigern | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

S√ľddeutsche IQ Test unzuverl√§ssig – √úberlegungen zum Intelligenz steigern

Zum Thema „Intelligenz steigern“ durchforste ich ja im Moment diverse IQ-Tests im Internet. Hierbei bin ich nat√ľrlich auch nicht um den IQ-Test der S√ľddeutschen herum gekommen. Obwohl dieser Test, doch einige interessante Aufgaben vorgibt, erscheint am Ende das Ergebnis doch sehr fragw√ľrdig.¬†Wie an meinem Ergebnis zu sehen ist, habe ich in vier Bereichen jeweils einen Fehler und in zwei Bereichen keinen Fehler gemacht. Diese Leistung bel√§uft sich dann auf einen IQ von 130, was ca. 2 Prozent der Spitzengruppe entsprechen sollte.

Das hei√üt, ich bin knapp am Mensa-Kriterium vorgeschrammt, da der Test mit einer Standardabweichung von 16 verf√§hrt. Standardabweichung 16 hei√üt hier unter anderem, dass der Test mit zwei Standardabweichungen vom Durchschnittswert eine Hochbegabung „diagnostiziert“. Bei einem Durchschnitt von 100 ist der Wert also 132. Aufgrund der verschieden verwendeten Standardabweichungen l√§sst sich im √úbrigen auch erkl√§ren, warum die Amerikaner zumeist andere und zwar viel h√∂here IQs angeben. Es lohnt sich in diesen F√§llen die Standardabweichung zu erfragen. Was hei√üt es nun zum Beispiel, dass¬†Sharon Stone einen IQ von 154 ihr eigen nennt oder Madonna sich mit lockeren 140 schm√ľckt? Ohne das Wissen √ľber die Standardabweichungen bringt dies nicht viel. Und derweil ist wohl auch bekannt, dass Stone eher ein Fake als eine Intelligenzbestie ist.¬†

Aber nicht nur das. Zu dem ganzen IQ-Labyrinth kommt, dass einige Werte angeben, die im Kindesalter bestimmt worden sind, wobei dann der Wert aber entsprechend nach oben korrigiert wird. So kommt es zum Beispiel vor allem in Gro√übritianien sehr h√§ufig vor, dass Mensa dreij√§hrige Kleinkinder in den Club der geistig Sch√∂nen aufnimmt, die angeblich einen IQ von 159 oder gar 162 h√§tten. In den entsprechenden Redaktionen von immerhin Spiegel und Stern wundert sich allerdings niemand √ľber diese Ergebnisse und liefert diese einfach an uns ohne kritische R√ľckfragen.

So ist es wohl auch im Fall von Marylin Vos Savant zu erklären, dass der Test, den sie mit angeblich 10 Jahren abgelegt hatte, so extrapoliert wurde, dass sie vier Jahre im Guinessbuch als intelligentester Mensch der Welt stehen konnte. Doch die angeblichen 225 Punkte kamen nur zu Stande, weil Vos Savant bei der Berechnung reichlich geschummelt hatte. Und seien wir ehrlich, warum sollte die Leistung einer Dreijährigen, die einen Test von vielleicht 130 IQ-Punkten ablegt, mit einem Erwachsenen auf dem Niveau von 220 vergleichbar sein?

Gleich aber nun welche Standardabweichung der Test der S√ľddeutschen verwendet, auch gleich welches Alter der Test ber√ľcksichtig, die Zuverl√§ssigkeit des Tests ist wie bei so vielen Internettests stark anzuzweifeln. Und wenn selbst Matthias Moel, Mitglied bei Mensa bezweifelt, dass Mensa Mitglieder alle Aufgaben richtig l√∂sen w√ľrden, dann ist der Test wohl eher nicht ernst zu nehmen. Kommen wir daher zu den Fehlerquellen

Fehlerquellen des IQ-Tests der S√ľddeutschen

1. Schlechter Range, nur vier Fehler entscheiden √ľber Genie oder nicht Genie Die vier Fehler, die ich gemacht habe, m√ľssten sich ja in diesem Test auf den Bereich bis 150 verteilen, das hei√üt, h√§tte ich zum Beispiel zwei Fehler weniger gemacht, w√§re ich bei 140. Dass dies tats√§chlich der Fall ist, erscheint mir im Hinblick auf das schludrige Testdesign wahrscheinlich. Da es sich bei mir tats√§chlich um minimale Fehler handelte, w√§re ich also fast in den Geniestatus geadelt worden. Zugleich fragt sich daher aber auch, welche Abst√ľrze zus√§tzliche minimale Rechenfehler gebracht h√§tten. Wie schnell w√§re ich also an einer 130 vorbeigeschrammt und im Tal der Geistverlassenen gelandet? Ber√ľcksichtigen wir diese √úberlegungen, so ist die Messgenauigkeit des S√ľddeutschen IQ-Tests doch stark vom Zufall abh√§ngig. Nun will ich keinesfalls behaupten, dass ich einen h√∂heren IQ verdient h√§tte, allerdings f√ľhrt dieses Ergebnis schlicht in die Irre und d√ľrfte andere durchweg frustrieren, insofern sie eigentlich in die Hochebene des Mensa-Vereins geh√∂ren. Selbst wenn die Skalierung im Hinblick auf die Standardabweichung stimmen sollte, so sollte doch ein solcher Test einen weiteren Range haben. Von 80 Aufgaben sollte bereits die Beantwortung von mindestens 80 Prozent den Bereich ab 130 abdecken, um bis zu dem Bereich 150 √ľberhaupt noch eine Skalierung zu erm√∂glichen. Ich kenne gar Tests, wo eine Beantwortung von knapp 50 Prozent daf√ľr ausreichen. Daher ist momentan die Wahrscheinlichkeit, dass der Test IQ-Freaks ebenso leicht durch simple Fehlklicks oder kleinere Rechenfehler in falsche Bereiche eingemisst.

2. Keine Steigerung des Schwierigkeitsgrades

Hinzu kommt nun auch, dass sich der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben nicht sonderlich unterscheidet. Der Test misst meines Erachtens eher Genauigkeit und Geschwindigkeit. Obwohl diese Kriterien nicht zu vernachl√§ssigen sind, m√ľsste der Test schlicht Fragen aufbringen, die andere Schwierigkeitsgrade ausweisen und daf√ľr einen weiteren Range erlauben.¬†So macht auch¬†James Flynn darauf aufmerksam, dass ein guter Intelligenztest eben jenen Anstieg der Schwierigkeitsgrade aufweisen muss. W√ľrden wir zum Beispiel alle messen, wie gut wir uns die Schuhe binden k√∂nnen, w√ľrden wir wom√∂glich alle recht √§hnliche Werte aufweisen. Genau hier befindet sich also die Grenze des Tests:¬†Die Zahlenreihen sind beispielsweise stets nach gleichem Prinzip gebaut, wobei es immer nur darum geht eine Reihe von wechselnden Operationen zu wiederholen. Die Logikaufgaben folgen simplen Ausschlussverfahren und der Sudokutest gibt ge√ľbten Sudokuspielern einen klaren Vorteil.¬†Die immer gleichen Prinzipien, sprechen jedenfalls nicht f√ľr Fragen der Intelligenz, sondern stehen f√ľr √úbung.

3. Eventuelle Messfehler?

Wie sich auch schon in einigen Forendiskussionen √ľber den S√ľddeutschen-IQ-Test zeigt (wo sich √ľbrigens irgendwie nur 140 IQler tummeln), ist der Test der S√ľddeutschen nicht zuverl√§ssig. Viele vergleichen dabei andere Ergebnisse mit dem Test und kommen zu enormen Abweichungen. Dies mag durch verschiedene Faktoren beg√ľnstigt sein: Zum Ersten wei√ü ich nicht genau, ob der Test eigens geeicht worden ist oder ob er im Hinblick auf die bisherigen Testteilnehmer bestimmt wird. Sollte dieses der Fall sein, so muss davon ausgegangen werden, dass eher die intelligentere Klientel den IQ-Test getestet hat, so dass eine Verzerrung nach unten stattfindet. Das hei√üt, wenn im Durchschnitt, die Teilnehmer IQ-Kanonen von 110 sind, dann ist die 110 das neue 100. Hinzukommt, dass somit auch eine Mehrfachabsolvierung des Tests durch die Teilnehmer im Internet keine Seltenheit ist, um zum Beispiel eventuellen Abweichungen zu verfolgen und die Skalierung zu verstehen. Der Test wird also durch mehr Teilnehmer keineswegs reliabler, sondern immer ungenauer.

Persönliche Notiz und Intelligenz steigern

Zu meinen bisherigen Testungen muss ich hinzuf√ľgen, dass ich immer einen Bereich von 125 – 135 erreicht habe (Das gilt in einigen IQ-Kreisen wie zum Beispiel der Tripple Nine Society¬†noch als ziemlich bl√∂d). Als ich eine Klasse in der Schule dankenswerter Weise wiederholen durfte, wurde dieses amtlich wie eine Krankheit bescheinigt. Ich sollte also eigentlich zufrieden mit dem Test sein, doch f√ľr eine Mensa-Aufnahme, die ich gerne anstreben m√∂chte, sollte es f√ľr mich sehr knapp werden. Allerdings haben Kiril (Dirigent in T√ľbingen) und ich beschlossen uns langfristig darauf vorzubereiten. Intelligenz zu steigern stellt sich im Hinblick solcher Tests nicht als das Problem heraus. Der sogenannte G-Faktor, wie auch der Psychologe Flynn diese Ansicht vertritt, l√§sst sich durchaus trainieren.

Intelligenzsteigerung notwendig?

Es ist fragw√ľrdig wie wir allerdings eine solche Intelligenzsteigerung bewerten sollen, vielleicht √ľben wir dabei vor allem solche Tests gut zu absolvieren. Rick Rosner zum Beispiel, der momentan auf Platz 2 mit einem IQ von 192 rangiert, gibt selbst an teilweise 20 Stunden Intelligenztests zu absolvieren, um wieder Platz 1 einzunehmen. Wenn ich mir dann von dieser Liste die geistigen Resultate anderer IQ-Heroen anschaue, dann komme ich schon ins Gr√ľbeln. Ich glaube, dass wir bei der Intelligenzsteigerung im Hinblick auf IQ-Tests ab einem bestimmten Punkt nur noch das L√∂sen dieser Aufgaben trainieren. Ich kann nat√ľrlich dabei nicht leugnen, dass mir das permanente L√∂sen solcher Aufgaben viel Freude bereitet, wobei mir im Doktorstudium eher wenige solcher Denkleistungen abverlangt werden, dennoch mag ab einem bestimmten Punkt dieses Spiel wie das Bauen von Intelligenzsandburgen sein und hat abgesehen vom k√ľnstlerischen Wert des R√§tselns selbst wenig mit unserer Gesellschaft gemein. So ist zum Beispiel bemerkenswert, das¬†Physik-Nobelpreistr√§ger¬†Richard Feynman¬†auf der High School einen IQ von 125 erreichte (Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Overachiever).[3]¬†Selbst ein Physikgenie braucht also nur die Grundausstattung. Dabei hei√üt es ja auch so sch√∂n, bei bestimmten Reisezielen sei es beinah egal, ob wir mit einem Ferrari oder einem VW fahren, denn in der wirklichen Welt sei nur die Kontinuit√§t des Denkens wichtig.

Nachdem also Feynman den Nobelpreis gewann, bot ihm Mensa dann doch eine Mitgliedschaft an. Feynman lehnte das Angebot des Hochbegabtenvereins ab, schließlich hatte er das Aufnahmekriterium von mindestens 2 Standardabweichungen nicht erreicht. 

Weitere IQ-Tests

Wer weiter IQ-Tests trainieren möchte (und Denken kann ja zur Abwechslung nicht schlecht sein) so sind hier noch ein paar zu finden.

IQ-Test.dk

Einen meines Erachtens ganz guten IQ-Test liefert http://www.iqtest.de/test.php, wobei die Aufgabenschwierigkeiten schon stark steigen und die Lösungen nicht veröffentlicht werden. Zudem wurde dieser Test angeblich an 250.000 Personen geeicht. Zugegeben das hört sich eigentlich sehr teuer an und hört sich aus diesem Grund wieder nach einer unangenehmen Interneteichung an. Genauere Angaben sind hierzu allerdings nicht zu finden und mir erscheint der Test plausibel. Hier mein Ergebnis:

 

 

IQ-Out

Dieser Test ist wohl vom Schwierigkeitsgrad her am schwersten.¬†Angeblich solle dieser auch in hohe Bereiche gut hineinmessen und wurde so erstellt, dass er kulturneutral sei. Ich muss zugeben, dass ich diesen Test zusammen mit Kiril viel ge√ľbt habe,¬†um folgendes Ergebnis zu erzielen. Auch hier dachten die Testingenieure wohl, dass eine internetbasierte Auswertung den tats√§chlichen IQ abbilden w√ľrde, allerdings haben sich die Autoren vertan, denn allein der Fakt, dass Kiril und ich diesen Test mindestens 20 mal gemacht haben, zeigt, dass wohl auch andere den Test nicht nur einmal machten und ihre Ergebnisse konstant gesteigert haben. Ich erachte den Test gar als gutes Training, dass man sich ab und an mal g√∂nnen sollte. Verschiebungen sind daher zu erwarten. Und nochmal: IQ-Tests, die aufgrund des Internets geeicht werden, sind daher nicht zuverl√§ssig. Wer bei diesem Internettest allerdings auf Anhieb einen IQ von 150 erreicht, darf sich wohl als Genie feiern, denn der Test ist meines Erachtens wirklich schwierig.

¬†¬†Mich w√ľrde mal interessieren, was ihr so auf Anhieb erreicht, ich war wohl irgendwie bei 120, was nicht dolle ist.

Intelligenz bei Bild

So¬†und wer nun noch einen Test f√ľr Bl√∂de machen will, wo der IQ eher sich nach unten verzerrt, weil es eher von IQ-Kanonen um die 90 absolviert wird, der kann auch gerne bei der Bildzeitung reinschnuppern. Wer dort gut ist, kriegt dann auch die der IQ-Erwartung entsprechende Messgenauigkeit. Mir sagte der Test n√§mlich: „Sie sind wirklich schlau.“ Donnerwetter, das h√§tte ich nicht gedacht.

 

Ich hoffe der Artikel regte zum Nachdenken und Trainieren an und hat einige interessante Informationen zusammengetragen, wenn ja dann bitte teilen oder kommentieren. Mich w√ľrden ja mal die Ergebnisse, die ihr erzielt interessieren. Ansonsten werde ich die n√§chsten Tage noch einen anderen Artikel auf meinem anderen Blog zum Thema Intelligenzquotient und den intelligentesten Menschen der Welt zusammen stellen. Added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine ‚Äúgewaltig interessante‚Ä̬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt. Norman Schultz Pittsburgh 2013

Veröffentlicht unter Intelligenz steigern | Verschlagwortet mit | 18 Kommentare

Zur transhumanistischen Gehirneroberung – Warum Schulen kein Wissen, sondern Gehorchen lehren

In rum√§nischen Klassenzimmern wachte das magische Auge Big Brothers und pl√∂tzlich fielen¬†50 Prozent der Sch√ľler durch das Abitur. Ein Schummlerschurkenstaat von dem Obama die E-mails checken muss? Da f√ľhlten wir uns doch bei¬†dem angeblichen Schummelvolk der Rum√§nen, die mit einer Bettelmafia deutsche St√§dte betr√ľgen, gleich √ľberlegen, doch schon hie√ü es, dass bei den Deutschen gar¬†vier von f√ľnf Studenten¬†schummeln. (Titelbildnachweis:¬†Viktor Angerer [Public domain], via Wikimedia Commons)

Weil wir nun die menschliche Natur so gut kannten, glaubten wir, dass das Schummeln nicht nur zu den Rum√§nen oder zu uns Deutschen geh√∂re, sondern eben zur menschlichen Natur. Doch der naturalistischen Biolehrer-Attit√ľde lie√ü sich ein Experiment aus Oxford entgegensetzen: Dort hatten Probanden die Chance 15 Euro im Telefoninterview zu gewinnen, wenn sie bei sich im stillen K√§mmerlein Zahl werfen w√ľrden. Nach Angabe der Forscher schummelte kaum jemand bei diesem¬†unkontrollierbaren M√ľnzwurf.¬†

Aus diesem Grund m√ľssen wir das Ph√§nomen des Schummelns wohl eher durch die Sozialstruktur der Schule erkl√§ren als durch die menschliche Natur.

Georges de La Tour - Cheater with the Ace of Diamonds - WGA12334

Der Reiz des Schummelns - Bild de La Tour Public Domain

Der miese Schummler im Umkreis der Heldengeschichten und sein Wunsch nach Biographie

Seitdem Politiker ihren Doktorhut nehmen m√ľssen, machen wir den neuen Schurken im Staat aus: Der Schummler ist ein Saboteur, der Anschl√§ge auf unsere Lebenslaufverwaltung durchf√ľhrt. Der Ertrag dieses „Kriminellen“ ist nicht mehr das direkte Produkt. Er will keine Nahrung, keine Lust, kein reales Prestigeobjekt. Ihn interessiert auch nicht das indirekte Produkt, ein abstraktes Zahlungsmittel. Das Ziel des Schummlers ist das Zahlungsmittel f√ľr das Zahlungsmittel: Biographie. Dieser doch komplizierte, ethische Wunsch ein geordnetes, gutes Leben vor anderen zu beweisen, deutet darauf, dass der Schummler eher Resultat sozialer Umst√§nde als Natur des real existierenden B√∂sen ist. Gerade in unseren Sozialstrukturen √ľberh√∂hen wir Biografien, die wir dann in Buchhandlungen wie die Geschichten von antiken Heroen ergattern. Zumeist geht es in diesen Biografien um den Ethos: Arbeit und Zeit, die sich zu einem unverr√ľckbaren Fels der Leistung zusammenballen. Der Schummler erliegt dem Zwang, moderne Heldengeschichten nachzuschreiben. Er will zwar ethisch, aber das ohne Kosten sein.

Lew Cody The Beloved Cheater 1 Film Daily 1919

Die richtige Biografie: Public domain

Notiz zu Biographien: Mit der Kunst des Weglassens schreiben diese ihr Leben. Bedeutungsloses, die best√§ndige Wiederholung unserer dr√∂gen Existenz im Alltag, f√§llt unter den Tisch. Die Stunden des einsamen √úbens, die Grundlage f√ľr jede F√§higkeit sind, verschwinden hinter den Grenzleistungen stilisierter Biografien. Biografien versammeln so die Spitzen eines Lebens und sind dadurch au√üergew√∂hnlich. Es hei√üt, alles √úberfl√ľssige herauszudestillieren und nur die Brillanz des genialen Momentes in den Vordergrund zu r√ľcken.

Den Schummler zwingt diese verzerrte Perspektive nach der Abk√ľrzung zu suchen und konkret an dem Leben, das ein Buch werden soll, mitzuwirken. Im Abitur schreibt er dann an seiner bisher einzigen Wegmarke im Lebenslauf. 19 Jahre seines Lebens passierte nichts Nennenswertes. Nach der Schule aber soll sich die Biografie wenigstens einmal verwandeln. Dieser Moment ist der Moment des Autors.

Die Schule und ihr Parasit

Der Schummler aber hat sein Heim in der Schule. Dort haust er als Parasit in einer Erziehungsanstalten, die eigentlich genau das Gegenteil seiner Art hervorbringen sollen: Eine ungesch√∂nte, authentische Biografie, ein ethisches Individuum. Bei diesen Biographiepoolen der legitimen Selektion handelt es sich um Makler von linearen Lebensl√§ufen.¬†Gekonnte Selektion, die suggeriert, dass die Leistung in der Schule des Einzelnen √ľber den schn√∂rkellosen Lebensweg entscheidet, wo angeblich die Bl√ľmchen und Ethiken am Wegesrand wachsen. Die Zertifikate sollen daher unverk√§ufliche Statussymbole sein, die gegen kein Geld der Welt, sondern nur durch den Respekt vor der Institution erworben werden d√ľrfen. Nur der Wille zur Leistung in solchen Institutionen rechtfertigt den sp√§teren Aufstieg im Sozialsystem, rechtfertigt den Fels einer Biografie, die mit der ersten gro√üen Reifeleistung f√ľr das System beginnen soll.

Schulen und Universit√§ten sollen so angeblich die Bildung des Menschen bewirken, als w√ľrden sie aus dem rohen Stein des menschlichen Wusts an Erlebnissen die Statue des richtigen Lebens herausschlagen. Sie sollen den Keim von Lebensl√§ufen bilden, Lebensl√§ufen, die sich der Reifung und Selbstentfaltung des Gehirns verschrieben haben. Es sind Gehirnpr√§gewerke f√ľr postmoderne Leistungsbef√ľrworter, wobei die Leistung darin besteht, das Gehirn gem√§√ü bestimmter Vorgaben ver√§ndern und entfalten zu wollen.

Decreased Brain Volume from Lead Exposure

Die Eroberung des Gehirns, Bild: By Cecil KM, Brubaker CJ, Adler CM, Dietrich KN, Altaye M, et al. CC-BY-3.0 Wikimedia

Mit dem produktiven Schuldruck des Eins-Komma-Abis s√§en wir dann diese Biografiesamen in die Gesellschaft. Angesichts aber dieser Zielstellung des Gehirnpr√§gens haben unsere Anstalten vielleicht weniger mit Bildung, als vielmehr mit der Pr√§gekraft f√ľr Leistungsb√ľrger zu tun. Schulen sind wom√∂glich eher die Zulassungsstellen f√ľr Teilnehmer im Verkehrssystem anerkannter Biografien. Wenn nun Schulen, so wie es √ľberall angeprangert wird, daher weniger mit Wissen zu tun haben, dann ist es auch an der Zeit diese restlichen Funktionen genauer zu bestimmen. Vielleicht √ľbersch√§tzen wir den Wert der Bildung und untersch√§tzen den Wert der Geradlinigkeit f√ľr unser System. Vielleicht soll Schule so im Verborgenen unseres funktionierenden Systems eine Zulassungsstelle f√ľr Biografien sein, die sich mit diesem System wie Zahnr√§der verzahnen lassen. Denn so ist es doch in unserer Biographie-Gesellschaft: Es treffen sich nicht mehr zwei Menschen, sondern divers Zertifizierte, die sich auf dieser Grundlage ihre Leistungsbereitschaft abkaufen, und dies ohne die Leistung des anderen kennen zu m√ľssen.

Der versteckte Lehrplan tat f√ľr dieses Vertrauen in die Zertifikate sein √úbriges. Das Stillsitzen, das Schweigen, das Stillen des Lebenstriebes, die Unterdr√ľckung des Ausbruchs, die Erniedrigung vor den Regeln, die Regelbef√ľrwortung, f√ľr all das bekommen wir unser Zertifikat und erlangen unsere Glaubw√ľrdigkeit vor anderen. Wir werden berechenbar. Doch leisten wir?

Schulleister bringen keine tats√§chlichen Leistungen mit nach Hause. Einziges Produkt sind sie selbst als Unterdr√ľckte, gradlinige Biografien. Sie sollen als wohlstrukturierte Leistungsb√ľrger die Schule verlassen. Ohne jegliches Interesse am Stoff sind sie kapitalistisch uninteressiert, jederzeit bereit, das Gehirn auf neue Aufgaben einzustellen.

Wir m√ľssen also die Frage stellen, was wir tats√§chlich in den Institutionen erwerben. Wie ist es zum Beispiel m√∂glich, dass sich Menschen als Arzt durchschummeln, die niemals eine Universit√§t besucht haben oder Piloten werden, obwohl sie keine Ausbildung besitzen? Es erscheint im Hinblick darauf eher so, dass die eigentliche T√§tigkeit schneller erworben werden kann, als unsere Institutionen es uns vorgaukeln. Stattdessen verwenden Bildungsinstitutionen eher einen bedeutenden Teil ihres Unterrichts auf die Disziplinierungsverfahren.

Was ist Leistung in der Schule?

Was leisten wir also wirklich in Schulen? Schon ein Blick auf die tats√§chlich erbrachte Leistung macht deutlich, dass Schulen wenig mit Arbeit gemein haben. Sch√ľler haben wohl noch niemals in einer Klassenarbeit tats√§chliches Wissen hervorgebracht. Da die Abiturarbeiten ein paar Jahrzehnte archiviert und dann heimlich ohne Pomp der M√ľllverbrennung √ľbergeben werden, l√§sst sich darauf schlie√üen, dass wir hier nicht die Sch√§tze der Menschheit verschwenden. Es hat den Anschein als w√ľrden wir das Abitur nur nicht gleich verbrennen, weil sich der miese Schummler unter unserem Menschengeschlecht herumtreibt und wir uns die Macht der Kontrolle bewahren. Vielleicht aber archivieren wir auch die schulische Leistungen, um uns selbst die Idee zu heucheln, dass der Gro√üteil unserer Schulleistung kein M√ľll gewesen w√§re. Erst wenn wir Arbeiten sogleich verbrennen, erkennen wir, dass sie wertlos waren. Wer also ist f√ľr die Aufbewahrung von Abiturarbeiten?

Am¬†Hans-Gr√ľninger-Gymnasium in Markgr√∂ningen ist man daher konsequenter. Dort ziehen die Sch√ľler seit 1975 in einem Trauermarsch durch die Stra√üen, um die wertlosen¬†Resultate ihrer Schulzeit zu verbrennen. Dieses sind Trauerm√§rsche f√ľr verpasste Chancen. Man hat erkannt, dass die sinnlose Materialanh√§ufung zu gro√üen Teilen Besch√§ftigungstherapie innerhalb eines Selektionsverfahrens war.¬†Im Selektionsverfahren ging es niemals um das stoffliche, man selbst war nur der Rohstoff um den Verbrennungsmotor einer gr√∂√üeren Maschine.

Biographische Notiz: Tats√§chlich platzen auch meine Schr√§nke aus allen N√§hten, weil ich immer wieder dem Wahn unterliege, dass sich das angesammelte Wissen aus der Studienzeit, irgendwie doch noch verwerten lassen m√ľsste. Ich wei√ü sogar noch, wie ich beim Studium Hefter aus der sechsten Klasse aufhob, weil ich ja doch nochmal die Fledermaus studieren w√ľrde wollen. So wie sie unsere Biolehrerin Frau Weser und dann Frau F√ľssel damals unterrichtete (Wikipedia machte uns Archivaren einen Strich durch die Rechnung). Doch ich wei√ü immer noch nicht, was Korbbl√ľtler und Polypen sind. Die ganzen Kategorien der Tiere und Pflanzen, sie rauschten wie eine Autobahnlandschaft an mir vorbei und ich bestand Bio mit einer vier.

Aus dem Gesagten l√§sst sich schlie√üen: Es ist wohl eher so, dass viele zu erf√ľllende Arbeiten in der Schule sinnloser Verwaltungsballast sind und damit meine ich nicht die tats√§chliche Verwaltung, sondern das, was Sch√ľler an Stoff bew√§ltigen. Vielleicht sollen wir bei dem gesammelten M√ľll nur Herren einer Aktenlage werden, vielleicht sollen wir nur lernen, wie wir archivieren, wobei die Inhalte beinahe arbitr√§r nichts Wirkliches zu unseren Lebenspl√§nen und Lebensl√§ufen beitragen. Wenn die Kultusminister mit allem Ernst Lehrpl√§ne verhandeln, so merken sie vielleicht nicht, wie l√§cherlich die Vorschl√§ge der Stofff√ľlle sind, da sie nur den Stoff verhandeln, den wir letztlich in den M√ľll des Abiturs transkribieren. Sie verhandeln, was wir schlie√ülich nach Jahren der Lagerung verbrennen. Wo findet das wirkliche Lernen statt? Was macht es schlie√ülich, dass ich vier plus vier unausl√∂schlich in meinem Gehirn gespeichert habe? Und wo k√∂nnen wir wirklich etwas leisten? All das fragen wir nicht, Schulen sind daher nur an der Oberfl√§che relevant, tats√§chlich aber befinden wir uns in einer Disziplinierungsanstalt.

Fragen

Was haben wir wirklich gelernt? Listen wir auf: Das Einmaleins, Schreiben (Gutes Schreiben in 13 Jahren?), eine Fremdsprache (?). Fragen wir, wer hat uns das A beigebracht: War es der Lehrer, dessen Mund sich immer wieder formte, wenn dieses geheimnisvolle Schriftzeichen auftauchte? Oder war es vielleicht nur der Moment, als wir einsahen, einer Regel folgen zu m√ľssen?¬†Vielleicht lernen wir nicht den Stoff, sondern das Gehorchen.

Wir lernen zu gehorchen

So wie das Vorschulkind von seinen Eltern noch nicht weiß, dass es auf Fragen antworten muss, so lernt es zu antworten, wenn man es fragt. Jahrtausende jedoch lebten Menschen ohne das Machtspiel der Fragen. Die Schule hat es perfektioniert. Ich frage, du antwortest. Ich rede, du hörst zu.

Und so mag sich vielleicht kein Lehrer eingestehen, dass all die Vorbereitung am heimischen Schreibtisch, dass all seine Lebensleistung vielleicht schlicht verpufft und er nur Diener einer anderen Leistungsmoral war, dass er nur ein Machtspiel instituierte und das wirklich Gelernte viel geringer war, als er es sich immer w√ľnschte. So wie der Sklaventreiber Sklaven treibt; doch er treibt nicht nur Sklaven, sondern er baut an einer Pyramide; doch er baut nicht nur eine Pyramide, sondern in allem instituiert er eine andere Macht. Die Sklaven arbeiten nicht nur, sie bauen nicht nur eine Pyramide, sie best√§tigen die gesellschaftliche Macht, genauso h√§lt der Lehrer nur die Peitsche eines angeblich stofflich √ľberlegenen Wissens; genauso baut er an einer anderen Pyramide, einer Biographie, doch genauso bringt seine Wissenspeitsche eine ganz andere Gesellschaft hervor. All seine Versuche Wissen zu vermitteln sind letztlich auch die Z√ľge einer h√∂heren Disziplinierung. Sein angebliches Wissen ist Macht.

Einblick in meine gegenw√§rtige Besch√§ftigung: Unter der Peitsche lerne ich derzeit f√ľr die „Incomprehensive Exams“, ohne in irgendein Wissen zu produzieren. Wenn wir ohne Sinn und Verstand 15 B√ľcher der Philosophiegeschichte f√ľr einen 6-st√ľndigen Test beherrschen sollen, dann w√ľhle ich es wie den intellektuellen Dreck der Jahrhunderte in mich hinein. Da sind keine qualitativen Gedanken, die ich denke, sondern ich sortiere wie ein Leichenfledderer die Skelette der Vergangenheit. Hier sortiert einer Philosophien und reiht sie ohne Sinn und Verstand auf. So als w√ľrde der wirkliche Gedanke zwischen zwei Buchdeckeln gepresst sein und nicht in unserer Leistung des Denkens bestehen. Und so ist es mit den vernunftbegabten Individuen, die sich irgendwie aus dem Dreck der Verwaltungsaufgaben herausw√ľhlen m√ľssen und sich dann doch die Zeit zum Denken aus einer anderen Zeit heraus nehmen sollen. Wir schuften, aber wirkliche Arbeit verrichten wir nicht. Wir sind besinnungslos im eigentlichen Apparat der Gesellschaft.

Doch es ist nicht ganz richtig. Mittlerweile hebe ich die sinnlosen Mitschriften auf. Sie sind noch nicht gleich M√ľll. Damit ich meine Verwaltungsarbeiten schnell den Studenten im Unterricht „√ľbergeben“ kann, schreibe ich ordentlicher. Ein Beamter unterrichtet seinen Weg, nur damit einige Studenten es vielleicht aufheben und wir dieses „√úbergebene“ durch alle Zeiten √ľbergeben. Eine Stafette der sinnlos leuchtenden Gehirne, die sich einbilden, sie h√§tten Wissen erreicht, wenn andere es wiederholen.

Was also weisen Schulen nach?

Nun die Ausdrucksweise ist drastisch, aber die Tests der Schule entbehren nicht einer gewissen Sinnlosigkeit in Bezug auf ihr Resultat. Sind sie daher sinnvoll? Ein wichtiges Ziel ist wohl der Nachweis h√∂herer Anpassbarkeit, Selektion. Was Tiere unter realen Bedingungen erproben, haben wir in die Verwaltung unserer Sch√ľler und Studenten gezwungen. Dass Menschen sich einfinden, so dass Kameras ihre unerlaubten Blicke einfangen k√∂nnen, ist daher Resultat einer Anpassungsforderung. Der √úberlebensstress der Natur hei√üt nun Pr√ľfungsangst. Vor 500 Jahren war es wohl noch in vielen Gegenden Deutschlands unvorstellbar, sich in einem Klassenzimmer einzufinden, wo der Geist nun nichts anderes macht, als als sich selbst als anderen hervorzubringen. Heute aber sind wir schockiert, dass ein angepasster Leistungsb√ľrger¬†mit 0,7 Abi das Medizinstudium nicht beginnen darf? Wir haben die Rechte der Lernenden als fluides Ich-Gewebe gest√§rkt. Wir besitzen nun charakterlose Wissensstaubsauger, aber wir wissen nicht, was Wissen eigentlich ist. Aber auch bei der Frage, was Wissen sei verraten sich die meisten Bildungsb√ľrger.

Bildung m√ľsse nutzlos sein

In diesen Diskurs um die strikten Systeme mischt sich sogleich der Wahn, dass Bildung nutzlos sein m√ľsse. Einige Bildungsb√ľrger prangern die N√ľtzlichkeit eines Systems an, denn so hei√üt es, nur der Unnutz w√ľrde Wissen langfristig hervorbringen. Sie wollen also den Unnutz aus N√ľtzlichkeit. Auch all diese Bildungsreformer fallen daher auf die Versprechen unserer Gesellschaft herein. Wenn dann an den reformierten Schulen Wissen unterrichtet wird, dass tats√§chlich eine l√§ngere Halbwertszeit hat, weil es nutzlos ist, dann sind sie sich nicht bewusst, dass vielleicht auch die Resultate dieser Projekte schlichtweg verbrannt werden k√∂nnen. Wissen aber in unserer Bildung ist doch schon nutzlos.

Vitruvian

Zum Transhumanismus, die Vermessung des Menschen: Leonardo da Vinci Public domain


Auch sie also fesseln den Sch√ľler auf die Streckbank, die bald mit dem Neurenhancing die Strukturen aller Menschlichkeit zerreisen kann. Das Wissen ist ein unmenschlicher Imperativ, den Menschen selbst zu √ľberwinden. Eine Bildungsgesellschaft ist eine Gesellschaft, die ungl√ľcklich mit sich selbst ist und mit Optimismus auf eine bessere Zukunft lauert.

Die √Ėkonomie des ver√§nderten Menschen

Nachdem die Staaten also die Z√∂glinge in milit√§rische Riten gepresst hatten, hat die √Ėkonomie √ľbernommen und den Menschen nicht nur einmal ¬†ver√§ndert. L√§ngst pr√§gen wir nicht mehr den Soldaten oder den maschinentauglichen Proletarier. Der Anspruch sei heute lebenslanges Lernen, als lebenslange Strapazierung des menschlichen Ich-Gewebes mit Wissen. Wir haben lebenslang bekommen. Wir wissen, dass wir immer mehr wissen sollen. Das Ich bestimmt sich hier unter dem Imperativ ein Anderer zu sein. Dieser Imperativ ist eine geistige Todeszelle f√ľr die Naivit√§t, die wir gewesen sein werden. Unsere Gegenwart akzeptiert dabei die Neuroplastizit√§t des Gehirns nicht nur, sondern erkl√§rt sie zum Prinzip. Eine √úberlebensfunktion, die Anpassbarkeit auf ver√§nderte Umweltbedingungen, die F√§higkeit sein Gehirn anzupassen, ger√§t¬†zum wesentlichen Lebensmittel. Wir haben keine Ruhe mehr, sondern sind best√§ndig unter Wissensstress, weil sich alles angeblich ver√§ndert.
Anpassbarkeit ist nicht mehr die Vorbereitung auf den Ernstfall der Ausrottung, sondern der andauernde Notfall im Durchschnittsalltag. Anpassbarkeit ist nicht mehr Reaktion auf ver√§nderte Umweltbedingungen, sondern permanent Reaktion auf sich selbst. Sich selbst Negieren ist daher zur Finger√ľbung des Reflektierten geworden. Wir lernen niemand zu sein.
Negationsreflexion als zentrale Beziehungseigenschaft
Der Stress dieser best√§ndiger Selbstnegation l√§sst dass „Wir“ traditioneller, sozialer Strukturen br√∂ckeln. Die Familie zerbricht in Fernbeziehung von Lernnomaden. Was in den einsamen Gro√üst√§dten verbleibt sind auf Sexualit√§t stimulierte Lustmenschen, die sich stetig auch noch bis in die letzte Pore ausprobieren m√ľssen. Experimentierleidenschaft geh√∂rt daher auch zum Ich der L√ľste, das an der Folter zum Neuroplastiker gewachsen ist. Die Lust kann nur noch Fixstern in einer ver√§nderlichen Zeit sein. Sex verspricht uns in unserer Zeit die letzte Wahrheit. In den Abgrund der Reflexion aber st√ľrzen wir postmodern ohne Wahrheitskern, bestimmt im Geflecht best√§ndiger Ver√§nderbarkeit.¬†

F√ľr diesen Willen zur Nachgiebigkeit bieten wir unseren Willen auf. Wie Schilfgras biegen wir uns und wollen doch letztlich ein anderes Gehirn haben; ein anderer sein. Die Selbstverletzungsriten der Moderne richten sich nicht mehr nur auf ausgeleierte Ohrl√§ppchen, komplett t√§towierte K√∂rper oder geritzte Oberarme, sondern auf ausgeleierte Gehirne. Menschen, die ohne W√ľrde nur noch Leistungsmoral leben. Der Leistungsverweigerer ist dabei ein anderer Ich-Kern, dem wir ein Herr von Sozialp√§dagogen entgegen stellen. Sie sind Integrationshelfer f√ľr eine doch angeblich positive Wissens√∂konomie.

Keine Seinsfrage bestimmt das Lernen, sondern der Anpassungsdruck bestimmt den Stil einer Gehirneroberung. Alles in allem ist es vielleicht nicht die Aussicht auf kurzfristige Erfolge, die den Schummler dr√§ngt, sondern paradoxer Weise sein Wille nachzuweisen, dass er sich in ein System der Ver√§nderung hineinver√§ndert hat, wobei er unentdeckt doch ein egoistisches Ich bleiben m√∂chte. Schummler sind Bewunderer des eigenen Selbst, und wollen doch das Ich, das sie nicht sein k√∂nnen. Zugleich wollen sie das Ich, das sie nicht sein d√ľrfen. Der Schummler steht zwischen der Front des Selbst und dem gesellschaftlichen Druck aus dem wertlosen St√ľck Kohle, dass er noch ist, einen Diamanten zu pressen.

Ausblick

Das Schleifen des Diamanten hat noch √ľberhaupt nicht begonnen und wird im Zuge der „Neuroenhancing-Technologie“ der n√§chsten Jahrzehnte beginnen. Alles ist Vorbereitung auf den Transhumanismus.

Was wir wirklich lernen?

Nun stellt sich die Frage, ob unsere Systeme, wenn sie denn nur zum dynamischen Selbsterhalt beitragen, wirkliches Lernen in den Mittelpunkt stellen. Wir glauben schlie√ülich, dass unsere Schul- und Universtit√§tssysteme nur eine einzige Aufgabe h√§tten, Wissen zu vermitteln. Doch angesichts der Tatsache, dass wir kaum wissen, wie wir Wissen erwerben, sind Schulen und Universit√§ten vielleicht nicht f√ľr diese noble Aufgabe ausgelegt. Stattdessen sind die ehemaligen Milit√§rschmieden immer noch Pr√ľfverfahren daf√ľr, wie lange wir bereit sind, uns einem Ziel der Ver√§nderung zu verschreiben. Wie stark willst du dich brechen lassen? Es geht um die gro√üangelegte Gehirneroberung, die diese doch mit dem Ausgang aus der Unm√ľndigkeit, mit der Freiheit des Lernenden bestraft. Dass wir uns innerlich ver√§ndern ist nahezu unbestreitbar, doch die langen Wege um ein Einmaleins oder ein Codierverfahren wie das Alphabet zu erwerben, zeigen, dass wir nicht genau wissen, wie Lernen funktioniert, noch dass wir wissen, welche Bedeutung √ľber das System hinaus dieses Lernen haben k√∂nnte. Unser mangelndes Wissen √ľber den Wissenserwerb zeigt somit, dass sich die Machtsrukturen des Wissenserwerbes auch aus anderen Gr√ľnden reproduzieren. Wir brauchen sie, um Lebensphasen des langsamen Lernens doch mit dem Nachweis der Ver√§nderbarkeit zu f√ľllen und die Gehirneroberung √ľberhaupt in Einklang mit unseren gesellschaftlichen Zielen zu bringen. Wir brauchen die Wissensdemagogie auch, um anpassungswillige Individuen nicht zu schulen, sondern sie ohne Kenntnis zu selektieren. An der Spitze unserer Gesellschaft stehen dann die Wissenden, die sich durch die Schule geackert haben, und weil sie sich jahrelang qu√§lten, bef√ľrworten sie diesen Apparat.

LeNain-Tricheurs-Reims

Was also tun mit den Schummlern? Georges de La Tour Public domain

Die √∂konomische Presse eines unsichtbaren Leviathans bel√§dt uns mit Riten der Leistung. Unser lokaler Wissensdrang, den wir bei Kindern so gerne konditionieren, ist schon l√§ngst Durchblutungsprinzip eines gr√∂√üeren, undurchschaubaren Organismus geworden. F√ľr uns bleibt nur die Frage, ob wir optimistisch diesen Wissensdrang annehmen oder ihn als Wissenszwang erleben.¬†Doch auch der Zwang sich √ľber die Sinnlosigkeit unserer Schul- und Universit√§tssysteme aufzuplustern, geh√∂rt in das Schema jenes zersausten Ver√§nderungswillen einer modernen Menschheit.

Noch bestrafen wir den Schummler und schlie√üen ihn aus dem Zyklus des Lernens aus. Es hei√üt¬†nun, dass die durchgefallenen Schummler in Rum√§nien selbst im n√§chsten Jahr ihr Abitur nicht wiederholen d√ľrften (http://www.spiegel.de/schulspiegel/schulmisere-in-rumaenien-jeder-zweite-rasselte-durch-abi-pruefung-a-772265.html). Der Schummler hingegen ist nur Ausdruck eines Systems, dass es auf Gehrinver√§nderung anlegt. In Zukunft wird dieser Schummler durch Neuro-Enhancing eine neue Chance in unserer Gesellschaft bekommen, weil wir die Struktur unserer Ver√§nderungsdiktatur nicht durchdringen. Die Schule will die neue Tour-de-France werden, wobei das Doping durch die neusten Implantate ersetzt werden wird.

Stattdessen aber m√ľssten wir uns fragen, wie wir wirklich lernen und was dieses Lernen f√ľr uns bedeutet, denn diese Menschheit hat es noch nicht zu ethischen W√ľrden gebracht. Bei bewusstem Lernen geht es daher nicht um die postmoderne Anpassung an alle arbitr√§ren Hintergr√ľnde des Lebenslaufes, sondern um die W√ľrde des Menschen im Sein, vielleicht gar nur um das Sein vor dem wir unsere √úbungen durchf√ľhren. Dann aber ist die Schule nicht der Startschuss f√ľr eine „vern√ľnftige“ Biographie, sondern die Vorbereitung f√ľr das unstillbare Hintergrundrauschen einer anderen Macht in uns. Die Philosophie ist damit die letzte Station vor der Einsicht, dass alles Lernen doch dem Sein geh√∂rt und nicht den Eroberern der Gehirne.

Momentan aber verzweifeln wir noch an der Undurchsichtigkeit unserer Bestimmung, so wie ich keine Lösung präsentiere, so ist es vielleicht zunächst das schwerste den Zweifel zu lernen.

Ich hoffe der Artikel regte zum Nachdenken an und hat einige interessante Informationen zusammengetragen, wenn ja dann bitte teilen oder kommentieren. Au√üerdem¬†added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine ‚Äúgewaltig interessante‚Ä̬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt.

Links

√úber √ľberdisziplinierende Eltern: 37 Grad Reportage

Norman Schultz

Duquesne University

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Zensuren sind Strafen – Warum Bildung ohne Zensuren besser funktioniert, Ergebnisse aus der Neuroforschung

In diesem Text geht es um die Frage nach dem Strafen in unserer Bildung. Ich vertrete √§hnlich wie der Neuroforscher Manfred Spitzer die These, dass unser Gehirn nicht anders kann, als zu lernen und daher erachte ich Strafen als nutzlos. Es geht dar√ľberhinaus auch darum zwei Ergebnisse der empirischen Forschung aufzugreifen, damit es hierbei nicht allein bei Plausibilit√§tserw√§gungen bleibt. Einerseits geht es hierbei um die Studien, zur Vergr√∂√üerung des Mandelkernes im Gehrin und zur Verkleinerung des Hippocampus durch Strafen (nachgewiesen durch Professor Dannilov und interpretiert durch Spitzer); zum Anderen geht es darum die Folgen von Anreizen (Belohnungen, welche ich als negatives Strafen fasse) nach einer ¬†Studie der FED zu interpretieren. Abschlie√üend m√∂chte ich aufzeigen, dass ich zwar ich nicht gegen Monitoring der Leistungen von Sch√ľlern bin, beide Studienergebnisse aber als empirische Hinweise verstehe, sich gegen eine Bildung des Strafens zu entscheiden und damit auch eine Bildung durch Zensuren in Frage stellen. (Titelbildnachweis:¬†By Shuppiluliuma at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons)

B√ľrgerkinder zur Biedermeierzeit (um 1820)

Wie soll unsere Schule aussehen? (Bildnachweis: By German History in Documents and Images (GHDI) http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/index.cfm CC-BY-SA-2.5

Zum Strafen in der Bildung

Bei netzwerkB hatte ich bereits in einem Beitrag auf die langfristigen Folgen durch Strafen f√ľr das Gehirn verwiesen. Wenn systematische Gewalt durch Strafen in der Kindheit erfolgt, vergr√∂√üere sich nach Dannilov vor allem der Mandelkern, das Zentrum f√ľr Angst, und der Hippocampus ¬†verkleinert sich (nach Spitzer ist der Hippocampus Zentrum f√ľr langfristige Lerninhalte, die f√ľr Kreativit√§t zust√§ndig sind, aber zu diesen¬†Nachweisen weiter unten mehr). Hierbei spielt es keine Rolle, ob Strafen gerechtfertigt sind oder nicht, sie erzeugen immer √Ąngste und Druck.

Es kommt nun darauf an, diese Hinweise der empirischen Forschung aufzugreifen und die Konsequenz des Strafens in unserem Lehrsystem aufzuweisen. Im selben Ma√üe wie ich bereits bei netzwerkB zu einer Erziehung ohne Strafen aufgefordert habe, gilt es auch in der Bildung diese Herausforderung anzugehen. Im Folgenden argumentiere ich daf√ľr vor allem, weil Forscher wie Manfred Spitzer die immense Bedeutung der Emotionalit√§t beim Lernen bereits nachgewiesen haben und zugleich verdeutlichen, wie wenig Lernen unter Druck n√ľtzt. Lernen ist demgem√§√ü besonders erfolgreich, wenn es in Freir√§umen geschieht.

Cangue punishment

Strafen sind Relikt vergangener Zeiten (Bild Public Domain: John Thomson)

Das Tier bestrafen, dass nicht nicht lernen kann

Ungleich der komplexen Frage, ob Strafen tats√§chlich den Menschen verbessern, ob Strafe denn wirklich sein muss, z√∂gern wir heute kaum (auch wenn sich unser Strafen nicht mehr durch k√∂rperliche Z√ľchtigung vollzieht) allerlei Handlungen zu strafen. Als erste Handlung bei Fehlverhalten f√§llt uns nicht etwa das kl√§rende Gespr√§ch, das hei√üt der vernunftorientierte Diskurs ein, sondern die Regulierung durch Strafen erscheint sofort als das ad√§quate Mittel, um zu reagieren und einen gew√ľnschten Regulierungszustand zu erreichen. Anstatt also den Menschen als das Tier zu nehmen, das „nicht nicht lernen kann“ (Habermas, J.: Wahrheit und Rechtfertigung. Frankfurt am Main 1999) und Abweichung von konstruierten Regeln als normal zu erachten, so glauben wir, wir m√ľssten den Menschen zum Lernen unter Androhung von Strafe zwingen. Wir vergessen dabei: Unser Gehirn will lernen! Ganz im Gegenzug aber basieren unsere Institutionen vorrangig auf regulierter Auseinandersetzung mit Inhalten und wenig auf der freiheitlichen Besch√§ftigung mit Themen. Bildung ist kein Freiraum, sondern erschafft Druck. Dabei aber ger√§t das gew√ľnschte Resultat unter die R√§der, n√§mlich kreative K√∂pfe zu genieren und nicht Routinearbeiter. Das hei√üt: Schulen und Universit√§ten ¬†f√∂rdern Routinewissen, aber wenig Kreativit√§t. Diese Behauptung jedoch ist nicht nur eine Plausibilit√§tserw√§gung. Manfred Spitzer liefert Belege aus der¬†Neuroforschung.¬†

Manfred Spitzers Argumente, warum Strafen nicht zu Kreativit√§t f√ľhren

Wie Wale an das Wasser und V√∂gel an die Luft, so argumentiert der Neuroforscher Spitzer, sei unser Gehirn optimal an das Lernen angepasst. Entsprechend legt Spitzer auch dar, wie wenig Strafen letztlich zu den Bildungszielen f√ľhren, die wir erreichen wollen. Das Gehirn ist bereits auf das Lernen ausgerichtet, Strafen aber beschleunigen hier selten, sondern f√ľhren zu entgegengesetzten Resultaten. Hierf√ľr beruft sich Spitzer auf eben jenen Mechanismus, den schon Dannlowski (Erw√§hnung im netzwerkB-Artikel)¬†bez√ľglich der Vergr√∂√üerung des Mandelkerns und der Verringerung des Hippocampus in seiner Studie anf√ľhrte. Spitzer schreibt unter Berufung auf √§hnliche Ergebnisse:

„So konnten wir nachweisen, dass der emotionale Kontext, in dem die Einspeicherung von neutralem Material geschieht, nicht nur einen Einfluss auf die sp√§tere Erinnerungsleistung hat ‚Äď wird mit Spa√ü gelernt, bleibt mehr h√§ngen ‚Äď, sondern auch beeinflusst, wo das Material gespeichert wird. Erfolgreiches Einspeichern in einem positiven emotionalen Kontext geschieht im Hippokampus, wohingegen das Einspeichern in einem negativen emotionalen Kontext im Mandelkern erfolgt. (http://cms.ifa.de/index.php?id=spitzer)“

Der Mandelkern ist das Areal, das √Ąngste „verwaltet“. Gelerntes Wissen dort, dient nicht der Kreativit√§t, sondern ist behilflich bei Vermeidungsstrategien, Abwehrstrategien, die wir schlichtweg als Routine erworben haben. Daher ist bei Betroffenen von fr√ľhkindlicher Gewalt dieser Mandelkern auch vergr√∂√üert. Im Klartext hei√üt dies, lerne ich etwas in positivem Umfeld, so kann ich es sp√§ter f√ľr meine Kreativit√§t nutzen, lerne ich hingegen etwas unter Druck und Zwang, so lerne ich maximal Inhalte, die der Vermeidung dienen. Spitzer f√ľhrt daher weiter aus:

Er [der Mandelkern] tr√§gt dazu bei, dass wir unangenehme Erlebnisse sehr rasch lernen und in Zukunft vermeiden. Wird bei Ratten der Mandelkern beidseits operativ zerst√∂rt, kann die Ratte zwar noch lernen, sich in einem Irrgarten zurechtzufinden ‚Äď daf√ľr benutzt sie ihren Hippokampus ‚Äď, nicht jedoch, sich vor etwas zu f√ľrchten. Zum F√ľrchten-lernen braucht man den Mandelkern, bei der Ratte und auch beim Menschen. Ohne Mandelkern kann ein Mensch zwar noch neue Fakten wie etwa die Eigenschaften eines lauten Tons lernen, nicht aber die Angst vor dem Ton. Ohne Hippokampus hingegen ist es umgekehrt, man lernt die Angst, aber nicht die Fakten. Fehlt beides, lernt man gar nichts.¬†¬†(http://cms.ifa.de/index.php?id=spitzer)

Angst f√ľhre schlie√ülich dazu, dass wir zwar Routinen besser vollziehen, das hei√üt Regeln besser befolgen, nicht aber kreative Probleme angehen und l√∂sen. Das hei√üt:¬†Strafen f√ľhrt zum Erwerb von Routinewissen. Da aber immer mehr Routinearbeiten maschinell erledigt werden, Kreativit√§t aber ist schlie√ülich die Eigenschaft, ist f√ľr moderne Gesellschaften Kreativit√§t von Bedeutung. Und dies¬†erwarten wir vor allem von der Universit√§t zu f√∂rdern. Die moderne Universit√§t m√ľsste sich also weitgehend dieser Mechanismen, die auf Druck basieren, entledigen.

Warum Zensuren Strafen sind

Eine F√∂rderung der allgemeinen Kreativit√§t ist allerdings noch ein weiter Weg, wenn wir beispielsweise bedenken, dass Zensuren als Belohnung eben nichts anderes als Strafen mit negativen Vorzeichen sind. Positive Anreize haben schlie√ülich stets den Nachteil, dass sie √Ąngste aufbauen, die Belohnung nicht zu erreichen. Dass dies nicht nur eine versponnene Idee ist, die wiederum nur auf Plausibilt√§t beruht, beweisen die h√§ufig replizierten Studien einer urspr√ľnglich von der FED (Federal Reserve Bank) gesponserten Studie. Dies ist bemerkenswert, da die Ergebnisse den¬†Grundintention des Kapitalismus widersprechen.¬†In der Studie der FED untersuchte man also den Einfluss von Belohnungen (also von negativen Strafen) auf den Lernprozess mit folgendem Ergebnis:

‚ÄúAs long as the task involved only mechanical skill, bonuses worked as they would be expected: the higher the pay, the better the performance. But once the task called for ‚Äúeven rudimentary cognitive skill,‚ÄĚ a larger reward ‚Äúled to poorer perfomance.‚ÄĚ (D.Ariely, U. Gneezy, G. Lowenstein, & N.Mazar, Federal Reserve Bank of Boston Working Paper No. 05-11, July 2005; NY Times, 20. Nov. 08)

So lange also der negative Druck der Belohnung im Raum stand, fielen Ergebnisse der Probanden signifikant schlechter aus. In einer Replikation der Studie in Indien, wo die Belohnung ein gesamtes Monatsgehalt betrug, lieferte gerade die Gruppe mit dieser bedeutend hohen Belohnung, die schlechtesten Ergebnisse. Belohnung sind demnach Strafen, da sie den Druck des Verfehlens aufbauen. Wer den Anforderungen nicht gerecht wird, bekommt keine Belohnung, was letztlich Bestrafung f√ľr Geleistetes bedeutet. Dieser Mechanismus l√§sst sich meines Erachtens auf Zensuren √ľbertragen.

Auf den Gedanken, dass Zensuren wom√∂glich nicht nur Monitoring gew√§hrleisten, sondern eben negative Konsequenzen haben, auf diesen Gedanken sind unsere institutionellen Systeme nicht eingestellt. Zensuren, so denken wir, geben einen Leistungsanreiz und bis zum Aufkommen von Wikipedia glaubte niemand, dass Qualit√§t ohne externe Anreize m√∂glich w√§re. Es wird noch ein weiter Weg sein, Schulen zu entwickeln, die einerseits das Monitoring der Sch√ľler als R√ľckmeldung ihrer Leistungen nicht vernachl√§ssigen, gleichzeitig aber auf Zensuren verzichten k√∂nnen (ein weitere Artikel von mir, worin ich argumentiere Noten durch internes Monitoring zu ersetzen, findet sich hier: Leistungsf√§hige Alternative zu Zensuren).

Wie funktioniert Lernen nach Spitzers Modell

Kommen wir von der Soziologie zur√ľck zur Neuroforschung, kommen wir zur√ľck zu Spitzer. Aus neurobiologischer Sicht argumentiert Spitzer n√§mlich, dass jegliches Lernen aufgrund der St√§rke neuronaler Verbindungen entschieden wird. Strafen beschleunigen hier nichts, sondern entscheiden nur, wo etwas gespeichert werde.¬†Lernen geschehe demnach vor allem dann, wenn das Gehirn positive Erfahrungen mache (http://cms.ifa.de/index.php?id=spitzer).¬†Aufgrund dieser Annahmen konnte Spitzer schlie√ülich in einer kleineren Studie nachweisen, dass der wichtigste Faktor beim Lernen eine positive Lernumgebung ist. Dar√ľber hinaus, so konnte Spitzer auch zeigen, gehe es um generierendes Lernen. In der folgenden Sendung demonstriert er diese Forschungsergebnisse:

Spitzer gibt also zu bedenken, dass wir nicht mit Strafen vorankommen, sondern die Lernumgebung entscheidet. Wenn aber eine Lernumgebung nicht unter Androhung von Strafen funktioniert, dann muss sich diese Lernumgebung auf Freiheit gr√ľnden. Diese Freiheit bedeutet, sich gegebenen Lernzielen selbst zu verpflichten und damit eben auch das Zu-Erlernende selbst zu genieren. Wer Lernen will, der will das Lernende nicht nur h√∂ren, sondern es vollst√§ndig umschlie√üen und wissen. Diese vern√ľnftige Selbstgesetzgebung sollte dabei gerade an den Universit√§ten nicht zum Erliegen kommen. Regeln des Lernens d√ľrfen dabei nicht vorgegeben werden, sondern sollten (wie eigentlich auch in Demokratien √ľblich) gerade durch die Lernenden nach Universalisierungsmaximen erstellt werden. Das hei√üt, nicht der Lehrer gibt vor, sondern richtet sich, wie ein gekonnter Improvisator nach den Bed√ľrfnissen der Studenten.

Ausblick zu Habermas‘ Modell der freiheitlichen Generierung von Regeln

An dieser Stelle liegt es nahe endlich die Habermassche Diskurstheorie f√ľr die Universit√§t und den Unterricht fruchtbar zu machen. Regeln w√ľrden dann nicht in endlosen Vorlesungen vorgebetet werden, sondern aktiv generiert werden.¬†Was ich hiermit also vorschlage und ich entschuldige mich bei allen Lesern f√ľr die Theorielast, die hier aufkommt, und ich will es auch nur ganz kurz halten, wir m√ľssten Habermas Universalisierungsgebot f√ľr Gesetze eben auch im Unterricht zur Geltung bringen. Das hei√üt, Studenten und Sch√ľler m√ľssten endlich angehalten werden, Lernziele selbst zu formulieren und dies im Diskurs nach einem Prinzip zu universalisieren. Diese Einbindung aller Anwesenden als Gleichberechtigte bedeutet schlie√ülich sie in ihrer Freiheit als Lernende Ernst zu nehmen. Regeln sind dann nicht in Form von Strafen hervorgebracht, sondern in der Form von freiheitlicher Selbstverpflichtung. Regeln sind dann auch nicht als geltende Regeln vorgefertigt, sondern werden validiert und damit g√ľltig. Dieses mag Zeit kosten, schafft aber das Umfeld, um nicht Routinearbeiten erledigen zu lassen, sondern Kreativit√§t zu f√∂rdern. Diese Kreativit√§t kann nur jenseits der Androhung von Strafen zu voller Entfaltung kommen.

Der Mensch "kann nicht nicht lernen" (Habermas)

Zusammenfassung

Belohnungen verringern die Kreativit√§t. Dies wurde in der Studie der FED nachgewiesen. Auf der anderen Seite f√ľhrt allgemeines Strafen, wenn es in Form systematischer Gewalt erfolgt, dazu, dass sich der Mandelkern vergr√∂√üert und der Hippocampus verkleinert. Ich muss hierbei anmerken, dass ich die Studienergebnisse von Dannilov zu stark interpretieren mag. Dennoch auch Spitzer legt eine solche Interpretation vor, wenn er auf die Wichtigkeit der Emotionalit√§t beim Lernen und die Speicherung von Gelernten im Mandelkern oder im Hippocampus verweist. Beide Ergebnisse bringen uns dazu, nach einer Alternative nach Strafen im Bildungssystem zu suchen. Eine Untersuchung der Habermasschen Diskurstheorie als Theorie der freiheitlichen Entwicklung von Regeln durch die Betroffenen nach einem gerechten Verfahren w√§re dabei naheliegend.

Linkverweise

Kritik Spitzer

Der angeblich weltfremde Neuroforscher Spitzer wird hier im Gespräch mit einer Fachdidaktikerin attackiert. Hauptargument dieser ist, dass die Ergebnisse der Neuroforschung schon seit Jahren in der Fachdidaktik bekannt sind. Hierbei möchte ich allerdings anmerken, dass gerade die Neuroforscher, die Plausibilitätsargumente durch empirische Belege ergänzt. Hier muss sich die Fachdidaktik nicht wehren. Problem war bisher, dass die Fachdidaktik sich eher auf Plausibilität als auf Studien berief.

Ich hoffe der Artikel regte zum Nachdenken an und hat einige interessante Informationen zusammengetragen, wenn ja dann bitte teilen. Au√üerdem¬†added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein¬†RSS-Feed¬†ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine „gewaltig interessante“¬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt.

Vielen Dank Norman Schultz.

Veröffentlicht unter Schule | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

Ist photographisches Lesen möglich? Zu den Grenzen des Schnelllesens (Teil2)

Im letzten Beitrag hatte ich mich ja zu den dubiosen Kehrseiten und Grenzen des Schnelllesens ge√§u√üert. Diesen verquasten Theorien von Menschen im Selbststeigerungswahn fehlt die Skepsis der Philosophie. Mit dieser¬†w√ľrde nicht viel √ľbrig bleiben von den meisten Heilsversprechen der Speedreader und Mental Coaches. Obwohl ich aber auch aus Erfahrung den meisten Schnellleseversprechen skeptisch gegen√ľber stehe, stellt sich mir dennoch die Frage, ob es im Gehirn Hebel gibt, die einfach umgestellt, alte Grenzen des Geistes √ľberwinden lassen. Ist es m√∂glich sein Gehirn zu tunen oder wie einen Muskel zu trainieren? (Artikelbild:¬†By angela bonas (feito por mim) [Public domain], via Wikimedia Commons)

Lesen

Lesen mit voller Konzentration. So macht Lesen skeptisch und langsam! By Mirdsson2 (Own work) CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 via Wikimedia Commons

Nun im Bereich des Schnelllesens gibt es zumindest Menschen, die zu au√üergew√∂hnlichen Leistungen in der Lage sind. Der Verdacht liegt nah, dass nicht nur Kim Peak, sondern tendenziell auch andere Menschen in der Lage sind, Lesegeschwindigkeiten von √ľber 1000 W√∂rtern pro Minute zu erreichen. Dies bedeutet ein 300 Seitiges Buch in ungef√§hr eineinhalb Stunden zu lesen. So wie eine philosophischeGrundeinstellung oder das Klavierspiel durch √úbung m√∂glich sind, sollten doch andere Grenzleistungen m√∂glich sein. Kl√§ren wir also mal zum Schnelllesen ein paar Fragen

Kann mit Schnelllesetechniken auch ein philosophisch schweres Buch vernascht werden?

Mit einer Geschwindigkeit von 10.000 Wörtern pro Minute kann dieses nicht möglich sein, es sei denn derjenige besitzt hinzukommend zur Lesegeschwindigkeit noch ein außergewöhnliches Maß an Intelligenz. Der reine Lesevorgang bedeutet ja nicht, dass wir damit schon verstanden hätten. Wohl aber stellt die meiste Belletristik mit ihrer Redundanz, das heißt der beständigen Wiederholung derselben Gedanken eine Unterforderung dar, so dass es vorstellbar ist, diese mit hoher Geschwindigkeit aufzunehmen. Bei der Philosophie hingegen bedarf es eines Höchstmaßes an genauem Überlegen als auch der entsprechend philosophischen Wertung der Gedanken. Das reine Lesen eines philosophischen Werkes ist daher keine Vermehrung von Wissen, sondern Zeitverschwendung.

An dieser Stelle kann sogleich auch mit dem Mythos aufger√§umt werden, das Wissen eine blo√üe Aufnahme von Daten w√§re. Gut, das ist den meisten hier schon bekannt, es kommt philosophisch betrachtet allerdings auch darauf an, einen Gegenbegriff in Bezug auf das Ganze zu entwickeln. Ein moderner Wissensbegriff wurde von dem Linguisten Gerd Antos aus Halle entwickelt. F√ľr alle die dieser Wissensbegriff in seiner groben Konzeption interessiert, habe ich Ausf√ľhrungen dazu auf meinem Philosophieblog „Fahrenheit“ hinterlegt.

Lesser Ury Im Cafe Bauer 1898

Lesen bei voller Konzentration. Lesser Ury Public domain, via Wikimedia Commons

Es sei hier soviel gesagt, dass ihr mit viel Lesen meines Erachtens nicht intelligenter oder weiser werdet. Die Verkn√ľpfung des Gelesenen zu eigenen Texten ist f√ľr mich hingegen¬†das entscheidende Kriterium. Hierbei steht vor allem das Thema des Selbstgenerierens im Vordergrund.

Aus diesen Verst√§ndnisdefiziten ist das Schnelllesen wohl nur f√ľr Menschen geeignet, die sich schnell √úberblicke verschaffen m√ľssen. Das schnelle Lesen kann wohl helfen, √ľberfl√ľssige Literatur schnell zu selektieren. Hier aber kommen wir eher zum Thema Leseeffizienz.

Wie schnell kann ich lesen?

Die Lesegeschwindigkeiten m√ľssten genauer in einem Range angeben werden. Mein Range betr√§gt derzeit 30-1000 W√∂rter pro Minute. Bei philosophischer Literatur lese ich extrem langsam, obwohl es zumeist auch sehr lohnend ist. Bei nicht-philosophischer Literatur hingegen, wo ich den Bereich von 1000 W√∂rtern pro Minute vordringe, h√§tte ich mir die Lekt√ľre zumeist auch sparen k√∂nnen. Dies ist aber vielf√§ltig von meinen Interessen abh√§ngig. F√ľr einen Germanistikstudenten mit Schwerpunkt auf Deutsche Literatur kann es sehr sinnvoll sein, sich bestimmte einfache Literatur schnell reinzuziehen.

Wie teuer sind Seminare zum echten Schnelllesen?

Nach etwas √§lteren Recherchen entsinne ich mich auf einen Preis von 12.000 Euro f√ľr verschiedene Trainingstreffen und telefonisches Coaching √ľber einen Zeitraum von 6 Monaten. Ich erz√§hle dies allerdings nur aus der Erinnerung. F√ľr Autodidakten lautet die schlechte Nachricht, dass sie Grenzen √ľber 1000 W√∂rtern pro Minute nicht erreichen werden, da eine ganz andere Art zu lesen erlernt werden muss. So geben auch die Michelmanns (Experten in diesem Bereich) einen qualitativen Sprung von 1000 WpM zu 6000 WpM an. Bis 1000 W√∂rter pro Minute k√∂nnt ihr euch mit den alten Techniken maximal steigern. F√ľr Geschwindigkeiten von 4000 W√∂rtern pro Minute ist allerdings eine ganz andere Technik n√∂tig. Der Lernprozess ist sehr aufw√§ndig, da ihr erstmal Text lest, aber nichts versteht. Der Trainer achtet dann darauf, ob ihr alle Bewegungen richtig durchf√ľhrt, die Augen werden beispielsweise mit speziellen Videokameras abgefilmt. Es kommt darauf an, zun√§chst nur die Bewegungen zu verinnerlichen und dies √ľber einen langen Zeitraum.

Bei einer kleinen Stichprobe deren Auswertung ich entdecken konnte, betrug die Erfolgsquote allerdings auch nur um die 15%. Das hei√üt, es ist eine hohe Risikoinvestition mit einer fragw√ľrdigen Gewinnaussch√ľttung. Vielleicht kauft ihr euch daher lieber einen Kleinwagen, um eure Zeit bei √∂ffentlichen Verkehrsmitteln zu sparen?

Zweit√§gige Seminare mit mehreren Teilnehmern zum simplen Geschwindigkeitssteigern kosten ca. 100 Euro. Diese Techniken k√∂nnt ihr allerdings auch autodidaktisch erwerben, was f√ľr viele immerhin noch eine 2 bis 4-fache Steigerung und somit Zeitersparnis bedeutet. Habt ihr fr√ľher ein Buch in einer Stunde gelesen, so k√∂nnt ihr es dann in 15 Minuten. Zudem nehmt ihr die Inhalte besser und nachhaltiger auf. Wie gesagt f√ľr komplexe Stoffe gilt aber vor allem langsames und verstehendes Lesen.

Wo finde ich echtes Schnelllesen?

Lasst euch von den Seiten im Internet nicht verwirren, die wollen euch nur etwas verkaufen. Auf den Seiten diverser Schnelllesetrainer heißt es da:

„Es ist, als ob mein Gehirn seinen Turbolader eingeschaltet hat – und das nicht nur beim Lesen! Ich kann jedem nur empfehlen, eins der Seminare mitzumachen! Man lernt mit Leichtigkeit und viel Spa√ü – eben gehirngerecht.“

Die Michelmanns sind wohl die erfahrensten Trainer im Schnelllesen, allerdings m√∂chte ich mich auch nicht f√ľr diese Seite verb√ľrgen. Dar√ľberhinaus ist die Seite der Deutschen Gesellschaft f√ľr Schnelllesen wohl eine erste Anlaufstelle.

Was bringt Schnelllesen f√ľr anspruchsvolle Projekte wie Philosophie?

Eine Philosophie des Schnelllesens kann es in der Philosophie selbst nicht geben. Die Lesegeschwindigkeit ist hier nicht steigerbar, sondern immer abh√§ngig von der Geschwindigkeit des Verstehens. W√§hrend wir von¬†Belletristik¬†oder simpler technischer Literatur in der Regel selbst noch mit Geschwindigkeiten von 20.000 W√∂rtern pro Minute unterfordert w√§ren, so √ľberfordert eine Seite des Philosophen Kant den Verstand auf Jahre hinaus. Dies h√§ngt vor allem damit zusammen, dass wir in der Philosophie nicht hier oder dort √ľber ein Problem sprechen, sondern das Ganze in seinen Grenzen versuchen zu denken. Schnelllesen mag uns dabei helfen, sinnvolle von sinnloser Literatur schnell zu trennen, die Grenze dieser Unterscheidung legt aber das Denken mit seiner Zielorientierung auf die Vernunft fest und dies ist die Geschwindigkeit der Philosophie. Die Philosophie ist damit die Konstante, zu der sich all unser Denken in seiner m√∂glichen Geschwindigkeit verh√§lt.

Ich hoffe der Artikel war n√ľtzlich und hat einige interessante Informationen zusammengetragen, wenn ja dann bitte teilen. Au√üerdem¬†added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein RSS-Feed ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine¬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt. Ach und teilen, w√§re auch nett, damit ich das hier nicht immer nur f√ľr mich schreibe.

Vielen Dank Norman Schultz.

 

Veröffentlicht unter Lesen lernen | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

Links: Emotionales Lernen, der Neuroforscher Manfred Spitzer, Mindfuckmovies und Vergessen zu Zeiten des Internets

In diesem Artikel will ich nur ein paar Themen verlinken, die ich in Zukunft weiter ausarbeiten will. Hier also ein paar Links zur Verkn√ľpfung von Lernen und Emotion, zum gesenkten Standard der Zensuren in Sachsen-Anhalt, zum Bulimielernen, ein paar Mindfuckmovies, sowie noch ein Link zu einer Studie, wie das Internet unsere Merkf√§higkeit beeinflusst. Titelbildnachweis:¬†By nattu [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Aus einer Diskussion mit Andreas Giermaier ist die Frage entsprungen, inwiefern wir positive Emotionen brauchen, um zu lernen. Anstatt nur mit Plausibilit√§t zu argumentieren, zeigt Manfred Spitzer anhand einer Studie, dass Lernende mit positiven Emotionen tats√§chlich mehr aufnehmen. Dies Argumentation halte ich f√ľr wirklich fundiert.

Die Frage ist nun, ob sich diese Ergebnisse auf alle Lernmodelle √ľbertragen lassen. Ist dies nur war f√ľr Erinnerung oder lernen wir auch Tanzen, Rechnen und Klavier besser, wenn wir positiv motiviert sind? Eine weitere Frage ist, wie effizient der Professor positive Laune verbreiten kann. Bei Comedians wie Mario Barth f√ľhlen wir uns schlie√ülich auch wohl, aber wie steht es mit dem Verh√§ltnis von Witzen und Inhalten?

Zensuren, Bullemielernen und Bildungsreform

In Sachsen-Anhalt d√ľrfen nun die Sch√ľler mit 40 Prozent ihr Bestehen feiern. Das Land senkt den Anspruch f√ľr eine 4 von 51 Prozent auf eben diese Kennziffer.

So weit so gut! Das Problem sind allerdings nicht die Fragen nach gesenkten Zensurenstandards, sondern die Motivation zum individualorientierten Lernen. Es geht nicht darum, Wissen f√ľr Klausuren zu lernen, sondern tats√§chlich um eine Lebensorientierung. Da Lehrer aber zumeist nur an der Vermittlung von Inhalten, selbst diese aber kaum angewendet haben, steht zumeist nur die Inhaltsreproduktion im Mittelpunkt.

Bored

Langeweile hilft selten beim Lernen. By GRPH3B18 (Own work) CC-BY-SA-3.0

H√§ufig gebrauchen wir nun in diesem Zusammenhang den Begriff des¬†Bulimielernens, was beschreiben soll, wie wir kurzfristig Informationen tanken, um sie dann m√∂glichst in der Klausur zu reproduzieren. Gerade f√ľr kreative Arbeiter erscheint dies wie eine Qual. Spitzer stellte daher bereits in seinem Beitrag dar, wie wichtig im Gegensatz das „generative Lernen“ ist, das hei√üt ein Modus, in dem wir vor allem das Wissen produzieren. Es geht somit nicht um das kurzfristige Lernen, sondern um die langfristige Produktion von Wissen. Die Frage ist nun, wie wir dieses umsetzen. Ein guter Beitrag zu den modernen Anforderungen findet sich hier:¬†http://www.freitag.de/autoren/geld-und-glueck/das-ende-des-bulimischen-lernens

In dem Artikel heißt es, dass die nötigen Methodenbaukästen aus dem Pädagogiklabor nur so rumliegen. Derzeit ermangle es nur an dem Personal, was sich der pädagogischen Front auch öffne.

Mindfuckmovies

Wer sich langweilt, aber dennoch keine Kraft zur Aktivit√§t hat, dem seien Filme empfohlen, bei denen sich der Geist ausruht und doch √ľberrascht wird. Die sogenannten Mindfuckmovies sind schwer zu finden. Eine Liste allerdings gibt es hier: http://www.listal.com/list/mindfuck-xiceser

Mein Favorit ist nat√ľrlich Inception, wo die Sph√§ren der Realit√§t √ľbereinandergelagert werden und Wissen unklarer ist als in der Matrix:

Die Reise in unser Selbst war schon immer weiter als die Reise zu den Sternen.

PET-image

Unser Gehirn braucht Tätigkeit und nicht Passivität By Jens Langner (http://www.jens-langner.de/) (Own work) Public domain

Schwächt das Internet unser Gedächtnis?

Nach Aussage von Betsy Sparrow werde wir intelligenter und intelligenter, so dass Intelligenztests stets neu normiert werden m√ľssen. Dass wir uns heute also weniger Dinge merken, muss nicht bedeuten, dass wir d√ľmmer werden. Nach Aussage von Sparrow merken wir uns jedoch eher, wo wir Informationen finden, als dass wir sie auswendig lernen, wenn der Speicherort zug√§nglich ist. Dies zeigt nun ein Experiment, das in diesem Zusammenhang durchgef√ľhrt wurde.

L√§sst das Internet uns also doch d√ľmmer werden? Die Frage ist ja auch, wie weit die direkte Kenntnis aus dem Ged√§chtnis unsere Geschwindigkeit erh√∂ht, Probleme zu l√∂sen. Wer alles erst nachschl√§gt ist doch langsamer oder?

Betsy Sparrow aber mahnt, dass wir nicht sofort das Internet verteufeln sollen. Es muss beispielsweise nicht bedeuten, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne geringer geworden ist, sondern es kann sein, dass uns das Internet diese geringe Aufmerksamkeitsspanne besonders bewusst macht oder dass wir eine spezielle F√§higkeit nutzen, die wir entdecken, n√§mlich effizient Aufmerksamkeit zu verwenden. Im Falle des Lernens erscheint es, dass wir das Internet symbiotisch nutzen. Wir merken uns weniger und sind eher kreativ. Sparrow stellt auch fest, dass das wirkliche Ged√§chtnis nicht die einzelne Information, sondern die Vernetzung ist. Die Frage ist daher, f√ľr welche Bereiche wir heute noch stupides Wiederholen ben√∂tigen. Es scheint eher wir sollten generativ t√§tig sein.

Ich hoffe der Artikel war n√ľtzlich und hat einige interessante Informationen zusammengetragen, wenn ja dann bitte teilen. Au√üerdem¬†added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein RSS-Feed ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine¬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt. Ach und teilen, w√§re auch nett, damit ich das hier nicht immer nur f√ľr mich schreibe.

Norman Schultz

Veröffentlicht unter Lernen lernen | Hinterlasse einen Kommentar

Mythos „Lerntypentheorie“ – Gibt es Lerntypen, die vor allem durch Riechen lernen?

In diesem Artikel geht es um einen der größten Mythen in der Lernforschung: Die Lerntypentheorie. Warum vertreten ganze Armeen an Lehrern eine Theorie, die keine empirischen Beweise liefert? Ich argumentiere, dass dies einerseits an der Plausibilität des Arguments liegt (wobei Plausibilität immer nur die Möglichkeit anzeigt, aber niemals die Realität beweist) und dass es andererseits mit einer prinzipiellen Unzufriedenheit mit unserem Schulsystem zusammenhängt, das uns zwingt uns generell anzupassen. Die Rebellion gegen dieses System erfährt ihre Kraft dann aus unserem liberalen Glauben der prinzipiellen Individualität eines jeden von uns. Das heißt, die Lerntypentheorie ist Ausdruck unseres Wunsches nach prinzipieller Individualität.

Schlagwortkatalog

In welche Schublade sortieren wir uns selbst? By Dr. Marcus Gossler (Own work) GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0

Mythos „Lerntypen“

Bemerkenswert am Mythos der Lerntypen ist eigentlich nur, dass es keine Beweise gibt, dass diese Lerntypen existieren. Die meisten Untersuchungen konnten keine spezifischen Lerntypen nach dem Motto, akustischer, visueller oder haptischer Lerntyp feststellen (genauer Quellverweis mit Zitat unten). Getreu unserer Plausibilit√§tsargumentation aber war das Argument f√ľr Lerntypen zumindest ganzen Lehrergenerationen einleuchtend. Ich wei√ü noch, wie ich in der Schule die d√§mlichen Merkspielchen, die meinen Lerntyp feststellen sollte, alle mit voller Punktzahl bestand, weil ich schlicht Lerntechniken beherrschte, die auf Assoziation beruhten. Genutzt hat es mir dennoch nichts. Lehrer im Gegenzug vertraten die Lerntypen ohne Konsequenzen. Nach dem gleichen Prinzip wie sie an Lerntypentheorien glaubten, denn es ist ein autorit√§res Argument, organisierten sie auch ihren Unterricht. Dies sind vor allem elit√§re Kriterien, die irgendwann im Laufe des Leben, zumeist w√§hrend der Anpassung, um der Lehrerlaufbahn zu gen√ľgen, erworben worden sind. Ohne also auf Studien zu vertrauen (√ľberhaupt erscheint mir zu evidenzbasierten Verfahren kaum Wissen da zu sein) planten Lehrer den Unterricht nach Plausibilit√§tsargumenten. Und da wir in unserer aufgekl√§rten Postmoderne ja ohnehin keiner Studie trauen d√ľrfen, die wir nicht selbst gef√§lscht haben, argumentieren diese Lehrer¬†zumeist nur kraft ihrer Autorit√§t. Dies hatte zur Folge, dass auch ein intelligenter Sch√ľler immer unterlegen sein muss, denn die Autorit√§t ist per se schon am anderen Ende des Lernprozesses.

Aus gleichem studienfeindlichen Grund √ľbrigens haben in unserem Glauben Eskimos auch eine Millionen Worte f√ľr Schnee, denn es ist ganz klar, dass Eskimos an einsamen Abenden im Iglo √ľber die Modalit√§ten ihres Leben berichten und die ganze Familie gespannt lauscht, wenn Eskimopapa ein Gedicht √ľber Schnee nach dem anderen rezitiert. Lehrer, dies ist meine Erfahrung aus der Schulzeit, sind besonders anf√§llig f√ľr Plausibilit√§tsargumente, da sie auf die Autorit√§t des leeren Verstandes hereinfallen, der keinen Praxisbezug hat, der ihnen aber dient, Sch√ľler zu unterdr√ľcken. Verstandesschl√ľsse sind nicht verkehrt, m√ľssen aber stets durch den Bezug zur empirischen Ebene erg√§nzt werden. Andernfalls ist unser Verstand leer und wir verstehen nicht, dass der Verstand nur relative Prinzipien im Vergleich zu tats√§chlichen Problemen formuliert.

Jean-Baptiste-Camille Corot 037

Irgendwann lernen wir es selsbt mit der Peitsche umzugehen. Jean-Baptiste-Camille Corot Public domain

Die Empirie lehrte uns also bald, dass Eskimos weniger als f√ľnf W√∂rter f√ľr Schnee haben. Die Sozialwissenschaften, die auf dem harten Weg der Statistik verfuhren, fielen nicht auf die Worth√ľlsen der allein belesenen Geisteswissenschaftler herein. Lehrer, nun aber ein Volk der Aberglaubenden, stellten sich im Allgemeinen nicht die Frage nach der Quelle ihrer Erkenntnisse, weil sie deduktiv ohnehin im h√∂heren Beisein der Wahrheit unterrichteten. Sie bekamen eine ungeheure Autorit√§t, die irgendwann jedes ihrer Argumente f√ľr valide erkl√§ren w√ľrde. Offene Horizonte gab es meines Wissens in der Schule kaum.

Nun gut bevor ich aber wieder in mein einseitiges Lehrerbashing verfalle (wobei ich mich immer bei den Lehrern entschuldigen m√ľssen, die sich in die Erkenntnistheorie vorwagen), tragen wir mal ein paar Argumente gegen die Lerntypentheorie zusammen:¬†Ein interessanter Beitrag findet sich hierzu auf „Change – The higher magazine of learning„. Obwohl es nach jenem Artikel keine Beweise f√ľr Lerntypentheorien gibt (der entsprechende Quelltext hierzu unten), stellt der Autor hier die Frage nach den Konsequenzen dieses Irrglaubens. Bevor wir aber dazu kommen erl√§utern wir nochmal die zusammengeklaubte Theorie nach Frederic Vester: Die Lerntypentheorie.

 

Angelo Bronzino 058

Abstraktion ist immer mit Anstrengung verbunden. Bronzino Public domain

Was sind Lerntypen?

In unserem Gutmensch-Toleranz-Gehabe sind wir nat√ľrlich schnell √ľberzeugt, dass Menschen ganz verschieden sind. Die Muttermilch impft den Kindern schon ein, dass sie etwas ganz besonderes sind und so sind auch Menschen nicht unter die Allgemeinheit von Lerngesetzen zu zwingen. Dass aber bei den Ged√§chtnisweltmeisterschaften, alle Teilnehmer ihre Methode einander ann√§hern und die Assoziation dabei im Mittelpunkt steht, bedenkt dabei kaum jemand. Wir sind verschieden! Und so ist auch der gew√∂hnliche Student von seiner prinzipiellen Individualit√§t √ľberzeugt, so dass bei jeder vorgeschlagenen Lernstrategie die Antwort erfolgt: „Bei mir funktioniert es aber anders.“ Was durchaus sein kann, auf Dauer aber kontraproduktiv f√ľr den Studenten wirkt, da er nicht wissen kann, ob das Anders-Sein ein nur subjektiver Eindruck ist und er zu stark auf sein Anders-Sein vertraut. Meiner Erfahrung nach lernen wir alle sehr √§hnlich und die Ged√§chtnisweltmeisterschaften sind hierf√ľr ein Beweis. Lerntypentheorien hingegen schlagen in die Bresche der Individualit√§t. Bist du eher ein visueller oder ein akustischer Typ? Oder lernst du am liebsten, indem du Dinge aus staubtrockenen B√ľchern lernst und verzichtest du lieber auf spannende Diskussion, wobei soziale Interaktionen involviert w√§ren? Nat√ľrlich sind wir alle am liebsten visuelle Lehrer, die am liebsten nach dem Motto der Sesamstra√üe oder der „Sendung mit der Maus“ ihre Bildung aus Entertainment beziehen. Wir wollen interagieren und tats√§chlich halte ich diese Technik immer f√ľr die beste, insofern sie Anwendung finden kann.

Hands of God and Adam

Am besten w√§re es wohl nur in Aha-Momenten zu lernen… Michelangelo Buonarroti Public domain

Im Grunde aber wehren wir uns gegen ein Schulsystem, dass uns zur Abstraktheit f√ľhren will und das Anstrengung von uns abverlangt. Wir wollen am liebsten alle √ľber die Augen, wie √ľber einen N√ľrnberger Trichter Wissen in uns einstr√∂men lassen. Die meisten Menschen sind daher auch √ľberzeugt, einfach nicht mathebegabt zu sein und m√ľssen prinzipiell etwas anfassen, um zu verstehen. Die nachvollziehbare Abneigung gegen Schule transformieren diese Menschen in eine Abneigung gegen die Abstraktion √ľberhaupt und redefinieren sich einfach als Genies einer anderen Sorte, nicht aber als Menschen, die nicht dazu f√§hig sind, in die Anstrengung zu gehen. Lerntypen spiegeln daher, meines Erachtens, immer den Erfolg dieser Menschen im jeweiligen Schulsystem wieder. Ich behaupte, wer weniger durch die Schule der Abstraktion gegangen ist (die der Erfolgreiche wom√∂glich schon zu Hause gelehrt bekam), der betrachtet sich eher als visueller Lerner. Menschen mit geringen Erfolgen in Mathe werden sich daher immer passend als visuelle Typen identifizieren und bestenfalls mal im Germanistikstudium oder Sozialp√§dagogik verenden. Nicht aber weil es ihre wirkliche Begabung unter vielen ist, sondern weil sie sich von aller anderen Anstrengung fernhielten. Um es aber klar zu stellen, ich glaube gem√§√ü dieses Blogs, dass wir alle ein sehr √§hnliches Potenzial haben, uns aber sozial vom wirklichen Lernen gegenseitig abhalten (Hierzu mein Artikel, warum wir sozial weniger lernen).

Probleme mit dem sinnlichen Ansatz

Ich frage mich √ľbrigens, ob es Leser auf diesen Blog geschafft haben, die Zu-Erlerndes immer erst mal riechen m√ľssen. Es kann ja sein, dass bei einigen dieser Sinneskanal besonders stark ausgepr√§gt ist. Aber: Nur weil einer gut riechen kann, hei√üt dies noch lange nicht, dass dieser ein olfaktorischer Genussmensch ist und eben Mathe f√ľr ihn ausgeschlossen ist. Meiner Argumentation sind Begabungen immer eher das Resultat von Training (99 Prozent Transpiration und 1 Prozent Inspiration).¬†

Biberach Archivschrank des Hospitalarchivs 1617

Es sind noch Schubladen frei… By Photo: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) CC-BY-3.0

Vielmehr ist bemerkenswert, wie die grunds√§tzliche wissenschaftliche Wende, die wir pragmatische jeden Tag in den Wissenschaften vollziehen, es so wenig in unser Bewusstsein geschafft hat. Wir meinen die Welt umgibt uns mit eindeutig identifizierbaren Objekten, die in Form von Bildern in der Welt rumliegen. Dann werden wir von den Objekten im ganzen gereizt und voila: Da ist er der Tisch vor mir. Es ist allerdings klar, dass zumindest aus psychologischer Sicht, das Gehirn komplexe Sinnesreize (angeblich 30.000 pro Sekunde) verarbeitet und daraus Objekte konstruiert. Der Tisch str√∂mt nicht als Ganzer auf uns ein, sondern setzt sich in Millionen Perspektiven zusammen. Aspektivit√§t wie es Plessner in Anlehnung an Husserl heraussch√§lte. Die Reize werden daher immer schon interpretativ zusammengesetzt und irgendwann sind wir es eben gew√∂hnt Objekte schnell in der Welt zu identifizieren (Blinde, denen der Sehsinn im hohen Alter zur√ľckgegeben wird, um nur ein Beispiel zu nennen, m√ľssen beispielsweise erst erlernen, ihre r√§umliche Koordination mit den pl√∂tzlichen visuellen Reizen zu verkn√ľpfen. Sie √∂ffnen nicht mit einem Schlag die Augen und auf einmal ist dort der Tisch.) ¬†Der Gegenstand ist daher auf die Interpretation unserer Sinnesreize zugerichtet und wir erfahren kein geistunabh√§ngiges Objekt, sondern ein geistinternes Objekt, das gem√§√ü einem inneren Stellwerk konstruiert wird. In diesem Sinne ist es schon ein Wagnis zu behaupten, dass der Sinnesreiz zugleich auch Wahrnehmung und in diesem Sinne Lernen bedeuten w√ľrde. Dies w√ľrde selbst den Plausibilit√§tscharakter der Lerntypentheorie widerlegen. Tats√§chlich m√ľssen wir alle Sinnesreize auf einer Perzeptionsebene verarbeiten, das hei√üt wir m√ľssen aktiv werden und denken (so unbewusst dies auch sein mag). Lernen hat daher etwas mit Objektkonstruktion zu tun und eine gute Erkenntnis der Objektkonstruktion ist abstraktes, assoziatives Denken und hat weniger mit den Sinnen zu tun. Die Frage w√§re maximal, ob wir minimale Einheiten aus unserer prinzipiellen Lebenswelt rekonstruieren k√∂nnen. Es erscheint mir allerdings ein naiver Realismus, dies als evidenzbasierte Korrespondenz zu verstehen, so als w√ľrden Ged√§chtnisinhalt und reales Objekt au√üerhalb des Bewusstseins existieren.

D√ľrer, Albrecht - Study of Hands - 1506

Es ist nicht falsch mit den Fingern rechnen zu lernen Albrecht D√ľrer Public domain

Konsequenzen der Lerntypentheorie (argumentiert nach dem Artikel auf Change)

Die Konsequenzen der Lerntypentheorie sind nun Folgende. Weil die Theorie so leicht eing√§ngig ist und doch von der Mehrzahl der Lehrer unterrichtet wird, vertreten in Amerika √ľber 90 Prozent der College-Studenten diese Theorie. Nach Change besteht die Gefahr, dass „visuelle Lerner“ prinzipiell abschalten, wenn es zu abstrakteren Lerninhalten kommt. In den Beurteilungsb√∂gen hei√üt es daher auch h√§ufig: „Ich bin ein visueller Lerner, daher waren die visuellen Beispiele gut.“ oder „Ich bin mehr ein auditiver Lerner, daher sollte mehr akustischer Inhalt vorkommen.“ Derartige Pseudotheorien verhindern also, dass Studenten und Lehrer einen verfehlten Unterricht korrekt identifizieren und sich so verbessern k√∂nnen.

Dies hei√üt nun nicht, dass wir nicht auf die verschiedenen Interessen der Studenten und Sch√ľler eingehen sollen, oder dass wir g√§nzlich verschiedene soziale Hintergr√ľnde ignorieren. Es bedeutet aber, dass wir uns bewusst machen m√ľssen, dass es doch eine bestimmte Art gibt, wie wir am besten Lernen. Meines Erachtens besteht diese aus aktiver Assoziation und der Reduktion von Lerninhalten auf Bekanntes. Eine gute Theorie aber haben wir in diesem Bereich noch nicht entwickelt. Was an dieser Stelle dann besonders enervierend ist, ist dass einige Dozenten dann anhand verquaster Theorien einem das Lernen beibringen wollen.

Nun ich hoffe der Artikel war n√ľtzlich, wenn ja dann bitte teilen und weiterverbreiten. Eine Diskussion hierzu w√§re spannend. Wie viele von uns haben sich nicht schon daran orientiert? Au√üerdem¬†added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein RSS-Feed ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine¬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt. Ach und teilen, w√§re auch nett, damit ich das hier nicht immer nur f√ľr mich schreibe.

Weiterf√ľhrende Links:

Der wohl beste Artikel zu diesem Problem wurde von Maike Loo√ü schon vor vielen Jahren ver√∂ffentlicht. Loo√ü argumentiert sehr genau und hat auch kleinere Studien hierzu durchgef√ľhrt. Angesichts der Tatsache, dass mir derlei Forschung seit vielen Jahren bekannt ist, ist es¬†f√ľr mich eine pure Qual von Lehrer-Seminar zu Lehrer-Seminar zu laufen und von fehlgebildeten Dozenten diese Lerntypen-Theorie immer wieder aufgetischt zu bekommen. Das schlimmste ist, dass nicht einmal die Gelegenheit besteht, die Theorie zu debattieren. Aus diesem Grund f√ľhle ich mich w√§hrend meines Studiums zu h√§ufig an eine grausige Schulzeit zur√ľckerinnert.

Weitere Zitate und Quellen zur Lerntypentheorie:

Im folgenden Zitat ist eine zentrale Studie zitiert, worin die Autoren behaupten, dass es keine Beweise bei Untersuchungen bisher gäbe:

„We conclude therefore, that at present, there is no adequate evidence base to justify incorporating learning-styles assessments into general educational practice. Thus, limited education resources would better be devoted to adopting other educational practices that have a strong evidence base, of which there are an increasing number. However, given the lack of methodologically sound studies of learning styles, it would be an error to conclude that all possible versions of learning styles have been tested and found wanting; many have simply not been tested at all. (p. 105) Research Citation:¬†Pashler, H., McDaniel, M., Rohrer, D., & Bjork, R. (2008). Learning styles: Concepts and evidence. Psychological Science in the Public Interest, 9, 105-119.
http://donaldclarkplanb.blogspot.co.uk/2010/02/learning-styles-final-nail-in-coffin.html

Im Weiteren sei  die Lage allerdings zum Verzweifeln. Weltweit sind Lerntypentheorien auf dem Vormarsch:

Allison Rossett:
„Really useful revisiting of the learning styles discussion. Didn’t we do this last year? And maybe the year before too? I am going to teach a doctoral group in a few weeks, and I know that learning styles will come up and that they, a group of Ph.D. candidates in ED, ED with an emphasis in multiculturalism, will be keen on learning styles. What interests me is why. Why have generations of educators glommed on to learning styles when the research is settled or pretty darn so? Seems to me that’s the interesting morsel here.“ http://elearnmag.acm.org/featured.cfm?aid=2070611

Der Autor des gleichen Artikels gibt auch diverse Gr√ľnde an, warum sich die Theorie der Lerntypen immer noch so wacker h√§lt. Ihr k√∂nnt ruhig mal reinlesen.

Ein recht witziger Artikel, der sich knapp mit der problematischen Implementierung der Learning-Styles im Unterricht auseinandersetzt, lässt sich auf dieser Seite finden: http://kirstyevidence.wordpress.com/2012/11/13/learning-styles-and-other-made-up-stuff/

Wenn ihr zustimmt, bitte teilen, wenn nicht, diskutieren

Norman Schultz.

Veröffentlicht unter Lernen lernen | 3 Kommentare

Geniefilm „Das Schweigen der L√§mmer“? Hannibal als Ausdruck unserer √Ąngste vor Vernunft

Wir haben den Kontakt zu den Genies verloren. In der postmodernen Souver√§nit√§t des Individuums weigern sich die Durchschnittsprofilneurotiker in die Fu√üstapfen anderer zu treten, da sie andernfalls keine eigenen Fu√üstapfen mehr hinterlassen w√ľrden. Doch der Schnee ist l√§ngst niedergetrampelt von den Genies vormaliger Generationen, so dass den angeblich gro√üen Denkern unserer Zeit nur √ľbrig bleibt in der grauem Masse zu verschwinden. Genies wurden nach und nach demontiert. Der Nerd selbst ist zum Massenph√§nomen geworden. So gibt es auch keine gro√üen Philosophen mehr. Konnte Quine mit seinem „Two Dogmas of Empiricism“ noch an die 500.000 Folgeartikel verzeichnen, ist der Markt heute v√∂llig pluralisiert.¬†(Titelbildnachweis:¬†Towpilot [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Die Faszination an der √úberleistung hat sich √ľberlebt, allerdings wird diese nun demokratisch identifiziert. Wenn wir Menschen wie Madonna zur gr√∂√üten S√§ngerin des Planeten hochjubeln, die Beatles zu Vollblutkomponisten emporheben, die aus dem selben Holz wie Mozart geschnitzt w√§ren, oder tats√§chlich glauben Justin Bieber w√ľrde dazu im Vergleich minderwertige Musik machen, dann hat sich der Glaube an die gr√∂√üeren Gedanken schlichtweg kaputtdemokratisiert. Der Aufstieg zu den Gipfeln der Menschheit beginnt heute in den Basislagern des Durchschnitts. Genie ist Dominanz in der Popkultur. Es gibt daher keine Geniefilme, die nicht immer auch die Sehnsucht der Massen nach schneller Geltung reflektieren. Das Genie der konstanten T√§tigkeit ist verschwunden.

Zur Demontage des Geniemythos geh√∂rt allerdings schon viel fr√ľher die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Angst vor den Abgr√ľnden unserer Vernunft. Wir glaubten nicht mehr, dass der reine Intellekt die Welt ver√§ndern w√ľrde, da er zumeist auch dem B√∂sen diente und Menschen durch ungeheure Kriegsmaschinerien verwurstete. Doch die endg√ľltige Heroisierung unserer Vernunft und Genieangst in Philosophie, Kunst und Literatur sollte erst mit „Das Schweigen der L√§mmer“ ihren Durchbruch auf der Leinwand finden. Hannibal Lector war hier wohl der H√∂hepunkt einer Thrillerbranche, die den Serienm√∂rder als Spiegel unserer √Ąngste entdeckte. Der kultivierte M√∂rder, der komponiert, Shakespeare auswendig kann, St√§dte aus dem Ged√§chtnis malt, Pers√∂nlichkeiten am Parfum erkennt, Charme und ein unleugbares Charisma besitzt, der schlie√ülich allen unseren seelischen Abgr√ľnden sofort auf die Schliche kommt, der selbst in seiner Kochkunst universell begeistert, w√ľrde er nicht generell Menschenfleisch bevorzugen, dieses Genie der Tugenden hat doch letztlich einen b√∂sen Willen. Was Kant schon wusste, dass jede Tugend auch dem B√∂sen zutr√§gt, so war in Hannibal Lecter die Genialit√§t mit dem Antichristen identifiziert.

Die Amerikaner haben hier √ľbrigens noch ein viele deutlichere Abneigung gegen√ľber den Liberal Arts als wir. Der Durchschnittsamerikaner glaubt, Bildung schade dem Staat und sei irgendwie b√∂se, weswegen mehr und mehr konservative Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten.

Hannibal hinter Masken und St√§ben versperrt ist wie ein berechnendes Tier, dass ungez√§hmt Gesichter von Menschen abzieht und auf seine Chance auf Freiheit lauert. Die Konfrontation mit der inneren Psyche unseres K√∂nnens, die Konfrontation mit den Grenzen des Genies ist hier Thema des Films. Der eigentliche M√∂rder ger√§t zum Beiwerk und die Faszination f√ľr das Genies ist hier der Umschlagplatz f√ľr unsere √Ąngste. Wenn Wissen Macht ist, dann muss das Genie gerade uns bedrohen, die wir ja in Wirklichkeit keine Genies sind und alles hart erarbeiten. Hannibal bedroht uns uns nicht mit der M√∂glichkeit uns zu verspeisenn. Der Kampf findet wohl bewusst in der Psyche statt. Wo Menschen nicht mehr in die Fu√üstapfen anderer treten k√∂nnen, dort bedroht das andere Genie das schwache Leuchten des eigenen Lichts und so ist „Das Schweigen der L√§mmer“ eine psychische Konfrontation der Protagonisten.

Nach finanziellen Erfolgen kann sich Hollywood einer Fortsetzungen regelm√§√üig nicht erwehren. Daher hatte „Das Schweigen der L√§mmer“ auch einen Nachfolger. Aus der urspr√ľnglichen Reise in die Motive der „Guten“ aber – Starling und Lecter verfolgten ja einen h√§utenden Serienm√∂rder, wird hier allein das b√∂se Genie vorgestellt. Dieses B√∂se muss dem Guten immer √ľberlegen sein, da es eine versteckte Realit√§t besitzt. Dort wo das Gute nicht hinblicken soll, hinter der Intelligenz unseres Selbst verbirgt sich an den blinden Flecken der Abgrund. Dort wo unsere Intelligenz endet, dort beginnt das B√∂se, das sich unserer Verstandeskraft entzieht. Der Verbrecher, da er sich vor den Guten verstecken muss, muss immer schlauer sein. Jeder Versuch daher die Kriminalit√§t aus dem Schatten zu holen, hebt neue Schatten hervor. So ist die Fortsetzung „Hannibal“ nicht mehr die Frage nach unserem Gutmenschentum und unseren psychischen Abgr√ľnden, sondern bl√ľht auf im postmodernen Gemetzel ohne Moral, das schon Tarantino nach „Das Schweigen der L√§mmer“ etablierte. Das Genie ist nur noch ein Genie ohne Moral und keine erstrebenswerte Veredlung enth√§lt sich mehr in der Intelligenz.

Hannibal soll daher der Höhepunkt menschlicher Schaffenskraft sein, was nicht bedeutet, dass dieser Höhepunkt Gutes bedeutet. In Florenz mordet Hannibal schlichtweg kultiviert zu Opernklängen.

Das Umfeld ist dabei schon wie im Film zuvor nicht mehr als ein Humphrey-Bogart-Film. Hollywood bedient Klischees um die Handlung marktgerecht voranzutreiben. Ein blasser Agent Starling ist umgeben von sexistischen St√ľmpern, kettenrauchenden, italienischen Detektiven und einem Milliad√§r, der mit Schwachk√∂pfigen Handlangern Gel√ľste auslebt, wie er es f√ľr richtig h√§lt. Selbst Starling wirkt wie ein Teenager mit Zahnspange, die auf den manipulativen, greisen Intelligenzbolzen herein f√§llt. Wer hier aber Klischees kritisiert, muss sich bewusst sein, dass die Welt aus eben diesen Klischees tats√§chlich besteht: Menschen, die nicht mehr in die Fu√üstapfen anderer treten wollen und doch genau wie die Abziehbilder von der Leinwand sind.

Lecter ist der Geniekult in jedem von uns. Der Geltungsdrang und √úberheblichkeit. Gleichsam sind wir eingeschlossen, in das Umfeld der Durchschnittlichkeit. Wir sind auch nicht mehr als die Masse der Demokratie.

Mit Sicherheit hatte der erste Film dem zweiten Film psychologische Tiefe voraus und ich weiß noch, wie ich als junges Kind schlichtweg Angst vor allen, diesen Szenen hatte:

Weitere Filme, die es in die engere Auswahl von Geniefilmen geschafft haben, sind 21 РPoker, Pirates of Silicon Valley, The Social network, Inside Man, Phenomenon, Be Cool (Schnappt Shorty), Rounders, Schlafes Bruder, Das Wunderkind Tate, Oscar Wilde, Real Genius, Iron Man, Einstein Junior, Liebe ist relativ, Der talentierte Mr. Ripley, Das Parfum, Inception, Aviator, Der Mann, der die Frauen liebte, A beautyful mind, Forrester, Ridicule РVon der Lächerlichkeit des Scheins.

In meiner Top Ten sind: Prestige РMeister der Magie, Catch me if you can, Die Schachnovelle, Das wilde Schaf, Gandhi, Rain Man, Shine,  Good will hunting, Ohne Limit (Dieser Film läuft bei dem Thema außer jeder Konkurrenz), die Legende vom Ozeanpianisten

Ich werde diese Filme noch besprechen und ich w√ľrde mich freuen, wenn ihr weitere Vorschl√§ge macht oder meinen Blog verfolgt.¬†Ansonsten k√∂nnt ihr auch gerne auch meiner¬†Pinterestgruppe¬†zu motivierenden Pers√∂nlichkeiten beitreten.¬†Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, dann¬†added mich doch bitte bei¬†Google+, abonniert mich per¬†E-mail¬†oder tretet der¬†Facebookgruppe¬†oben rechts bei. Ein RSS-Feed ist nat√ľrlich auch vorhanden sowie eine¬†Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten k√∂nnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt. Ach und teilen, w√§re auch nett, damit ich das hier nicht immer nur f√ľr mich schreibe :)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Genie | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar