Süddeutsche IQ Test unzuverlässig – Überlegungen zum Intelligenz steigern

Zum Thema „Intelligenz steigern“ durchforste ich ja im Moment diverse IQ-Tests im Internet. Hierbei bin ich natürlich auch nicht um den IQ-Test der Süddeutschen herum gekommen. Obwohl dieser Test, doch einige interessante Aufgaben vorgibt, erscheint am Ende das Ergebnis doch sehr fragwürdig. Wie an meinem Ergebnis zu sehen ist, habe ich in vier Bereichen jeweils einen Fehler und in zwei Bereichen keinen Fehler gemacht. Diese Leistung beläuft sich dann auf einen IQ von 130, was ca. 2 Prozent der Spitzengruppe entsprechen sollte.

Das heißt, ich bin knapp am Mensa-Kriterium vorgeschrammt, da der Test mit einer Standardabweichung von 16 verfährt. Standardabweichung 16 heißt hier unter anderem, dass der Test mit zwei Standardabweichungen vom Durchschnittswert eine Hochbegabung „diagnostiziert“. Bei einem Durchschnitt von 100 ist der Wert also 132. Aufgrund der verschieden verwendeten Standardabweichungen lässt sich im Übrigen auch erklären, warum die Amerikaner zumeist andere und zwar viel höhere IQs angeben. Es lohnt sich in diesen Fällen die Standardabweichung zu erfragen. Was heißt es nun zum Beispiel, dass Sharon Stone einen IQ von 154 ihr eigen nennt oder Madonna sich mit lockeren 140 schmückt? Ohne das Wissen über die Standardabweichungen bringt dies nicht viel. Und derweil ist wohl auch bekannt, dass Stone eher ein Fake als eine Intelligenzbestie ist. 

Aber nicht nur das. Zu dem ganzen IQ-Labyrinth kommt, dass einige Werte angeben, die im Kindesalter bestimmt worden sind, wobei dann der Wert aber entsprechend nach oben korrigiert wird. So kommt es zum Beispiel vor allem in Großbritianien sehr häufig vor, dass Mensa dreijährige Kleinkinder in den Club der geistig Schönen aufnimmt, die angeblich einen IQ von 159 oder gar 162 hätten. In den entsprechenden Redaktionen von immerhin Spiegel und Stern wundert sich allerdings niemand über diese Ergebnisse und liefert diese einfach an uns ohne kritische Rückfragen.

So ist es wohl auch im Fall von Marylin Vos Savant zu erklären, dass der Test, den sie mit angeblich 10 Jahren abgelegt hatte, so extrapoliert wurde, dass sie vier Jahre im Guinessbuch als intelligentester Mensch der Welt stehen konnte. Doch die angeblichen 225 Punkte kamen nur zu Stande, weil Vos Savant bei der Berechnung reichlich geschummelt hatte. Und seien wir ehrlich, warum sollte die Leistung einer Dreijährigen, die einen Test von vielleicht 130 IQ-Punkten ablegt, mit einem Erwachsenen auf dem Niveau von 220 vergleichbar sein?

Gleich aber nun welche Standardabweichung der Test der Süddeutschen verwendet, auch gleich welches Alter der Test berücksichtig, die Zuverlässigkeit des Tests ist wie bei so vielen Internettests stark anzuzweifeln. Und wenn selbst Matthias Moel, Mitglied bei Mensa bezweifelt, dass Mensa Mitglieder alle Aufgaben richtig lösen würden, dann ist der Test wohl eher nicht ernst zu nehmen. Kommen wir daher zu den Fehlerquellen

Fehlerquellen des IQ-Tests der Süddeutschen

1. Schlechter Range, nur vier Fehler entscheiden über Genie oder nicht Genie Die vier Fehler, die ich gemacht habe, müssten sich ja in diesem Test auf den Bereich bis 150 verteilen, das heißt, hätte ich zum Beispiel zwei Fehler weniger gemacht, wäre ich bei 140. Dass dies tatsächlich der Fall ist, erscheint mir im Hinblick auf das schludrige Testdesign wahrscheinlich. Da es sich bei mir tatsächlich um minimale Fehler handelte, wäre ich also fast in den Geniestatus geadelt worden. Zugleich fragt sich daher aber auch, welche Abstürze zusätzliche minimale Rechenfehler gebracht hätten. Wie schnell wäre ich also an einer 130 vorbeigeschrammt und im Tal der Geistverlassenen gelandet? Berücksichtigen wir diese Überlegungen, so ist die Messgenauigkeit des Süddeutschen IQ-Tests doch stark vom Zufall abhängig. Nun will ich keinesfalls behaupten, dass ich einen höheren IQ verdient hätte, allerdings führt dieses Ergebnis schlicht in die Irre und dürfte andere durchweg frustrieren, insofern sie eigentlich in die Hochebene des Mensa-Vereins gehören. Selbst wenn die Skalierung im Hinblick auf die Standardabweichung stimmen sollte, so sollte doch ein solcher Test einen weiteren Range haben. Von 80 Aufgaben sollte bereits die Beantwortung von mindestens 80 Prozent den Bereich ab 130 abdecken, um bis zu dem Bereich 150 überhaupt noch eine Skalierung zu ermöglichen. Ich kenne gar Tests, wo eine Beantwortung von knapp 50 Prozent dafür ausreichen. Daher ist momentan die Wahrscheinlichkeit, dass der Test IQ-Freaks ebenso leicht durch simple Fehlklicks oder kleinere Rechenfehler in falsche Bereiche eingemisst.

2. Keine Steigerung des Schwierigkeitsgrades

Hinzu kommt nun auch, dass sich der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben nicht sonderlich unterscheidet. Der Test misst meines Erachtens eher Genauigkeit und Geschwindigkeit. Obwohl diese Kriterien nicht zu vernachlässigen sind, müsste der Test schlicht Fragen aufbringen, die andere Schwierigkeitsgrade ausweisen und dafür einen weiteren Range erlauben. So macht auch James Flynn darauf aufmerksam, dass ein guter Intelligenztest eben jenen Anstieg der Schwierigkeitsgrade aufweisen muss. Würden wir zum Beispiel alle messen, wie gut wir uns die Schuhe binden können, würden wir womöglich alle recht ähnliche Werte aufweisen. Genau hier befindet sich also die Grenze des Tests: Die Zahlenreihen sind beispielsweise stets nach gleichem Prinzip gebaut, wobei es immer nur darum geht eine Reihe von wechselnden Operationen zu wiederholen. Die Logikaufgaben folgen simplen Ausschlussverfahren und der Sudokutest gibt geübten Sudokuspielern einen klaren Vorteil. Die immer gleichen Prinzipien, sprechen jedenfalls nicht für Fragen der Intelligenz, sondern stehen für Übung.

3. Eventuelle Messfehler?

Wie sich auch schon in einigen Forendiskussionen über den Süddeutschen-IQ-Test zeigt (wo sich übrigens irgendwie nur 140 IQler tummeln), ist der Test der Süddeutschen nicht zuverlässig. Viele vergleichen dabei andere Ergebnisse mit dem Test und kommen zu enormen Abweichungen. Dies mag durch verschiedene Faktoren begünstigt sein: Zum Ersten weiß ich nicht genau, ob der Test eigens geeicht worden ist oder ob er im Hinblick auf die bisherigen Testteilnehmer bestimmt wird. Sollte dieses der Fall sein, so muss davon ausgegangen werden, dass eher die intelligentere Klientel den IQ-Test getestet hat, so dass eine Verzerrung nach unten stattfindet. Das heißt, wenn im Durchschnitt, die Teilnehmer IQ-Kanonen von 110 sind, dann ist die 110 das neue 100. Hinzukommt, dass somit auch eine Mehrfachabsolvierung des Tests durch die Teilnehmer im Internet keine Seltenheit ist, um zum Beispiel eventuellen Abweichungen zu verfolgen und die Skalierung zu verstehen. Der Test wird also durch mehr Teilnehmer keineswegs reliabler, sondern immer ungenauer.

Persönliche Notiz und Intelligenz steigern

Zu meinen bisherigen Testungen muss ich hinzufügen, dass ich immer einen Bereich von 125 – 135 erreicht habe (Das gilt in einigen IQ-Kreisen wie zum Beispiel der Tripple Nine Society noch als ziemlich blöd). Als ich eine Klasse in der Schule dankenswerter Weise wiederholen durfte, wurde dieses amtlich wie eine Krankheit bescheinigt. Ich sollte also eigentlich zufrieden mit dem Test sein, doch für eine Mensa-Aufnahme, die ich gerne anstreben möchte, sollte es für mich sehr knapp werden. Allerdings haben Kiril (Dirigent in Tübingen) und ich beschlossen uns langfristig darauf vorzubereiten. Intelligenz zu steigern stellt sich im Hinblick solcher Tests nicht als das Problem heraus. Der sogenannte G-Faktor, wie auch der Psychologe Flynn diese Ansicht vertritt, lässt sich durchaus trainieren.

Intelligenzsteigerung notwendig?

Es ist fragwürdig wie wir allerdings eine solche Intelligenzsteigerung bewerten sollen, vielleicht üben wir dabei vor allem solche Tests gut zu absolvieren. Rick Rosner zum Beispiel, der momentan auf Platz 2 mit einem IQ von 192 rangiert, gibt selbst an teilweise 20 Stunden Intelligenztests zu absolvieren, um wieder Platz 1 einzunehmen. Wenn ich mir dann von dieser Liste die geistigen Resultate anderer IQ-Heroen anschaue, dann komme ich schon ins Grübeln. Ich glaube, dass wir bei der Intelligenzsteigerung im Hinblick auf IQ-Tests ab einem bestimmten Punkt nur noch das Lösen dieser Aufgaben trainieren. Ich kann natürlich dabei nicht leugnen, dass mir das permanente Lösen solcher Aufgaben viel Freude bereitet, wobei mir im Doktorstudium eher wenige solcher Denkleistungen abverlangt werden, dennoch mag ab einem bestimmten Punkt dieses Spiel wie das Bauen von Intelligenzsandburgen sein und hat abgesehen vom künstlerischen Wert des Rätselns selbst wenig mit unserer Gesellschaft gemein. So ist zum Beispiel bemerkenswert, das Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman auf der High School einen IQ von 125 erreichte (Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/Overachiever).[3] Selbst ein Physikgenie braucht also nur die Grundausstattung. Dabei heißt es ja auch so schön, bei bestimmten Reisezielen sei es beinah egal, ob wir mit einem Ferrari oder einem VW fahren, denn in der wirklichen Welt sei nur die Kontinuität des Denkens wichtig.

Nachdem also Feynman den Nobelpreis gewann, bot ihm Mensa dann doch eine Mitgliedschaft an. Feynman lehnte das Angebot des Hochbegabtenvereins ab, schließlich hatte er das Aufnahmekriterium von mindestens 2 Standardabweichungen nicht erreicht. 

Weitere IQ-Tests

Wer weiter IQ-Tests trainieren möchte (und Denken kann ja zur Abwechslung nicht schlecht sein) so sind hier noch ein paar zu finden.

IQ-Test.dk

Einen meines Erachtens ganz guten IQ-Test liefert http://www.iqtest.de/test.php, wobei die Aufgabenschwierigkeiten schon stark steigen und die Lösungen nicht veröffentlicht werden. Zudem wurde dieser Test angeblich an 250.000 Personen geeicht. Zugegeben das hört sich eigentlich sehr teuer an und hört sich aus diesem Grund wieder nach einer unangenehmen Interneteichung an. Genauere Angaben sind hierzu allerdings nicht zu finden und mir erscheint der Test plausibel. Hier mein Ergebnis:

 

 

IQ-Out

Dieser Test ist wohl vom Schwierigkeitsgrad her am schwersten. Angeblich solle dieser auch in hohe Bereiche gut hineinmessen und wurde so erstellt, dass er kulturneutral sei. Ich muss zugeben, dass ich diesen Test zusammen mit Kiril viel geübt habe, um folgendes Ergebnis zu erzielen. Auch hier dachten die Testingenieure wohl, dass eine internetbasierte Auswertung den tatsächlichen IQ abbilden würde, allerdings haben sich die Autoren vertan, denn allein der Fakt, dass Kiril und ich diesen Test mindestens 20 mal gemacht haben, zeigt, dass wohl auch andere den Test nicht nur einmal machten und ihre Ergebnisse konstant gesteigert haben. Ich erachte den Test gar als gutes Training, dass man sich ab und an mal gönnen sollte. Verschiebungen sind daher zu erwarten. Und nochmal: IQ-Tests, die aufgrund des Internets geeicht werden, sind daher nicht zuverlässig. Wer bei diesem Internettest allerdings auf Anhieb einen IQ von 150 erreicht, darf sich wohl als Genie feiern, denn der Test ist meines Erachtens wirklich schwierig.

  Mich würde mal interessieren, was ihr so auf Anhieb erreicht, ich war wohl irgendwie bei 120, was nicht dolle ist.

Intelligenz bei Bild

So und wer nun noch einen Test für Blöde machen will, wo der IQ eher sich nach unten verzerrt, weil es eher von IQ-Kanonen um die 90 absolviert wird, der kann auch gerne bei der Bildzeitung reinschnuppern. Wer dort gut ist, kriegt dann auch die der IQ-Erwartung entsprechende Messgenauigkeit. Mir sagte der Test nämlich: „Sie sind wirklich schlau.“ Donnerwetter, das hätte ich nicht gedacht.

 

Ich hoffe der Artikel regte zum Nachdenken und Trainieren an und hat einige interessante Informationen zusammengetragen, wenn ja dann bitte teilen oder kommentieren. Mich würden ja mal die Ergebnisse, die ihr erzielt interessieren. Ansonsten werde ich die nächsten Tage noch einen anderen Artikel auf meinem anderen Blog zum Thema Intelligenzquotient und den intelligentesten Menschen der Welt zusammen stellen. Added mich doch bitte bei Google+, abonniert mich per E-mail oder tretet der Facebookgruppe oben rechts bei. Ein RSS-Feed ist natürlich auch vorhanden sowie eine “gewaltig interessante” Pinterestwall zum Thema Lernen. Ansonsten könnt ihr mich gerne anschreiben, wenn ihr mal gemeinsame Projekte im Sinn habt. Norman Schultz Pittsburgh 2013

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