Intelligenzsteigerung ist möglich – Mit Härte gegen das schlechtere Selbst vorgehen

Nach neueren Studien heißt es, eine Steigerung der Intelligenz sei prinzipiell irgendwie möglich und das auch, wenn wir nicht wissen, was Intelligenz eigentlich ist. Obwohl wir ihn also nicht kennen, geht es in diesem Post dann also doch um den Intelligenzbolzen in uns. Genaueres kann ich hier allerdings noch nicht verraten, denn Genaueres lässt sich im Internet eben nicht in Erfahrung bringen. Mit diesem Beitrag dupliziere ich also die allgemeine Ratlosigkeit und liefere keine dringend erwartete Lösung für eines der größeren Probleme. Im Internet verbreiten sich Informationen wie in einem wässrigen Eintopf, die Hauptzutat sind zumeist Gerüchte. Da kaum jemand spezifische Originalquellen zitiert und diese vielleicht noch kritisch gewichtet, findet dann einer bei Google kaum mal ein Stückchen, das satt macht. Internet, das ist für mich manchmal so, wie die Speisung der Armen. Die Gerüchteküche brodelt und die wenigen qualitativen Informationen verschwinden in faden Bemerkungen. Undbedingt steigert das Internet daher nicht unsere Intelligenz. Es kommt auf die Auswahl der Informationen an und zumeist sind diese schwer zu bekommen. Kommen wir also zur Frage der Intelligenzsteigerung, dann ist dort nicht viel zu finden. Für diese Infos brauchte ich bis hierher wirklich viele Stunden Recherche. (Titelbildnachweis: By Neoclassical_Velocity.JPG: Unitfreak Carrot.svg: Nevit Dilmen (talk) Stick.svg: Nevit Dilmen (talk) derivative work: Nevit Dilmen (Neoclassical_Velocity.JPG Carrot.svg Stick.svg) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons)

Beginnen wir billig mit dem Focus. Ein Gehirnforscher erklärt uns: Joggen und walken Sie! Intelligenz und Gehen liegen im Gehirn ganz dicht beieinander. Machen Sie nach 90 Minuten Arbeit eine Pause! Haben sie immer ein bisschen Hunger, damit der Darm kein Blut aus dem Kopf abzieht! Sie alle essen übrigens zu wenig Obst und Gemüse, ihr Gehirn muss schließlich durchblutet sein. Nur mit dieser Kost kommen Sie auf grüne Zweige. Stehen Sie mit dem Licht auf und schlafen Sie genug! Und zu guter letzt gibt es von dem Intelligenzprofessor dann noch folgenden Rat: Menschen mit moderatem Alkoholkonsum sind in der Regel schlauer als Alkoholiker. Wer hätte das gedacht? Aber nein, bleiben wir ernst, moderate Trinker sind auch schlauer als völlige Abstinenzler. Also riskieren Sie den Griff zur Flasche, rät Focus: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/training/hirntipps/brain-fitness_aid_12050.html

Weitere Informationen, die ich erfassen konnte, stammen aus der Welt. Entgegen früherer Informationen, die ich zu meiner Schande tatsächlich aus dem Internet bezog, können wir unsere Intelligenz tatsächlich steigern (irgendwie!). Wir erweitern einfach unseren Arbeitsspeicher durch eine Reihe stupider Aufgaben und sind dann auch für unbekannte Probleme gewappnet. Im blumigen Psychologendeutsch heißt das dann: Wir trainieren unsere kristalline Intelligenz und erwerben einen Mehreffekt für unsere fluide Intelligenz. Mehr Arbeitsspeicher mehr Superbrainpower. Ein Video hierzu lässt sich auch auf 3Sat finden und siehe da! Selbst Kinder sind für die Intelligenzsteigerung schon zugänglich. Doch ich bin verwirrt sollte nicht schon die Schule ihre Intelligenz gesteigert haben? Hier das Video.

Drill instructor at the Officer Candidate School

Woher die Motivation nehmen? (By John Kennicutt, U.S. Marine Corps (http://www.marines.mil; VRIN: 090708-M-9842K-008) Public domain, via Wikimedia Commons)

Doch so einfach ist das mit dem Geniewerden dann leider nicht. Nur weil wir dreimal auf ein Kreuzworträtsel blicken, moderat Alkohol trinken, Blaubeeren essen und Sudokus mit Bravour lösen, sind wir noch noch lange nicht beim inneren Goethe, Picasso und Einstein angelangt. Unsere Superintelligenz können wir leider nicht mit ein paar Lockerungsübungen erwerben und unsere Intellligenz ist auch nicht in der genüsslichen Abendunterhaltung verborgen, wenn wir mit dem Studentenfutter zweimal auf Arte vorbeizappen. Auch in der Fernsehstrahlung, die uns mit flimmernden Bildern überkommt, ist Intelligenz nicht enthalten. Es heißt: „Sie müssen hart an der Leistungsgrenze jeden Tag mindestens eine halbe Stunde richtig ihr Gehirn fordern.“ so fordert es zumindest Prof. Ulman Lindenberger vom Max-Planck-Institut (MPI) für Bildungsforschung. Leider müssen wir also auch für den Gehirnmuskel stärker an unsere Leistungsgrenze heranrücken und da ist es nicht gerade kuschlig warm. Selten verwandeln wir uns selbst in ein sibirisches Arbeitslager, wo wir dann Denkbrocken stemmen wie Atlas einst die Welt. Warum auch? Selten verfolgt uns beim selbstauferlegten Drill eine Gefahr, die auch noch den letzten Tropfen Energie aus uns herausquetscht. Wir sind keine Tiger, die sich selbst antreiben, weil wir uns selbst so bedrohlich finden. Wir sind Bequemlinge, die sich gerne gemütlich in ihr Heim zurückziehen und mit allem Popanz Arte schauen. (zu dem Motivationthema habe ich übrigens ein Board bei Pinterest angelegt, schaut mal rein).

Im Zeitalter der Entspannung ist die Selbstdisziplin schwer genug, vor allem wenn das Sofa wie ein intellektueller Sündenpfuhl so verlockend nah steht und von einer schwedischen Firma zur bequemsten Couch jemals designed wurde. Innerer Coach und Couch vertragen sich nicht. Und dann noch Facebook nur einen Klick in der Tableiste entfernt, da kann ich kaum noch einen Satz gerade aus schreiben. Es kommt aber ganz im Gegensatz bei der Intelligenzsteigerung darauf an, dass wir es uns nicht leicht machen, dass wir vor allem unsere inneren Energien aktivieren, um uns permanent neuen Situationen auszusetzen. Jeder neue Moment ist ein Training für das Gehirn. Ich muss gestehen, das mache ich zu selten. Habe ich heute schon etwas Neues gemacht?

Im Gegenzug zur Anstrengung versuchen wir unsere Geistesleistung stetig durch einige Tricks zu steigern. Methoden, bei denen wir Begriffe auf imaginären Routen durch unsere Wohnung ablegen, sind dabei zwar hilfreich, bringen uns aber auch nicht an die Grenze unserer Gedächtnisleistung. Wir bescheißen ein wenig und gaukeln vor, wir hätten ein tolles Gedächtnis, dabei denken wir nur mit Hilfe von ein paar Taschenspielertricks episodisch. Eine Seite mit denselben Tricks – wie mittlerweile überall sonst auch – findet sich beispielsweise hier. Von dieser Seite dürftet ihr allerdings keine Intelligenzsteigerung erwarten, sondern nur ein paar billige Methoden, um etwas schnell zu merken (dem ein oder anderen mag es allerdings helfen).

	Foto aus meiner Schulzeit

Foto aus meiner Schulzeit (Foto: Public Domain)

Warum wollen wir uns Dinge schließlich in dieser Weise merken? Nun dies hängt damit zusammen, dass die Schule und Universität uns mehr und mehr zum Tanzbären macht. Auswendig lernen wir eigentlich zumeist für die Schule und für die Universität. Bei Berufen, die etwas mit der Praxis zu tun haben, ist dies seltener der Fall. Die unmittelbare Präsenz im Gedächtnis, die Russel noch als Quelle aller Erkenntnisse bezeichnete, ist heute längst nicht mehr so sehr gefragt, wie zu Zeiten als Schüler ganze lateinische Grammatiktabellen aufsagen mussten und dafür auch noch bewundert wurden. Wissen, welches wir auswendig beherrschen müssen, ist eher kulturell abhängig und kulturell entdecken wir gerade kollektive Datenspeicher, die überall kommunikativ zugänglich sind.

Bei Sprachen halte ich das Pauken von Vokabeln aber ohnehin für nutzlos, denn Vokabeln prägen sich im Gebrauch ein, damit sind hier auch die oben beschriebenen Merktechniken hinfällig (es sei denn wir müssen in der Schule Englisch lernen und uns auf einen Vokabeltest vorbereiten). Merktechniken können also durchaus verwendet werden, um schnell ein gewisses Instrumentarium zu haben, aber einer wirklichen Steigerung der Intelligenz tragen Merktechniken nur bedingt bei, denn eigentlich verhindern sie geschickt, dass wir an unsere Leistungsgrenze gehen. Zahlenkolognen mit allerlei Tricks schnell einzuprägen, hat schon aus einigen Arbeitslosen Gedächtnisweltmeister gemacht (Ich habe mich immer gefragt, was passieren würde, wenn Kasparow an diesen Meisterschaften teilnehmen würde).

Khon Training - 005

Der Trainer will noch mehr (By Fine Arts Department, 1954 Public domain, via Wikimedia Commons)

Wie also kommen wir an unsere Leistungsgrenze? Mir ist schon länger klar, dass sich die Intelligenz steigern lässt, wenn der entsprechende Partner an der Seite spielt. Schach ist beispielsweise ein Spiel, wo sich zwei Menschen unter Konkurrenzdruck messen, aber sich genauso entwickeln und fordern. Doch auch hier verkommt das Spiel zu schnell zur Alltagsbeschäftigung und zum harmlosen Freundschaftsdienst. Wir brauchen Trainer, finden aber zumeist nur Menschen, die es gewöhnlich gemütlich angehen lassen.

Das Internet als Trainer?

Ein interessantes Programm, dass gerade die kristallinen Bestandteile unseres Arbeitsgerätes trainiert, gibt es nun auf dem amerikanischen Markt. Lumosity (leider auf Englisch, aber auch das sollte wohl damit trainiert werden) erstellt täglich Statistiken von unseren Leistungen und bombardiert uns mit kleineren Intelligenztests, um uns auf Leistung zu bringen. Hier geht es nur darum, den Arbeitsspeicher zu trainieren, denn so wissen die Forscher aus Camebridge und Harvard nun endlich, dies wirkt sich auf unsere fluide Intelligenz aus. Ich teste derweil Lumosity und werde die nächsten Tage mehr davon berichten. Es erscheint mir sehr seriös, da das Projekt von einigen Professoren vorangetrieben wird und tatsächlich mit einer guten Studie aufwartet (die ich nochmal genauer darstellen werde). Der Monatspreis bei einem Jahresvertrag beträgt ca.6 Dollar, ansonsten 16 Dollar. Womöglich werde ich es aber mal für ein Jahr testen.

Für alle, die sich nun für diesen Artikel eigentlich nicht interessieren, weil sie ja lieber das Leben irgendwie genießen, aber irgendwie doch bis hierher gelesen haben, habe ich noch ein Video. Alle anderen möchte ich bitten, diesen Blog per E-mail zu abonnieren oder der noch recht kleinen Facebookgruppe beizutreten. Ein Kommentar mit weiterführenden, tiefer gehenden Links, wäre auch sehr wünschenswert. Alles Gute Norman Schultz.

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