Lerne wie 1000 Mann klatschen – Von der Freiheit des Lernens

Indem wir beide Handflächen aufeinander prallen lassen, verdrängen wir die Luft und machen für die Bewunderung Platz. Applaus ist kinderleicht und mittlerweile sind wir derart konditioniert, dass wir uns gezwungen fühlen mitzuklatschen, wenn nur einer klatscht.

Manchmal klatschen wir es aus Begeisterung, zumeist aber aus Herdentrieb, manchmal aus Angst und oft auch aus Scham. „Kein Applaus fĂĽr ScheiĂźe“, das bekomme ich selten hin.

In der Regel praktizieren wir Klatschen vor allem, um außergewöhnliche Leistungen zu honorieren. Insbesondere würdigen wir die Leistungen, in denen Gelernte ihre Fähigkeiten präsentieren. Die Masse applaudiert natürlich für den leicht gehobenen Durchschnitt, weil sie schnell von der Genialität zu begeistern ist. Ansonsten gilt das Prinzip, das einst Alfred Eisleben formulierte: Nur ein Meister kann einen Meister loben. In dieser Art stellt sich nun auch die Frage, wie einem Mann applaudieren, der so klatscht wie 1000 Männer.

Handelt es sich hier um eine außergewöhnliche Leistung? Ich kann es nicht genau beurteilen. Applaus gab es von mir, aber ein solches Diplom könnte ich mir auch schnell selbst basteln. Andererseits erscheint mir das Ganze auch mit etwas Disziplin erlernbar. Warum aber lerne ich es nicht? Nun obwohl ich intrinsisch dazu bereit bin, fehlt mir leider die extrinsische Motivation. Aus Sicht meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit würde mir diese spezielle Fähigkeit eben auch nicht viel bringen. Doch es würde sicher Spaß machen, mit anderen in dieser Art zu applaudieren. So könnten 100 Mann applaudieren wie 100.000 Mann.

Warum wir nicht lernen

In meiner Kindheit war es häufig so, dass viele sich Tricks gezeigt haben, die niemals besonders waren, aber die doch erlernt werden mussten. Wir halfen uns allerdings kaum gegenseitig. Beim Fußball ging es immer darum sich vor den anderen als Besten zu beweisen, aber niemals darum sich gegenseitig auf ein höheres Niveau zu bringen. Statt also uns im Miteinander immer mehr Fähigkeit zu unterrichten, hatte ich den Eindruck, dass wir darauf verzichteten und uns lieber als die besten beweisen wollten. Auf der anderen Seite wurde der ernsthafte Lerndruck vor allem auf die Schulen verlagert.

Lehrer sind heute unabdingbar, um im Moment der psychischen Schwäche dann doch den Schüler zu drillen. Da das Miteinander offensichtlich schwach ist, hat die Gesellschaft die Institutionen auf den Weg gebracht. Schulen, die zumindest täglich das Lernpotenzial der Schüler abverlangten, haben doch die Kinder von ihren Kartoffeläckern geholt. Nach Jahren stupider Ackerarbeit verblieb eben oftmals nur ein geistig karger Acker, dann abr kam einer der größten Angriffe des Staates auf die Kindsausbeuter, auf die Eltern. Auch wenn es für die Disziplin des Krieges war, so glaubte doch ein Soldatenkönig noch, dass in den Schülern ein Saatgut verborgen lag, das Lehrer und nicht Eltern zum Keimen bringen konnten.

Nach den Jahren der intellektuellen Ackerpflege sind unsere Erziehungsanstalten eher zu einer drögen Gartenpflege verkommen, wo Kleingärtner sich freuen einmal im Jahr ein paar Kartoffelln und selbstgezogene Radieschen zu haben. Heute stellt sich die Frage, ob es wieder an der Zeit ist, den Staaten die Bildungsmonopole zu entziehen und die Erziehung auch wieder in eine kreative Elternschaft zurückzugeben. So vertreten es zumindest die Vertreter von Freies Lernen.

Brauchen wir Autorität

Nun, es könnte tatsächlich sein, dass wir die Autorität der Lehrer benötigen, die uns zum Lernen zwingen. Doch Schüler sitzen im Unterricht zumeist wie in einem Stau, wobei jeder einen Ferrari besitzt, aber keiner sein Automobil wirklich ausreizen darf. Zuviele Lernende, die sich auf zu kleinen Räumen drängeln, verstopfen den Lernprozess. Der Lehrer ist somit kein Trainer mehr, der an die Leistungsgrenzen bringt, sondern jemand, der kleine Feuerreifen aufspannt, durch die die Schüler unmotiviert hindurch springen müssen. Mehr noch die Sprunghöhe ist zumeist so gering, dass selbst ein Toaster höher hüpfen lernen würde. Selbstlernfähigkeiten verkümmern und die so erzogenen Erwachsene haben es dann oftmals schwer ohne Druck von außen, Dinge zu erlernen.

Den Gegenbeweis zur Autoritätsschule erbringt das Internet. Eine Internetgemeinde überrascht sich vor allem mit Kreativität und Tutorials, die immer mehr Experten beflügelt, Dinge zu verbessern und Amateure verleitet, Dinge zu erlernen. Das Robot-Dancing hat so überhaupt eine unglaubliche Entwicklung mit immer neuen Moves an den Tag gelegt. Ebenso gibt es Mathematiktutorials oder Beatboxschulen, die Fähigkeiten trainieren, die teilweise die Fähigkeiten des Mathematikunterrichts oder des Musikunterrichts überragen.

So sitze ich nun nach Internetprokrastination auch und erlerne nebenbei Klatschen wie Tausend Mann.  Beim Klatschenlernen lerne ich ein Stück wieder freies Lernen. Ich glaube jedoch noch nicht, dass diese Freiheit letztlich auch die Effektivität der Schulen ersetzt. Lesen, Schreiben, Rechnen habe ich von der Autorität erlernt. Ich bin mir unsicher.

Aber ich lern klatschen und der Unfug macht SpaĂź.

Da wir nun allerdings auch gleich bei der asiatischen Disziplin sind, kann auch endlich die Antwort auf die Frage, wie sich das Klatschen einer Hand anhört, gegeben werden.

Wir haben heute also Klatschen erlernt, werdet Fan und liked den Artikel, wenn ihr noch mehr ĂĽber das Lernen erfahren wollt.

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